Anschaffungsneigung

9. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Einen interessanten Artikel habe ich dieser Tage in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gelesen.

Die FAZ ist ja nun nicht gerade eine Zeitung, deren Leserschaft eine mathematischen Gleichverteilung in den verschiedenen Bevölkerungsschichten gegeben ist. Sofern man hier von Hierarchien sprechen kann, gehe ich sicher nicht fehl in der Annahme, dass sich die Leserschaft der FAZ von oben nach unten ausdünnt. Ganz im Gegensatz zu anderen Machwerken der bundesdeutschen Medienlandschaft, aber das meine ich jetzt nur bildlich gesprochen.

Ja und um so erstaunter bin ich jetzt als ich in der FAZ, die ja sonst nur “Fakten, Fakten, Fakten” kennt … -ach ne, das ist ja diese Wirtschaftsbildzeitung, mit Namen “Locus” oder so ähnlich-, also dass ich jetzt in der FAZ etwas über Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspsychologie, Arbeitnehmerängste und Konsumentenverhalten lesen kann.

Ein Arbeitsloser macht 150 Leuten Angst!
“Uuiiiiih”, denke ich mir, “jetzt hat sich in Berlin wieder so ein beamteter Staatssekretär, kurz bevor er sich den eigenen Arsch in der freien Wirtschaft vergoldet und in Sicherheit bringt, ein Beschäftigungsmodell für Langzeitfaulenzer ausgedacht. Gerade rechtzeitig zu Halloween bekommen diese Sozialschmarotzer die behördlich genehmigte Aufgabe als Halloween-Geister für 1 Euro pro Stunde durch die Gassen und Häuser unserer Republik ziehen zu müssen, um die noch braven Bürger und noch Besserverdienenden zu erschrecken und Bargeld und Naturalien zu erbeuten, die ihnen dann im Rahmen von ALGII als Eigenvermögen angerechnet werden können. Cleveres Geschäftsmodell, besser wie direkte Steuern zu erheben. Bei 4.300.0000 Arbeitslosen (4,3 Millionen) kann man damit, rein mathematisch 645.000.000 (645 Millionen) Bürgern Angst und Schrecken einjagen. Und unter der Annahme, dass es jedem Arbeitslosen gelingt im Rahmen seiner Tätigkeit, die ihn an den ersten Arbeitsmarkt heranführen soll, Vermögensgegenstände im Wert von 10 Euro zu kollektieren, werden damit summa summarum 43.000.000 (43 Millionen) Euro Volksvermögen umgeschichtet und als anrechenbares Eigenvermögen bei der Finanzierung der Verwaltungskosten bei Hartz IV herangezogen. Ein echt geiles Geschäftsmodell. So kann man den Teufel mit dem Belzebub austreiben.”

Ich habe den Artikel in der FAZ bis zum Ende gelesen und einiges Interessante erfahren, bis ich auf die folgenden Sätze gestoßen bin:
«Nach einer Studie fürchten 20 Prozent der Arbeitnehmer derzeit um ihre Stelle. Wenn man von einer Basis von 34 Millionen Beschäftigten in Deutschland ausgeht, wären das rund sieben Millionen. Das heißt letztlich: Die aktuellen Sparprogramme betreffen nicht nur rund 45.000 Menschen - die Arbeiter und ihre Familien -, sondern einige Millionen? Wenn Sie so wollen: Ein wegfallender Arbeitsplatz macht 150 Leuten Angst - die daraufhin ihren Konsum einschränken.»

“Ähhhhh, Moment mal”, denke ich verdutzt, “da ist jetzt aber was durcheinandergekommen”.
20% von 34.000.000 (34 Millionen) sind nach meinem Taschenrechner exakt 6.800.000 (6,8 Millionen). Runden wir diese Zahl kaufmännisch nach oben, sprechen wir gemeinsam noch von ‘rund sieben Millionen’.
Aber wo kommen jetzt die nur ‘45.000′ Menschen her, die von den aktuellen Sparprogrammen betroffen sind. An wen hat den dann die Bundesagentur für Arbeit so viele Antragsformulare für ALGII verschickt. Also wenn ich vom Statistischen Bundesamt richtig informiert werde, dann haben wir doch schon jetzt offiziell 4.300.000 (4,3 Millionen) Arbeitslose mit zunehmender Existenzangst und abnehmender Kaufkraft. Und zu denen kommen jetzt noch 20% der arbeitenden Bevölkerung, eben diese kaufmännisch gerundeten 7.000.000 (7,0 Millionen), die Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Bei mir, auf meinem Taschenrechner (solarbetriebenes Werbegeschenk einer Versicherungsgesellschaft) stehen nach Addition dieser Zahlen 11.300.000 (11,3 Millionen) im Display. Multipliziert mit dem im Artikel genannten Angstübertragungsfaktor von 150 mit unbekannter Inkubationszeit sind demnach 1.695.000.000 Menschen potenziell durch den ‘Existenzangstvirus’ gefährdet.

Das ist ja viel mehr als wir hier in Deutschland an Menschen haben!
Das reicht doch locker für ganz Europa! Inklusive Türkei und ganz Osteuropa.
Das ist ein Exportartikel!
Existenzangst aus Deutschland!
Extraherb aus den neuen Bundesländern!
Als Lightversion aus den alten Bundesländern nur noch lieferbar solange der Vorrat reicht! Miese Stimmung in Dosen. Original verpackt. Madig in Germany! Nur echt mit dem Bundesadler und der patentierten schwarz-rot-senf-farbigen, garantiert recyclingfähigen Mehrwegdose mit leicht, auch von Kinderhand, zu öffnenden Luschenverschluss.

Ole, ole, ole! - wir werden Exportweltmeister
Das steigert sicher den Ertragswinkel!
Und schafft sicher auch Arbeitsplätze!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 9. November 2004 um 05:45:04 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Anschaffungsneigung

9. November 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Einen interessanten Artikel habe ich dieser Tage in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gelesen.

Die FAZ ist ja nun nicht gerade eine Zeitung, deren Leserschaft eine mathematischen Gleichverteilung in den verschiedenen Bevölkerungsschichten gegeben ist. Sofern man hier von Hierarchien sprechen kann, gehe ich sicher nicht fehl in der Annahme, dass sich die Leserschaft der FAZ von oben nach unten ausdünnt. Ganz im Gegensatz zu anderen Machwerken der bundesdeutschen Medienlandschaft, aber das meine ich jetzt nur bildlich gesprochen.

Ja und um so erstaunter bin ich jetzt als ich in der FAZ, die ja sonst nur “Fakten, Fakten, Fakten” kennt … -ach ne, das ist ja diese Wirtschaftsbildzeitung, mit Namen “Locus” oder so ähnlich-, also dass ich jetzt in der FAZ etwas über Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspsychologie, Arbeitnehmerängste und Konsumentenverhalten lesen kann.

Ein Arbeitsloser macht 150 Leuten Angst!
“Uuiiiiih”, denke ich mir, “jetzt hat sich in Berlin wieder so ein beamteter Staatssekretär, kurz bevor er sich den eigenen Arsch in der freien Wirtschaft vergoldet und in Sicherheit bringt, ein Beschäftigungsmodell für Langzeitfaulenzer ausgedacht. Gerade rechtzeitig zu Halloween bekommen diese Sozialschmarotzer die behördlich genehmigte Aufgabe als Halloween-Geister für 1 Euro pro Stunde durch die Gassen und Häuser unserer Republik ziehen zu müssen, um die noch braven Bürger und noch Besserverdienenden zu erschrecken und Bargeld und Naturalien zu erbeuten, die ihnen dann im Rahmen von ALGII als Eigenvermögen angerechnet werden können. Cleveres Geschäftsmodell, besser wie direkte Steuern zu erheben. Bei 4.300.0000 Arbeitslosen (4,3 Millionen) kann man damit, rein mathematisch 645.000.000 (645 Millionen) Bürgern Angst und Schrecken einjagen. Und unter der Annahme, dass es jedem Arbeitslosen gelingt im Rahmen seiner Tätigkeit, die ihn an den ersten Arbeitsmarkt heranführen soll, Vermögensgegenstände im Wert von 10 Euro zu kollektieren, werden damit summa summarum 43.000.000 (43 Millionen) Euro Volksvermögen umgeschichtet und als anrechenbares Eigenvermögen bei der Finanzierung der Verwaltungskosten bei Hartz IV herangezogen. Ein echt geiles Geschäftsmodell. So kann man den Teufel mit dem Belzebub austreiben.”

Ich habe den Artikel in der FAZ bis zum Ende gelesen und einiges Interessante erfahren, bis ich auf die folgenden Sätze gestoßen bin:
«Nach einer Studie fürchten 20 Prozent der Arbeitnehmer derzeit um ihre Stelle. Wenn man von einer Basis von 34 Millionen Beschäftigten in Deutschland ausgeht, wären das rund sieben Millionen. Das heißt letztlich: Die aktuellen Sparprogramme betreffen nicht nur rund 45.000 Menschen - die Arbeiter und ihre Familien -, sondern einige Millionen? Wenn Sie so wollen: Ein wegfallender Arbeitsplatz macht 150 Leuten Angst - die daraufhin ihren Konsum einschränken.»

“Ähhhhh, Moment mal”, denke ich verdutzt, “da ist jetzt aber was durcheinandergekommen”.
20% von 34.000.000 (34 Millionen) sind nach meinem Taschenrechner exakt 6.800.000 (6,8 Millionen). Runden wir diese Zahl kaufmännisch nach oben, sprechen wir gemeinsam noch von ‘rund sieben Millionen’.
Aber wo kommen jetzt die nur ‘45.000′ Menschen her, die von den aktuellen Sparprogrammen betroffen sind. An wen hat den dann die Bundesagentur für Arbeit so viele Antragsformulare für ALGII verschickt. Also wenn ich vom Statistischen Bundesamt richtig informiert werde, dann haben wir doch schon jetzt offiziell 4.300.000 (4,3 Millionen) Arbeitslose mit zunehmender Existenzangst und abnehmender Kaufkraft. Und zu denen kommen jetzt noch 20% der arbeitenden Bevölkerung, eben diese kaufmännisch gerundeten 7.000.000 (7,0 Millionen), die Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Bei mir, auf meinem Taschenrechner (solarbetriebenes Werbegeschenk einer Versicherungsgesellschaft) stehen nach Addition dieser Zahlen 11.300.000 (11,3 Millionen) im Display. Multipliziert mit dem im Artikel genannten Angstübertragungsfaktor von 150 mit unbekannter Inkubationszeit sind demnach 1.695.000.000 Menschen potenziell durch den ‘Existenzangstvirus’ gefährdet.

Das ist ja viel mehr als wir hier in Deutschland an Menschen haben!
Das reicht doch locker für ganz Europa! Inklusive Türkei und ganz Osteuropa.
Das ist ein Exportartikel!
Existenzangst aus Deutschland!
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Als Lightversion aus den alten Bundesländern nur noch lieferbar solange der Vorrat reicht! Miese Stimmung in Dosen. Original verpackt. Madig in Germany! Nur echt mit dem Bundesadler und der patentierten schwarz-rot-senf-farbigen, garantiert recyclingfähigen Mehrwegdose mit leicht, auch von Kinderhand, zu öffnenden Luschenverschluss.

Ole, ole, ole! - wir werden Exportweltmeister
Das steigert sicher den Ertragswinkel!
Und schafft sicher auch Arbeitsplätze!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 9. November 2004 um 05:45:04 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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