Wolfgang der Weise

23. Oktober 2006 05:45

Unter dem Titel “Wolfgang der Weise” findet sich in der ZEIT wirklich Erstaunliches.
Nicht nur dass der Bundesinnenwolfgang über den Schellenkönig gelobt wird, wofür man je nach politischer Gesinnung durchaus noch Verständnis aufbringen könnte.
Aber im gleichen Artikel wird auch gelogen und sowas darf man nun wirklich nicht durchgehen lassen.
«Ausgerechnet dem konservativen Innenminister ist geglückt, was Rot-Grün in sieben Jahren nicht über sich bringen konnte – die beherzte öffentliche Anerkennung der zweitstärksten Religion hierzulande.» heißt es da und der Leser ist versucht zu hoffen, dass es sich um eine späte Rehabilitierung von Martin Luther handeln könnte, der durch seine an die Kirchentür zu Wittenberg genagelten Thesen einst die Reformation und die Abspaltung der Protestanten von den Katholiken einleitete.
Fünfundzwanzig Millionen Protestanten gibt es in der BRddr. Nur knapp weniger als Katholiken und etwas mehr als Konfessionslose. Zusammen bilden diese Gruppen etwa 93% der Bundesbevölkerung.

Wolfgang SchäubleDaher ist der Leser über die Maßen erstaunt, wenn er im nächsten Satz des ZEIT-Artikels erfährt, dass «der Islam jetzt für alle erkennbar kein Gastarbeiterglaube mehr ist, der mit seinen Trägern wieder verschwinden wird.», weiß doch der Leser aus den Daten des Statistischen Bundesamtes, dass gerade mal 3,2 Millionen Muslime in der BRddr leben, von denen nur etwa 730.000 die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Das entspricht ungefähr 0,9 Prozent der Bevölkerung.

Man muss sich langsam wirklich fragen, warum um diese Minderheit, deren Vertreter und Befürworter auch noch unter nachhaltigem Realitätsverlust zu leiden scheinen, mehr Gedöns gemacht wird als um die Millionen Gastarbeiter aus Italien, Griechenland, Spanien, Portugal, Jugoslawien, Polen, Tschechien und der Ukraine die in den letzten Jahrzehnten mit ihren Familien nach Deutschland zugewandert sind.

Nun braucht es unter der Federführung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eine ISLAM-Konferenz um hinterher in der Zeit lesen zu können, dass damit dem Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ein „gesellschaftspolitischer Coup“ gelungen sei und, so Schäuble, der «Islam sei nun ein Teil unseres Landes, ein Teil Europas».

Können Muslime nicht einfach nur, wie andere Religionen auch, in ihre Moschee gehen, ihre religiösen Ritualen nachgehen und danach wieder am öffentlichen Leben teilnehmen ohne ständig über die nicht akzeptierte Visualisierung ihrer Religion zu lamentieren?
Die Katholiken rennen an normalen Werktagen ja auch nicht permanent mit einem Kruzifix am Kittel durch die Gegend und selbst die Protestanten haben längst aufgehört ihre Thesen an die Türen anderer Leute zu nageln.

Eine bayerische Minderheit, die mit Gamsbart am Hut, in kurzen Lederhosen und Gamaschen durch Anatolien wandert, darf sich auch nicht wundern wenn sie mit ihrer Erscheinung bei der einheimischen Bevölkerung Belustigung und Befremden auslöst.
Kein Türke würde auf die Idee kommen, deswegen eine BAYERN-Konferenz zu veranstalten.
Und wenn die Bayern dann auch noch fordern würden, dass sie von den Bergen herunter jodeln dürfen, weil es in ihrem Glauben so vorgesehen ist, dann würde man sie wohl für bescheuert erklären und im Wiederholungsfall des Landes verweisen.
Denn von einem türkischen Berg jodelt sicher nur ein Türke in türkischer Sprache.

Und wenn ein deutscher Muslim, sich von einem deutschen Berg in deutscher Sprache an seine Religionsgemeinschaft wenden möchte …
… dann können wir eine ISLAM-Konferenz einberufen und demokratisch darüber entscheiden.

Und vorher braucht der Innenminister Wolfgang Schäuble einen solchen Schwachsinn gar nicht erst zu erzählen.
Denn spätestens bei der nächsten Bundestagswahl werden die Wähler entscheiden und auf einem bundesdeutschen Wahlzettel machen die meisten Wähler immer noch ein KREUZ und keinen Halbmond.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 23. Oktober 2006 um 05:45:35 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

Eine Antwort zu “Wolfgang der Weise”

  1. Minotaurus meint:

    Es ist kein Wunder, daß jetzt auch andere Glaubensgemeinschaften stärkeres Gehör verlangen, nachdem die “Heiligen Christlichen Kirchen jeglicher Konfession” seit Jahren so massive, staatliche Unterstützung erfahren. Schließlich sind wir nun mal ein Einwanderungsland, auch wenn viele dies noch nicht wahrhaben wollen.
    Der Islam IST deshalb ein Teil unseres Landes, ebenso wie alle anderen, religiösen Spinner auch. Allerdings hat er nicht den Stellenwert, den man derzeit zu vernehmen glaubt.
    Bevor also der Innenschäuble und Konsorten weiteren Blödsinn verzapfen, sollten sie sich lieber endlich mal für die faktische Trennung von Kirche und Staat einsetzen, die zwar irgendwann in unserem Grundgesetz verankert, aber bis zum heutigen Tag nicht umgesetzt wurde.
    Dann könnte von mir aus jeder Prot sein Zeug an fremde Türen nageln, jeder Zeuge seine Wachttürme verteilen, jeder Muhezzin von seinem Minarett herunterplärren und jeder Bayer sein Holladrijöh von seinem Hausberg erschallen lassen.
    Wer das verwirklicht, der würde von mir sogar noch über den Schellenbelli gelobt werden. (der Belli sticht den Kini, zumindest beim Watt´n!)

    Eine solche Umsetzung ist jedoch in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, denn wie Machopan ganz richtig schreibt, es werden immer noch Kreuze auf den Stimmzetteln gemacht.
    Und zwar bei JEDER Partei!

    Bayrisch-atheistische Grüße vom Minotaurus

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Wolfgang der Weise

23. Oktober 2006 05:45

Unter dem Titel “Wolfgang der Weise” findet sich in der ZEIT wirklich Erstaunliches.
Nicht nur dass der Bundesinnenwolfgang über den Schellenkönig gelobt wird, wofür man je nach politischer Gesinnung durchaus noch Verständnis aufbringen könnte.
Aber im gleichen Artikel wird auch gelogen und sowas darf man nun wirklich nicht durchgehen lassen.
«Ausgerechnet dem konservativen Innenminister ist geglückt, was Rot-Grün in sieben Jahren nicht über sich bringen konnte – die beherzte öffentliche Anerkennung der zweitstärksten Religion hierzulande.» heißt es da und der Leser ist versucht zu hoffen, dass es sich um eine späte Rehabilitierung von Martin Luther handeln könnte, der durch seine an die Kirchentür zu Wittenberg genagelten Thesen einst die Reformation und die Abspaltung der Protestanten von den Katholiken einleitete.
Fünfundzwanzig Millionen Protestanten gibt es in der BRddr. Nur knapp weniger als Katholiken und etwas mehr als Konfessionslose. Zusammen bilden diese Gruppen etwa 93% der Bundesbevölkerung.

Wolfgang SchäubleDaher ist der Leser über die Maßen erstaunt, wenn er im nächsten Satz des ZEIT-Artikels erfährt, dass «der Islam jetzt für alle erkennbar kein Gastarbeiterglaube mehr ist, der mit seinen Trägern wieder verschwinden wird.», weiß doch der Leser aus den Daten des Statistischen Bundesamtes, dass gerade mal 3,2 Millionen Muslime in der BRddr leben, von denen nur etwa 730.000 die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Das entspricht ungefähr 0,9 Prozent der Bevölkerung.

Man muss sich langsam wirklich fragen, warum um diese Minderheit, deren Vertreter und Befürworter auch noch unter nachhaltigem Realitätsverlust zu leiden scheinen, mehr Gedöns gemacht wird als um die Millionen Gastarbeiter aus Italien, Griechenland, Spanien, Portugal, Jugoslawien, Polen, Tschechien und der Ukraine die in den letzten Jahrzehnten mit ihren Familien nach Deutschland zugewandert sind.

Nun braucht es unter der Federführung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eine ISLAM-Konferenz um hinterher in der Zeit lesen zu können, dass damit dem Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ein „gesellschaftspolitischer Coup“ gelungen sei und, so Schäuble, der «Islam sei nun ein Teil unseres Landes, ein Teil Europas».

Können Muslime nicht einfach nur, wie andere Religionen auch, in ihre Moschee gehen, ihre religiösen Ritualen nachgehen und danach wieder am öffentlichen Leben teilnehmen ohne ständig über die nicht akzeptierte Visualisierung ihrer Religion zu lamentieren?
Die Katholiken rennen an normalen Werktagen ja auch nicht permanent mit einem Kruzifix am Kittel durch die Gegend und selbst die Protestanten haben längst aufgehört ihre Thesen an die Türen anderer Leute zu nageln.

Eine bayerische Minderheit, die mit Gamsbart am Hut, in kurzen Lederhosen und Gamaschen durch Anatolien wandert, darf sich auch nicht wundern wenn sie mit ihrer Erscheinung bei der einheimischen Bevölkerung Belustigung und Befremden auslöst.
Kein Türke würde auf die Idee kommen, deswegen eine BAYERN-Konferenz zu veranstalten.
Und wenn die Bayern dann auch noch fordern würden, dass sie von den Bergen herunter jodeln dürfen, weil es in ihrem Glauben so vorgesehen ist, dann würde man sie wohl für bescheuert erklären und im Wiederholungsfall des Landes verweisen.
Denn von einem türkischen Berg jodelt sicher nur ein Türke in türkischer Sprache.

Und wenn ein deutscher Muslim, sich von einem deutschen Berg in deutscher Sprache an seine Religionsgemeinschaft wenden möchte …
… dann können wir eine ISLAM-Konferenz einberufen und demokratisch darüber entscheiden.

Und vorher braucht der Innenminister Wolfgang Schäuble einen solchen Schwachsinn gar nicht erst zu erzählen.
Denn spätestens bei der nächsten Bundestagswahl werden die Wähler entscheiden und auf einem bundesdeutschen Wahlzettel machen die meisten Wähler immer noch ein KREUZ und keinen Halbmond.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 23. Oktober 2006 um 05:45:35 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

Eine Antwort zu “Wolfgang der Weise”

  1. Minotaurus meint:

    Es ist kein Wunder, daß jetzt auch andere Glaubensgemeinschaften stärkeres Gehör verlangen, nachdem die “Heiligen Christlichen Kirchen jeglicher Konfession” seit Jahren so massive, staatliche Unterstützung erfahren. Schließlich sind wir nun mal ein Einwanderungsland, auch wenn viele dies noch nicht wahrhaben wollen.
    Der Islam IST deshalb ein Teil unseres Landes, ebenso wie alle anderen, religiösen Spinner auch. Allerdings hat er nicht den Stellenwert, den man derzeit zu vernehmen glaubt.
    Bevor also der Innenschäuble und Konsorten weiteren Blödsinn verzapfen, sollten sie sich lieber endlich mal für die faktische Trennung von Kirche und Staat einsetzen, die zwar irgendwann in unserem Grundgesetz verankert, aber bis zum heutigen Tag nicht umgesetzt wurde.
    Dann könnte von mir aus jeder Prot sein Zeug an fremde Türen nageln, jeder Zeuge seine Wachttürme verteilen, jeder Muhezzin von seinem Minarett herunterplärren und jeder Bayer sein Holladrijöh von seinem Hausberg erschallen lassen.
    Wer das verwirklicht, der würde von mir sogar noch über den Schellenbelli gelobt werden. (der Belli sticht den Kini, zumindest beim Watt´n!)

    Eine solche Umsetzung ist jedoch in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, denn wie Machopan ganz richtig schreibt, es werden immer noch Kreuze auf den Stimmzetteln gemacht.
    Und zwar bei JEDER Partei!

    Bayrisch-atheistische Grüße vom Minotaurus

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