EADS Flugschau

24. Oktober 2006 05:45

Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen“ vermutete Reinhard Mey schon vor Jahren.
Und sicher wusste er damals nicht wie recht er hatte, kannte er doch das Management der Firmen Airbus und EADS auf Wolke Nummer Sieben gar nicht.

Ängste und Sorgen müssen sich nun wohl vor allem die Mitarbeiter unter den Wolken machen, denn „es wird einen Abbau von Arbeitsplätzen geben“, sagte der neue Chef Louis Gallois, während er die komplexe Managementstruktur des Konzerns nur als „ein wenig barock“ bezeichnete.
Man kann also davon ausgehen, dass von den Plänen zur Sanierung überwiegend das Bodenpersonal betroffen sein wird. Hatte man im Juni 2006 noch händeringend nach mehreren Hundert Ingenieuren gesucht, beendete bereits am 1. September 2006 ein Einstellungstopp das von der Politik viel bejubelte „Jobwunder“ in Hamburg-Finkenwerder.
Nur vorübergehend sollte dieser Stopp sein, bis sich die Crew im Cockpit einen Eindruck von der „Lage“ des Unternehmens verschafft hatte.

Das hört sich nun nicht gerade nach einer sehr erfahrenen Crew an, sondern eher nach „Quax dem Bruchpilot“, der erst mal einen längeren Blick aus dem Fenster benötigt um festzustellen ob sich der Flieger im Steigflug, im Sichtflug, im Blindflug, im Sinkflug oder im Sturzflug befindet.

Da lohnt es sich doch auch allemal für den interessierten Zuschauer dieser Flugschau einen Blick auf die bisherige Flugroute zu werfen um zu analysieren, wie denn dieser “Bus der Lüfte” nebst Mannschaft in diese prekäre Situation gekommen sind.

Sehr hilfreich ist hierbei, neben Google, auch Wikipedia.
Dort steht nachzulesen, dass die Anteile an Airbus Industries bis zum Jahr 2000 von
der französischen Aerospitale (37,9%), der Deutschen Aerospace (37,9%), der British Aerospace (20%) und der spanischen CASA (4,2%) gehalten wurden.
Dann schlossen sich die Anteilseigener, bis auf die British Aerospace, zur European Aeronautic, Defence & Space Company (EADS) zusammen.

Airbus Industries selbst wurde in die eigenständige Gesellschaft Airbus S.A.S mit Firmensitz in Toulouse-Blagnac umgewandelt. Diese Gesellschaft gehört zu 80% der EADS und zu 20% der British Aerospace (BAE)

So weit, so gut.
Doch wer immer aufmerksam das Handelsblatt las, konnte bereits Ende 2005 erahnen und im Frühjahr 2006 sicher sein, dass hier mäßig qualifiziertes Flugpersonal in Verbindung mit einem chaotischen Haufen Fluglotsen zu einem unkoordinierten Formationsflug ansetzte und sich auch über die Bedienung des Joy-Stick nicht einigen konnte.

Ende 2005 hatte Airbus angekündigt, bis zum Jahr 2008 insgesamt 7 Milliarden Euro in ein neues Produktionswerk in China zu investieren. Monatlich bis zu vier A320 sollten dort gebaut werden.
Im Frühjahr 2006 gerät EADS im Zusammenhang mit der Affäre Clearstream II in Frankreich in die Schlagzeilen und es kommt auch zu Hausdurchsuchungen bei Noël Forgeard, der nach heftigen Machtkämpfen im Jahr 2005 vom Präsidentenberater Chiracs bis in die EADS-Spitze aufgestiegen war.
Im März 2006 verkauft eben dieser Noel Forgeard EADS Aktionenoptionen im Wert von mehr als 1 Million Euro. Zwei Wochen später wird die Verschiebung des geplanten Auslieferungstermins für den A380 bekannt und der Kurs der Aktie fällt um ca. 30%.
Im April 2006 gibt BAE Systems bekannt, seinen 20%igen Airbus-Anteil an EADS verkaufen zu wollen, um sein Rüstungsgeschäft in den USA zu verstärken.
Im Mai 2006 gibt der EADS-Vizepräsident Jean-Louis Gergorin zu, Autor anonymer Briefe an Untersuchungsrichter zu sein, in denen Politiker fälschlicherweise(? LOL) verdächtigt wurden, über Geheimkonten bei Clearstream Schmiergelder kassiert zu haben. Gergorin wird von seinem Posten bei EADS suspendiert.
Im Juni 2006 berichtet das Handelsblatt über die Schlammschlacht bei Airbus und EADS aber zu diesem Zeitpunkt starrt die Mehrheit der Nation lieber Nationalfahnen schwingend gebannt auf die Bildschirme um die Ereignisse der FIFA-Schlacht nicht zu verpassen.
Am 2. Juli 2006 gibt EADS-Präsident Noel Forgeard seinen Rücktritt bekannt.
Gleichzeitig tritt Gustav Humbert von seiner Funktion als Chef von Airbus zurück.
Sein Nachfolger wird Christian Streiff.
Im Juli 2006 hat EADS-Co-Präsident Thomas Enders die Quelle allen Übels lokalisiert und steckt der BILD-Zeitung schon mal, dass das Produktionswerk in Hamburg-Fuhlsbüttel wohl ein Brennpunkt der A320-Probleme sei. Allerdings sei mit einem Abbau von Arbeitsplätzen nicht zu rechnen, denn „Wir haben ein anderes Problem, nämlich genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Schließlich müssen wir in den nächsten Jahren über 2000 Flugzeug-Bestellungen abarbeiten.
Im August 2006 erhält EADS in Kooperation mit Siemens von der Bundesrepublik Deutschland einen Großauftrag im Umfang von 3-4 Mrd. Euro zum Aufbau eines neuen, digitalen Polizeifunknetzes für die Bundesrepublik Deutschland.
Ebenfalls im August kauft EADS den 20-prozentigen Airbus-Anteil von BAE System für 2,75 Milliarden Euro. EADS ist damit Alleineigentümer von Airbus.
Fast zeitgleich kauft die staatliche russische Außenhandelsbank Wneschtorgbank 5,02% der Aktien der EADS. Das Aktienpaket hat etwa 781 Mio. Euro gekostet und die Russen geben offen zu, zum Einstieg den Kurssturz genutzt zu haben, der den Wert der EADS-Aktien in den vergangenen Monaten wegen des internen Streits und der Probleme beim Bau des Riesenflugzeugs in den Keller geschickt und einen Börsenwert von ca. 5 Milliarden Euro vernichtet hatte.
Im September 2006 berichtet das Handelsblatt, dass sich die Airbus-Pläne für China wohl zeitlich etwas verschieben werden, da angesichts des Managementwechsels bei EADS und Airbus sowie der großen Probleme mit dem A380 das Thema etwas in den Hintergrund gerückt sei.
Anfang Oktober 2006 wirft nach nur 100 Tagen Amtszeit Airbus-Chef Christian Streiff das Handtuch: “Die Beziehung zwischen EADS und Airbus sind der Hauptgrund für die Probleme. Airbus sollte sich selbst steuern und nicht von EADS geführt werden.
Das sehen die EADS-Großaktionäre aber anders und führen die Krise auf die zu große Selbstständigkeit von Airbus zurück, denn unter dem EADS-Präsident Forgeard wäre Airbus dem Mutterkonzern auf der Nase herum getanzt.

Und damit das nicht noch mal passiert, wurde Louis Gallois, einer der beiden Chefs von EADS nun in Personalunion auch Chef bei Airbus. Durch diese Doppelfunktion wird zwar die Firmenpolitik nicht besser, aber die EADS-Führung hat nun direkten Zugriff auf ihre Airbus-Tochter und auch weitere Informationsdefizite bei EADS muss man nun nicht mehr befürchten.

Fürchten müssen sich wohl nur die schuldigen Arbeitnehmer in Hamburg, deren Stellen gestrichen werden, bekommt doch der Ausdruck “fliegendes Personal” durch Airbus nun eine etwas andere Bedeutung. Aber irgendwo müssen die für die Sanierung des Konzerns notwendigen 5 Milliarden Euro ja auch eingespart werden.
Auch wenn das Ganze mehr nach missglücktem Managementkapriolen im Luftkampf um Macht und Moneten aussieht, als nach Produktionsproblemen in Hamburg.

Doch Hilfe in der Not naht, denn nach Informationen des Spiegel lässt die Bundesregierung über ihre „Finanzexperten“ eine Finanzbeteiligung der bundeseigenen KfW-Bankengruppe an der EADS prüfen. Der Erwerb eines EADS-Aktienpakets von Daimler-Chrysler soll mit dem Verkauf von Anteilen an der Deutschen Post und der Deutschen Telekom finanziert werden, schreibt dazu das Handelsblatt.
Es ist ja nun nicht gerade so, dass diese Republik im Geld schwimmt. Aber nachdem nun die EU das Defizitverfahren gegen Deutschland eingestellt hat und es keine Strafzahlungen geben wird, muss man das Geld ja irgendwo anders unter die Leute bringen auch wenn es dem allgemeinen Privatisierungstrend und Ausverkauf der Republik entgegenläuft.

EADS FlugschauHauptsache es hilft der „Weltfirma Daimler-Chrysler“ sich beim Rückzug aus ihrem ungeliebten Investment den Arsch zu versilbern und „Arbeitsplätze zu sichern“.
Die politischen Befürworter eines derartigen „Krisenmanagements“ scheuen noch nicht einmal davor zurück, den alten Franz-Josef Strauß aus seiner Gruft zu zerren.
Dabei wird gerne vergessen, dass die Vetternwirtschaft, die Waffenschiebereien, Bestechungsaffären und Schmiergeldzahlungen in die dieser Herr verwickelt war bis in die Jetzt-Zeit nachwirken. Oder sind die Fibag-Affäre, die SPIEGEL-Affäre und die Starfigher-Affäre nur noch Schnee von gestern und die Namen Schreiber und Pfahls nicht mehr in Erinnerung?
Bei Wikipedia steht über Franz-Josef StraußNach dem Zusammenbruch der DDR erwarb das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz bereits im Frühjahr 1990 umfangreiche Dossiers des DDR-Geheimdienstes und vernichtete diese mit der Begründung „das Andenken des ehemaligen Landesvaters schützen“ zu wollen.».

Das Landesamt für Verfassungsschutz wird schon wissen, warum diese Unterlagen nicht an die Öffentlichkeit geraten durften.

Um die Ursachen der EADS-Affäre zu verstehen, wäre die Lektüre dieser Dossiers über das nachhaltig wirkende und über die Jahre perfektionierte „Franz-Josef Strauß-System“ sicher nicht nur für das „fliegende Personal“ von Airbus von Vorteil.
Denn das meist von den Arbeitsmarktexperten empfohlene „Vogel-Strauß-System“ wird ihnen beim Einchecken im HARTZ IV-Flieger der deutschen Bundesagentur (BA) nicht besonders dienlich sein.
Noch aber fehlt ihnen die zündende Erkenntnis, dass das doch „Eh Alles Dieselbe Scheiße“ ist, der HARTZ IV-Flieger keine Notausgänge hat und auch das Boarding ganz easy ist.


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Eine Antwort zu “EADS Flugschau”

  1. pathologe meint:

    Beim Hartz-IV-Flieger gilt der Spruch “runter kommen sie immer” ganz besonders. Und Prämienmeilen sammelt da nur der P. Hartz Vielflieger, nicht? Ich habe mir erlaubt, einen Beitrag über das Prekariat zu schreiben. Diese Airbusgeschichte passt da wie die Faust aufs Auge. Zum Thema Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nämlich.

    (Ich schäme mich, hier so einfach Werbung zu machen, aber hier ist der Link: http://pathologe.blogg.de/eintrag.php?id=180 )

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EADS Flugschau

24. Oktober 2006 05:45

Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen“ vermutete Reinhard Mey schon vor Jahren.
Und sicher wusste er damals nicht wie recht er hatte, kannte er doch das Management der Firmen Airbus und EADS auf Wolke Nummer Sieben gar nicht.

Ängste und Sorgen müssen sich nun wohl vor allem die Mitarbeiter unter den Wolken machen, denn „es wird einen Abbau von Arbeitsplätzen geben“, sagte der neue Chef Louis Gallois, während er die komplexe Managementstruktur des Konzerns nur als „ein wenig barock“ bezeichnete.
Man kann also davon ausgehen, dass von den Plänen zur Sanierung überwiegend das Bodenpersonal betroffen sein wird. Hatte man im Juni 2006 noch händeringend nach mehreren Hundert Ingenieuren gesucht, beendete bereits am 1. September 2006 ein Einstellungstopp das von der Politik viel bejubelte „Jobwunder“ in Hamburg-Finkenwerder.
Nur vorübergehend sollte dieser Stopp sein, bis sich die Crew im Cockpit einen Eindruck von der „Lage“ des Unternehmens verschafft hatte.

Das hört sich nun nicht gerade nach einer sehr erfahrenen Crew an, sondern eher nach „Quax dem Bruchpilot“, der erst mal einen längeren Blick aus dem Fenster benötigt um festzustellen ob sich der Flieger im Steigflug, im Sichtflug, im Blindflug, im Sinkflug oder im Sturzflug befindet.

Da lohnt es sich doch auch allemal für den interessierten Zuschauer dieser Flugschau einen Blick auf die bisherige Flugroute zu werfen um zu analysieren, wie denn dieser “Bus der Lüfte” nebst Mannschaft in diese prekäre Situation gekommen sind.

Sehr hilfreich ist hierbei, neben Google, auch Wikipedia.
Dort steht nachzulesen, dass die Anteile an Airbus Industries bis zum Jahr 2000 von
der französischen Aerospitale (37,9%), der Deutschen Aerospace (37,9%), der British Aerospace (20%) und der spanischen CASA (4,2%) gehalten wurden.
Dann schlossen sich die Anteilseigener, bis auf die British Aerospace, zur European Aeronautic, Defence & Space Company (EADS) zusammen.

Airbus Industries selbst wurde in die eigenständige Gesellschaft Airbus S.A.S mit Firmensitz in Toulouse-Blagnac umgewandelt. Diese Gesellschaft gehört zu 80% der EADS und zu 20% der British Aerospace (BAE)

So weit, so gut.
Doch wer immer aufmerksam das Handelsblatt las, konnte bereits Ende 2005 erahnen und im Frühjahr 2006 sicher sein, dass hier mäßig qualifiziertes Flugpersonal in Verbindung mit einem chaotischen Haufen Fluglotsen zu einem unkoordinierten Formationsflug ansetzte und sich auch über die Bedienung des Joy-Stick nicht einigen konnte.

Ende 2005 hatte Airbus angekündigt, bis zum Jahr 2008 insgesamt 7 Milliarden Euro in ein neues Produktionswerk in China zu investieren. Monatlich bis zu vier A320 sollten dort gebaut werden.
Im Frühjahr 2006 gerät EADS im Zusammenhang mit der Affäre Clearstream II in Frankreich in die Schlagzeilen und es kommt auch zu Hausdurchsuchungen bei Noël Forgeard, der nach heftigen Machtkämpfen im Jahr 2005 vom Präsidentenberater Chiracs bis in die EADS-Spitze aufgestiegen war.
Im März 2006 verkauft eben dieser Noel Forgeard EADS Aktionenoptionen im Wert von mehr als 1 Million Euro. Zwei Wochen später wird die Verschiebung des geplanten Auslieferungstermins für den A380 bekannt und der Kurs der Aktie fällt um ca. 30%.
Im April 2006 gibt BAE Systems bekannt, seinen 20%igen Airbus-Anteil an EADS verkaufen zu wollen, um sein Rüstungsgeschäft in den USA zu verstärken.
Im Mai 2006 gibt der EADS-Vizepräsident Jean-Louis Gergorin zu, Autor anonymer Briefe an Untersuchungsrichter zu sein, in denen Politiker fälschlicherweise(? LOL) verdächtigt wurden, über Geheimkonten bei Clearstream Schmiergelder kassiert zu haben. Gergorin wird von seinem Posten bei EADS suspendiert.
Im Juni 2006 berichtet das Handelsblatt über die Schlammschlacht bei Airbus und EADS aber zu diesem Zeitpunkt starrt die Mehrheit der Nation lieber Nationalfahnen schwingend gebannt auf die Bildschirme um die Ereignisse der FIFA-Schlacht nicht zu verpassen.
Am 2. Juli 2006 gibt EADS-Präsident Noel Forgeard seinen Rücktritt bekannt.
Gleichzeitig tritt Gustav Humbert von seiner Funktion als Chef von Airbus zurück.
Sein Nachfolger wird Christian Streiff.
Im Juli 2006 hat EADS-Co-Präsident Thomas Enders die Quelle allen Übels lokalisiert und steckt der BILD-Zeitung schon mal, dass das Produktionswerk in Hamburg-Fuhlsbüttel wohl ein Brennpunkt der A320-Probleme sei. Allerdings sei mit einem Abbau von Arbeitsplätzen nicht zu rechnen, denn „Wir haben ein anderes Problem, nämlich genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Schließlich müssen wir in den nächsten Jahren über 2000 Flugzeug-Bestellungen abarbeiten.
Im August 2006 erhält EADS in Kooperation mit Siemens von der Bundesrepublik Deutschland einen Großauftrag im Umfang von 3-4 Mrd. Euro zum Aufbau eines neuen, digitalen Polizeifunknetzes für die Bundesrepublik Deutschland.
Ebenfalls im August kauft EADS den 20-prozentigen Airbus-Anteil von BAE System für 2,75 Milliarden Euro. EADS ist damit Alleineigentümer von Airbus.
Fast zeitgleich kauft die staatliche russische Außenhandelsbank Wneschtorgbank 5,02% der Aktien der EADS. Das Aktienpaket hat etwa 781 Mio. Euro gekostet und die Russen geben offen zu, zum Einstieg den Kurssturz genutzt zu haben, der den Wert der EADS-Aktien in den vergangenen Monaten wegen des internen Streits und der Probleme beim Bau des Riesenflugzeugs in den Keller geschickt und einen Börsenwert von ca. 5 Milliarden Euro vernichtet hatte.
Im September 2006 berichtet das Handelsblatt, dass sich die Airbus-Pläne für China wohl zeitlich etwas verschieben werden, da angesichts des Managementwechsels bei EADS und Airbus sowie der großen Probleme mit dem A380 das Thema etwas in den Hintergrund gerückt sei.
Anfang Oktober 2006 wirft nach nur 100 Tagen Amtszeit Airbus-Chef Christian Streiff das Handtuch: “Die Beziehung zwischen EADS und Airbus sind der Hauptgrund für die Probleme. Airbus sollte sich selbst steuern und nicht von EADS geführt werden.
Das sehen die EADS-Großaktionäre aber anders und führen die Krise auf die zu große Selbstständigkeit von Airbus zurück, denn unter dem EADS-Präsident Forgeard wäre Airbus dem Mutterkonzern auf der Nase herum getanzt.

Und damit das nicht noch mal passiert, wurde Louis Gallois, einer der beiden Chefs von EADS nun in Personalunion auch Chef bei Airbus. Durch diese Doppelfunktion wird zwar die Firmenpolitik nicht besser, aber die EADS-Führung hat nun direkten Zugriff auf ihre Airbus-Tochter und auch weitere Informationsdefizite bei EADS muss man nun nicht mehr befürchten.

Fürchten müssen sich wohl nur die schuldigen Arbeitnehmer in Hamburg, deren Stellen gestrichen werden, bekommt doch der Ausdruck “fliegendes Personal” durch Airbus nun eine etwas andere Bedeutung. Aber irgendwo müssen die für die Sanierung des Konzerns notwendigen 5 Milliarden Euro ja auch eingespart werden.
Auch wenn das Ganze mehr nach missglücktem Managementkapriolen im Luftkampf um Macht und Moneten aussieht, als nach Produktionsproblemen in Hamburg.

Doch Hilfe in der Not naht, denn nach Informationen des Spiegel lässt die Bundesregierung über ihre „Finanzexperten“ eine Finanzbeteiligung der bundeseigenen KfW-Bankengruppe an der EADS prüfen. Der Erwerb eines EADS-Aktienpakets von Daimler-Chrysler soll mit dem Verkauf von Anteilen an der Deutschen Post und der Deutschen Telekom finanziert werden, schreibt dazu das Handelsblatt.
Es ist ja nun nicht gerade so, dass diese Republik im Geld schwimmt. Aber nachdem nun die EU das Defizitverfahren gegen Deutschland eingestellt hat und es keine Strafzahlungen geben wird, muss man das Geld ja irgendwo anders unter die Leute bringen auch wenn es dem allgemeinen Privatisierungstrend und Ausverkauf der Republik entgegenläuft.

EADS FlugschauHauptsache es hilft der „Weltfirma Daimler-Chrysler“ sich beim Rückzug aus ihrem ungeliebten Investment den Arsch zu versilbern und „Arbeitsplätze zu sichern“.
Die politischen Befürworter eines derartigen „Krisenmanagements“ scheuen noch nicht einmal davor zurück, den alten Franz-Josef Strauß aus seiner Gruft zu zerren.
Dabei wird gerne vergessen, dass die Vetternwirtschaft, die Waffenschiebereien, Bestechungsaffären und Schmiergeldzahlungen in die dieser Herr verwickelt war bis in die Jetzt-Zeit nachwirken. Oder sind die Fibag-Affäre, die SPIEGEL-Affäre und die Starfigher-Affäre nur noch Schnee von gestern und die Namen Schreiber und Pfahls nicht mehr in Erinnerung?
Bei Wikipedia steht über Franz-Josef StraußNach dem Zusammenbruch der DDR erwarb das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz bereits im Frühjahr 1990 umfangreiche Dossiers des DDR-Geheimdienstes und vernichtete diese mit der Begründung „das Andenken des ehemaligen Landesvaters schützen“ zu wollen.».

Das Landesamt für Verfassungsschutz wird schon wissen, warum diese Unterlagen nicht an die Öffentlichkeit geraten durften.

Um die Ursachen der EADS-Affäre zu verstehen, wäre die Lektüre dieser Dossiers über das nachhaltig wirkende und über die Jahre perfektionierte „Franz-Josef Strauß-System“ sicher nicht nur für das „fliegende Personal“ von Airbus von Vorteil.
Denn das meist von den Arbeitsmarktexperten empfohlene „Vogel-Strauß-System“ wird ihnen beim Einchecken im HARTZ IV-Flieger der deutschen Bundesagentur (BA) nicht besonders dienlich sein.
Noch aber fehlt ihnen die zündende Erkenntnis, dass das doch „Eh Alles Dieselbe Scheiße“ ist, der HARTZ IV-Flieger keine Notausgänge hat und auch das Boarding ganz easy ist.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 24. Oktober 2006 um 05:45:00 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “EADS Flugschau”

  1. pathologe meint:

    Beim Hartz-IV-Flieger gilt der Spruch “runter kommen sie immer” ganz besonders. Und Prämienmeilen sammelt da nur der P. Hartz Vielflieger, nicht? Ich habe mir erlaubt, einen Beitrag über das Prekariat zu schreiben. Diese Airbusgeschichte passt da wie die Faust aufs Auge. Zum Thema Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nämlich.

    (Ich schäme mich, hier so einfach Werbung zu machen, aber hier ist der Link: http://pathologe.blogg.de/eintrag.php?id=180 )

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