Sorge Recht

29. Oktober 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Vater werden ist nicht schwer – Vater sein dagegen sehr.

Zumindest bei meinem Vater stimmte dieser Spruch. Ich war zwar nicht dabei, als er sich zum Vater machte, aber später war ich jahrelang das Objekt seines Vaterseins, bis ich mich im zarten Mannesalter von 18 Jahren seinen väterlichen Erziehungsversuchen entzog und es vorzog einen eigenen Hausstand zu gründen und mich nach dorthin verzog.

Die räumliche Distanz hat unserem Verhältnis nicht geschadet.
Mit zunehmenden Alter ist es sogar sehr gut geworden, besonders ab dem Zeitpunkt als ich mich selbst zum Vater machte. Das ging übrigens ganz leicht und ich kann mich auch nicht mehr genau daran erinnern, wann es geschah.

Also irgendwann war ich Vater und bekam es gleich nach der Geburt mit dem deutschen Gesetz zu tun, denn es ist für deutsche Behörden von immenser Wichtigkeit amtlicherseits festzustellen, wer die Erzeuger dieser eben geborenen und zukünftig zu verwaltenden Person (Kind) sind.
Der Mutter (weiblicher Elternteil) kann man leicht habhaft werden, weil sie so kurz nach der Geburt (Verwaltungsvorgang zur Anlage einer Akte) noch nicht in vollem Umfang fluchtfähig ist.
Ganz anders beim Vater (männlicher Elternteil). Das muss nicht das Weichei sein, das während des Gebärvorganges im Kreissaal ohnmächtig umfiel! Es soll schon Fälle gegeben haben, bei denen es sich dabei nur um einen “guten Freund” gehandelt haben soll.

Nein, ganz so einfach wie bei der Mutter ist das beim Vater nicht, deshalb muss die Vaterschaft amtlicherseits festgestellt werden.
Das deutsche Recht kennt den Begriff des “Leiblichen Vaters” und für die Vaterschaft kommen drei Möglichkeiten (in absteigender Reihenfolge) in Betracht:

  1. Vater eines Kindes ist der Mann, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet ist. Diese Regelung findet unter Umständen keine Anwendung, wenn das Kind zwar während der Ehe, aber nach einem Scheidungsantrag geboren wurde.
    Wird ein Kind innerhalb von 300 Tagen nach dem Tod des Ehemanns geboren, so gilt der verstorbene Ehemann grundsätzlich als Vater.
  2. Vater ist der Mann, der die Vaterschaft anerkannt hat. Die Anerkennung bleibt schwebend unwirksam, solange ein anderer Mann - etwa wegen bestehender Ehe zum Zeitpunkt der Geburt - als Vater des Kindes gilt. Erst mit erfolgreicher Anfechtung der Scheinvaterschaft wird die Anerkennung des Vaters wirksam.
  3. Vater ist der Mann, dessen Vaterschaft gerichtlich festgestellt ist.

Wenn also nach dem Zeugungsakt und dem Geburtsakt auch dieser Amtsakt, am besten durch gerichtliche Feststellung, erledigt ist, bleibt es für Mutter und Kind meist nur wichtig, dass der Vater schafft. Daher auch der Name “Vaterschaft”.
Vaterschaft ist ein Synonym für “Unterhalt” und darunter versteht man Leistungen zur Sicherstellung des Lebensbedarfs einer Person. Die Verpflichtung Unterhalt zu leisten, ergibt sich meist Kraft Gesetzes aus der amtlich festgestellten Vaterschaft, mit der, nebenbei bemerkt auch noch ein Sorgerecht verbunden sein soll, was aber von bundesdeutschen Gerichten meist vehement bestritten und als Recht auf Sorge ausgelegt wird.

Nun wäre diese Erkenntnis der Feind jeder zeugungsfähigen Erektion und daher werden Männer im entsprechenden Alter von der Natur mit einem genetischen Defekt versehen, der sie diesen äußerst komplizierten Sachverhalt ignorieren lässt.

Dazu meinte der Bundestagsabgeordnete Wowereit vor laufenden Kameras: “… und das ist gut so!”
Vermutlich hat er die Meldung gesehen, die am 19. Oktober 2004 um 10:07 Uhr über den Ticker der Stuttgarter Zeitung lief:

Urteile aus Straßburg für deutsche Gerichte nicht zwingend
Karlsruhe (dpa) - Deutsche Gerichte müssen sich nicht zwingend an Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte halten. Das entschied das Bundesverfassungsgericht. Stattdessen muss die deutsche Justiz die Rechtsprechung Straßburgs nur gebührend berücksichtigen und schonend in die nationale Rechtsordnung einpassen. Damit hob Karlsruhe eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Naumburg auf. In dem Fall geht es um einen Sorgerechtsstreit. Straßburg hatte das OLG gemahnt, die Rechte des leiblichen Vaters stärker zu berücksichtigen.

Daher mein Tipp an alle Männer im zeugungsfähigen Alter: Entweder ihr macht gar nix mehr, oder ihr macht es selber oder nur noch safer oder macht es wie der Herr Wowereit, der Herr Westerwelle und der Ole von Beust oder kümmert euch mal um Vasektomie statt um Vaseline.

Ein ganz interessanter Artikel zu diesem Thema ist auch bei www.vaeter.de erschienen.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 29. Oktober 2004 um 05:45:20 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

Eine Antwort zu “Sorge Recht”

  1. Alexander meint:

    Sehr, sehr schön geschrieben! Danke!

    Hab den Artikel gleich mal benutzt, um meiner laienhaften Leserschaft das Spannungsfeld “Väter ohne Trauschein” interessant vorzubereiten.

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Sorge Recht

29. Oktober 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Vater werden ist nicht schwer – Vater sein dagegen sehr.

Zumindest bei meinem Vater stimmte dieser Spruch. Ich war zwar nicht dabei, als er sich zum Vater machte, aber später war ich jahrelang das Objekt seines Vaterseins, bis ich mich im zarten Mannesalter von 18 Jahren seinen väterlichen Erziehungsversuchen entzog und es vorzog einen eigenen Hausstand zu gründen und mich nach dorthin verzog.

Die räumliche Distanz hat unserem Verhältnis nicht geschadet.
Mit zunehmenden Alter ist es sogar sehr gut geworden, besonders ab dem Zeitpunkt als ich mich selbst zum Vater machte. Das ging übrigens ganz leicht und ich kann mich auch nicht mehr genau daran erinnern, wann es geschah.

Also irgendwann war ich Vater und bekam es gleich nach der Geburt mit dem deutschen Gesetz zu tun, denn es ist für deutsche Behörden von immenser Wichtigkeit amtlicherseits festzustellen, wer die Erzeuger dieser eben geborenen und zukünftig zu verwaltenden Person (Kind) sind.
Der Mutter (weiblicher Elternteil) kann man leicht habhaft werden, weil sie so kurz nach der Geburt (Verwaltungsvorgang zur Anlage einer Akte) noch nicht in vollem Umfang fluchtfähig ist.
Ganz anders beim Vater (männlicher Elternteil). Das muss nicht das Weichei sein, das während des Gebärvorganges im Kreissaal ohnmächtig umfiel! Es soll schon Fälle gegeben haben, bei denen es sich dabei nur um einen “guten Freund” gehandelt haben soll.

Nein, ganz so einfach wie bei der Mutter ist das beim Vater nicht, deshalb muss die Vaterschaft amtlicherseits festgestellt werden.
Das deutsche Recht kennt den Begriff des “Leiblichen Vaters” und für die Vaterschaft kommen drei Möglichkeiten (in absteigender Reihenfolge) in Betracht:

  1. Vater eines Kindes ist der Mann, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet ist. Diese Regelung findet unter Umständen keine Anwendung, wenn das Kind zwar während der Ehe, aber nach einem Scheidungsantrag geboren wurde.
    Wird ein Kind innerhalb von 300 Tagen nach dem Tod des Ehemanns geboren, so gilt der verstorbene Ehemann grundsätzlich als Vater.
  2. Vater ist der Mann, der die Vaterschaft anerkannt hat. Die Anerkennung bleibt schwebend unwirksam, solange ein anderer Mann - etwa wegen bestehender Ehe zum Zeitpunkt der Geburt - als Vater des Kindes gilt. Erst mit erfolgreicher Anfechtung der Scheinvaterschaft wird die Anerkennung des Vaters wirksam.
  3. Vater ist der Mann, dessen Vaterschaft gerichtlich festgestellt ist.

Wenn also nach dem Zeugungsakt und dem Geburtsakt auch dieser Amtsakt, am besten durch gerichtliche Feststellung, erledigt ist, bleibt es für Mutter und Kind meist nur wichtig, dass der Vater schafft. Daher auch der Name “Vaterschaft”.
Vaterschaft ist ein Synonym für “Unterhalt” und darunter versteht man Leistungen zur Sicherstellung des Lebensbedarfs einer Person. Die Verpflichtung Unterhalt zu leisten, ergibt sich meist Kraft Gesetzes aus der amtlich festgestellten Vaterschaft, mit der, nebenbei bemerkt auch noch ein Sorgerecht verbunden sein soll, was aber von bundesdeutschen Gerichten meist vehement bestritten und als Recht auf Sorge ausgelegt wird.

Nun wäre diese Erkenntnis der Feind jeder zeugungsfähigen Erektion und daher werden Männer im entsprechenden Alter von der Natur mit einem genetischen Defekt versehen, der sie diesen äußerst komplizierten Sachverhalt ignorieren lässt.

Dazu meinte der Bundestagsabgeordnete Wowereit vor laufenden Kameras: “… und das ist gut so!”
Vermutlich hat er die Meldung gesehen, die am 19. Oktober 2004 um 10:07 Uhr über den Ticker der Stuttgarter Zeitung lief:

Urteile aus Straßburg für deutsche Gerichte nicht zwingend
Karlsruhe (dpa) - Deutsche Gerichte müssen sich nicht zwingend an Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte halten. Das entschied das Bundesverfassungsgericht. Stattdessen muss die deutsche Justiz die Rechtsprechung Straßburgs nur gebührend berücksichtigen und schonend in die nationale Rechtsordnung einpassen. Damit hob Karlsruhe eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Naumburg auf. In dem Fall geht es um einen Sorgerechtsstreit. Straßburg hatte das OLG gemahnt, die Rechte des leiblichen Vaters stärker zu berücksichtigen.

Daher mein Tipp an alle Männer im zeugungsfähigen Alter: Entweder ihr macht gar nix mehr, oder ihr macht es selber oder nur noch safer oder macht es wie der Herr Wowereit, der Herr Westerwelle und der Ole von Beust oder kümmert euch mal um Vasektomie statt um Vaseline.

Ein ganz interessanter Artikel zu diesem Thema ist auch bei www.vaeter.de erschienen.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 29. Oktober 2004 um 05:45:20 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

Eine Antwort zu “Sorge Recht”

  1. Alexander meint:

    Sehr, sehr schön geschrieben! Danke!

    Hab den Artikel gleich mal benutzt, um meiner laienhaften Leserschaft das Spannungsfeld “Väter ohne Trauschein” interessant vorzubereiten.

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