Märzenbier

21. Oktober 2004 05:45

Mein lieber Freund!

“Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt” habe ich in der Schule singen müssen.
Dass es sich dabei um ein von der deutschen Landbevölkerung häufig gesungenes Volkslied handelte, änderte nicht viel an meiner (damaligen) Einstellung zu diesem Lied , die man mit Verlaub und heutigen Worten gesagt, als “eeeh baooaaah eeeeh Mann, da kannste echt abkacken, Alter”, beschreiben kann.

Mit zunehmenden Alter fand jedoch ein Getränk meine Aufmerksamkeit, das sehr viel mit diesem Liedgut zu tun hatte, denn es nennt sich auch heute noch Märzen und sieht auch heute noch aus wie frischgebrunzte Pferdepisse. Die Amerikaner nennen es “Lagerbeer”, denn es handelt sich um ein untergäriges Bier, das nur während der kühlen Monate gebraut werden konnte, da zu seiner Herstellung Temperaturen von unter 10 Grad Celsius benötigt wurden und das ging eben vor Erfindung der Kühlhäuser meist nur bis März.

Heute wissen ja nicht mehr viele Menschen, dass nach der bayerischen Brauordnung von 1539 “Märzenbier” nur zwischen dem 29. September und dem 23. April gebraut werden durfte. Und weil die Haltbarkeit des Bieres maximal nur 6 Monate betrug musste das Oktoberfest schon im September stattfinden :-)
Man könnte also durchaus behaupten, dass das Oktoberfest eigentlich so eine Art Sommerschlussverkauf des Bieres war, bei dem die verfallgefährdeten Restbestände weggesoffen werden mussten, weil man die Fässer für die nächste Brausaison benötigte.
Trotz der Erfindung der maschinellen Kühlung hat sich dieser Brauch bis heute gehalten.

Mit diesem Bier hängt übrigen auch die Erfindung der Biergärten zusammen, denn um die unterirdischen Lagerräume im Sommer zu kühlen, pflanzte man darüber großblättrige und Schatten spendende Kastanienbäume an. Und darunter lässt sich noch heute trefflich hocken und über den lieben Gott, das Bier, die Politik, die Weiber und den Erfindungsreichtum der Bierbrauer philosophieren, die uns das Märzen hinterlassen haben.

Und genau jetzt, rechtzeitig zu Beginn der Brauzeit und nach dem Ende des Oktoberfestes ist das Merzen wieder in aller Munde und in allen Blättern.
Da sitzt der zugereiste Schwabe in den letzten wärmenden Strahlen der diesjährigen Sonne, vor einer bayrischen Gartenwirtschaft, hat ein frischeingeschenktes (zweites) Maß Bier vor sich auf dem Tisch stehen und die Schwäbische Zeitung auf Armeslänge vor der Nase und liest zu seinem Entsetzen von amerikanischen Bierimperialismus auf deutschem Boden und vom Rückzug des CDU-Spitzenpolitikers Friedrich Merz aus allen Partei- und Fraktionsämtern.
Einen Brief habe er der CDU-Vorsitzenden Angela “Missgriff” Merkel geschrieben, dass er diesen Entschluss nach reiflicher Überlegung getroffen habe.

Ja das hat er wirklich, der Friederich!
Die zwei Jahre, nachdem ihn die Angie “Missgriff” Merkel 2002 aus dem Rennen um den Fraktionsvorsitz der CDU gekegelt hat, hat er dazu gebraucht um zu erkennen, dass ein gemischtes Doppel mit Damenbehinderung auf die Dauer keinen Spaß macht.
Und als dann auch noch sein Vorschlag vom Oktober 2003 (man beachte das Datum) über ein neues Steuerkonzept, das mit drei Stufen auf einem Bierdeckel erklärbar sein sollte, sowohl bei der Partei als auch beim bierbrauenden Gewerbe auf wenig Gegenliebe gestoßen ist, hat er jetzt im Oktober 2004 (man achte auch das Datum) seinen Ausstand gegeben.
«Die weiteren Pläne von Merz sind undeutlich. Es hieß, er wolle wieder als Rechtsanwalt arbeiten oder in die Wirtschaft gehen. Sein Lebensmotto gab er erst vor wenigen Tagen bei der Vorstellung seines jüngsten Buches preis: «Nur wer sich ändert, wird bestehen,schreibt die Schwäbische Zeitung und dem quer- und selbstdenkenden Schwaben wird bei einem tiefen Schluck aus dem Maßkrug klar, dass hier wohl nach den Regelwerken der bayerischen Brauordnung von 1539 ein hessisch-bayrisches “Merzenbier” gebraut werden wird und die Claims für die nächste Bundestagswahl im Jahre 2006 abgesteckt werden.

Von wegen Rückzug!
Wohl eher wird mit “Läufer auf D4″ mal der eigenen Arsch in Sicherheit gebracht und die schwarze Dame zum Angriff freigegeben.
Nach dem Aus von Merz, kann nun das Unkraut auf dem Acker mit Stumpf und Stil ausgemerzt und der Acker durch Umpflügen und Ausbringung des Saatguts für die nächste Ernte vorbereitet werden.
“Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt …..”
Und nur wer sich ändert wird bestehen.

Ich gehe jede Wette ein, dass der Herr Merz spätestens bei der nächsten Bundestagswahl im September 2006 (man beachte das Datum), wenn es um die Besetzung der Ministerposten geht, sein geballtes Wissen aus Wirtschaft und Steuerwesen mit ähnlicher Dynamik in die Waagschale werfen wird, wie er es an der Seite von Angie “Missgriff” Merkel getan hat.

Schon 1453 wurde in der bayrischen Brauordnung festgeschrieben, dass bei Vermeidung von Strafe an Leib und Gut “die Brauer sollten prewen nur allein von gersten, hopfen und wasser und sonst nichts darein oder darunter thun noch sieden“.
Ergänzend heißt es im bayrischen Reinheitsgebot aus dem Jahre 1516 (übersetzt ins Neudeutsche):“Ganz besonders wollen wir, daß forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Wer diese unsere Androhung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Faß Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden.

Und nicht vergessen – Oktoberfest ist im September und gekocht und gebraut wird bis März!!!
Das gilt auch für bayrisch-hessische Merzenbiere.
Aber noch ist Hopfen und Malz nicht verloren.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 21. Oktober 2004 um 05:45:58 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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21. Oktober 2004 05:45

Mein lieber Freund!

“Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt” habe ich in der Schule singen müssen.
Dass es sich dabei um ein von der deutschen Landbevölkerung häufig gesungenes Volkslied handelte, änderte nicht viel an meiner (damaligen) Einstellung zu diesem Lied , die man mit Verlaub und heutigen Worten gesagt, als “eeeh baooaaah eeeeh Mann, da kannste echt abkacken, Alter”, beschreiben kann.

Mit zunehmenden Alter fand jedoch ein Getränk meine Aufmerksamkeit, das sehr viel mit diesem Liedgut zu tun hatte, denn es nennt sich auch heute noch Märzen und sieht auch heute noch aus wie frischgebrunzte Pferdepisse. Die Amerikaner nennen es “Lagerbeer”, denn es handelt sich um ein untergäriges Bier, das nur während der kühlen Monate gebraut werden konnte, da zu seiner Herstellung Temperaturen von unter 10 Grad Celsius benötigt wurden und das ging eben vor Erfindung der Kühlhäuser meist nur bis März.

Heute wissen ja nicht mehr viele Menschen, dass nach der bayerischen Brauordnung von 1539 “Märzenbier” nur zwischen dem 29. September und dem 23. April gebraut werden durfte. Und weil die Haltbarkeit des Bieres maximal nur 6 Monate betrug musste das Oktoberfest schon im September stattfinden :-)
Man könnte also durchaus behaupten, dass das Oktoberfest eigentlich so eine Art Sommerschlussverkauf des Bieres war, bei dem die verfallgefährdeten Restbestände weggesoffen werden mussten, weil man die Fässer für die nächste Brausaison benötigte.
Trotz der Erfindung der maschinellen Kühlung hat sich dieser Brauch bis heute gehalten.

Mit diesem Bier hängt übrigen auch die Erfindung der Biergärten zusammen, denn um die unterirdischen Lagerräume im Sommer zu kühlen, pflanzte man darüber großblättrige und Schatten spendende Kastanienbäume an. Und darunter lässt sich noch heute trefflich hocken und über den lieben Gott, das Bier, die Politik, die Weiber und den Erfindungsreichtum der Bierbrauer philosophieren, die uns das Märzen hinterlassen haben.

Und genau jetzt, rechtzeitig zu Beginn der Brauzeit und nach dem Ende des Oktoberfestes ist das Merzen wieder in aller Munde und in allen Blättern.
Da sitzt der zugereiste Schwabe in den letzten wärmenden Strahlen der diesjährigen Sonne, vor einer bayrischen Gartenwirtschaft, hat ein frischeingeschenktes (zweites) Maß Bier vor sich auf dem Tisch stehen und die Schwäbische Zeitung auf Armeslänge vor der Nase und liest zu seinem Entsetzen von amerikanischen Bierimperialismus auf deutschem Boden und vom Rückzug des CDU-Spitzenpolitikers Friedrich Merz aus allen Partei- und Fraktionsämtern.
Einen Brief habe er der CDU-Vorsitzenden Angela “Missgriff” Merkel geschrieben, dass er diesen Entschluss nach reiflicher Überlegung getroffen habe.

Ja das hat er wirklich, der Friederich!
Die zwei Jahre, nachdem ihn die Angie “Missgriff” Merkel 2002 aus dem Rennen um den Fraktionsvorsitz der CDU gekegelt hat, hat er dazu gebraucht um zu erkennen, dass ein gemischtes Doppel mit Damenbehinderung auf die Dauer keinen Spaß macht.
Und als dann auch noch sein Vorschlag vom Oktober 2003 (man beachte das Datum) über ein neues Steuerkonzept, das mit drei Stufen auf einem Bierdeckel erklärbar sein sollte, sowohl bei der Partei als auch beim bierbrauenden Gewerbe auf wenig Gegenliebe gestoßen ist, hat er jetzt im Oktober 2004 (man achte auch das Datum) seinen Ausstand gegeben.
«Die weiteren Pläne von Merz sind undeutlich. Es hieß, er wolle wieder als Rechtsanwalt arbeiten oder in die Wirtschaft gehen. Sein Lebensmotto gab er erst vor wenigen Tagen bei der Vorstellung seines jüngsten Buches preis: «Nur wer sich ändert, wird bestehen,schreibt die Schwäbische Zeitung und dem quer- und selbstdenkenden Schwaben wird bei einem tiefen Schluck aus dem Maßkrug klar, dass hier wohl nach den Regelwerken der bayerischen Brauordnung von 1539 ein hessisch-bayrisches “Merzenbier” gebraut werden wird und die Claims für die nächste Bundestagswahl im Jahre 2006 abgesteckt werden.

Von wegen Rückzug!
Wohl eher wird mit “Läufer auf D4″ mal der eigenen Arsch in Sicherheit gebracht und die schwarze Dame zum Angriff freigegeben.
Nach dem Aus von Merz, kann nun das Unkraut auf dem Acker mit Stumpf und Stil ausgemerzt und der Acker durch Umpflügen und Ausbringung des Saatguts für die nächste Ernte vorbereitet werden.
“Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt …..”
Und nur wer sich ändert wird bestehen.

Ich gehe jede Wette ein, dass der Herr Merz spätestens bei der nächsten Bundestagswahl im September 2006 (man beachte das Datum), wenn es um die Besetzung der Ministerposten geht, sein geballtes Wissen aus Wirtschaft und Steuerwesen mit ähnlicher Dynamik in die Waagschale werfen wird, wie er es an der Seite von Angie “Missgriff” Merkel getan hat.

Schon 1453 wurde in der bayrischen Brauordnung festgeschrieben, dass bei Vermeidung von Strafe an Leib und Gut “die Brauer sollten prewen nur allein von gersten, hopfen und wasser und sonst nichts darein oder darunter thun noch sieden“.
Ergänzend heißt es im bayrischen Reinheitsgebot aus dem Jahre 1516 (übersetzt ins Neudeutsche):“Ganz besonders wollen wir, daß forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Wer diese unsere Androhung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Faß Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden.

Und nicht vergessen – Oktoberfest ist im September und gekocht und gebraut wird bis März!!!
Das gilt auch für bayrisch-hessische Merzenbiere.
Aber noch ist Hopfen und Malz nicht verloren.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 21. Oktober 2004 um 05:45:58 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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