Halloween

2. November 2006 05:45

Rechtzeitig zu Halloween reagierten unserer Politiker mit der üblichen Empörung und Abscheu auf die Fotos unsere Afghanistan-Touristen in Uniform, die sich dort mit den Sehenswürdigkeiten des Landes ablichten ließen.
Wir können ja noch von Glück sagen, dass es sich augenscheinlich nur um eine geringe Anzahl Personen handelt, die ihren kindlichen Spieltrieb an den Knochen von Toten befriedigen, während im Nachbarland ganze Regimenter wildgewordener Cowboys im Blutrausch über die noch lebende Bevölkerung herfallen.
Was sind da schon täglich 50 bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen, gegen einen blankpolierten Totenschädel?
Man muss sich jetzt nicht fragen, mit welchem Reisebüro denn die Jungs von der kämpfenden Truppe da hingekommen sind und dass es ein Einsatz für die Heilsarmee ist, haben uns doch nur die Politiker weismachen wollen.
Allen, die jetzt so dicke Backen machen, sollte man empfehlen erst mal das neue Weißbuch zu lesen, das der Verteidigungsfranzjosef jetzt als Bibel für die „Armee im Einsatz und anerkannten Akteur in der internationalen Sicherheitspolitik“ dem Bundestag zum Abnicken präsentiert hat.
BLÖD war halt nur, dass diese Zeitung ausgerechnet jetzt mit den Schädelfotos rüberkam, dabei wusste doch jeder, dass das in Afghanistan ein Knochenjob ist.
Auch wenn sich die Angelas jetzt so bläht, das alles so „schockierend und entsetzlich findet“, hartes Durchgreifen mit allen Konsequenzen fordert, denn eine solches Verhalten „schade dem Ansehen unseres Landes“, ist sie es doch, die dem größten Kriegstreiber aller Zeiten schon vor Jahren in den Arsch gekrochen ist.
Auch der Aussensteinmeier hat zu dem Vorgang eine Meinung, die er der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollte: „Ich bin bestürzt über die abscheulichen Fotos deutscher Soldaten in Afghanistan, die heute veröffentlicht wurden“.
Ja, mein Gott Walter, dann schickt halt schönere Soldaten ins Ausland oder, und das wäre sicher das Beste, gar keine mehr.
Der Verteidigungsfranzjosef will jetzt sowieso die Soldaten im Inneren einsetzen, dann lassen wir doch die Hässlichen einfach zu Hause und fertig ist. Und dazu noch ein Reiseverbot für tumbe und unschöne Politiker und dem guten Ruf unserer schönen Republik ist Genüge getan.

Denn anders als in Afghanistan, wo die Knochen Verstorbener irgendwo herum zu liegen scheinen und für jeden Uniform tragenden Ballermann-Touristen frei zugänglich sind, herrscht bei uns im Lande noch Zucht und Ordnung.
Wir wissen ganz genau, zumindest bei den Bedarfsgemeinschaften, bei welchem Hasen der Herr Pfeffer liegt und wie viel Geld er noch im Sack hat. Und wenn die Jugendämter auf Zack sind, dann finden wir sogar die Kinderleichen im Kühlschrank.
Nur mit dem Gammelfleisch im Kühlhaus und den Leichen im Keller tun wir uns sonderbarerweise fast genauso schwer, wie mit den persönlich nach Liechtenstein transportierten Judenspenden für die schwarze Kasse der schwarzen Partei und dem Auffinden von parlamentarischen Nebentätigkeiten.

Bei uns im Lande findet man außerhalb der Museen und Friedhöfe keine Knochen oder Leichenteile, von den Knochen die man den Angehörigen der Unterschicht vorwirft mal abgesehen.
Wir regen uns aber mehr darüber auf, dass ein Schoßhündchen nicht mit seinem Herrchen die Gruft oder die Urne teilen darf, statt tatkräftig unseren Unmut darüber zum Ausdruck zu bringen, dass unser Wählerwille in der Wahlurne seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Dabei erfahren wir doch aus den Medien, dass auch bei uns im Lande mit den Überresten von Toten gute Geschäfte zu machen sind. Dazu muss man nicht die Asche von Mosi’s geliebter Daisy bei Ebay versteigern. Nein, es genügt dazu vollkommen im Krematorium in Nürnberg zu arbeiten und das bei der Einäscherung frei werdende Zahngold meistbietend zu verhökern.
In dem unlängst bekannt gewordenen Fall sind nun die ersten Haftbefehle ergangen. Experten schätzen jedoch die Dunkelziffer auf mindestens 99,9% .
So hat der Chef der Bestattungsanstalt in Nürnberg, Günter Gebhardt, zugegeben, dass jahrelang künstliche Hüftpfannen, Kniegelenke, Herzschrittmacher und Wirbelsäulenimplantate aus der Asche des Krematoriums aussortiert und verkauft worden waren.
Wir wären also durchaus in der Lage, jeden Bürger in Uniform bei seinem Auslandseinsatz mit heimischen Spielzeug auszustatten.
Auch wenn sich so mancher „Organspender“ sein Ende so nicht vorgestellt hat, will der Stadtkämmerer von Nürnberg, Wolfgang Köhler (CSU) das bei der Leichenverbrennung anfallende Gold und Silber selbst verkaufen: „Wir rechnen mit einem Erlös von weit mehr als 50.000 Euro“ erzählte er der Bayern-Rundschau.
Und der Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer bewertet das Versilbern des Goldes zum Nutzen der Stadtkasse als „pietätvollen Umgang, denn bliebe das Edelmetall in der Urne, würde es nur Grabräuber anziehen“.
Oder deutsche Bürger mit Auslandserfahrung in Uniform, denn der Verteidigungsfranzjosef wird schon wissen, wozu er die Bundeswehr im Innern braucht:
Zur Halloween-Party nach der Verbrennung des Grundgesetzes auf dem Friedhof beim Städtischen Krematorium.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. November 2006 um 05:45:52 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Rechtzeitig zu Halloween reagierten unserer Politiker mit der üblichen Empörung und Abscheu auf die Fotos unsere Afghanistan-Touristen in Uniform, die sich dort mit den Sehenswürdigkeiten des Landes ablichten ließen.
Wir können ja noch von Glück sagen, dass es sich augenscheinlich nur um eine geringe Anzahl Personen handelt, die ihren kindlichen Spieltrieb an den Knochen von Toten befriedigen, während im Nachbarland ganze Regimenter wildgewordener Cowboys im Blutrausch über die noch lebende Bevölkerung herfallen.
Was sind da schon täglich 50 bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen, gegen einen blankpolierten Totenschädel?
Man muss sich jetzt nicht fragen, mit welchem Reisebüro denn die Jungs von der kämpfenden Truppe da hingekommen sind und dass es ein Einsatz für die Heilsarmee ist, haben uns doch nur die Politiker weismachen wollen.
Allen, die jetzt so dicke Backen machen, sollte man empfehlen erst mal das neue Weißbuch zu lesen, das der Verteidigungsfranzjosef jetzt als Bibel für die „Armee im Einsatz und anerkannten Akteur in der internationalen Sicherheitspolitik“ dem Bundestag zum Abnicken präsentiert hat.
BLÖD war halt nur, dass diese Zeitung ausgerechnet jetzt mit den Schädelfotos rüberkam, dabei wusste doch jeder, dass das in Afghanistan ein Knochenjob ist.
Auch wenn sich die Angelas jetzt so bläht, das alles so „schockierend und entsetzlich findet“, hartes Durchgreifen mit allen Konsequenzen fordert, denn eine solches Verhalten „schade dem Ansehen unseres Landes“, ist sie es doch, die dem größten Kriegstreiber aller Zeiten schon vor Jahren in den Arsch gekrochen ist.
Auch der Aussensteinmeier hat zu dem Vorgang eine Meinung, die er der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollte: „Ich bin bestürzt über die abscheulichen Fotos deutscher Soldaten in Afghanistan, die heute veröffentlicht wurden“.
Ja, mein Gott Walter, dann schickt halt schönere Soldaten ins Ausland oder, und das wäre sicher das Beste, gar keine mehr.
Der Verteidigungsfranzjosef will jetzt sowieso die Soldaten im Inneren einsetzen, dann lassen wir doch die Hässlichen einfach zu Hause und fertig ist. Und dazu noch ein Reiseverbot für tumbe und unschöne Politiker und dem guten Ruf unserer schönen Republik ist Genüge getan.

Denn anders als in Afghanistan, wo die Knochen Verstorbener irgendwo herum zu liegen scheinen und für jeden Uniform tragenden Ballermann-Touristen frei zugänglich sind, herrscht bei uns im Lande noch Zucht und Ordnung.
Wir wissen ganz genau, zumindest bei den Bedarfsgemeinschaften, bei welchem Hasen der Herr Pfeffer liegt und wie viel Geld er noch im Sack hat. Und wenn die Jugendämter auf Zack sind, dann finden wir sogar die Kinderleichen im Kühlschrank.
Nur mit dem Gammelfleisch im Kühlhaus und den Leichen im Keller tun wir uns sonderbarerweise fast genauso schwer, wie mit den persönlich nach Liechtenstein transportierten Judenspenden für die schwarze Kasse der schwarzen Partei und dem Auffinden von parlamentarischen Nebentätigkeiten.

Bei uns im Lande findet man außerhalb der Museen und Friedhöfe keine Knochen oder Leichenteile, von den Knochen die man den Angehörigen der Unterschicht vorwirft mal abgesehen.
Wir regen uns aber mehr darüber auf, dass ein Schoßhündchen nicht mit seinem Herrchen die Gruft oder die Urne teilen darf, statt tatkräftig unseren Unmut darüber zum Ausdruck zu bringen, dass unser Wählerwille in der Wahlurne seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

Dabei erfahren wir doch aus den Medien, dass auch bei uns im Lande mit den Überresten von Toten gute Geschäfte zu machen sind. Dazu muss man nicht die Asche von Mosi’s geliebter Daisy bei Ebay versteigern. Nein, es genügt dazu vollkommen im Krematorium in Nürnberg zu arbeiten und das bei der Einäscherung frei werdende Zahngold meistbietend zu verhökern.
In dem unlängst bekannt gewordenen Fall sind nun die ersten Haftbefehle ergangen. Experten schätzen jedoch die Dunkelziffer auf mindestens 99,9% .
So hat der Chef der Bestattungsanstalt in Nürnberg, Günter Gebhardt, zugegeben, dass jahrelang künstliche Hüftpfannen, Kniegelenke, Herzschrittmacher und Wirbelsäulenimplantate aus der Asche des Krematoriums aussortiert und verkauft worden waren.
Wir wären also durchaus in der Lage, jeden Bürger in Uniform bei seinem Auslandseinsatz mit heimischen Spielzeug auszustatten.
Auch wenn sich so mancher „Organspender“ sein Ende so nicht vorgestellt hat, will der Stadtkämmerer von Nürnberg, Wolfgang Köhler (CSU) das bei der Leichenverbrennung anfallende Gold und Silber selbst verkaufen: „Wir rechnen mit einem Erlös von weit mehr als 50.000 Euro“ erzählte er der Bayern-Rundschau.
Und der Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer bewertet das Versilbern des Goldes zum Nutzen der Stadtkasse als „pietätvollen Umgang, denn bliebe das Edelmetall in der Urne, würde es nur Grabräuber anziehen“.
Oder deutsche Bürger mit Auslandserfahrung in Uniform, denn der Verteidigungsfranzjosef wird schon wissen, wozu er die Bundeswehr im Innern braucht:
Zur Halloween-Party nach der Verbrennung des Grundgesetzes auf dem Friedhof beim Städtischen Krematorium.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. November 2006 um 05:45:52 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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