Mosi & Daisy

6. November 2006 05:45

Ich hab mir gedacht, dass man mal die Woche mit etwas anderem als den Kommentaren zu dem an den Vortagen von unseren politischen Visionären regelmäßig Ausgekotztem beginnen sollte.
Man könnte (ausnahmsweise) die Woche ja auch mal mit etwas Erfreulichem beginnen.
Und was wäre dazu wohl besser geeignet als eine Liebesgeschichte!

Es muss ja nicht gleich eine Weltliteraturtragödie a la Romeo und Julia sein, wo beide Liebenden eines gewaltsamen Todes sterben.
Nein, in den Zeiten der gesellschaftlichen Schwindsucht und intellektuellen Cholera genügt im bundesdeutschen Schichtenmodell zur emotionalen Begeisterung breiter Massen bereits die Geschichte von Mosi und Daisy, um die eigene Situation positiv zu sehen und weiter vertrauensvoll auf das Ende des Tunnels starren zu können.

Mosi & DaisySie kennen sicher den zur Weltliteratur gehörenden Bestseller „Mosi, Daisy und ich“ (ISBN 3-8004-1379-5)?
Oder wissen Sie etwa nicht wer Mosi und Daisy sind?
Dann lesen Sie sicher auch keine BILD-Zeitung, denn dort hat Burkhard Wittman (den Namen dieses erfolgversprechenden Autors sollte man sich unbedingt merken) die Geschichte von Mosi und Daisy niedergeschrieben und sicher nicht nur mich zu Tränen gerührt:

Tote Daisy darf nicht zu ihrem geliebten Mosi
Von BURKHARD WITTMANN
München – Sie hat ihrem Herrchen so viel Glück geschenkt, war 11 Jahre sein treuer Begleiter auf vier Pfoten. Doch im Tod dürfen der berühmte Modeschöpfer Rudolph „Mosi“ Moshammer († 64) und seine geliebte Hündin Daisy († 13) nicht vereint sein – weil eine Behörde kein Herz hat!
Mosis Schoßhündin starb am Dienstag qualvoll an einer Verengung der Luftröhre .
Gestern Nachmittag um 16 Uhr wurde der kleine Hundeleichnam im Tierkrematorium Riem (bei München) eingeäschert. Daisys Urne ist 15 Zentimeter hoch, nur acht Zentimeter im Durchmesser, aus weißem Plastik mit Goldrand – so anmutig und schlicht wie eine edle Zuckerdose.
Ihre letzte Ruhe hätte Daisy eigentlich an Mosis Seite finden sollen.
Der Modeschöpfer ist im Münchner Ostfriedhof im Mausoleum beigesetzt.
Doch die Friedhofsverwaltung ist dagegen!
„Wir sind ein Humanfriedhof und kein Tierfriedhof. Es geht um die Würde der Menschen“, sagt Alfred Drexler, Leiter der Friedhofsverwaltung.
„Ich bin fassungslos. Das kann und will ich so nicht akzeptieren“, sagt Mosis Chauffeur Andreas Kaplan (45) zu BILD.
Er hatte sich die letzten beiden Jahre rührend um Daisy gekümmert.
„Herr Moshammer und seine Daisy waren im Leben unzertrennlich. Ich kann nicht begreifen, warum das im Tod anders sein soll.“
Der Chauffeur schrieb noch einen Brief an die tote Hunde-Dame: „Um mich für die schöne Zeit zu bedanken, die sie mir geschenkt hat“, sagt Kaplan. Der Brief wurde mit Daisy verbrannt.
Mit der toten Hündin („Sie hat am Ende so gelitten“) fuhr Kaplan noch einmal an der Mosi-Villa vorbei, die jetzt zum Verkauf steht. „Ich hoffe, wenigstens im Himmel ist Daisys Seele mit ihrem Herrchen vereint“, sagt Kaplan traurig.

Dem kann sich der zu Tränen gerührte und von Krämpfen geschüttelte Leser nur anschließen.
Und diesen Unmenschen, den bösen Herrn Drexler von der Friedhofsverwaltung soll doch die mehrbändige Friedhofsordnung erschlagen! Wie kann man nur so hartherzig sein und die Liebenden auch noch nach dem Tode trennen?
Nur wegen so einer kleinen Urne mit Hundeasche!
Außerdem scheinen auf dem Münchener Ostfriedhof schon andere Tiere ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Oder was glauben Sie, wer sich wohl in einem Mausoleum begraben lässt?
Das sieht doch sehr verdächtig nach Walt Disney und Micky Maus aus.
Aber spätestens wenn Hans-Günter Winkler neben seinem Pferd Halla bestattet werden möchte, müssen die bundesdeutschen Friedhofsordnungen sowieso umgeschrieben werden.

Mosi und Daisy - haltet durch!
Wir drücken euch die Daumen, denn Hans-Günter Winkler ist immerhin Jahrgang 1926.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. November 2006 um 05:45:37 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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6. November 2006 05:45

Ich hab mir gedacht, dass man mal die Woche mit etwas anderem als den Kommentaren zu dem an den Vortagen von unseren politischen Visionären regelmäßig Ausgekotztem beginnen sollte.
Man könnte (ausnahmsweise) die Woche ja auch mal mit etwas Erfreulichem beginnen.
Und was wäre dazu wohl besser geeignet als eine Liebesgeschichte!

Es muss ja nicht gleich eine Weltliteraturtragödie a la Romeo und Julia sein, wo beide Liebenden eines gewaltsamen Todes sterben.
Nein, in den Zeiten der gesellschaftlichen Schwindsucht und intellektuellen Cholera genügt im bundesdeutschen Schichtenmodell zur emotionalen Begeisterung breiter Massen bereits die Geschichte von Mosi und Daisy, um die eigene Situation positiv zu sehen und weiter vertrauensvoll auf das Ende des Tunnels starren zu können.

Mosi & DaisySie kennen sicher den zur Weltliteratur gehörenden Bestseller „Mosi, Daisy und ich“ (ISBN 3-8004-1379-5)?
Oder wissen Sie etwa nicht wer Mosi und Daisy sind?
Dann lesen Sie sicher auch keine BILD-Zeitung, denn dort hat Burkhard Wittman (den Namen dieses erfolgversprechenden Autors sollte man sich unbedingt merken) die Geschichte von Mosi und Daisy niedergeschrieben und sicher nicht nur mich zu Tränen gerührt:

Tote Daisy darf nicht zu ihrem geliebten Mosi
Von BURKHARD WITTMANN
München – Sie hat ihrem Herrchen so viel Glück geschenkt, war 11 Jahre sein treuer Begleiter auf vier Pfoten. Doch im Tod dürfen der berühmte Modeschöpfer Rudolph „Mosi“ Moshammer († 64) und seine geliebte Hündin Daisy († 13) nicht vereint sein – weil eine Behörde kein Herz hat!
Mosis Schoßhündin starb am Dienstag qualvoll an einer Verengung der Luftröhre .
Gestern Nachmittag um 16 Uhr wurde der kleine Hundeleichnam im Tierkrematorium Riem (bei München) eingeäschert. Daisys Urne ist 15 Zentimeter hoch, nur acht Zentimeter im Durchmesser, aus weißem Plastik mit Goldrand – so anmutig und schlicht wie eine edle Zuckerdose.
Ihre letzte Ruhe hätte Daisy eigentlich an Mosis Seite finden sollen.
Der Modeschöpfer ist im Münchner Ostfriedhof im Mausoleum beigesetzt.
Doch die Friedhofsverwaltung ist dagegen!
„Wir sind ein Humanfriedhof und kein Tierfriedhof. Es geht um die Würde der Menschen“, sagt Alfred Drexler, Leiter der Friedhofsverwaltung.
„Ich bin fassungslos. Das kann und will ich so nicht akzeptieren“, sagt Mosis Chauffeur Andreas Kaplan (45) zu BILD.
Er hatte sich die letzten beiden Jahre rührend um Daisy gekümmert.
„Herr Moshammer und seine Daisy waren im Leben unzertrennlich. Ich kann nicht begreifen, warum das im Tod anders sein soll.“
Der Chauffeur schrieb noch einen Brief an die tote Hunde-Dame: „Um mich für die schöne Zeit zu bedanken, die sie mir geschenkt hat“, sagt Kaplan. Der Brief wurde mit Daisy verbrannt.
Mit der toten Hündin („Sie hat am Ende so gelitten“) fuhr Kaplan noch einmal an der Mosi-Villa vorbei, die jetzt zum Verkauf steht. „Ich hoffe, wenigstens im Himmel ist Daisys Seele mit ihrem Herrchen vereint“, sagt Kaplan traurig.

Dem kann sich der zu Tränen gerührte und von Krämpfen geschüttelte Leser nur anschließen.
Und diesen Unmenschen, den bösen Herrn Drexler von der Friedhofsverwaltung soll doch die mehrbändige Friedhofsordnung erschlagen! Wie kann man nur so hartherzig sein und die Liebenden auch noch nach dem Tode trennen?
Nur wegen so einer kleinen Urne mit Hundeasche!
Außerdem scheinen auf dem Münchener Ostfriedhof schon andere Tiere ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Oder was glauben Sie, wer sich wohl in einem Mausoleum begraben lässt?
Das sieht doch sehr verdächtig nach Walt Disney und Micky Maus aus.
Aber spätestens wenn Hans-Günter Winkler neben seinem Pferd Halla bestattet werden möchte, müssen die bundesdeutschen Friedhofsordnungen sowieso umgeschrieben werden.

Mosi und Daisy - haltet durch!
Wir drücken euch die Daumen, denn Hans-Günter Winkler ist immerhin Jahrgang 1926.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. November 2006 um 05:45:37 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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