Urlaubsperre

11. September 2006 05:45

An welches Land denken Sie, wenn Sie an Urlaub denken?
Egal welches Land es ist – vergessen Sie’s.

Statt an Urlaub denken, sollten Sie mehr ans Land denken“, sagt der Finanzpeer, der gerade seinen Urlaub auf der Insel Usedom verbracht hat, „und sie sollten außerdem Ihren Gürtel noch enger schnallen und ans Alter denken.

Urlaubsperre„Alder, Alder“, kommt mir da in den Sinn, „das hat der Finanzpeer sich aber fein ausgedacht.“
Erst streicht er den (noch) Berufstätigen durch die Einführung des „Werktorprinzips“ die Geltendmachung der „Fahrtkosten zur Arbeit“ zusammen, weil die Aufwendungen dieser „Werktätigen“ mit den zu versteuernden Löhnen und Gehälter angeblich in keinem Zusammenhang stehen und ausschließlich dem Privatbereich zuzurechnen sind und fährt sich selbst damit jährlich etwa 2.500 Millionen Euro zusätzlich in die Garage.

Dann kappt er ab 2007 den Sparerfreibetrag um etwa 50% auf schlappe 750 Euro pro Jahr für Alleinstehende und 1500 Euro für Verheiratete, unterwirft damit höhere Kapitalerträge auf Erspartes der Einkommensteuer und gönnt sich selbst damit jährliche Mehreinnahmen von etwa 750 Millionen Euro.

Mit diesen 3,25 Milliarden Euro gibt sich der Finanzpeer aber noch nicht zufrieden, denn er muss ja den Stabilitätspakt einhalten, sonst steht ihm Ärger mit der EG-Kommission in Haus.
Daher wird ab 2007 die Altergrenze für das Kindergeld und den Kinderfreibetrag von 27 Jahren auf 25 Jahre gesenkt. Damit soll den Familien weitere 534 Millionen Euro entzogen werden und der Finanzpeer hat knapp 3,8 Milliarden Euro mehr, überwiegend vom steuerzahlenden Arbeitnehmer mit Kind, in den Staatssäckel eingesackt.

Damit hat der Finanzpeer aber noch nicht genug.
Jetzt hat er auch noch vor, den bausparenden steuerzahlenden Arbeitnehmern mit/ohne Kind, die versuchen im Alter nicht mehr zur Miete wohnen zu müssen, die Wohnungsbauprämie auf ihr zum Häuslebau mühsam angespartes Kapital zu streichen.
Besonders im Süden der Republik ist das „Häusle bauen“ eine beliebte Art der investiven Altersvorsorge, allerdings eine, bei der die Häuslesbauer nun Dank Steinbrück jetzt schon ziemlich alt aussehen.

Und als ob das noch nicht reichen würde, sollen diese Leute jetzt auch noch über die Grundstücksgrenze hinaus „stärker ans Land denken“ und neben den Pflichtbeiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung auch noch das „Urlaubsgeld“ auf die hohe Kante legen.
Dabei wurde das „Urlaubsgeld“ von den meisten Arbeitgebern vor Jahren doch bereits ersatzlos gestrichen, um „dieses Land zu stärken“ und im Globalisierungskampf wettbewerbsfähig zu machen.

Zu Steinbrücks’ Hirnblähung, die ihm diesmal sinnigerweise auch noch ausgerechnet während seinem Urlaub aus den Nüstern kroch, gab es in den Medien teilweise heftige Reaktionen.
Eine der lustigsten, nein ich muss mich korrigieren, eine der dümmsten die ich gesehen habe, war bei RP-Online in Form einer Umfrage zu finden:
Dort stand, getreu nach dem Motto „es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten“:

Altervorsorge statt Urlaub: Hat Steinbrück Recht?

  • Ja, denn die soziale Sicherung wird teurer. Die Politik wird das alleine nicht lösen können. Daher ist Verzicht angesagt.
  • Nein. Statt an der Eigenverantwortung der Bürger zu zweifeln, sollte die Politik Lösungen finden.

Kaum jemand bemerkt, dass die tumbe Äußerung des Herrn Steinbrück punktgenau zur Einführung seines “Werktorprinzips” (zu Zeiten des Arbeitsdienstes hieß das noch “Kasernierung”) passt. Als nächstes wird der gemeine Fronarbeiter zum Verlassen des Werksgeländes wohl wieder einen “Urlaubsschein” benötigen.
Leider finden die Sprüche des Herrn Steinbrück in der Bevölkerung und den Medien weitaus mehr Beachtung als die wirklichen Gründe, die zur Finanzmisere unseres Rentenversicherungssystems geführt haben.
Der Bürger kann doch nun wirklich nichts dafür, dass spätestens seit der Regierung Kohl die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern solidarisch in die Rentenkasse eingezahlten Gelder, für versicherungsfremde Leistungen missbraucht wurden, oder auf gut Deutsch gesagt „die Rentenkasse in kollektivem Einvernehmen von den Politikern ausgeplündert wurde“.

Und jetzt besitzen sie auch noch die ungeheuerliche Frechheit den betrogenen Zwangsversicherten zu sagen, was sie jetzt mit dem Geld, das ihnen der Staat weiter über noch höhere Steuern wegnimmt, nun alles zusätzlich tun sollten.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. September 2006 um 05:45:51 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Urlaubsperre”

  1. mitdenker meint:

    Und wieder verstehe ich einiges nicht.
    Wer ab und zu mal ein wenig zappt und nicht nur „Blitz“, Explosiv“ und wie diese Magazine noch so heißen mögen, schaut, um sich über das Leben der Stars und der High Society zu „informieren“, der hat ja auch ganz deutlich die Aussagen dieses Herrn Pofalla in der WDR-Sendung gehört: Ausgewiesenes Ziel der CDU ist es, den Leistungsträgern der Gesellschaft das Einkommen zu gewähren, das ihnen zusteht. (PS: PDS-Pau nickte dazu brav mit dem Rotschopf und stimmte dem auch noch zu. )
    Wer Leistungsträger ist oder wird, wurde nicht definiert. Aber wir ahnen es oder manchmal wissen wir es.
    Da ist es bei diesem erklärten Ziel doch nur Recht und billig, wenn der übrige Abschaum der Gesellschaft, also wir, sich mit dem zufrieden zu geben hat, was an Brosamen noch so abfällt bei den „Leistungsträgern“. Ist doch ganz logisch. So logisch, wie es in der Vergangenheit eben war, dass Sklaven nicht als menschliche Wesen angesehen wurden und alles mit ihnen gemacht werden durfte, dass Leibeigene genau das waren, was der Begriff aussagt. Ebenso ist es logisch, dass der Begriff Herrenrasse (noch nicht einmal so lange her) implizierte, dass andere Ethnische Gruppen minderwertig sind. Was kam dann? Ach ja, in einem Teil dieser Welt gab es da die „führende Rolle“ einer Klasse.
    Wo sind wir heute? Nun, bei Leistungsträgern. Manchmal auch bei der Auseinandersetzung von Religionen über die Wahrhaftigkeit „echten“ Glaubens.
    Was unterscheidet die verschiedenen Entwicklungsstufen voneinander? NICHTS. Sie gehen immer von einer (gegebenen) Vormachtstellung einzelner gegenüber einer großen Masse aus.
    Und eben diese Masse nickt brav mit dem Köpfchen und lässt es sich gefallen.
    Wozu also dieses Gejammere?
    Einfach weiter brav mit dem Köpfchen nicken, ab und zu mal ein Kreuzchen auf ein Stück Papier machen und weiterhin brav das tun, was die „Leistungsträger“ bestimmen. Und wenn sie sagen, Urlaub sei unwichtig, ist er unwichtig. Und wenn sie sagen, leistungsgerechte Bezahlung trifft nur auf die Leistungsträger zu, so ist das eben so. Schließlich sind sie doch nachgewiesenermaßen mehrere Hundert mal Klüger und Stärker als all die anderen Menschen. Also Schluß mit diesen unvernünftigen Neiddiskussionen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Urlaubsperre

11. September 2006 05:45

An welches Land denken Sie, wenn Sie an Urlaub denken?
Egal welches Land es ist – vergessen Sie’s.

Statt an Urlaub denken, sollten Sie mehr ans Land denken“, sagt der Finanzpeer, der gerade seinen Urlaub auf der Insel Usedom verbracht hat, „und sie sollten außerdem Ihren Gürtel noch enger schnallen und ans Alter denken.

Urlaubsperre„Alder, Alder“, kommt mir da in den Sinn, „das hat der Finanzpeer sich aber fein ausgedacht.“
Erst streicht er den (noch) Berufstätigen durch die Einführung des „Werktorprinzips“ die Geltendmachung der „Fahrtkosten zur Arbeit“ zusammen, weil die Aufwendungen dieser „Werktätigen“ mit den zu versteuernden Löhnen und Gehälter angeblich in keinem Zusammenhang stehen und ausschließlich dem Privatbereich zuzurechnen sind und fährt sich selbst damit jährlich etwa 2.500 Millionen Euro zusätzlich in die Garage.

Dann kappt er ab 2007 den Sparerfreibetrag um etwa 50% auf schlappe 750 Euro pro Jahr für Alleinstehende und 1500 Euro für Verheiratete, unterwirft damit höhere Kapitalerträge auf Erspartes der Einkommensteuer und gönnt sich selbst damit jährliche Mehreinnahmen von etwa 750 Millionen Euro.

Mit diesen 3,25 Milliarden Euro gibt sich der Finanzpeer aber noch nicht zufrieden, denn er muss ja den Stabilitätspakt einhalten, sonst steht ihm Ärger mit der EG-Kommission in Haus.
Daher wird ab 2007 die Altergrenze für das Kindergeld und den Kinderfreibetrag von 27 Jahren auf 25 Jahre gesenkt. Damit soll den Familien weitere 534 Millionen Euro entzogen werden und der Finanzpeer hat knapp 3,8 Milliarden Euro mehr, überwiegend vom steuerzahlenden Arbeitnehmer mit Kind, in den Staatssäckel eingesackt.

Damit hat der Finanzpeer aber noch nicht genug.
Jetzt hat er auch noch vor, den bausparenden steuerzahlenden Arbeitnehmern mit/ohne Kind, die versuchen im Alter nicht mehr zur Miete wohnen zu müssen, die Wohnungsbauprämie auf ihr zum Häuslebau mühsam angespartes Kapital zu streichen.
Besonders im Süden der Republik ist das „Häusle bauen“ eine beliebte Art der investiven Altersvorsorge, allerdings eine, bei der die Häuslesbauer nun Dank Steinbrück jetzt schon ziemlich alt aussehen.

Und als ob das noch nicht reichen würde, sollen diese Leute jetzt auch noch über die Grundstücksgrenze hinaus „stärker ans Land denken“ und neben den Pflichtbeiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung auch noch das „Urlaubsgeld“ auf die hohe Kante legen.
Dabei wurde das „Urlaubsgeld“ von den meisten Arbeitgebern vor Jahren doch bereits ersatzlos gestrichen, um „dieses Land zu stärken“ und im Globalisierungskampf wettbewerbsfähig zu machen.

Zu Steinbrücks’ Hirnblähung, die ihm diesmal sinnigerweise auch noch ausgerechnet während seinem Urlaub aus den Nüstern kroch, gab es in den Medien teilweise heftige Reaktionen.
Eine der lustigsten, nein ich muss mich korrigieren, eine der dümmsten die ich gesehen habe, war bei RP-Online in Form einer Umfrage zu finden:
Dort stand, getreu nach dem Motto „es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten“:

Altervorsorge statt Urlaub: Hat Steinbrück Recht?

  • Ja, denn die soziale Sicherung wird teurer. Die Politik wird das alleine nicht lösen können. Daher ist Verzicht angesagt.
  • Nein. Statt an der Eigenverantwortung der Bürger zu zweifeln, sollte die Politik Lösungen finden.

Kaum jemand bemerkt, dass die tumbe Äußerung des Herrn Steinbrück punktgenau zur Einführung seines “Werktorprinzips” (zu Zeiten des Arbeitsdienstes hieß das noch “Kasernierung”) passt. Als nächstes wird der gemeine Fronarbeiter zum Verlassen des Werksgeländes wohl wieder einen “Urlaubsschein” benötigen.
Leider finden die Sprüche des Herrn Steinbrück in der Bevölkerung und den Medien weitaus mehr Beachtung als die wirklichen Gründe, die zur Finanzmisere unseres Rentenversicherungssystems geführt haben.
Der Bürger kann doch nun wirklich nichts dafür, dass spätestens seit der Regierung Kohl die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern solidarisch in die Rentenkasse eingezahlten Gelder, für versicherungsfremde Leistungen missbraucht wurden, oder auf gut Deutsch gesagt „die Rentenkasse in kollektivem Einvernehmen von den Politikern ausgeplündert wurde“.

Und jetzt besitzen sie auch noch die ungeheuerliche Frechheit den betrogenen Zwangsversicherten zu sagen, was sie jetzt mit dem Geld, das ihnen der Staat weiter über noch höhere Steuern wegnimmt, nun alles zusätzlich tun sollten.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. September 2006 um 05:45:51 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Urlaubsperre”

  1. mitdenker meint:

    Und wieder verstehe ich einiges nicht.
    Wer ab und zu mal ein wenig zappt und nicht nur „Blitz“, Explosiv“ und wie diese Magazine noch so heißen mögen, schaut, um sich über das Leben der Stars und der High Society zu „informieren“, der hat ja auch ganz deutlich die Aussagen dieses Herrn Pofalla in der WDR-Sendung gehört: Ausgewiesenes Ziel der CDU ist es, den Leistungsträgern der Gesellschaft das Einkommen zu gewähren, das ihnen zusteht. (PS: PDS-Pau nickte dazu brav mit dem Rotschopf und stimmte dem auch noch zu. )
    Wer Leistungsträger ist oder wird, wurde nicht definiert. Aber wir ahnen es oder manchmal wissen wir es.
    Da ist es bei diesem erklärten Ziel doch nur Recht und billig, wenn der übrige Abschaum der Gesellschaft, also wir, sich mit dem zufrieden zu geben hat, was an Brosamen noch so abfällt bei den „Leistungsträgern“. Ist doch ganz logisch. So logisch, wie es in der Vergangenheit eben war, dass Sklaven nicht als menschliche Wesen angesehen wurden und alles mit ihnen gemacht werden durfte, dass Leibeigene genau das waren, was der Begriff aussagt. Ebenso ist es logisch, dass der Begriff Herrenrasse (noch nicht einmal so lange her) implizierte, dass andere Ethnische Gruppen minderwertig sind. Was kam dann? Ach ja, in einem Teil dieser Welt gab es da die „führende Rolle“ einer Klasse.
    Wo sind wir heute? Nun, bei Leistungsträgern. Manchmal auch bei der Auseinandersetzung von Religionen über die Wahrhaftigkeit „echten“ Glaubens.
    Was unterscheidet die verschiedenen Entwicklungsstufen voneinander? NICHTS. Sie gehen immer von einer (gegebenen) Vormachtstellung einzelner gegenüber einer großen Masse aus.
    Und eben diese Masse nickt brav mit dem Köpfchen und lässt es sich gefallen.
    Wozu also dieses Gejammere?
    Einfach weiter brav mit dem Köpfchen nicken, ab und zu mal ein Kreuzchen auf ein Stück Papier machen und weiterhin brav das tun, was die „Leistungsträger“ bestimmen. Und wenn sie sagen, Urlaub sei unwichtig, ist er unwichtig. Und wenn sie sagen, leistungsgerechte Bezahlung trifft nur auf die Leistungsträger zu, so ist das eben so. Schließlich sind sie doch nachgewiesenermaßen mehrere Hundert mal Klüger und Stärker als all die anderen Menschen. Also Schluß mit diesen unvernünftigen Neiddiskussionen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)