Vermittlungscoach

14. Oktober 2004 05:45


Haben Sie in ihrem Bekannten- oder Verwandtenkreis einen “Vermittlungscoach” – mit IHK-Zertikat natürlich?
Jetzt sagen Sie bloß, Sie wissen nicht was ein Vermittlungscoach ist?
Na das ist jemand, der “zur Begleitung Arbeit Suchender während der beruflichen Orientierung und der Arbeitssuche befähigt ist“.
So jedenfalls steht es auf den Internetseiten von www.vermittlungscoach.de
Vereinfacht gesagt ist das also jemand, der einem Langzeitfaulenzer den Weg zum Arbeitsmarkt zeigen kann. Wir wären nicht in Deutschland, wenn es für dieses neue Berufsbild nicht auch schon einen Verband geben würde. Die selbst gesetzten Ziele und Aufgaben diese Verbandes (hört sich so nach Verletzung an) sind:

  1. Thematisierung und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und ihrer Folgen: Coaching statt Sozialleistungen
  2. Prägung des Begriffs Vermittlungscoaching
  3. Einführung einheitlicher Qualitätsstandards für das Vermittlungscoaching und Qualitätsmanagement
  4. Unterstützung bei der Einführung des Vermittlungscoachings und Vermittlung entsprechender Kontakte und Berater
  5. Ausbildung zum Vermittlungscoach: Festlegung und Überwachung der Ausbildungskriterien, Zertifizierung
  6. Fort- und Weiterbildung
  7. Supervision
  8. Beratung Arbeitsuchender bzw. Delegation an zertifizierte Mitglieder
  9. Zentrale Öffentlichkeitsarbeit für die Mitglieder, inklusive Kooperationsmöglichkeit bei Webauftritt
  10. Trainerqualifizierung für die Vermittlungscoachausbildung

Vermittlungscoach auf der Vermittlungscouch

Natürlich hat der Verband, wie es sich in Deutschland gehört, eine Satzung, drei Vorstände, einen Kassenwart und einen Geschäftsführer.

In Kooperation mit der IHK wurde die Ausbildung zum Vermittlungscoach IHK konzipiert, die den Absolventen zur Begleitung Arbeit Suchender während der beruflichen Orientierung und der Arbeitssuche befähigt.
Die Ausbildung entspricht den Qualitätsstandards für das Fallmanagement, die vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge empfohlen werden. Derzeit kann die Ausbildung an folgenden Orten absolviert werden:
München - Fulda - Potsdam - Aalen - Dresden - Neubrandenburg
Was sich der Verband auf die Fahnen geschrieben hat, versteht man am besten nach Lektüre des folgenden Artikels:

Der Vermittlungscoach als Fallmanager
(von Thomas Heinle)
Die zielorientierte Fallmanagerausbildung. Es geht darum, den Menschen über seine beruflichen Ziele und nicht über seine Defizite kennen zu lernen. Durch diesen Ansatz steht von Anfang an das Positive im Vordergrund. Viele Vermittlungshemmnisse werden dadurch unerheblich. Die Stolpersteine werden zu Arbeitsaufgaben. Der Arbeitssuchende wird selbst zum handelnden Subjekt und nicht als Fall verwaltet. Aber er soll auch in Vollzeit mitwirken. Getreu dem Motto: Geh wohin Du willst, aber tu’ es auch!
Wir gehen vom humanistischen Weltbild aus. Jeder Mensch will etwas leisten. In der Arbeitslosigkeit allein gelassen und nur mehr “verwaltet” zu werden widerspricht der Würde des Menschen.
Daher der Ansatz des Vermittlungscoachings: Ein neuer Teilnehmer kommt und wird nach seinen beruflichen Wünschen in 5 Jahren gefragt. Über dies lernen wir und die anderen Teilnehmer ihn kennen. Sie lernen dann z. B. einen Webdesigner kennen und nicht den arbeitslosen Elektriker mit seinem Hüftproblem. Alleine dieses Selbst- und Fremdbild wirkt. Der erste Eindruck beim Kennen lernen eines Menschen ist der Entscheidende. Dieses Bild bleibt und entfacht seine Wirkung. Und die wirkt auf den Teilnehmer zurück.
Jetzt besteht die Aufgabe darin, sämtliche Blockaden auf dem Weg zu beseitigen. Dies soll der Arbeitsuchende so weit es geht selbst in die Hand nehmen. Die Aufgabe des Fallmanagers besteht nun darin, dem Teilnehmer genau die Unterstützung zu geben, die er selbst zum Handeln braucht. Beim Thema Schulden geht es dann z.B. darum, dass der Arbeitssuchende selbst seine Schulden tabellarisch erfasst. Anhand eines vorgefertigten Serienbriefes wird ein Schreiben an alle Gläubiger verschickt. Und meistens bleiben dann nur noch wenige Gläubiger übrig, die auf den Vergleichsvorschlag nicht eingehen. Und hier kann der Coach die meisten Fälle lösen. Damit ist oft schon ein riesiges Vermittlungshemmnis beseitigt. Und der Teilenehmer bekommt ein Stück Selbstbewusstsein zurück.
Durch die neuen Ziele und durch das Auflösen der Isolation werden oft auch Alkoholprobleme überflüssig: Der Betroffene trinkt nicht mehr so viel wie früher.
Bei der Arbeitsplatzsuche stehen die Wünsche des Arbeitsuchenden im Mittelpunkt. Dementsprechend wird die Selbstvermarktungsstrategie entwickelt und der Arbeitsuchende wird dann bei der Umsetzung begleitet. Auf dem Markt agiert er meistens selbst. Aber er bekommt vom Coach und von den anderen Teilnehmer die Unterstützung, dass er dies auch kann. Und er bekommt dort immer wieder neue Motivation. Er bekommt damit wieder Marktnähe. So wird er den Arbeitsplatz, den er sich erkämpft hat, auch einnehmen - und behalten.
Wie dies möglich ist und effizient umgesetzt werden kann, das ist Bestandteil dieser Fallmanagerausbildung. Selbstverständlich sind dort alle Inhalte miteinbezogen, die der Deutsche Verein für private und öffentliche Fürsorge e.V. für die Ausbildung zum Fallmanager empfiehlt.

Übrigens, falls Sie es noch nicht bemerkt haben:
Thomas Heinle ist der erste Vorstand des Deutschen Vermittlungscoach Verbandes e.V.
Ganz interessant ist auch ein Artikel der am 2.9.2004 in der ““Zeit” erschien und den man, sofern man ihn liest, bis zum Ende lesen sollte.

Wer die Aktivitäten des Verbandes bezahlt?
Ja, dreimal dürfen Sie raten!

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Empfehlenswerte Links zum Thema:
Fördern aber wann?
Angst vor dem Drehtüreffekt
Familien-, Arbeits- & Gesundheitspolitik

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 14. Oktober 2004 um 05:45:12 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Vermittlungscoach

14. Oktober 2004 05:45


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Jetzt sagen Sie bloß, Sie wissen nicht was ein Vermittlungscoach ist?
Na das ist jemand, der “zur Begleitung Arbeit Suchender während der beruflichen Orientierung und der Arbeitssuche befähigt ist“.
So jedenfalls steht es auf den Internetseiten von www.vermittlungscoach.de
Vereinfacht gesagt ist das also jemand, der einem Langzeitfaulenzer den Weg zum Arbeitsmarkt zeigen kann. Wir wären nicht in Deutschland, wenn es für dieses neue Berufsbild nicht auch schon einen Verband geben würde. Die selbst gesetzten Ziele und Aufgaben diese Verbandes (hört sich so nach Verletzung an) sind:

  1. Thematisierung und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und ihrer Folgen: Coaching statt Sozialleistungen
  2. Prägung des Begriffs Vermittlungscoaching
  3. Einführung einheitlicher Qualitätsstandards für das Vermittlungscoaching und Qualitätsmanagement
  4. Unterstützung bei der Einführung des Vermittlungscoachings und Vermittlung entsprechender Kontakte und Berater
  5. Ausbildung zum Vermittlungscoach: Festlegung und Überwachung der Ausbildungskriterien, Zertifizierung
  6. Fort- und Weiterbildung
  7. Supervision
  8. Beratung Arbeitsuchender bzw. Delegation an zertifizierte Mitglieder
  9. Zentrale Öffentlichkeitsarbeit für die Mitglieder, inklusive Kooperationsmöglichkeit bei Webauftritt
  10. Trainerqualifizierung für die Vermittlungscoachausbildung

Vermittlungscoach auf der Vermittlungscouch

Natürlich hat der Verband, wie es sich in Deutschland gehört, eine Satzung, drei Vorstände, einen Kassenwart und einen Geschäftsführer.

In Kooperation mit der IHK wurde die Ausbildung zum Vermittlungscoach IHK konzipiert, die den Absolventen zur Begleitung Arbeit Suchender während der beruflichen Orientierung und der Arbeitssuche befähigt.
Die Ausbildung entspricht den Qualitätsstandards für das Fallmanagement, die vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge empfohlen werden. Derzeit kann die Ausbildung an folgenden Orten absolviert werden:
München - Fulda - Potsdam - Aalen - Dresden - Neubrandenburg
Was sich der Verband auf die Fahnen geschrieben hat, versteht man am besten nach Lektüre des folgenden Artikels:

Der Vermittlungscoach als Fallmanager
(von Thomas Heinle)
Die zielorientierte Fallmanagerausbildung. Es geht darum, den Menschen über seine beruflichen Ziele und nicht über seine Defizite kennen zu lernen. Durch diesen Ansatz steht von Anfang an das Positive im Vordergrund. Viele Vermittlungshemmnisse werden dadurch unerheblich. Die Stolpersteine werden zu Arbeitsaufgaben. Der Arbeitssuchende wird selbst zum handelnden Subjekt und nicht als Fall verwaltet. Aber er soll auch in Vollzeit mitwirken. Getreu dem Motto: Geh wohin Du willst, aber tu’ es auch!
Wir gehen vom humanistischen Weltbild aus. Jeder Mensch will etwas leisten. In der Arbeitslosigkeit allein gelassen und nur mehr “verwaltet” zu werden widerspricht der Würde des Menschen.
Daher der Ansatz des Vermittlungscoachings: Ein neuer Teilnehmer kommt und wird nach seinen beruflichen Wünschen in 5 Jahren gefragt. Über dies lernen wir und die anderen Teilnehmer ihn kennen. Sie lernen dann z. B. einen Webdesigner kennen und nicht den arbeitslosen Elektriker mit seinem Hüftproblem. Alleine dieses Selbst- und Fremdbild wirkt. Der erste Eindruck beim Kennen lernen eines Menschen ist der Entscheidende. Dieses Bild bleibt und entfacht seine Wirkung. Und die wirkt auf den Teilnehmer zurück.
Jetzt besteht die Aufgabe darin, sämtliche Blockaden auf dem Weg zu beseitigen. Dies soll der Arbeitsuchende so weit es geht selbst in die Hand nehmen. Die Aufgabe des Fallmanagers besteht nun darin, dem Teilnehmer genau die Unterstützung zu geben, die er selbst zum Handeln braucht. Beim Thema Schulden geht es dann z.B. darum, dass der Arbeitssuchende selbst seine Schulden tabellarisch erfasst. Anhand eines vorgefertigten Serienbriefes wird ein Schreiben an alle Gläubiger verschickt. Und meistens bleiben dann nur noch wenige Gläubiger übrig, die auf den Vergleichsvorschlag nicht eingehen. Und hier kann der Coach die meisten Fälle lösen. Damit ist oft schon ein riesiges Vermittlungshemmnis beseitigt. Und der Teilenehmer bekommt ein Stück Selbstbewusstsein zurück.
Durch die neuen Ziele und durch das Auflösen der Isolation werden oft auch Alkoholprobleme überflüssig: Der Betroffene trinkt nicht mehr so viel wie früher.
Bei der Arbeitsplatzsuche stehen die Wünsche des Arbeitsuchenden im Mittelpunkt. Dementsprechend wird die Selbstvermarktungsstrategie entwickelt und der Arbeitsuchende wird dann bei der Umsetzung begleitet. Auf dem Markt agiert er meistens selbst. Aber er bekommt vom Coach und von den anderen Teilnehmer die Unterstützung, dass er dies auch kann. Und er bekommt dort immer wieder neue Motivation. Er bekommt damit wieder Marktnähe. So wird er den Arbeitsplatz, den er sich erkämpft hat, auch einnehmen - und behalten.
Wie dies möglich ist und effizient umgesetzt werden kann, das ist Bestandteil dieser Fallmanagerausbildung. Selbstverständlich sind dort alle Inhalte miteinbezogen, die der Deutsche Verein für private und öffentliche Fürsorge e.V. für die Ausbildung zum Fallmanager empfiehlt.

Übrigens, falls Sie es noch nicht bemerkt haben:
Thomas Heinle ist der erste Vorstand des Deutschen Vermittlungscoach Verbandes e.V.
Ganz interessant ist auch ein Artikel der am 2.9.2004 in der ““Zeit” erschien und den man, sofern man ihn liest, bis zum Ende lesen sollte.

Wer die Aktivitäten des Verbandes bezahlt?
Ja, dreimal dürfen Sie raten!

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