Mario auf dem Dach

9. November 2006 05:45

Wie es um unsere Justiz bestellt ist und wie hilflos im Umgang mit Schwerstverbrechern zeigte sich, als Mario M. seinen „Bewachern“ bei einem Hofgang entfleuchte und auf das 10 Meter hohe Dach des Dresdner Gefängnisses flüchtete.

Und da sitzt er nun wie „Karlsson auf dem Dach“ und dreht vor laufenden Fernsehkameras seine Runden und der Justiz eine lange Nase. Damit nicht genug, der wegen dutzendfacher Vergewaltigung und Entführung einer Schülerin Angeklagte stellt auch noch Forderungen und will Einfluss auf die Art der Beweisführung in seinem Prozess nehmen.

Die Justiz ist hilflos“, schreibt der Spiegel, „es soll nun versucht werden, M. über Gespräche zum Einlenken zu bewegen. Alle anderen Strategien würden unweigerlich die Gesundheit des 36-Jährigen gefährden.“

Auch Mario M. hat ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“, sagte Polizeisprecher Thomas Herbst, „Wir müssen damit leben“.

Leben vielleicht ja, aber nicht mehr ruhig schlafen. Und sorgen muss man sich auch. Zumindest sollte man sich Sorgen darüber machen, warum in unserem Land der Psyche, der Gesundheit und körperlichen Unversehrtheit des „Straftäters“ ein so hoher und beim „Opfer“ ein so geringer Stellenwert zugeschrieben wird.

Dass der Angeklagte zu spontanen körperlichen Reaktionen neigt, hatte sich schon am ersten Verhandlungstag gezeigt, als er aufsprang und von mehreren Polizisten überwältig werden musste und in Handschellen aus dem Gerichtssaal geführt wurde. Die Verhandlung musste unterbrochen werden.
Dennoch ist eine Gerichtssprecherin davon überzeugt, dass „es keine Anhaltpunkte dafür gebe, dass die Sicherheit des 14-jährigen Opfers im Gerichtsgebäude nicht gewährleistet ist.

Können Sie sich noch an den Fall „Daschner“ und die Markus Gäfgen, dem Mörder des 11-jährigen Jakob von Metzler, verbal angedrohte „Zufügung von Schmerzen“ erinnern?
Damals wurde Wolfgang Daschner, der stellvertretende Polizeipräsident der Stadt Frankfurt am Main wegen „Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat“ und der mitangeklagte Krimnalhauptkommissar Ortwin Ennigkeit wegen „Nötigung im Amt“ angeklagt und verurteilt.

Im Fall des Sexualstraftäters M. auf dem Dach der Dresdner Haftanstalt ist es aber nach Meinung von Sachsens Justizminister Geert Mackenroth (CDU) aber „für Schuldzuweisungen noch zu früh“.

Vermutlich weil der Angeklagte noch sitzt.
Wenn schon nicht in einer Zelle, so doch wenigsten auf dem Dach der Haftanstalt.


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Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 9. November 2006 um 05:45:27 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Mario auf dem Dach”

  1. Machopan meint:

    Die Nachricht des Tages: “Mario ist vom Dach” war das Erste das das Morgenmagazin im Zweiten heute morgen zu berichten wusste und auch die Frankfurter Rundschau berichtet auf Seite 1 über das “Das Drama in Dresden”.
    Als optischen Aufmacher verwendet man dazu ein fast seitenbreites Foto mit zwei offensichtlich hilflosen Personen auf einer Hebebühne und ihnen gegenüber eine dunkelgekleidete Person deren Gesicht unkenntlich gemacht wurde. Die rechte Hand lässig in der Hosentasche und den linken Arm wie zur optischen Untermalung eines Verbalvortrages ausgestreckt.
    Besser kann man eigentlich die Hilf- und Ratlosigkeit unserer Justiz nicht mehr visualisieren.

    Erste Folge dieses “Dramas” ist, dass die 14-jährige Stephanie, die von dem Sexualstraftäter Mario M. entführt und mehrfach vergewaltigt worden war, nun heute nicht vor Gericht aussagen wird.
    Verständlich, denn offensichtlich hat die Justiz diesen Fall nicht im Griff und kann auch nach den bisherigen körperlichen Attacken und turnerischen Übungen des Angeklagten auch die Sicherheit der Zeugin im Gerichtssaal nicht garantieren.
    Erinnerungen an Marianne Bachmeier, die im Gerichtssaal den Mörder ihrer 7-jährigen Tochter Anna aus der Obhut der irdischen Gerechtigkeit nahm und den Fall an eine höhere Instanz verwies, werden wach.

  2. pathologe meint:

    Der arme Mann leidet bestimmt unter einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom und bedarf fachgerechter Behandlung. Möglicherweise ist er ja auch nicht schuldfähig. Und hat dem Mädchen vielleicht auch nur “praktischen Unterricht und Lebenshilfe” gegeben.

    Meines Erachtens hat man ihm durch das Vorhandensein von Journalisten und Psychologen zuviel Aufmerksamkeit geschenkt. Ignoranz wäre möglicherweise der bessere Weg gewesen. Einfach auf dem Dach sitzen lassen, die Möglichkeit der Flucht versperren und abwarten. Es ist ja fürs Wochenende Schnee gemeldet. Und wer sich in Gefahr begibt,… Schließlich war es ja seine freie Entscheidung, der Justiz aufs Dach zu steigen.

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Mario auf dem Dach

9. November 2006 05:45

Wie es um unsere Justiz bestellt ist und wie hilflos im Umgang mit Schwerstverbrechern zeigte sich, als Mario M. seinen „Bewachern“ bei einem Hofgang entfleuchte und auf das 10 Meter hohe Dach des Dresdner Gefängnisses flüchtete.

Und da sitzt er nun wie „Karlsson auf dem Dach“ und dreht vor laufenden Fernsehkameras seine Runden und der Justiz eine lange Nase. Damit nicht genug, der wegen dutzendfacher Vergewaltigung und Entführung einer Schülerin Angeklagte stellt auch noch Forderungen und will Einfluss auf die Art der Beweisführung in seinem Prozess nehmen.

Die Justiz ist hilflos“, schreibt der Spiegel, „es soll nun versucht werden, M. über Gespräche zum Einlenken zu bewegen. Alle anderen Strategien würden unweigerlich die Gesundheit des 36-Jährigen gefährden.“

Auch Mario M. hat ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“, sagte Polizeisprecher Thomas Herbst, „Wir müssen damit leben“.

Leben vielleicht ja, aber nicht mehr ruhig schlafen. Und sorgen muss man sich auch. Zumindest sollte man sich Sorgen darüber machen, warum in unserem Land der Psyche, der Gesundheit und körperlichen Unversehrtheit des „Straftäters“ ein so hoher und beim „Opfer“ ein so geringer Stellenwert zugeschrieben wird.

Dass der Angeklagte zu spontanen körperlichen Reaktionen neigt, hatte sich schon am ersten Verhandlungstag gezeigt, als er aufsprang und von mehreren Polizisten überwältig werden musste und in Handschellen aus dem Gerichtssaal geführt wurde. Die Verhandlung musste unterbrochen werden.
Dennoch ist eine Gerichtssprecherin davon überzeugt, dass „es keine Anhaltpunkte dafür gebe, dass die Sicherheit des 14-jährigen Opfers im Gerichtsgebäude nicht gewährleistet ist.

Können Sie sich noch an den Fall „Daschner“ und die Markus Gäfgen, dem Mörder des 11-jährigen Jakob von Metzler, verbal angedrohte „Zufügung von Schmerzen“ erinnern?
Damals wurde Wolfgang Daschner, der stellvertretende Polizeipräsident der Stadt Frankfurt am Main wegen „Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat“ und der mitangeklagte Krimnalhauptkommissar Ortwin Ennigkeit wegen „Nötigung im Amt“ angeklagt und verurteilt.

Im Fall des Sexualstraftäters M. auf dem Dach der Dresdner Haftanstalt ist es aber nach Meinung von Sachsens Justizminister Geert Mackenroth (CDU) aber „für Schuldzuweisungen noch zu früh“.

Vermutlich weil der Angeklagte noch sitzt.
Wenn schon nicht in einer Zelle, so doch wenigsten auf dem Dach der Haftanstalt.


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2 Antworten zu “Mario auf dem Dach”

  1. Machopan meint:

    Die Nachricht des Tages: “Mario ist vom Dach” war das Erste das das Morgenmagazin im Zweiten heute morgen zu berichten wusste und auch die Frankfurter Rundschau berichtet auf Seite 1 über das “Das Drama in Dresden”.
    Als optischen Aufmacher verwendet man dazu ein fast seitenbreites Foto mit zwei offensichtlich hilflosen Personen auf einer Hebebühne und ihnen gegenüber eine dunkelgekleidete Person deren Gesicht unkenntlich gemacht wurde. Die rechte Hand lässig in der Hosentasche und den linken Arm wie zur optischen Untermalung eines Verbalvortrages ausgestreckt.
    Besser kann man eigentlich die Hilf- und Ratlosigkeit unserer Justiz nicht mehr visualisieren.

    Erste Folge dieses “Dramas” ist, dass die 14-jährige Stephanie, die von dem Sexualstraftäter Mario M. entführt und mehrfach vergewaltigt worden war, nun heute nicht vor Gericht aussagen wird.
    Verständlich, denn offensichtlich hat die Justiz diesen Fall nicht im Griff und kann auch nach den bisherigen körperlichen Attacken und turnerischen Übungen des Angeklagten auch die Sicherheit der Zeugin im Gerichtssaal nicht garantieren.
    Erinnerungen an Marianne Bachmeier, die im Gerichtssaal den Mörder ihrer 7-jährigen Tochter Anna aus der Obhut der irdischen Gerechtigkeit nahm und den Fall an eine höhere Instanz verwies, werden wach.

  2. pathologe meint:

    Der arme Mann leidet bestimmt unter einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom und bedarf fachgerechter Behandlung. Möglicherweise ist er ja auch nicht schuldfähig. Und hat dem Mädchen vielleicht auch nur “praktischen Unterricht und Lebenshilfe” gegeben.

    Meines Erachtens hat man ihm durch das Vorhandensein von Journalisten und Psychologen zuviel Aufmerksamkeit geschenkt. Ignoranz wäre möglicherweise der bessere Weg gewesen. Einfach auf dem Dach sitzen lassen, die Möglichkeit der Flucht versperren und abwarten. Es ist ja fürs Wochenende Schnee gemeldet. Und wer sich in Gefahr begibt,… Schließlich war es ja seine freie Entscheidung, der Justiz aufs Dach zu steigen.

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