Weniger ist manchmal mehr

13. November 2006 05:45

Nach einer in der Financial Times Deutschland (FTD) veröffentlichten Studie «können sich die Bürger bei der bevorstehenden Anhebung der Renten- und Krankenversicherungsbeiträge unter dem Strich auf eine Entlastung bei den Sozialabgaben einstellen.»

Keine Angst, sie haben sich nicht verlesen und ich habe auch (noch) nicht den Verstand verloren, sondern dieser Schwachsinn steht so tatsächlich in dem lachsfarbenen Blatt.
Eine vom Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts (FiFo) der Kölner Universität für die Financial Times Deutschland durchgeführte Simulationsrechnung habe ergeben, dass die Entlastung der Haushalte mit einem verfügbaren Nettoeinkommen zwischen 35.800 und 46.100 Euro mit 270 Euro (im Jahr) am stärksten ist.
Dabei wäre es schon zweckdienlich, wenn die Redakteure der FTD wenigsten ihre eigenen Artikel einmal lesen würden, denn dann hätten sie bemerken müssen, dass sie nur wenige Wochen zuvor genau das Gegenteil geschrieben haben.
Staat kassiert 2007 von jedem Bürger 300 Euro mehr“ hieß es da. Auch das ist das Ergebnis einer Simulationsrechnung des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts (FiFo) der Kölner Universität für die Financial Times Deutschland.

So kann sich der kritische Leser des Eindrucks nicht erwehren, dass es bei der FTD mit der journalistischen Sorgfaltspflicht wohl nicht so weit her ist.
Da kann man nur hoffen, dass sie wenigstens die Aktienkurse fehlerfrei abdrucken können.

Aber wer nach der ersten Empörung, den Artikel bis zum Ende durchhält, erfährt exakt im letzten Satz schier Unglaubliches:
Nicht berücksichtigt sind in der FiFo-Rechnung steuerliche Änderungen wie die Erhöhung der Mehrwertsteuer“.

Und ob so vieler Frechheit verschlägt es selbst mir die Sprache. Aber irgendwie habe ich es schon immer geahnt, dass man dieses im lachsfarbigem FischTütenDesign (FTD) bedruckte Presseerzeugnis nur zur Resteentfernung eigengedruckter und gepresster Verdauungserzeugnisse verwenden sollte.
Und selbst dazu gibt es noch Besseres!


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 13. November 2006 um 05:45:43 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Weniger ist manchmal mehr”

  1. erphschwester meint:

    hokuspokus …

  2. pathologe meint:

    Aus der Programmiererwelt, Abteilung Schieberegister: “FIFO steht für First In, First Out. Die Daten, die zu erst eingespeichert wurden, werden auch zuerst ausgespeichert.”
    In diesem Fall wird das Geld, dass man zuerst dem Steuerpflichtigen in der Tasche lässt, als erstes auch gleich wieder rausgezogen. Wundert es?

  3. mitdenker meint:

    Sorry, ich bin der Meinung, dass die Schreiberlinge alles sehr korrekt wiedergegeben haben.
    Es fehlen nur die entsprechenden Erläuterungen.
    Wer laut Artikel ein jährliches Nettoeinkommen (und bitte Achtung, nicht immer alles der Angie M. nachmachen und Brutto und Netto verwechseln und Tara vergessen) von 35.800 Euro bis 46.100 Euro Haushaltseinkommen hat, der hat so über den Daumen gerechnet von 76.200 Euro bis 98.100 Euro Brutto – Minimum. Selbst wenn es nun zwei Einkommen gibt im Haushalt (statistische Wahrscheinlichkeit 15%), so ergeben sich wiederum 38.100 Euro pro Person bzw. 49.050 Euro (gleiches Einkommen beider Partner vorausgesetzt – ach, welch schöne Theorie…).
    Und nun schaue man einmal nach Beitragsbemessungsgrenzen sowie Versicherungs-pflichtgrenzen. Na bitte. Ohhhh. Beitragsbemessungsgrenze (für den Eintritt in eine private Krankenversicherung) liegt bei 42.700 Euro im Jahr. Die Pflichtversicherungsgrenze (für den Ausstieg aus der gesetzlichen Rentenversicherung) beträgt 47.250 Euro. Klingelt es langsam?
    Was das Fifo – Institut sagt, ist eindeutig. Wem es gelungen ist, aus dem Solidarprinzip auszusteigen, ist besser dran. Wer schon so viel Geld bekommt (manchmal auch verdient – aber machmal ist in diesem Fall ein unbestimmtes Zahlwort), der muss natürlich mit staatlicher Unterstützung noch mehr sparen „dürfen“. Ganz nach den Grundsätzen dieser Gesellschaft – den Leistungsträgern alles in den Arsch zu blasen.
    Man muss es eben nur richtig interpretieren….

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Weniger ist manchmal mehr

13. November 2006 05:45

Nach einer in der Financial Times Deutschland (FTD) veröffentlichten Studie «können sich die Bürger bei der bevorstehenden Anhebung der Renten- und Krankenversicherungsbeiträge unter dem Strich auf eine Entlastung bei den Sozialabgaben einstellen.»

Keine Angst, sie haben sich nicht verlesen und ich habe auch (noch) nicht den Verstand verloren, sondern dieser Schwachsinn steht so tatsächlich in dem lachsfarbenen Blatt.
Eine vom Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts (FiFo) der Kölner Universität für die Financial Times Deutschland durchgeführte Simulationsrechnung habe ergeben, dass die Entlastung der Haushalte mit einem verfügbaren Nettoeinkommen zwischen 35.800 und 46.100 Euro mit 270 Euro (im Jahr) am stärksten ist.
Dabei wäre es schon zweckdienlich, wenn die Redakteure der FTD wenigsten ihre eigenen Artikel einmal lesen würden, denn dann hätten sie bemerken müssen, dass sie nur wenige Wochen zuvor genau das Gegenteil geschrieben haben.
Staat kassiert 2007 von jedem Bürger 300 Euro mehr“ hieß es da. Auch das ist das Ergebnis einer Simulationsrechnung des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts (FiFo) der Kölner Universität für die Financial Times Deutschland.

So kann sich der kritische Leser des Eindrucks nicht erwehren, dass es bei der FTD mit der journalistischen Sorgfaltspflicht wohl nicht so weit her ist.
Da kann man nur hoffen, dass sie wenigstens die Aktienkurse fehlerfrei abdrucken können.

Aber wer nach der ersten Empörung, den Artikel bis zum Ende durchhält, erfährt exakt im letzten Satz schier Unglaubliches:
Nicht berücksichtigt sind in der FiFo-Rechnung steuerliche Änderungen wie die Erhöhung der Mehrwertsteuer“.

Und ob so vieler Frechheit verschlägt es selbst mir die Sprache. Aber irgendwie habe ich es schon immer geahnt, dass man dieses im lachsfarbigem FischTütenDesign (FTD) bedruckte Presseerzeugnis nur zur Resteentfernung eigengedruckter und gepresster Verdauungserzeugnisse verwenden sollte.
Und selbst dazu gibt es noch Besseres!


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 13. November 2006 um 05:45:43 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Weniger ist manchmal mehr”

  1. erphschwester meint:

    hokuspokus …

  2. pathologe meint:

    Aus der Programmiererwelt, Abteilung Schieberegister: “FIFO steht für First In, First Out. Die Daten, die zu erst eingespeichert wurden, werden auch zuerst ausgespeichert.”
    In diesem Fall wird das Geld, dass man zuerst dem Steuerpflichtigen in der Tasche lässt, als erstes auch gleich wieder rausgezogen. Wundert es?

  3. mitdenker meint:

    Sorry, ich bin der Meinung, dass die Schreiberlinge alles sehr korrekt wiedergegeben haben.
    Es fehlen nur die entsprechenden Erläuterungen.
    Wer laut Artikel ein jährliches Nettoeinkommen (und bitte Achtung, nicht immer alles der Angie M. nachmachen und Brutto und Netto verwechseln und Tara vergessen) von 35.800 Euro bis 46.100 Euro Haushaltseinkommen hat, der hat so über den Daumen gerechnet von 76.200 Euro bis 98.100 Euro Brutto – Minimum. Selbst wenn es nun zwei Einkommen gibt im Haushalt (statistische Wahrscheinlichkeit 15%), so ergeben sich wiederum 38.100 Euro pro Person bzw. 49.050 Euro (gleiches Einkommen beider Partner vorausgesetzt – ach, welch schöne Theorie…).
    Und nun schaue man einmal nach Beitragsbemessungsgrenzen sowie Versicherungs-pflichtgrenzen. Na bitte. Ohhhh. Beitragsbemessungsgrenze (für den Eintritt in eine private Krankenversicherung) liegt bei 42.700 Euro im Jahr. Die Pflichtversicherungsgrenze (für den Ausstieg aus der gesetzlichen Rentenversicherung) beträgt 47.250 Euro. Klingelt es langsam?
    Was das Fifo – Institut sagt, ist eindeutig. Wem es gelungen ist, aus dem Solidarprinzip auszusteigen, ist besser dran. Wer schon so viel Geld bekommt (manchmal auch verdient – aber machmal ist in diesem Fall ein unbestimmtes Zahlwort), der muss natürlich mit staatlicher Unterstützung noch mehr sparen „dürfen“. Ganz nach den Grundsätzen dieser Gesellschaft – den Leistungsträgern alles in den Arsch zu blasen.
    Man muss es eben nur richtig interpretieren….

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