Schlusslicht

11. Oktober 2004 05:45


Mit “Deutschland ist das Schlusslicht in Europa” meldet uns das Manager Magazin nichts Neues und beruft sich dabei auf eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zum Standortranking der wichtigsten Industrienationen nach verschiedenen wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Auf Platz eins liegt Irland, es folgen die USA und Australien, dann weitere 17 Länder und schließlich auch Deutschland - mit dem schlechtesten Zeugnis.
Seit dem Jahr 2000 herrscht in Deutschland absolute Flaute bei Wachstum und Beschäftigung”, bilanzierte der Präsidiumsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Heribert Meffert, am Donnerstag in Gütersloh.
Gravierende Mängel sieht die Studie vor allem bei der deutschen Arbeitsmarktpolitik - etwa bei der Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen und älteren Arbeitnehmern ins Berufsleben. “Die Altersarbeitslosigkeit ist auffallend hoch und liegt in keinem anderen Land so weit über der allgemeinen Arbeitslosenquote wie in Deutschland”, heißt es in der Studie.
Deutschland müsse seine Reformbemühungen deutlich verstärken, um nicht langfristig den Anschluss zu verlieren.”

Also wenn ich mir die Grafik so ansehe, dann steht das kleine Irland fast 100% besser da als die wiedervereinigte BRD. Selbst zum französischen Nachbarn bestehen noch einige Punkte Abstand.

Obwohl es manchmal auch Vorteile hat, wenn man von anderen nicht mehr überholt werden kann, wird sich dieser Zustand ab 2005 aber schlagartig ändern denn:
Unsere Wirtschaft befindet sich auf Wachstumskurs.(2000)
Das wirtschaftliche Wachstum ist robust und steht auf soliden Fundamenten. Der begonnene Aufschwung setzt sich fort. Die Preise bleiben stabil. Die deutsche Wirtschaft und ihre Produkte sind auf den internationalen Märkten konkurrenzfähig wie lange nicht mehr. In Deutschland wird wieder mehr investiert als in vielen Jahren zuvor.(2001)
Wir haben Schluss gemacht mit der galoppierenden Staatsverschuldung. Niemand kann auf Dauer mehr ausgeben, als er eingenommen hat. Daran muss sich auch der Staat halten - schon aus Verpflichtung gegenüber unseren Kindern und Enkeln. Viele von Ihnen werden schon im Januar die Entlastungen spüren, die die Bundesregierung mit der Steuerreform und der Förderung von Familien mit Kindern bewirkt hat.(2000)
Am meisten freuen mich die Fortschritte, die wir bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erzielt haben. In den vergangenen zwei Jahren haben wir die Zahl der Arbeitslosen um mehr als eine Million zurückdrängen können. Allein im Jahr 2000 sind mehr als eine halbe Million neue Jobs entstanden. Das ist noch nicht genug. Wir werden auch im neuen Jahr verstärkte Anstrengungen unternehmen, um die Arbeitslosigkeit weiter zurückzudrängen.(2001)
Es werden eine Reihe von Gesetzen in Kraft treten, die es den Menschen, die Arbeit suchen, einfacher machen, Arbeit zu bekommen. Das Ziel dieser Maßnahmen ist: Niemand, der arbeiten will, soll aufgrund bürokratischer Hemmnisse daran gehindert werden. Und niemand, der arbeiten kann, soll in Schwarzarbeit flüchten. Diese Gesetze werden, dessen bin ich sicher, der Anfang sein für eine neue Dynamik wirtschaftlicher Leistung in unserem Land.(2002)
In der Gesellschaft von morgen zählt nichts so sehr wie Bildung und Ausbildung. Die Bundesregierung wird deshalb alles daran setzen, dass jeder Jugendliche, der es will, eine Ausbildung bekommt, die ihn für die Anforderungen der neuen Zeit qualifiziert. Die Gestaltung der Zukunft beginnt in der Gegenwart. Die Bundesregierung hat noch im alten Jahrhundert wichtige Weichen gestellt.(2000)
Arbeitslosigkeit - das heißt ja nicht nur, dass das Geld nicht reicht, eigene Wünsche zu erfüllen. Arbeitslosigkeit heißt eben auch, dass Fähigkeiten ungenutzt bleiben, dass Menschen sich ausgeschlossen und überflüssig fühlen. Deshalb ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze auch im kommenden Jahr mein dringendstes politisches Anliegen. (2000)

Bevor Sie mich jetzt für verrückt erklären und zur Steinigung freigeben – diese Sätze stammen nicht von mir.
Nee, nee, nee – also, es kann schon sein, das ich manchmal einen Scheiß erzähle, aber so tief bin ich jetzt doch noch nicht gesunken. Sie dürfen raten, von wem diese Sätze stammen.

Ein kleiner Tipp : Schauen Sie doch einfach mal in den Neujahrsansprachen vom Bundesgerd zu den Jahren 2000, 2001, 2002, 2003, und 2004 nach.
Dann sind sie auch schon auf das vorbereitet was Ihnen der Bundesgerd in der kommenden Neujahrsnacht wieder für Geschichten erzählen wird. Irgendwas vom Leiden auf hohem Niveau, vom vertrauensvollen Blick nach vorn, von Hartz IV, neuen Formularen bei ALG II und 1-Euro-Jobs für jeden und dass der Aufschwung jetzt kommt und die Rente sicher ist und die Erde wieder eine Scheibe wird, wenn …. … ja wenn Sie dem Bundeskanzler nur weiter Ihr Vertrauen schenken.

Ach übrigens, ganz lustig finde ich in diesem Zusammenhang auch die Regierungserklärung vom 3. Juli 2003. Zusammen mit ein paar 2-Liter Flaschen gepanschtem italienischen Rotwein erscheint mir das die ideale Basis für kollektives Kampf- und Komasaufen zu sein.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. Oktober 2004 um 05:45:29 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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11. Oktober 2004 05:45


Mit “Deutschland ist das Schlusslicht in Europa” meldet uns das Manager Magazin nichts Neues und beruft sich dabei auf eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zum Standortranking der wichtigsten Industrienationen nach verschiedenen wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Auf Platz eins liegt Irland, es folgen die USA und Australien, dann weitere 17 Länder und schließlich auch Deutschland - mit dem schlechtesten Zeugnis.
Seit dem Jahr 2000 herrscht in Deutschland absolute Flaute bei Wachstum und Beschäftigung”, bilanzierte der Präsidiumsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Heribert Meffert, am Donnerstag in Gütersloh.
Gravierende Mängel sieht die Studie vor allem bei der deutschen Arbeitsmarktpolitik - etwa bei der Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen und älteren Arbeitnehmern ins Berufsleben. “Die Altersarbeitslosigkeit ist auffallend hoch und liegt in keinem anderen Land so weit über der allgemeinen Arbeitslosenquote wie in Deutschland”, heißt es in der Studie.
Deutschland müsse seine Reformbemühungen deutlich verstärken, um nicht langfristig den Anschluss zu verlieren.”

Also wenn ich mir die Grafik so ansehe, dann steht das kleine Irland fast 100% besser da als die wiedervereinigte BRD. Selbst zum französischen Nachbarn bestehen noch einige Punkte Abstand.

Obwohl es manchmal auch Vorteile hat, wenn man von anderen nicht mehr überholt werden kann, wird sich dieser Zustand ab 2005 aber schlagartig ändern denn:
Unsere Wirtschaft befindet sich auf Wachstumskurs.(2000)
Das wirtschaftliche Wachstum ist robust und steht auf soliden Fundamenten. Der begonnene Aufschwung setzt sich fort. Die Preise bleiben stabil. Die deutsche Wirtschaft und ihre Produkte sind auf den internationalen Märkten konkurrenzfähig wie lange nicht mehr. In Deutschland wird wieder mehr investiert als in vielen Jahren zuvor.(2001)
Wir haben Schluss gemacht mit der galoppierenden Staatsverschuldung. Niemand kann auf Dauer mehr ausgeben, als er eingenommen hat. Daran muss sich auch der Staat halten - schon aus Verpflichtung gegenüber unseren Kindern und Enkeln. Viele von Ihnen werden schon im Januar die Entlastungen spüren, die die Bundesregierung mit der Steuerreform und der Förderung von Familien mit Kindern bewirkt hat.(2000)
Am meisten freuen mich die Fortschritte, die wir bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erzielt haben. In den vergangenen zwei Jahren haben wir die Zahl der Arbeitslosen um mehr als eine Million zurückdrängen können. Allein im Jahr 2000 sind mehr als eine halbe Million neue Jobs entstanden. Das ist noch nicht genug. Wir werden auch im neuen Jahr verstärkte Anstrengungen unternehmen, um die Arbeitslosigkeit weiter zurückzudrängen.(2001)
Es werden eine Reihe von Gesetzen in Kraft treten, die es den Menschen, die Arbeit suchen, einfacher machen, Arbeit zu bekommen. Das Ziel dieser Maßnahmen ist: Niemand, der arbeiten will, soll aufgrund bürokratischer Hemmnisse daran gehindert werden. Und niemand, der arbeiten kann, soll in Schwarzarbeit flüchten. Diese Gesetze werden, dessen bin ich sicher, der Anfang sein für eine neue Dynamik wirtschaftlicher Leistung in unserem Land.(2002)
In der Gesellschaft von morgen zählt nichts so sehr wie Bildung und Ausbildung. Die Bundesregierung wird deshalb alles daran setzen, dass jeder Jugendliche, der es will, eine Ausbildung bekommt, die ihn für die Anforderungen der neuen Zeit qualifiziert. Die Gestaltung der Zukunft beginnt in der Gegenwart. Die Bundesregierung hat noch im alten Jahrhundert wichtige Weichen gestellt.(2000)
Arbeitslosigkeit - das heißt ja nicht nur, dass das Geld nicht reicht, eigene Wünsche zu erfüllen. Arbeitslosigkeit heißt eben auch, dass Fähigkeiten ungenutzt bleiben, dass Menschen sich ausgeschlossen und überflüssig fühlen. Deshalb ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze auch im kommenden Jahr mein dringendstes politisches Anliegen. (2000)

Bevor Sie mich jetzt für verrückt erklären und zur Steinigung freigeben – diese Sätze stammen nicht von mir.
Nee, nee, nee – also, es kann schon sein, das ich manchmal einen Scheiß erzähle, aber so tief bin ich jetzt doch noch nicht gesunken. Sie dürfen raten, von wem diese Sätze stammen.

Ein kleiner Tipp : Schauen Sie doch einfach mal in den Neujahrsansprachen vom Bundesgerd zu den Jahren 2000, 2001, 2002, 2003, und 2004 nach.
Dann sind sie auch schon auf das vorbereitet was Ihnen der Bundesgerd in der kommenden Neujahrsnacht wieder für Geschichten erzählen wird. Irgendwas vom Leiden auf hohem Niveau, vom vertrauensvollen Blick nach vorn, von Hartz IV, neuen Formularen bei ALG II und 1-Euro-Jobs für jeden und dass der Aufschwung jetzt kommt und die Rente sicher ist und die Erde wieder eine Scheibe wird, wenn …. … ja wenn Sie dem Bundeskanzler nur weiter Ihr Vertrauen schenken.

Ach übrigens, ganz lustig finde ich in diesem Zusammenhang auch die Regierungserklärung vom 3. Juli 2003. Zusammen mit ein paar 2-Liter Flaschen gepanschtem italienischen Rotwein erscheint mir das die ideale Basis für kollektives Kampf- und Komasaufen zu sein.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. Oktober 2004 um 05:45:29 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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