Europäische Mythologie

10. Oktober 2004 05:45


Während meiner Schulzeit habe ich mich mit der griechischen Mythologie eher gelangweilt und außerdem war das ja so ein heilloses Durcheinander von Göttern, Halbgöttern und irgendwelchen verwandelten Tieren.
Aber an die Geschichte mit der schönen Königstochter Europa und dem Stier, kann ich mich eigentlich noch ganz gut erinnern.
Etwas vereinfacht dargestellt ging die Geschichte doch ungefähr so:

Bruno Bruni - Europa auf dem StierAls Europa, die Tochter des Phönikerkönigs Agenor, die Herden ihres Vaters hütete, erschien Zeus dem schönen Mädchen in der Gestalt eines herrlichen Stieres und entführte sie auf seinem Rücken über das Mittelländische Meer. Auf Kreta zeugte er mit ihr Minos und Rhadamanthys. Der König der Insel, Asterion, erzog die Knaben und vererbte dem Minos sein Reich. Minos, von seinem Vater Zeus beraten, gab Kreta weise Gesetze und dehnte seine Herrschaft weit über die Inseln des Ägäischen Meeres aus. Eines Tages bat er nun Poseidon, er möge ihm sein Thronrecht durch ein Geschenk bestätigen, und wirklich sandte ihm der Meeresbeherrscher einen wundervollen Stier; aber statt das Tier, wie ihm befohlen war, dem Gotte zu opfern, führte Minos ein anderes, schlechteres zum Altar. Zur Strafe für diesen Betrug wurde seine Gattin Pasiphae von wilder Liebesleidenschaft zu dem Stiere ergriffen. Sie ließ sich von Daedalos, einem vielgewandten attischen Künstler, der im Dienste des Minos stand, das bronzene Abbild einer Kuh anfertigen, verbarg sich darin und zeugte so mit dem Stier das menschenfressende Ungeheuer Minotauros: einen Bastard von menschlicher Gestalt mit einem Stierkopf. Er hauste im Labyrinth, einem Wunderbau mit tausend Irrgängen, den Daedalos geschaffen hatte. Aus Rache dafür, daß Daedalos dem Theseus beigestanden, als der Held den Minotauros tötete, ließ Minos den Künstler und seinen Sohn Ikaros in diesem Labyrinth einkerkern. Daedalos aber fertigte Flügel aus Federn an, die er mit Wachs an den Schultern befestigte, und beide entkamen fliegend. Doch als sich Ikaros auf dem Fluge der Sonne allzu sehr näherte, schmolz das Wachs; die Schwingen, die ihn so hoch empor getragen, lösten sich, und er stürzte in die See, die von da an seinen Namen trug. (Quelle: E. Peterich/ P. Grimal, Götter und Helden, München (dtv) 1978, S. 62)

Schnauf, Luft hol, zurücklehn.
Frage:

  1. Wie viele Personen spielen in dieser Geschichte eine Rolle und welche Charaktereigenschaften haben sie?
  2. Finden Sie, dass die Personen würdige Namensgeber für das Europa von heute sind?

Bei meinen Recherchen über die Europäische Mythologie bin ich in den Weiten des unendlichen Internets auf folgende, offensichtlich auf die Jetztzeit adaptierte Version dieser Geschichte gestoßen:

Als die schöne Europa mal wieder auf die Milchkühe ihres Vaters aufpassen musste und sich gelangweilt auf der Wiese in der Sonne räkelte, da gesellte sich Zeus zu ihr, ein lebenslustiger Bursche und potent wie ein Stier.
Von Europa war bekannt, dass sie es mit der Vergabe ihrer Gunst nicht immer so genau nahm und ihre Unschuld schon vor vielen, vielen Jahren unter mysteriösen Umständen verloren hatte.
Zeus hatte Hunger und Durst und hatte es eigentlich auf die Milch der friedlich grasenden Kühe abgesehen, aber als er Europa da so aufreizend im Grase liegen sah, lag es nahe das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.
So kam es, dass er sich zu Europa legte und geschickt begann sie zu verführen.
Er musste sich nicht sehr bemühen, denn Europa hatte ihren Ruf nicht umsonst und schon nach kurzer Zeit war man sich in der Sache einig, auch weil Zeus versprach Europa eine ganz neue Art des körperlichen Vergnügens zu zeigen, wenn er sich dafür an der Milch der Kühe laben durfte.
Doch da fiel Europa ein, dass ihr Vater gesagt hatte, sie solle sich vor dem Gewähren ihrer Gunst, von dem Begünstigten ein Gesundheitsattest zeigen lassen, um sich und ihre Angehörigen vor ansteckenden Krankheiten zu schützen.
Zeus war darauf natürlich vorbereitet, zog ein amtlich aussehendes Stück Pergament aus der Tasche und hielt es Europa vor die Nase, während er begann sie zu begatten. Der schönen Europa schwanden die Sinne, ihr Blick trübte sich und das Dokument verschwamm vor ihren Augen, als Zeus sie in den Himmel der körperlichen Liebe entführte.
Hernach lagen sie erschöpft im Grase und Zeus hatte sich auch bereits an den Eutern der Milchkühe ausgiebig gelabt und gestärkt.

“Mir ist so komisch zu Mute”, sagte Europa, “das war nicht so wie bei all den anderen. Was hast du denn mit mir gemacht?”
“Ich bin Grieche”, lachte Zeus, “wir nehmen manchmal auch andere Wege um die Gunst Europas zu erlangen und ans Ziel zu kommen. Die Milch der Kühe war übrigens nahrhaft und gut – und die Gesundheitsbescheinigung habe ich selbst gemacht. Bist du mir jetzt böse?”
“Wie kann ich dir böse sein, wo du mich doch, wenn auch nur für kurze Zeit, so glücklich gemacht und mir auch das mühsame Abmelken der europäischen Milchkühe abgenommen hast? Aber jetzt geh bitte, denn da hinten am Horizont sehe ich schon einen begierigen türkischen Wandersmann kommen. Wer weiß, was der mit mir machen und mir zeigen will und welche Erfahrung der mir bringt. Ich bin da nach allen Seiten offen.”

Schnauf, Luft hol, zurücklehn, Kopf schüttel.
Frage:

  1. Wie viele Personen spielen in dieser Geschichte eine Rolle und welche Beweggründe und Charaktereigenschaften haben sie?
  2. Finden Sie, dass diese Personen würdige Vertreter des Europa von heute sind?


(c) Copyright
Machopan – Alle Rechte vorbehalten

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Europäische Mythologie

10. Oktober 2004 05:45


Während meiner Schulzeit habe ich mich mit der griechischen Mythologie eher gelangweilt und außerdem war das ja so ein heilloses Durcheinander von Göttern, Halbgöttern und irgendwelchen verwandelten Tieren.
Aber an die Geschichte mit der schönen Königstochter Europa und dem Stier, kann ich mich eigentlich noch ganz gut erinnern.
Etwas vereinfacht dargestellt ging die Geschichte doch ungefähr so:

Bruno Bruni - Europa auf dem StierAls Europa, die Tochter des Phönikerkönigs Agenor, die Herden ihres Vaters hütete, erschien Zeus dem schönen Mädchen in der Gestalt eines herrlichen Stieres und entführte sie auf seinem Rücken über das Mittelländische Meer. Auf Kreta zeugte er mit ihr Minos und Rhadamanthys. Der König der Insel, Asterion, erzog die Knaben und vererbte dem Minos sein Reich. Minos, von seinem Vater Zeus beraten, gab Kreta weise Gesetze und dehnte seine Herrschaft weit über die Inseln des Ägäischen Meeres aus. Eines Tages bat er nun Poseidon, er möge ihm sein Thronrecht durch ein Geschenk bestätigen, und wirklich sandte ihm der Meeresbeherrscher einen wundervollen Stier; aber statt das Tier, wie ihm befohlen war, dem Gotte zu opfern, führte Minos ein anderes, schlechteres zum Altar. Zur Strafe für diesen Betrug wurde seine Gattin Pasiphae von wilder Liebesleidenschaft zu dem Stiere ergriffen. Sie ließ sich von Daedalos, einem vielgewandten attischen Künstler, der im Dienste des Minos stand, das bronzene Abbild einer Kuh anfertigen, verbarg sich darin und zeugte so mit dem Stier das menschenfressende Ungeheuer Minotauros: einen Bastard von menschlicher Gestalt mit einem Stierkopf. Er hauste im Labyrinth, einem Wunderbau mit tausend Irrgängen, den Daedalos geschaffen hatte. Aus Rache dafür, daß Daedalos dem Theseus beigestanden, als der Held den Minotauros tötete, ließ Minos den Künstler und seinen Sohn Ikaros in diesem Labyrinth einkerkern. Daedalos aber fertigte Flügel aus Federn an, die er mit Wachs an den Schultern befestigte, und beide entkamen fliegend. Doch als sich Ikaros auf dem Fluge der Sonne allzu sehr näherte, schmolz das Wachs; die Schwingen, die ihn so hoch empor getragen, lösten sich, und er stürzte in die See, die von da an seinen Namen trug. (Quelle: E. Peterich/ P. Grimal, Götter und Helden, München (dtv) 1978, S. 62)

Schnauf, Luft hol, zurücklehn.
Frage:

  1. Wie viele Personen spielen in dieser Geschichte eine Rolle und welche Charaktereigenschaften haben sie?
  2. Finden Sie, dass die Personen würdige Namensgeber für das Europa von heute sind?

Bei meinen Recherchen über die Europäische Mythologie bin ich in den Weiten des unendlichen Internets auf folgende, offensichtlich auf die Jetztzeit adaptierte Version dieser Geschichte gestoßen:

Als die schöne Europa mal wieder auf die Milchkühe ihres Vaters aufpassen musste und sich gelangweilt auf der Wiese in der Sonne räkelte, da gesellte sich Zeus zu ihr, ein lebenslustiger Bursche und potent wie ein Stier.
Von Europa war bekannt, dass sie es mit der Vergabe ihrer Gunst nicht immer so genau nahm und ihre Unschuld schon vor vielen, vielen Jahren unter mysteriösen Umständen verloren hatte.
Zeus hatte Hunger und Durst und hatte es eigentlich auf die Milch der friedlich grasenden Kühe abgesehen, aber als er Europa da so aufreizend im Grase liegen sah, lag es nahe das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.
So kam es, dass er sich zu Europa legte und geschickt begann sie zu verführen.
Er musste sich nicht sehr bemühen, denn Europa hatte ihren Ruf nicht umsonst und schon nach kurzer Zeit war man sich in der Sache einig, auch weil Zeus versprach Europa eine ganz neue Art des körperlichen Vergnügens zu zeigen, wenn er sich dafür an der Milch der Kühe laben durfte.
Doch da fiel Europa ein, dass ihr Vater gesagt hatte, sie solle sich vor dem Gewähren ihrer Gunst, von dem Begünstigten ein Gesundheitsattest zeigen lassen, um sich und ihre Angehörigen vor ansteckenden Krankheiten zu schützen.
Zeus war darauf natürlich vorbereitet, zog ein amtlich aussehendes Stück Pergament aus der Tasche und hielt es Europa vor die Nase, während er begann sie zu begatten. Der schönen Europa schwanden die Sinne, ihr Blick trübte sich und das Dokument verschwamm vor ihren Augen, als Zeus sie in den Himmel der körperlichen Liebe entführte.
Hernach lagen sie erschöpft im Grase und Zeus hatte sich auch bereits an den Eutern der Milchkühe ausgiebig gelabt und gestärkt.

“Mir ist so komisch zu Mute”, sagte Europa, “das war nicht so wie bei all den anderen. Was hast du denn mit mir gemacht?”
“Ich bin Grieche”, lachte Zeus, “wir nehmen manchmal auch andere Wege um die Gunst Europas zu erlangen und ans Ziel zu kommen. Die Milch der Kühe war übrigens nahrhaft und gut – und die Gesundheitsbescheinigung habe ich selbst gemacht. Bist du mir jetzt böse?”
“Wie kann ich dir böse sein, wo du mich doch, wenn auch nur für kurze Zeit, so glücklich gemacht und mir auch das mühsame Abmelken der europäischen Milchkühe abgenommen hast? Aber jetzt geh bitte, denn da hinten am Horizont sehe ich schon einen begierigen türkischen Wandersmann kommen. Wer weiß, was der mit mir machen und mir zeigen will und welche Erfahrung der mir bringt. Ich bin da nach allen Seiten offen.”

Schnauf, Luft hol, zurücklehn, Kopf schüttel.
Frage:

  1. Wie viele Personen spielen in dieser Geschichte eine Rolle und welche Beweggründe und Charaktereigenschaften haben sie?
  2. Finden Sie, dass diese Personen würdige Vertreter des Europa von heute sind?


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 10. Oktober 2004 um 05:45:02 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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