Stoßgebet

6. Oktober 2004 05:45

In einem, in der Berliner Zeitung erschienenen Kommentar zur Wahl in Brandenburg und Sachsen stehen folgende Sätze:
«Was NPD und DVU zu bieten haben, erschließt sich schon mittelmäßig intelligenten Menschen nicht mehr. Ihr Erfolg zeigt, dass es in dieser Gesellschaft auch Wähler gibt, die dumm, dumpf-reaktionär oder naiv, auf jeden Fall aber politisch unzurechnungsfähig sind. In Zeiten wie diesen bahnen sie den Rechtsextremen den Weg ins Parlament. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass NPD und DVU genauso plötzlich wieder verschwinden wie sie gekommen sind. Das ist das Beste, was über sie zu sagen ist. Vielleicht ist mit den gestrigen Wahlen tatsächlich der Tiefpunkt für den Kanzler und die SPD erreicht, vielleicht ist der Höhepunkt des Protestes gegen die Hartz-Reform überschritten. Noch klingt diese Art sozialdemokratischer Wahlanalyse reichlich optimistisch. Aber manchmal hilft ja auch ein Stoßgebet.»

Mit freundlicher Genehmigung von www.mani.deMich bringt das zu das Frage, woher der Autor dieses Artikels die Erkenntnis bezieht, dass Wähler von NPD und DVU “dumm, dumpf-reaktionär oder naiv, aber auf jeden Fall unzurechnungsfähig sind.”

Sicher kann man über die politische Ausrichtung dieser Parteien, ihr Programm und ihre Kandidaten geteilter Meinung sein. Das kann man aber bei CDU, SPD, FDP und Grünen auch.
Sind deren Wähler deshalb “dumm, dumpf-reaktionär oder naiv, aber auf jeden Fall unzurechnungsfähig?”

Das ist mir dann doch ein bisschen zu einfach.

Vielleicht sollten wir uns einfach mal mit der Frage befassen, warum ein Wahlberechtigter zum Wählen geht.
Weil es sein verfassungsmäßiges Recht ist?
Weil er zum Wählen gehen muss?
Weil er seinen politischen Willen zum Ausdruck bringen will?
Weil er die Partei auswählt, von der er glaubt, dass sie seine Interessen am besten vertritt?
Weil er von den “etablierten” Parteien enttäuscht ist?
Weil er unzufrieden ist mit der Politik dieser Parteien?
Weil ihn die Skandälchen, Geld- und Pöstchenschiebereien dieser Parteien anwidern?

Und weil er deshalb sein “Kreuzchen” nicht bei den “anständigen” Parteien, sondern bei den “unanständigen” Parteien macht ist er “dumm, dumpf-reaktionär oder naiv, aber auf jeden Fall unzurechnungsfähig?”

Ich denke er verhält sich nur nicht ganz so systemkonform wie es von einem gehorsamen Wähler erwartet wird.
Dagegen hilft aber kein Stoßgebet und kein “Vaterunser”, sondern nur eine andere Art der Politik.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. Oktober 2004 um 05:45:15 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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6. Oktober 2004 05:45

In einem, in der Berliner Zeitung erschienenen Kommentar zur Wahl in Brandenburg und Sachsen stehen folgende Sätze:
«Was NPD und DVU zu bieten haben, erschließt sich schon mittelmäßig intelligenten Menschen nicht mehr. Ihr Erfolg zeigt, dass es in dieser Gesellschaft auch Wähler gibt, die dumm, dumpf-reaktionär oder naiv, auf jeden Fall aber politisch unzurechnungsfähig sind. In Zeiten wie diesen bahnen sie den Rechtsextremen den Weg ins Parlament. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass NPD und DVU genauso plötzlich wieder verschwinden wie sie gekommen sind. Das ist das Beste, was über sie zu sagen ist. Vielleicht ist mit den gestrigen Wahlen tatsächlich der Tiefpunkt für den Kanzler und die SPD erreicht, vielleicht ist der Höhepunkt des Protestes gegen die Hartz-Reform überschritten. Noch klingt diese Art sozialdemokratischer Wahlanalyse reichlich optimistisch. Aber manchmal hilft ja auch ein Stoßgebet.»

Mit freundlicher Genehmigung von www.mani.deMich bringt das zu das Frage, woher der Autor dieses Artikels die Erkenntnis bezieht, dass Wähler von NPD und DVU “dumm, dumpf-reaktionär oder naiv, aber auf jeden Fall unzurechnungsfähig sind.”

Sicher kann man über die politische Ausrichtung dieser Parteien, ihr Programm und ihre Kandidaten geteilter Meinung sein. Das kann man aber bei CDU, SPD, FDP und Grünen auch.
Sind deren Wähler deshalb “dumm, dumpf-reaktionär oder naiv, aber auf jeden Fall unzurechnungsfähig?”

Das ist mir dann doch ein bisschen zu einfach.

Vielleicht sollten wir uns einfach mal mit der Frage befassen, warum ein Wahlberechtigter zum Wählen geht.
Weil es sein verfassungsmäßiges Recht ist?
Weil er zum Wählen gehen muss?
Weil er seinen politischen Willen zum Ausdruck bringen will?
Weil er die Partei auswählt, von der er glaubt, dass sie seine Interessen am besten vertritt?
Weil er von den “etablierten” Parteien enttäuscht ist?
Weil er unzufrieden ist mit der Politik dieser Parteien?
Weil ihn die Skandälchen, Geld- und Pöstchenschiebereien dieser Parteien anwidern?

Und weil er deshalb sein “Kreuzchen” nicht bei den “anständigen” Parteien, sondern bei den “unanständigen” Parteien macht ist er “dumm, dumpf-reaktionär oder naiv, aber auf jeden Fall unzurechnungsfähig?”

Ich denke er verhält sich nur nicht ganz so systemkonform wie es von einem gehorsamen Wähler erwartet wird.
Dagegen hilft aber kein Stoßgebet und kein “Vaterunser”, sondern nur eine andere Art der Politik.


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