Mitnahmementalität

3. Oktober 2004 05:45


Kanzlerschimpfe hat es gegeben!
Alle Medien und alle Internetforen waren voll davon, was der Bundesgerd da in einem Interview der Zeitschrift “Guter Rat” geäußert hat.

Von Bürgern in Ost und West (man beachte die Reihenfolge) die den Staat ausnehmen, sich Leistungen erschleichen, die sie nicht brauchen weil sie selber genug Geld haben, hat der Kanzler gesprochen.

Gemeint hat er damit die weitverbreitete Erscheinung von Mitnahmementalität, Schmarotzertum, Sozialmissbrauch, Steuergestaltungsmissbrauch, Steuerhinterziehung, Spendenbetrug, Bestechlichkeit, Steuerverschwendung, Schmiergeldannahme, Subventionsbetrug, usw. usw. usw.

Bis in die Mittelschicht reiche diese Mentalität, hat der Bundesgerd gemeint.
Recht hat er !!!
Jawohl !!!
Genau das musste jetzt endlich einmal gesagt werden !!!

Nicht geäußert hat sich der Herr Bundeskanzler allerdings zu der Richtung, wo diese Mentalität herkommt.
Handelt es sich dabei um ein Bottom-Up-Phänomen oder um ein Top-Down-Syndrom?
Ist es eine ansteckende Krankheit oder eher psychologisch bedingt?
Handelt es sich um ein gesellschaftliches Problem oder um Gesetzeslücken bzw. gar um Straftatbestände?
Gibt es etwa Anlass, sich Sorgen um das innenpolitische oder gesundheitspolitische Wohlergehen der Republik zu machen?
Darauf ist uns der Kanzler die Antwort leider schuldig geblieben.

Aber dennoch haben uns seine Äußerungen einen tiefen Einblick in die Denkweise des Kanzlers offenbart.
Ist doch nach seinem Verständnis, ein zahlendes Zwangsmitglied einer Gemeinschaft nur dann zum Leistungsbezug berechtigt, wenn es selbst nicht über ausreichende eigene Finanzmittel verfügt.
Das ist wie eine Sachversicherung, die im Leistungsfall nicht bezahlt, weil der Versicherte selbst (noch) genügend Geld hat um den Schaden zu begleichen.
Da drängt sich meinem querdenkenden Hirn unwillkürlich die Frage auf, warum der Versicherte sich unter diesem Rahmenbedingungen überhaupt versichern sollte. Dann ist es doch –zumindest für den Versicherten- viel sinnvoller die Beiträge zur Versicherung zu sparen, gut verzinslich selbst anzulegen und im Schadensfall (sofern dieser überhaupt irgendwann mal eintritt) auf dieses selbst gesparte Vermögen zurückzugreifen.
Oder seh ich das falsch?

Falsch verstanden hat den Bundesgerd auch der Finanzhans, denn der hat sich gleich der Kanzlerschellte an Raffke & Co. angeschlossen und der Neuen Presse erzählt, wo das Grundübel unserer Republik zu suchen ist:
Mit Ehrlichkeit könnten wir nicht nur auf neue Schulden verzichten, sondern wir könnten die Steuern senken. Das ist der Sommernachtstraum des Finanzministers. Bei der Steuerhinterziehung geht es nicht um kleine Sparer, sondern um große Summen, die ins Ausland gebracht werden. An zweiter Stelle stehe der Sozialmissbrauch, sowohl bei Arbeitgebern, die Sozialbeiträge nicht abführten, als auch bei Arbeitenden, die ihnen nicht zustehende Sozialleistungen in Anspruch nähmen.”

Durch Schattenwirtschaft gingen Staat und Sozialversicherungen jährlich mehr als 100 Milliarden Euro an Steuern und Beiträgen verloren, sagte der Finanzhans und wärmte wieder mal sein Finanzmärchen mit der Schattenwirtschaft und der Schwarzarbeit wieder auf.

Dabei hatte ich eigentlich noch im Ohr, dass dieses Problem durch die umfangreichen Maßnahmen der Finanzbehörden jetzt bereits mehrfach erfolgreich beseitigt wurden. Gibt es da nicht den durchschlagenden Erfolg des “Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz” und das äußerst erfolgreiche “Strafbefreiungserklärungsgesetz” sowie die unendliche Geschichte der Jahrtausendreform der Sozial- und Gesundheitssysteme und das -ach das kommt ja erst noch- “Kinderberücksichtigungsgesetz“.

Man muss das jetzt nicht alles noch mal aufzählen, hat doch fast jeder Bürger die erfolgreiche Politik von Rot-Grün schon am eigenen Leib und Leben zu spüren bekommen.

Eines habe ich allerdings in den Äußerungen vom Bundesgerd und vom Finanzhans vermisst:
“Selbstkritik und das Versprechen es zukünftig selbst anders zu machen”.

Wie der Herr – so‘s Gescherr!


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 3. Oktober 2004 um 05:45:01 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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3. Oktober 2004 05:45


Kanzlerschimpfe hat es gegeben!
Alle Medien und alle Internetforen waren voll davon, was der Bundesgerd da in einem Interview der Zeitschrift “Guter Rat” geäußert hat.

Von Bürgern in Ost und West (man beachte die Reihenfolge) die den Staat ausnehmen, sich Leistungen erschleichen, die sie nicht brauchen weil sie selber genug Geld haben, hat der Kanzler gesprochen.

Gemeint hat er damit die weitverbreitete Erscheinung von Mitnahmementalität, Schmarotzertum, Sozialmissbrauch, Steuergestaltungsmissbrauch, Steuerhinterziehung, Spendenbetrug, Bestechlichkeit, Steuerverschwendung, Schmiergeldannahme, Subventionsbetrug, usw. usw. usw.

Bis in die Mittelschicht reiche diese Mentalität, hat der Bundesgerd gemeint.
Recht hat er !!!
Jawohl !!!
Genau das musste jetzt endlich einmal gesagt werden !!!

Nicht geäußert hat sich der Herr Bundeskanzler allerdings zu der Richtung, wo diese Mentalität herkommt.
Handelt es sich dabei um ein Bottom-Up-Phänomen oder um ein Top-Down-Syndrom?
Ist es eine ansteckende Krankheit oder eher psychologisch bedingt?
Handelt es sich um ein gesellschaftliches Problem oder um Gesetzeslücken bzw. gar um Straftatbestände?
Gibt es etwa Anlass, sich Sorgen um das innenpolitische oder gesundheitspolitische Wohlergehen der Republik zu machen?
Darauf ist uns der Kanzler die Antwort leider schuldig geblieben.

Aber dennoch haben uns seine Äußerungen einen tiefen Einblick in die Denkweise des Kanzlers offenbart.
Ist doch nach seinem Verständnis, ein zahlendes Zwangsmitglied einer Gemeinschaft nur dann zum Leistungsbezug berechtigt, wenn es selbst nicht über ausreichende eigene Finanzmittel verfügt.
Das ist wie eine Sachversicherung, die im Leistungsfall nicht bezahlt, weil der Versicherte selbst (noch) genügend Geld hat um den Schaden zu begleichen.
Da drängt sich meinem querdenkenden Hirn unwillkürlich die Frage auf, warum der Versicherte sich unter diesem Rahmenbedingungen überhaupt versichern sollte. Dann ist es doch –zumindest für den Versicherten- viel sinnvoller die Beiträge zur Versicherung zu sparen, gut verzinslich selbst anzulegen und im Schadensfall (sofern dieser überhaupt irgendwann mal eintritt) auf dieses selbst gesparte Vermögen zurückzugreifen.
Oder seh ich das falsch?

Falsch verstanden hat den Bundesgerd auch der Finanzhans, denn der hat sich gleich der Kanzlerschellte an Raffke & Co. angeschlossen und der Neuen Presse erzählt, wo das Grundübel unserer Republik zu suchen ist:
Mit Ehrlichkeit könnten wir nicht nur auf neue Schulden verzichten, sondern wir könnten die Steuern senken. Das ist der Sommernachtstraum des Finanzministers. Bei der Steuerhinterziehung geht es nicht um kleine Sparer, sondern um große Summen, die ins Ausland gebracht werden. An zweiter Stelle stehe der Sozialmissbrauch, sowohl bei Arbeitgebern, die Sozialbeiträge nicht abführten, als auch bei Arbeitenden, die ihnen nicht zustehende Sozialleistungen in Anspruch nähmen.”

Durch Schattenwirtschaft gingen Staat und Sozialversicherungen jährlich mehr als 100 Milliarden Euro an Steuern und Beiträgen verloren, sagte der Finanzhans und wärmte wieder mal sein Finanzmärchen mit der Schattenwirtschaft und der Schwarzarbeit wieder auf.

Dabei hatte ich eigentlich noch im Ohr, dass dieses Problem durch die umfangreichen Maßnahmen der Finanzbehörden jetzt bereits mehrfach erfolgreich beseitigt wurden. Gibt es da nicht den durchschlagenden Erfolg des “Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz” und das äußerst erfolgreiche “Strafbefreiungserklärungsgesetz” sowie die unendliche Geschichte der Jahrtausendreform der Sozial- und Gesundheitssysteme und das -ach das kommt ja erst noch- “Kinderberücksichtigungsgesetz“.

Man muss das jetzt nicht alles noch mal aufzählen, hat doch fast jeder Bürger die erfolgreiche Politik von Rot-Grün schon am eigenen Leib und Leben zu spüren bekommen.

Eines habe ich allerdings in den Äußerungen vom Bundesgerd und vom Finanzhans vermisst:
“Selbstkritik und das Versprechen es zukünftig selbst anders zu machen”.

Wie der Herr – so‘s Gescherr!


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