Keanu Reeves

2. Oktober 2004 05:45


Im Auto höre ich meist nur CD’s, weil mir das Gefasel der Radiomoderatoren gehörig auf - ich bitte um Entschuldigung- den Sack geht. Deshalb benütze ich das Radio nur noch mit eingeschalteter Verkehrsfunktaste zum Anhören der mir genehmen Musik.

Schlimm genug sind die reinen Verkehrsnachrichten ja eh schon. Nicht nur vom Inhalt, sondern auch was die deutsche Sprache betrifft. Aber der Oberhammer sind die quietscheentchenartigen Fiepsestimmchen der Verkehrsnachrichtensprecherinnen, die sich meist im Lebensabschnitt zwischen Abitur und erster Eheschließung oder Mutterschaft (man beachte die Reihenfolge) befinden und dies auch immer in ihre Verkehrsmoderation einfließen lassen müssen.
Kann man da nicht mal jemand nehmen, der die stimmliche Tonlage von Zara Leander oder Amanda Lear hat und dessen ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht schon ein paar Jahre zurückliegen?
Können sich die Verantwortlichen denn vorstellen, was es für einen Autofahrer bedeutet, wenn er mit einer Stimme die frequenzmäßig knapp unterhalb des maximalen männlichen Hörpegels liegt, mitgeteilt bekommt, dass er gerade an der letzten Ausfahrt vor einem 16 Kilometer langen Stau vorbeigedonnert ist. Und kann man denn die Verkehrsnachrichten nicht nach dem Behinderungsgrad für die Verkehrsteilnehmer sortieren. Oder, und das wäre ja schon eine große Hilfe, nur die für das eigene Sendegebiet relevanten Nachrichten senden. Es interessiert sicher niemand, der auf der A65 (jetzt müsste man wissen, wo die ist) unterwegs ist, dass es am Fährhafen von Palermo zu Behinderungen durch fliegende Fische kommt.
Na, das wäre doch mal ein vernünftiges Thema für die Direktoren von den Landesmedienanstalten, statt einen Haufen Geld für den neuen Fernsehsender 6-Plus zu bewilligen.

Also ich habe aus besagten Gründen die Nachricht verpasst, dass vor mir in einer unübersichtlichen Autobahnkurve (trotz Hunderttausenden von Autobahnkilometern, hab ich diese Kurve noch nie gefunden) ein Stau auf mich lauert. Und da steh ich jetzt mitten drin, natürlich auf der Überholspur, wie es sich für schnelle Fahrzeuge gehört und verfluche die Verkehrsmoderatorin, die es sich nicht nehmen ließ zu Beginn ihrer Ansage einen kleinen Schwank aus ihrem jungen Eheleben einzuflechten. Das war genau die Zeit, die ich brauchte, um an der letzten Ausfahrt vorbeizufahren.

>Und um mir die Zeit zu vertreiben, rufe ich all die wichtigen Informationen aus dem Bordcomputer ab und fummle etwas am Radio herum. Und genau da ist es passiert, genau da kam die Meldung mit Keanu Reeves. Es war auf HR3, das weiß ich noch genau. Diesmal war es eine männliche Stimme, die Neuigkeiten aus der Welt der Stars und Sternchen verkündete. Zuerst ging es um den Hund von Robbie Williams, der einen eigenen Krafttrainer und Betreuer hat (der Hund), damit er gesund und munter bleibt. Eine erstaunlich werthaltige und informative Meldung, wenn man vernachlässigt, dass sowohl der Sprecher als auch die technischen Sendeanlagen über Gelder der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten aus Zwangsgebühren finanziert werden.

Und nach dem Hund von Robbie Williams kam Keanu Reeves.
Was soll das heißen, Sie wissen nicht wer Keanu Reeves ist?
Jetzt wollen Sie mich aber verscheißern, oder? Ich sag nur “Speed” und “Maaaaatrix”. Beides Filme die man nicht unbedingt im Kino gesehen haben muss. Und über “Matrix Reloaded” wollen wir jetzt erst gar nicht reden, im Angesicht dessen was Keanu Reeves passiert ist.

Fast.
Ja fast, denn fast hätte ihn ein Auto überfahren als er aus einer Bar in San Francisco kam. Keanu war gehandicapt(!) durch eine Knieverletzung, die er sich bei Dreharbeiten zu seinem nächsten, -oder war es der letzte-, Film zugezogen hat. Also auf jeden Fall kam der Keanu Reeves auf Krücken aus der Kneipe gehumpelt und wäre auf der Straße beinahe von einem Auto überfahren worden! Weil ihn der Autofahrer nicht gesehen hat! Erst als der Keanu mit der Krücke an das Auto gestoßen ist, hat ihn der Fahrer bemerkt und konnte sein Auto mit einer Vollbremsung nur wenige Zentimeter vor der Keanu Reeves zum Stehen bringen.

“Da hat der Keanu Reeves aber Glück gehabt”, zuckt es mir durch den Kopf, “und dass auch gleich noch ein Reporter da war, der das Geschehene an die Medien gemeldet hat, ist einfach super. Aber das interessiert doch bei uns hier in Deutschland sicher keinen normalen Menschen.”

Doch da dringt aus den geöffneten Seitenscheiben der vor und hinter mir wartenden Fahrzeuge ein erleichterter Aufschrei aus weiblichen Kehlen: “Keanu Reeves – Gott sei Dank, er lebt“.
Sich völlig unbekannte Menschen weiblichen Geschlechts springen aus ihren Fahrzeugen, hüpfen auf der Fahrbahn umher und fallen sich überglücklich in die Arme, lachen und können ihr Glück noch gar nicht fassen: “Gott sei Dank – Keanu lebt.”

Jetzt hab ich nur noch eine Frage: “Wie lang sind denn eigentlich die Krücken in Amerika?”

Copyright (c) Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. Oktober 2004 um 05:45:59 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Keanu Reeves

2. Oktober 2004 05:45


Im Auto höre ich meist nur CD’s, weil mir das Gefasel der Radiomoderatoren gehörig auf - ich bitte um Entschuldigung- den Sack geht. Deshalb benütze ich das Radio nur noch mit eingeschalteter Verkehrsfunktaste zum Anhören der mir genehmen Musik.

Schlimm genug sind die reinen Verkehrsnachrichten ja eh schon. Nicht nur vom Inhalt, sondern auch was die deutsche Sprache betrifft. Aber der Oberhammer sind die quietscheentchenartigen Fiepsestimmchen der Verkehrsnachrichtensprecherinnen, die sich meist im Lebensabschnitt zwischen Abitur und erster Eheschließung oder Mutterschaft (man beachte die Reihenfolge) befinden und dies auch immer in ihre Verkehrsmoderation einfließen lassen müssen.
Kann man da nicht mal jemand nehmen, der die stimmliche Tonlage von Zara Leander oder Amanda Lear hat und dessen ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht schon ein paar Jahre zurückliegen?
Können sich die Verantwortlichen denn vorstellen, was es für einen Autofahrer bedeutet, wenn er mit einer Stimme die frequenzmäßig knapp unterhalb des maximalen männlichen Hörpegels liegt, mitgeteilt bekommt, dass er gerade an der letzten Ausfahrt vor einem 16 Kilometer langen Stau vorbeigedonnert ist. Und kann man denn die Verkehrsnachrichten nicht nach dem Behinderungsgrad für die Verkehrsteilnehmer sortieren. Oder, und das wäre ja schon eine große Hilfe, nur die für das eigene Sendegebiet relevanten Nachrichten senden. Es interessiert sicher niemand, der auf der A65 (jetzt müsste man wissen, wo die ist) unterwegs ist, dass es am Fährhafen von Palermo zu Behinderungen durch fliegende Fische kommt.
Na, das wäre doch mal ein vernünftiges Thema für die Direktoren von den Landesmedienanstalten, statt einen Haufen Geld für den neuen Fernsehsender 6-Plus zu bewilligen.

Also ich habe aus besagten Gründen die Nachricht verpasst, dass vor mir in einer unübersichtlichen Autobahnkurve (trotz Hunderttausenden von Autobahnkilometern, hab ich diese Kurve noch nie gefunden) ein Stau auf mich lauert. Und da steh ich jetzt mitten drin, natürlich auf der Überholspur, wie es sich für schnelle Fahrzeuge gehört und verfluche die Verkehrsmoderatorin, die es sich nicht nehmen ließ zu Beginn ihrer Ansage einen kleinen Schwank aus ihrem jungen Eheleben einzuflechten. Das war genau die Zeit, die ich brauchte, um an der letzten Ausfahrt vorbeizufahren.

>Und um mir die Zeit zu vertreiben, rufe ich all die wichtigen Informationen aus dem Bordcomputer ab und fummle etwas am Radio herum. Und genau da ist es passiert, genau da kam die Meldung mit Keanu Reeves. Es war auf HR3, das weiß ich noch genau. Diesmal war es eine männliche Stimme, die Neuigkeiten aus der Welt der Stars und Sternchen verkündete. Zuerst ging es um den Hund von Robbie Williams, der einen eigenen Krafttrainer und Betreuer hat (der Hund), damit er gesund und munter bleibt. Eine erstaunlich werthaltige und informative Meldung, wenn man vernachlässigt, dass sowohl der Sprecher als auch die technischen Sendeanlagen über Gelder der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten aus Zwangsgebühren finanziert werden.

Und nach dem Hund von Robbie Williams kam Keanu Reeves.
Was soll das heißen, Sie wissen nicht wer Keanu Reeves ist?
Jetzt wollen Sie mich aber verscheißern, oder? Ich sag nur “Speed” und “Maaaaatrix”. Beides Filme die man nicht unbedingt im Kino gesehen haben muss. Und über “Matrix Reloaded” wollen wir jetzt erst gar nicht reden, im Angesicht dessen was Keanu Reeves passiert ist.

Fast.
Ja fast, denn fast hätte ihn ein Auto überfahren als er aus einer Bar in San Francisco kam. Keanu war gehandicapt(!) durch eine Knieverletzung, die er sich bei Dreharbeiten zu seinem nächsten, -oder war es der letzte-, Film zugezogen hat. Also auf jeden Fall kam der Keanu Reeves auf Krücken aus der Kneipe gehumpelt und wäre auf der Straße beinahe von einem Auto überfahren worden! Weil ihn der Autofahrer nicht gesehen hat! Erst als der Keanu mit der Krücke an das Auto gestoßen ist, hat ihn der Fahrer bemerkt und konnte sein Auto mit einer Vollbremsung nur wenige Zentimeter vor der Keanu Reeves zum Stehen bringen.

“Da hat der Keanu Reeves aber Glück gehabt”, zuckt es mir durch den Kopf, “und dass auch gleich noch ein Reporter da war, der das Geschehene an die Medien gemeldet hat, ist einfach super. Aber das interessiert doch bei uns hier in Deutschland sicher keinen normalen Menschen.”

Doch da dringt aus den geöffneten Seitenscheiben der vor und hinter mir wartenden Fahrzeuge ein erleichterter Aufschrei aus weiblichen Kehlen: “Keanu Reeves – Gott sei Dank, er lebt“.
Sich völlig unbekannte Menschen weiblichen Geschlechts springen aus ihren Fahrzeugen, hüpfen auf der Fahrbahn umher und fallen sich überglücklich in die Arme, lachen und können ihr Glück noch gar nicht fassen: “Gott sei Dank – Keanu lebt.”

Jetzt hab ich nur noch eine Frage: “Wie lang sind denn eigentlich die Krücken in Amerika?”

Copyright (c) Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. Oktober 2004 um 05:45:59 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)