Wahlsieger

28. September 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Wahlen sind in einer Demokratie unabdingbar, auch wenn sie für viele der Wähler die Wahl zwischen Mickey Mouse und Donald Duck oder zwischen Pest und Cholera darstellen mögen.

Da trägt es nicht unbedingt zur Verbesserung der wählerseitigen Stimmungslage bei, dass es bei den Wahlkandidaten üblich geworden ist, sich nach der Wahl, unabhängig vom Ausgang, als Sieger darzustellen. Selbst Verluste im zweistelligen Prozentbereich, die früher das Ende einer politischen Karriere bedeuteten, bleiben heute ohne Auswirkung. Der Kandidat stellt sich lächelnd vor die Kamera und behauptet einfach er hätte gewonnen. Dabei spielt es auch keine große Rolle, dass er sich die eine oder andere Blöße gibt.
Solange das alle machen, wirkt das ganz normal und natürlich.

Dabei geht nur noch knapp die Hälfte der Wahlberechtigten zur Wahl.
Wenn der Trend im gleichen Tempo so weiter geht, dann wird die Wahlbeteiligung noch vor 2010 unter die 50%-Marke rutschen.

Politik und Wahlkampf ist zum Selbstzweck geworden.
Egal wie hoch die Wahlbeteiligung ist, egal wie viel Prozent eine Partei bekommen hat, wichtig ist nur, dass man mehr hat als die Anderen, oder weniger verloren hat. Dann wird behauptet, man hätte die absolute Mehrheit der Wählerstimmen bekommen oder man macht sich auf die Suche nach einem möglichen Kumpan mit dem man dann die nächsten Jahre bis zur nächsten Wahl weiterwursteln kann.
Das Ganze nennt man dann “Regierungsauftrag” und spielt sich als Vertreter des “Volkes” auf, lehnt jede Einmischung oder Rüge, egal aus welcher Ecke und welcher Richtung sie kommt, kategorisch ab. Dazu beklagt man den Verfall der politischen Kultur, die Mitnahmementalität der Bürger, das mangelnde politische Interesse. Irgendwann gesteht man auch mal ein, dass es wohl nicht auf Anhieb gelungen ist, den Bürgern die notwendigen “Reformen” verständlich zu machen. Aber man müsse jetzt nach vorne blicken und die bestehenden Probleme mutig anpacken. Dazu braucht man neue Gesetze, neue Verordnungen, neue Formulare und -das ist ganz wichtig-, vor allem neue Steuern und Abgaben.
Einhellig stimmt man, meist um den Zeitpunkt der Wahl, kurz davor oder kurz danach, in das Wehklagen über die Gefahr von “Rechts” ein und sieht darin eine Gefährdung der Demokratie.
Wie die Wahl ausgeht, was Wille des Volkes ist, spielt ja keine Rolle. Wichtig ist nur, dass sich nicht groß was ändert und dass man weiterhin mitspielen kann.

Der Herr Stoiber von der CSU findet das Ergebnis “nicht optimal“, aber nur weil er die Frau Merkel (CDU) dafür verantwortlich macht und der Herr Rüttgers (CDU) äußert die Meinung, es sei die “SPD-Politik a la Sozialrambo, die ist hier abgestraft wurde” und der Herr Benneter von der SPD freut sich darüber, dass “der Frau Merkel die Felle wegschwimmen“.
Das war es dann aber auch schon.

Merkt denn eigentlich keiner in den Parteien, dass ihnen das Volk wegschwimmt?
Merkt denn eigentlich keiner, dass dieses Parteiensystem der Tod unserer Demokratie ist?

Wenn es so weitergeht, dann wird es in absehbarer Zeit wohl so sein, dass die Partei, die glaubt einen ihrer möglichen Wähler in der Nähe eines Wahllokals gesehen zu haben, sich vor die Kamera stellt und behauptet sie hätte die absolute Mehrheit errungen.

Wir werden es noch erleben, wenn wir uns die Demokratie der Parteien noch so lange leisten können.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 28. September 2006 um 05:45:15 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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28. September 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Wahlen sind in einer Demokratie unabdingbar, auch wenn sie für viele der Wähler die Wahl zwischen Mickey Mouse und Donald Duck oder zwischen Pest und Cholera darstellen mögen.

Da trägt es nicht unbedingt zur Verbesserung der wählerseitigen Stimmungslage bei, dass es bei den Wahlkandidaten üblich geworden ist, sich nach der Wahl, unabhängig vom Ausgang, als Sieger darzustellen. Selbst Verluste im zweistelligen Prozentbereich, die früher das Ende einer politischen Karriere bedeuteten, bleiben heute ohne Auswirkung. Der Kandidat stellt sich lächelnd vor die Kamera und behauptet einfach er hätte gewonnen. Dabei spielt es auch keine große Rolle, dass er sich die eine oder andere Blöße gibt.
Solange das alle machen, wirkt das ganz normal und natürlich.

Dabei geht nur noch knapp die Hälfte der Wahlberechtigten zur Wahl.
Wenn der Trend im gleichen Tempo so weiter geht, dann wird die Wahlbeteiligung noch vor 2010 unter die 50%-Marke rutschen.

Politik und Wahlkampf ist zum Selbstzweck geworden.
Egal wie hoch die Wahlbeteiligung ist, egal wie viel Prozent eine Partei bekommen hat, wichtig ist nur, dass man mehr hat als die Anderen, oder weniger verloren hat. Dann wird behauptet, man hätte die absolute Mehrheit der Wählerstimmen bekommen oder man macht sich auf die Suche nach einem möglichen Kumpan mit dem man dann die nächsten Jahre bis zur nächsten Wahl weiterwursteln kann.
Das Ganze nennt man dann “Regierungsauftrag” und spielt sich als Vertreter des “Volkes” auf, lehnt jede Einmischung oder Rüge, egal aus welcher Ecke und welcher Richtung sie kommt, kategorisch ab. Dazu beklagt man den Verfall der politischen Kultur, die Mitnahmementalität der Bürger, das mangelnde politische Interesse. Irgendwann gesteht man auch mal ein, dass es wohl nicht auf Anhieb gelungen ist, den Bürgern die notwendigen “Reformen” verständlich zu machen. Aber man müsse jetzt nach vorne blicken und die bestehenden Probleme mutig anpacken. Dazu braucht man neue Gesetze, neue Verordnungen, neue Formulare und -das ist ganz wichtig-, vor allem neue Steuern und Abgaben.
Einhellig stimmt man, meist um den Zeitpunkt der Wahl, kurz davor oder kurz danach, in das Wehklagen über die Gefahr von “Rechts” ein und sieht darin eine Gefährdung der Demokratie.
Wie die Wahl ausgeht, was Wille des Volkes ist, spielt ja keine Rolle. Wichtig ist nur, dass sich nicht groß was ändert und dass man weiterhin mitspielen kann.

Der Herr Stoiber von der CSU findet das Ergebnis “nicht optimal“, aber nur weil er die Frau Merkel (CDU) dafür verantwortlich macht und der Herr Rüttgers (CDU) äußert die Meinung, es sei die “SPD-Politik a la Sozialrambo, die ist hier abgestraft wurde” und der Herr Benneter von der SPD freut sich darüber, dass “der Frau Merkel die Felle wegschwimmen“.
Das war es dann aber auch schon.

Merkt denn eigentlich keiner in den Parteien, dass ihnen das Volk wegschwimmt?
Merkt denn eigentlich keiner, dass dieses Parteiensystem der Tod unserer Demokratie ist?

Wenn es so weitergeht, dann wird es in absehbarer Zeit wohl so sein, dass die Partei, die glaubt einen ihrer möglichen Wähler in der Nähe eines Wahllokals gesehen zu haben, sich vor die Kamera stellt und behauptet sie hätte die absolute Mehrheit errungen.

Wir werden es noch erleben, wenn wir uns die Demokratie der Parteien noch so lange leisten können.

Machopan
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