Auftrieb

21. September 2004 14:46


Ich weiß nicht, wann bei Ihnen die Post kommt.
Normalerweise ist es mir auch egal, wann der Briefträger da war, denn meist hole ich die Briefe erst aus dem Briefkasten, wenn ich nach Hause komme. Geht Ihnen vermutlich genauso.
Nicht so heute. Habe heute meinen “Home Office Day”, denn am Computer sitzen und schreiben kann ich auch zu Hause. Da muss man sich zwar den Kaffee selber kochen, aber man hat auch seine Ruhe und ist schneller mit knifflichen Dingen fertig, als wenn alle fünf Minuten jemand die Nase zur Tür reinstreckt und fragt “Haste mal 5 Minuten..?”. Ne, hab ich natürlich nicht, aber der rote Faden ist durch die Frage schon gerissen. Und wenn der Kollege dann nach einer Viertelstunde endlich das Büro verlässt, nachdem es ihm möglich war, mir mit seinem überhaupt nicht wichtigem Problem, für dessen Lösung er auch noch jeden Monat einen Haufen Geld bekommt, die Ohren blutig zu labern, brauche ich mindestens zehn Minuten um mich wieder dahin zu denken, wo mir der Faden gerissen ist.

Also bleib ich lieber zu Hause und bau mir meinen Kaffee selber. Und dann geh ich auch untertags zum Briefkasten um nach der Post zu sehen.
Um es kurz zu machen – außer Werbung war nix im Briefkasten. Aber die Tageszeitung vom Nachbarn war runtergefallen und durch den Wind ein bisschen verwurstelt und über den Gehweg verteilt worden.

Ist Ihnen eigentlich schon mal aufgefallen, dass es in den amerikanischen Spielfilmen wo dieser Junge die Post vom Fahrrad aus, haarscharf bis vor die Haustüre wirft, nie windig oder stürmisch ist? Oder dass die Fahrgäste in den Taxis das Geld immer passend haben.
Oder …. aber jetzt komm ich wieder mal vom Thema ab.

Was wollt ich denn jetzt eigentlich schreiben?
Ach so, ja – die Zeitung. Also ich such auf dem Gehweg die Einzelteile zusammen und wie ich mich da so bücke knallt mir doch die Schlagzeile mitten ins Gesicht.
Hätte mich fast umgehauen, die Schlagzeile der Frankfurter Rundschau “SPD sieht einen Sieg in der Niederlage“.
Ich guck verduzt auf das Datum, weil ich zuerst dachte ich hätte mir die Mühe gemacht hier ein älteres Zeitungsexemplar, das aus der grünen Tonne entwischt ist, wieder zusammenzubauen. Aber nein, es ist die Zeitung vom 21. September 2004.
«Nach den Wahlen in Brandenburg und Sachsen sieht Bundeskanzler Gerhard Schröder für die SPD neuen “Auftrieb”.»

Also, für mich hören sich solche Äußerungen fast wie Erleichterung an. Wie so eine Art Galgenhumor, so nach dem Motto “Mein Gott sind wir vielleicht froh, dass uns die Wähler nicht so die Schnauze poliert haben, wie sich das eigentlich gehört hätte.”
Schließlich hat man auf Bundesebene doch alles dafür getan damit man aus beiden Landtagen rausfliegt.
Da ist das vorliegende Ergebnis wirklich ein “Auftrieb”.
Wie bei einer Wasserleiche, die durch die Bildung natürlicher Verwesungsgase auch wieder an die Oberfläche kommt, aber eben als Toter.

Daher ist es auch erfreulich, dass die SPD in Sachsen ihren Platz als drittstärkste Partei mit kaum nennenswerten Verlusten, noch knapp vor der NPD behaupten konnte.
Und man hat sich einen entscheidenden Vorteil für die nächste Wahl in Sachsen geschaffen:
Man kann im Gegensatz zu CDU und PDS bei der nächsten Landtagswahl in Sachsen prozentual nur noch einstellig verlieren.”

Na wenn das kein Erfolg ist. Das gibt Auftrieb!

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 21. September 2004 um 14:46:49 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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21. September 2004 14:46


Ich weiß nicht, wann bei Ihnen die Post kommt.
Normalerweise ist es mir auch egal, wann der Briefträger da war, denn meist hole ich die Briefe erst aus dem Briefkasten, wenn ich nach Hause komme. Geht Ihnen vermutlich genauso.
Nicht so heute. Habe heute meinen “Home Office Day”, denn am Computer sitzen und schreiben kann ich auch zu Hause. Da muss man sich zwar den Kaffee selber kochen, aber man hat auch seine Ruhe und ist schneller mit knifflichen Dingen fertig, als wenn alle fünf Minuten jemand die Nase zur Tür reinstreckt und fragt “Haste mal 5 Minuten..?”. Ne, hab ich natürlich nicht, aber der rote Faden ist durch die Frage schon gerissen. Und wenn der Kollege dann nach einer Viertelstunde endlich das Büro verlässt, nachdem es ihm möglich war, mir mit seinem überhaupt nicht wichtigem Problem, für dessen Lösung er auch noch jeden Monat einen Haufen Geld bekommt, die Ohren blutig zu labern, brauche ich mindestens zehn Minuten um mich wieder dahin zu denken, wo mir der Faden gerissen ist.

Also bleib ich lieber zu Hause und bau mir meinen Kaffee selber. Und dann geh ich auch untertags zum Briefkasten um nach der Post zu sehen.
Um es kurz zu machen – außer Werbung war nix im Briefkasten. Aber die Tageszeitung vom Nachbarn war runtergefallen und durch den Wind ein bisschen verwurstelt und über den Gehweg verteilt worden.

Ist Ihnen eigentlich schon mal aufgefallen, dass es in den amerikanischen Spielfilmen wo dieser Junge die Post vom Fahrrad aus, haarscharf bis vor die Haustüre wirft, nie windig oder stürmisch ist? Oder dass die Fahrgäste in den Taxis das Geld immer passend haben.
Oder …. aber jetzt komm ich wieder mal vom Thema ab.

Was wollt ich denn jetzt eigentlich schreiben?
Ach so, ja – die Zeitung. Also ich such auf dem Gehweg die Einzelteile zusammen und wie ich mich da so bücke knallt mir doch die Schlagzeile mitten ins Gesicht.
Hätte mich fast umgehauen, die Schlagzeile der Frankfurter Rundschau “SPD sieht einen Sieg in der Niederlage“.
Ich guck verduzt auf das Datum, weil ich zuerst dachte ich hätte mir die Mühe gemacht hier ein älteres Zeitungsexemplar, das aus der grünen Tonne entwischt ist, wieder zusammenzubauen. Aber nein, es ist die Zeitung vom 21. September 2004.
«Nach den Wahlen in Brandenburg und Sachsen sieht Bundeskanzler Gerhard Schröder für die SPD neuen “Auftrieb”.»

Also, für mich hören sich solche Äußerungen fast wie Erleichterung an. Wie so eine Art Galgenhumor, so nach dem Motto “Mein Gott sind wir vielleicht froh, dass uns die Wähler nicht so die Schnauze poliert haben, wie sich das eigentlich gehört hätte.”
Schließlich hat man auf Bundesebene doch alles dafür getan damit man aus beiden Landtagen rausfliegt.
Da ist das vorliegende Ergebnis wirklich ein “Auftrieb”.
Wie bei einer Wasserleiche, die durch die Bildung natürlicher Verwesungsgase auch wieder an die Oberfläche kommt, aber eben als Toter.

Daher ist es auch erfreulich, dass die SPD in Sachsen ihren Platz als drittstärkste Partei mit kaum nennenswerten Verlusten, noch knapp vor der NPD behaupten konnte.
Und man hat sich einen entscheidenden Vorteil für die nächste Wahl in Sachsen geschaffen:
Man kann im Gegensatz zu CDU und PDS bei der nächsten Landtagswahl in Sachsen prozentual nur noch einstellig verlieren.”

Na wenn das kein Erfolg ist. Das gibt Auftrieb!

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