Konsequenzen

18. September 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Manchmal muss man sich wirklich fragen in welcher Zeit wir eigentlich leben und was in diesem Lande schief läuft.
Als Beispiel nehme ich mir zwei aktuelle Fälle, die allgemein bekannt sind bzw. über die sich jeder in der Presse informieren kann:

  1. den Programmierer des Computervirus “Sasser”
  2. den “U-Bahn-Schubser” von Hamburg zwischenzeitlich zu 30 Monaten Jugendstrafe verurteilt.

Beide Täter sind Jugendliche, der eine 18 Jahre alt, der andere 19 Jahre alt.
In einem der Fälle geht es um Gewalt gegen Menschen, gegen eine junge Frau. Direkt, brutal, vor laufender Kamera.
Im anderen Fall um Gewalt gegen Sachen, gegen Computer, gegen Netzwerke und die Menschen deren Eigentum diese Sachen sind.
Aber in beiden Fällen wird die Schädigung der Opfer durch den Täter billigend in Kauf genommen.
Über die Beweggründe der Taten lässt sich trefflich diskutieren und streiten.
War es Dummheit, Frust, Langeweile, Gedankenlosigkeit, Wut oder ein Cocktail aus allem. Geschah es spontan, aus dem Affekt oder wohl geplant?

In beiden Fällen werden sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung, Richter, Gutachter, Zeugen und vor allem die Medien um eines kümmern: Um den Täter.
Was ist das für ein Mensch? Warum hat er das gemacht? Wie sieht sein Umfeld aus? Wie war seine Kindheit? Hatte er eine schwere Jugend? Wer hat ihn dazu angestiftet? Hat er schon die notwendige charakterlicher Reife eines Erwachsenen oder ist er im Geiste ein Kind geblieben? Hat ihn sein Vater oder gar seine Mutter geschlagen, misshandelt oder, noch schlimmer, gar missbraucht? Wie ist es zu der Tat gekommen? Wurde der Täter provoziert? War er sich der Schwere seiner Tat bewusst? War er sich über die Konsequenzen seiner Tat bewusst?

Und und und …….

Und was ist mit den Opfern?
Was passiert mit denen? Wer vertritt deren Interessen und Rechte?
Wirklich nur die Staatsanwaltschaft?

Also wenn ich so in die Presse sehe und mich durch die Postings der meist jugendlichen Teilnehmer in diversen Internetforen lese, egal wie sie heisen dann gewinne ich den Eindruck, dass in dieser unserer Republik etwas nicht mehr stimmt.
Hier ist etwas in eine gefährliche Schieflage geraten.

Wir scheinen zu einem Volk der Täter geworden zu sein.
Die Täter werden bewundert, die Medien berichten über sie, ihr Tun wird entschuldigt, erklärt und als Konsequenz eines Lebens dargestellt, das nicht ideal verlaufen ist.
Zu wenig Mutterliebe, entweder dominierender Vater oder Pantoffelheld, schlechtes Milieu, Kindergarten- und/oder Schulprobleme, Scheidungskrüppel, verwöhntes Muttersöhnchen, falsche Freunde, finanzielle Probleme, Geltungsbedürfnis, Einzelgänger, Prahlhans, Klassenclown oder Versager, Pubertätsprobleme, falsche Idole, Gewaltvideos, Computerspiele, Alkohol und Drogen.

Warum wird bei den Tätern, geradezu schon fast krankhaft, immer nach mildernden Umständen gesucht?
Warum wird bei den Tätern immer versucht, deren Taten verständlich, erklärbar und für die Opfer zumutbar zu machen?
Warum werden Täter für ihre Taten auch noch bewundert?

Der achtzehnjährige Schüler, der die Software des Weltmarktführers knackt und den reichsten Mann der Welt vorführt.
Der Neunzehnjährige der nach dem Kampfsaufen auf der Reeperbahn noch in der Lage ist eine junge Frau vor die U-Bahn zu schubsen.
Was haben die beiden Täter gemein? Ist es wirklich nur ihre Jugend, die sie eint?
Liegt es vielleicht daran, dass der Täter der eigentliche Kunde der Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Richter ist? Ohne Täter wären diese Berufsgruppen arbeitslos.
Liegt es vielleicht daran, dass man mit dem Opfer kein Geld verdient?

Wer beschäftigt sich in den Medien und der Öffentlichkeit eigentlich mit den Opfern?

Mit diesen Idioten, die nicht in der Lage sind, sich und ihre Computer vor dem Computervirus eines Achtzehnjährigen zu schützen. Diese Ahnungslosen, die hoffnungsfroh jedes Mail aufmachen, egal wer der Absender ist. Diese Kinder im Geist, die durch das Internet surfen und downloaden was die Platte hergibt.

Mit dieser jungen Frau, die sich da zu früher Morgenstunde auf der U-Bahn Station Reeperbahn rumtreibt. Was hat die da eigentlich gemacht? Was hat die da gesucht?

Begreift in unserer Gesellschaft eigentlich noch jemand, dass diesen Menschen vom Täter Schaden zugefügt worden ist?
Begreift in unserer Gesellschaft noch jemand, dass die Täter gegen das Gesetz verstoßen haben, dass die Täter “Straftäter” sind und für ihre Tat bestraft werden müssen?
Begreift in unserer Gesellschaft noch jemand, dass er selbst jederzeit, morgen, oder in einer Stunde, oder jetzt gleich, aus heiterem Himmel, zum Opfer werden kann?
Macht es für die Opfer einen Unterschied, ob sie durch einen gezielten Schuss ihr Leben lassen, oder durch wildes wahlloses in die Menge ballern?

Man wird nicht als Opfer geboren.
Das sind dumme Sprüche, von dummen Menschen oder potenziellen Tätern, die versuchen ihre Tat mit der angeblichen Dummheit und/oder provokativen Verhaltensweise ihrer Opfer zu entschuldigen.

Man wird auch nicht als Täter geboren.
Man wird zum Täter! Weil man es will!
Weil man anderen Menschen schaden will, weil man sie demütigen will, weil man seine Gewalt über sie genießen will, weil man keinen Respekt vor ihnen hat, weil man seine Wut, seine Aggression an ihnen ablassen will.

Der Täter muss nicht nur den durch seine Tat entstandenen Schaden wieder gut machen, sofern das überhaupt noch möglich ist, sondern der Täter muss auch für seine Tat bestraft werden und für diese Tat büßen.
Das ist das Mindeste, was die Opfer verlangen können und IHR Recht ist:
Gerechtigkeit und eine konsequente Bestrafung der Täter nach dem Gesetz.
Das ist die Aufgabe der Richter und nicht die Suche nach Entschuldigungen und mildernden Umständen.

Muss Strafe nicht auch Abschreckung sein?
Muss Strafe nicht auch vor Wiederholung schützen?
Muss Strafe nicht auch zeitnah zur Tat erfolgen?
Muss Strafe nicht auch STRAFE sein.

Und Strafe MUSS wehtun.
So wie früher die Tracht Prügel, die der Erziehungsberechtigte, als er es noch durfte, seinem Zögling nach einem Verstoß gegen Recht und Gesetz verabreicht hat.

Machopan

Copyright (c) Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Weitere Links zum Thema:
http://www.welt.de/data/2004/09/08/329603.html

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Manchmal muss man sich wirklich fragen in welcher Zeit wir eigentlich leben und was in diesem Lande schief läuft.
Als Beispiel nehme ich mir zwei aktuelle Fälle, die allgemein bekannt sind bzw. über die sich jeder in der Presse informieren kann:

  1. den Programmierer des Computervirus “Sasser”
  2. den “U-Bahn-Schubser” von Hamburg zwischenzeitlich zu 30 Monaten Jugendstrafe verurteilt.

Beide Täter sind Jugendliche, der eine 18 Jahre alt, der andere 19 Jahre alt.
In einem der Fälle geht es um Gewalt gegen Menschen, gegen eine junge Frau. Direkt, brutal, vor laufender Kamera.
Im anderen Fall um Gewalt gegen Sachen, gegen Computer, gegen Netzwerke und die Menschen deren Eigentum diese Sachen sind.
Aber in beiden Fällen wird die Schädigung der Opfer durch den Täter billigend in Kauf genommen.
Über die Beweggründe der Taten lässt sich trefflich diskutieren und streiten.
War es Dummheit, Frust, Langeweile, Gedankenlosigkeit, Wut oder ein Cocktail aus allem. Geschah es spontan, aus dem Affekt oder wohl geplant?

In beiden Fällen werden sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung, Richter, Gutachter, Zeugen und vor allem die Medien um eines kümmern: Um den Täter.
Was ist das für ein Mensch? Warum hat er das gemacht? Wie sieht sein Umfeld aus? Wie war seine Kindheit? Hatte er eine schwere Jugend? Wer hat ihn dazu angestiftet? Hat er schon die notwendige charakterlicher Reife eines Erwachsenen oder ist er im Geiste ein Kind geblieben? Hat ihn sein Vater oder gar seine Mutter geschlagen, misshandelt oder, noch schlimmer, gar missbraucht? Wie ist es zu der Tat gekommen? Wurde der Täter provoziert? War er sich der Schwere seiner Tat bewusst? War er sich über die Konsequenzen seiner Tat bewusst?

Und und und …….

Und was ist mit den Opfern?
Was passiert mit denen? Wer vertritt deren Interessen und Rechte?
Wirklich nur die Staatsanwaltschaft?

Also wenn ich so in die Presse sehe und mich durch die Postings der meist jugendlichen Teilnehmer in diversen Internetforen lese, egal wie sie heisen dann gewinne ich den Eindruck, dass in dieser unserer Republik etwas nicht mehr stimmt.
Hier ist etwas in eine gefährliche Schieflage geraten.

Wir scheinen zu einem Volk der Täter geworden zu sein.
Die Täter werden bewundert, die Medien berichten über sie, ihr Tun wird entschuldigt, erklärt und als Konsequenz eines Lebens dargestellt, das nicht ideal verlaufen ist.
Zu wenig Mutterliebe, entweder dominierender Vater oder Pantoffelheld, schlechtes Milieu, Kindergarten- und/oder Schulprobleme, Scheidungskrüppel, verwöhntes Muttersöhnchen, falsche Freunde, finanzielle Probleme, Geltungsbedürfnis, Einzelgänger, Prahlhans, Klassenclown oder Versager, Pubertätsprobleme, falsche Idole, Gewaltvideos, Computerspiele, Alkohol und Drogen.

Warum wird bei den Tätern, geradezu schon fast krankhaft, immer nach mildernden Umständen gesucht?
Warum wird bei den Tätern immer versucht, deren Taten verständlich, erklärbar und für die Opfer zumutbar zu machen?
Warum werden Täter für ihre Taten auch noch bewundert?

Der achtzehnjährige Schüler, der die Software des Weltmarktführers knackt und den reichsten Mann der Welt vorführt.
Der Neunzehnjährige der nach dem Kampfsaufen auf der Reeperbahn noch in der Lage ist eine junge Frau vor die U-Bahn zu schubsen.
Was haben die beiden Täter gemein? Ist es wirklich nur ihre Jugend, die sie eint?
Liegt es vielleicht daran, dass der Täter der eigentliche Kunde der Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Richter ist? Ohne Täter wären diese Berufsgruppen arbeitslos.
Liegt es vielleicht daran, dass man mit dem Opfer kein Geld verdient?

Wer beschäftigt sich in den Medien und der Öffentlichkeit eigentlich mit den Opfern?

Mit diesen Idioten, die nicht in der Lage sind, sich und ihre Computer vor dem Computervirus eines Achtzehnjährigen zu schützen. Diese Ahnungslosen, die hoffnungsfroh jedes Mail aufmachen, egal wer der Absender ist. Diese Kinder im Geist, die durch das Internet surfen und downloaden was die Platte hergibt.

Mit dieser jungen Frau, die sich da zu früher Morgenstunde auf der U-Bahn Station Reeperbahn rumtreibt. Was hat die da eigentlich gemacht? Was hat die da gesucht?

Begreift in unserer Gesellschaft eigentlich noch jemand, dass diesen Menschen vom Täter Schaden zugefügt worden ist?
Begreift in unserer Gesellschaft noch jemand, dass die Täter gegen das Gesetz verstoßen haben, dass die Täter “Straftäter” sind und für ihre Tat bestraft werden müssen?
Begreift in unserer Gesellschaft noch jemand, dass er selbst jederzeit, morgen, oder in einer Stunde, oder jetzt gleich, aus heiterem Himmel, zum Opfer werden kann?
Macht es für die Opfer einen Unterschied, ob sie durch einen gezielten Schuss ihr Leben lassen, oder durch wildes wahlloses in die Menge ballern?

Man wird nicht als Opfer geboren.
Das sind dumme Sprüche, von dummen Menschen oder potenziellen Tätern, die versuchen ihre Tat mit der angeblichen Dummheit und/oder provokativen Verhaltensweise ihrer Opfer zu entschuldigen.

Man wird auch nicht als Täter geboren.
Man wird zum Täter! Weil man es will!
Weil man anderen Menschen schaden will, weil man sie demütigen will, weil man seine Gewalt über sie genießen will, weil man keinen Respekt vor ihnen hat, weil man seine Wut, seine Aggression an ihnen ablassen will.

Der Täter muss nicht nur den durch seine Tat entstandenen Schaden wieder gut machen, sofern das überhaupt noch möglich ist, sondern der Täter muss auch für seine Tat bestraft werden und für diese Tat büßen.
Das ist das Mindeste, was die Opfer verlangen können und IHR Recht ist:
Gerechtigkeit und eine konsequente Bestrafung der Täter nach dem Gesetz.
Das ist die Aufgabe der Richter und nicht die Suche nach Entschuldigungen und mildernden Umständen.

Muss Strafe nicht auch Abschreckung sein?
Muss Strafe nicht auch vor Wiederholung schützen?
Muss Strafe nicht auch zeitnah zur Tat erfolgen?
Muss Strafe nicht auch STRAFE sein.

Und Strafe MUSS wehtun.
So wie früher die Tracht Prügel, die der Erziehungsberechtigte, als er es noch durfte, seinem Zögling nach einem Verstoß gegen Recht und Gesetz verabreicht hat.

Machopan

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