Bäckereifachgehilfin

27. November 2006 05:45

Ein Bäcker sucht eine Bäckereifachgehilfin und das Fernsehen (RTL?) war wohl dabei.

Ich war anfangs der Sendung nicht ganz dabei, sondern mit den Gedanken bei meiner Steuererklärung für das vergangene Jahr, bis ich durch den Telefonanruf eines Callcenter-Agent aus meinen Grübeleien über die Komplexität des deutschen Steuerrecht gerissen wurde. Er mache eine Umfrage im Auftrag eines Frankfurter Energieversorgers teilte er mir mit fröhlicher Stimme mit und benötige meine Zeit nur eine Minute zur Beantwortung einiger Fragen.
Meine ablehnende Antwort muss er wohl überhört haben, denn er legte sich sofort ins Zeug.
„Was ich von den Benzinpreiserhöhungen halte“ wollte er wissen und gab sich mit meiner Antwort „ist mir doch wurscht“ zufrieden.
„Ob ich mein Fahrverhalten wegen der hohen Benzinpreise geändert habe“, wollte er dann wissen und ich log, dass „ich gar kein Auto habe“.
Als er unbekümmert zur dritten Frage ansetzte, nahm ich mir die Freiheit das Gespräch durch Auflegen meines Telefonhörers zu beenden.

Bei der Überlegung, wo ich eigentlich bei meiner Steuererklärung stehen geblieben war, fiel mein Blick auf den Fernsehschirm, wo RTL den Bäckermeister bei der Suche nach einer Bäckereifachgehilfin mit der Kamera beobachtete.

Beworben hatten sich wohl sechs Mädchen im Alter von 16 - 17 Jahren und der Bäcker versuchte durch einige Fragen herauszufinden, welche davon wohl die für ihn geeignete Mitarbeiterin war.
Er legte einige Backwaren auf den Tisch und ich erkannte sofort, dass darunter ein Donut, ein Schweinsohr und ein Amerikaner waren, doch keiner der Kandidatinnen waren diese Leckereien bekannt.
Als nächstes wollte der Bäcker wissen, welche Getreidesorten es denn gäbe und mir fielen spontan Weizen, Roggen und Gerste ein während sich alle Kandidatinnen in Schweigen hüllten.
Danach war Mathematik angesagt und es galt die Frage „wieviel sind 15% von 20 Euro“ zu beantworten.
Während sich in meinem Hirn die Zahl „drei“ formte, dauerte es etwas bevor eine der Kandidatinnen mit „fünf“ eine erste vorsichtige Prognose wagte.
Bäckereifachgehhilfe Angespornt durch dieses Ergebnis wollte der Bäckermeister nun wissen, wie viel Gramm denn ein halbes Pfund Butter wiege.
Ich hatte es zwischenzeitlich aufgegeben hier den Klassenprimus zu markieren und wartete gespannt auf die Antwort, die eine der Kandidatinnen nach längerem Zögern von sich gab und man konnte hinter ihrer Antwort „1000 Gramm“ förmlich das Fragezeichen spüren.

Ich wollte mich schon wieder meiner Steuererklärung zuwenden, als der Bäckermeister mit seiner nächsten Frage in die Politik wechselte und mein erneutes Interesse weckte, denn nichts ist heutzutage wichtiger als die politische Bildung von Bäckereifachgehilfinnen, die 1 Kilogramm Schweinsohren mit 15 % Rabatt zum Preis von 5 Euro verkaufen können.

„Wie heißt die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland“ war die nächste Frage des Bäckereimeisters und man sah ihm sichtlich an, dass die Hoffnung wohl jetzt zuletzt stirbt.
Um es kurz zu machen, fünf der angehendenden Bäckereifachgehilfinnen hatten absolut keine Ahnung und so war es der sechsten ein Leichtes mit „Angelika Merkel“ zu punkten.

Sie hat den Job bekommen und dank „Angelika Merkel“ sinken die Arbeitslosenzahlen.
Welch ein Aufschwung!

Wir schreiben das Jahr 2006 und ich grüble im Rahmen meiner nach bestem Wissen und Gewissen zu erstellenden Steuererklärung über die umsatzsteuerrechtliche Behandlung von Forderungen bei „Uneinbringlichkeit des Entgelts bei Aufrechnung mit angeblicher Gegenforderung über das Aufteilungsverbot“ und die Rechtsauffassung des Bundesgerichtshofes zu diesem komplexen Thema nach.
Als ob ich am Samstag Abend um 20:00 Uhr nichts Besseres zu tun hätte.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. November 2006 um 05:45:16 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Bäckereifachgehilfin”

  1. pathologe meint:

    Die Anfänge nahm dies damals, in meiner Jugend. Als der Vater eines Mitschülers in einer Elternversammlung erklärte, sein Sohn müsse nicht rechnen lernen, er hätte ja einen Taschenrechner. Das war zu den Zeiten, als die Taschenrechner noch batteriefressende rote Leuchtanzeigen hatten.

    Es sieht mir immer mehr danach aus, als ob das Leben nun wirklich auf die drei F reduziert würde: Fressen - F***en - Fernsehen. Aber das dann dauernd.

  2. lyriost meint:

    Wie man an den Formulierungen in Steuerformularen sieht, gibt es in Steuerverwaltungen ähnlich qualifizierte Kräfte wie die, die sich im Bäckerhandwerk bewerben. Möglicherweise solche, deren Fähigkeiten für das Bäckereiwesen nicht ausreichend waren und die sich dann mit all ihrer Kraft und ihren Fähigkeiten auf das Steuerwesen konzentriert haben.

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Bäckereifachgehilfin

27. November 2006 05:45

Ein Bäcker sucht eine Bäckereifachgehilfin und das Fernsehen (RTL?) war wohl dabei.

Ich war anfangs der Sendung nicht ganz dabei, sondern mit den Gedanken bei meiner Steuererklärung für das vergangene Jahr, bis ich durch den Telefonanruf eines Callcenter-Agent aus meinen Grübeleien über die Komplexität des deutschen Steuerrecht gerissen wurde. Er mache eine Umfrage im Auftrag eines Frankfurter Energieversorgers teilte er mir mit fröhlicher Stimme mit und benötige meine Zeit nur eine Minute zur Beantwortung einiger Fragen.
Meine ablehnende Antwort muss er wohl überhört haben, denn er legte sich sofort ins Zeug.
„Was ich von den Benzinpreiserhöhungen halte“ wollte er wissen und gab sich mit meiner Antwort „ist mir doch wurscht“ zufrieden.
„Ob ich mein Fahrverhalten wegen der hohen Benzinpreise geändert habe“, wollte er dann wissen und ich log, dass „ich gar kein Auto habe“.
Als er unbekümmert zur dritten Frage ansetzte, nahm ich mir die Freiheit das Gespräch durch Auflegen meines Telefonhörers zu beenden.

Bei der Überlegung, wo ich eigentlich bei meiner Steuererklärung stehen geblieben war, fiel mein Blick auf den Fernsehschirm, wo RTL den Bäckermeister bei der Suche nach einer Bäckereifachgehilfin mit der Kamera beobachtete.

Beworben hatten sich wohl sechs Mädchen im Alter von 16 - 17 Jahren und der Bäcker versuchte durch einige Fragen herauszufinden, welche davon wohl die für ihn geeignete Mitarbeiterin war.
Er legte einige Backwaren auf den Tisch und ich erkannte sofort, dass darunter ein Donut, ein Schweinsohr und ein Amerikaner waren, doch keiner der Kandidatinnen waren diese Leckereien bekannt.
Als nächstes wollte der Bäcker wissen, welche Getreidesorten es denn gäbe und mir fielen spontan Weizen, Roggen und Gerste ein während sich alle Kandidatinnen in Schweigen hüllten.
Danach war Mathematik angesagt und es galt die Frage „wieviel sind 15% von 20 Euro“ zu beantworten.
Während sich in meinem Hirn die Zahl „drei“ formte, dauerte es etwas bevor eine der Kandidatinnen mit „fünf“ eine erste vorsichtige Prognose wagte.
Bäckereifachgehhilfe Angespornt durch dieses Ergebnis wollte der Bäckermeister nun wissen, wie viel Gramm denn ein halbes Pfund Butter wiege.
Ich hatte es zwischenzeitlich aufgegeben hier den Klassenprimus zu markieren und wartete gespannt auf die Antwort, die eine der Kandidatinnen nach längerem Zögern von sich gab und man konnte hinter ihrer Antwort „1000 Gramm“ förmlich das Fragezeichen spüren.

Ich wollte mich schon wieder meiner Steuererklärung zuwenden, als der Bäckermeister mit seiner nächsten Frage in die Politik wechselte und mein erneutes Interesse weckte, denn nichts ist heutzutage wichtiger als die politische Bildung von Bäckereifachgehilfinnen, die 1 Kilogramm Schweinsohren mit 15 % Rabatt zum Preis von 5 Euro verkaufen können.

„Wie heißt die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland“ war die nächste Frage des Bäckereimeisters und man sah ihm sichtlich an, dass die Hoffnung wohl jetzt zuletzt stirbt.
Um es kurz zu machen, fünf der angehendenden Bäckereifachgehilfinnen hatten absolut keine Ahnung und so war es der sechsten ein Leichtes mit „Angelika Merkel“ zu punkten.

Sie hat den Job bekommen und dank „Angelika Merkel“ sinken die Arbeitslosenzahlen.
Welch ein Aufschwung!

Wir schreiben das Jahr 2006 und ich grüble im Rahmen meiner nach bestem Wissen und Gewissen zu erstellenden Steuererklärung über die umsatzsteuerrechtliche Behandlung von Forderungen bei „Uneinbringlichkeit des Entgelts bei Aufrechnung mit angeblicher Gegenforderung über das Aufteilungsverbot“ und die Rechtsauffassung des Bundesgerichtshofes zu diesem komplexen Thema nach.
Als ob ich am Samstag Abend um 20:00 Uhr nichts Besseres zu tun hätte.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. November 2006 um 05:45:16 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Bäckereifachgehilfin”

  1. pathologe meint:

    Die Anfänge nahm dies damals, in meiner Jugend. Als der Vater eines Mitschülers in einer Elternversammlung erklärte, sein Sohn müsse nicht rechnen lernen, er hätte ja einen Taschenrechner. Das war zu den Zeiten, als die Taschenrechner noch batteriefressende rote Leuchtanzeigen hatten.

    Es sieht mir immer mehr danach aus, als ob das Leben nun wirklich auf die drei F reduziert würde: Fressen - F***en - Fernsehen. Aber das dann dauernd.

  2. lyriost meint:

    Wie man an den Formulierungen in Steuerformularen sieht, gibt es in Steuerverwaltungen ähnlich qualifizierte Kräfte wie die, die sich im Bäckerhandwerk bewerben. Möglicherweise solche, deren Fähigkeiten für das Bäckereiwesen nicht ausreichend waren und die sich dann mit all ihrer Kraft und ihren Fähigkeiten auf das Steuerwesen konzentriert haben.

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