Gotteslästerung

27. Juni 2006 05:45

Was lob ich mir doch die guten alten Tageszeitungen!.
Auch wenn man sich beim Lesen die Finger mit Druckerschwärze beschmutzte, konnte man(n) doch die in handliche Stücke gerissenen Teile zum Säubern des Anus nach dem morgendlichen Stuhlgang verwenden.
Mit den hochglänzenden und vollelektronischen Medienprodukten gelingt das leider nicht mehr, auch wenn es das einzelne Individuum schon beim Lesen der morgendlichen Schlagzeile danach verlangt.

Stoiber will Gotteslästerung härter bestrafen“ schreibt die Netzeitung
und mir knallt ein spontanes „Herr Gott Sakrament“ durchs Hirn.
Ist das jetzt das Ergebnis von übermäßigem Alkoholgenuss oder von einem Hitzschlag im medialen Sommerloch?
Wohl eher beides!
«Es darf nicht alles mit Füßen getreten werden, was anderen heilig ist”, sagte Stoiber der “Bild”-Zeitung. Der bisherige Paragraph 166 des Strafgesetzbuches sei “völlig stumpf und wirkungslos, weil er eine Bestrafung nur dann vorsieht, wenn der öffentliche Frieden gefährdet ist und Aufruhr droht

Ausgerechnet jetzt, während in der BRddr die Fußballweltmeisterschaft der FIFA den wirtschaftlichen Aufschwung übt und die Götter der Schweinsblase über den heiligen Rasen stolpern, die Massen dem Götzen Fußball huldigen und die „Hand Gottes“ im Lande weilt, ausgerechnet dann fällt dem Stoiber so etwas ein.

Oder sollte der Engel Aloisius zwecks Überbringung der göttlichen Erleuchtung endlich die Bayrische Staatskanzlei gefunden haben?
Oder ist dem Herr Stoiber diese Erleuchtung vom Himmel direkt auf den Kopf gefallen? Möglichweise begünstigt durch die derzeitige mediale Hochwetterlage, da die Welt nach München schaute, als 180 Trommler in Lederhosen, 14 Goaßlschnalzher, 150 Schuhplattler sowie Schellenträger mit bis zu 25 kg schweren Glocken für das typisch göttlich-bayerische Ambiente sorgten.
Oder könnte es sein, dass den Herr Stoiber einfach nur ein Schlag ab hat oder ihn hinterrücks mit dem ach so stumpfen §166 aus dem besonderen Teil (Religion und Weltanschauung) des Strafgesetzbuches erhalten haben könnte?

Jetzt, wo WIR Papst sind und DU Deutschland bist, muss doch nach der neuen bayrischen Geschichtsschreibung ER ein Bayer sein und Bethlehem ein Vorort von München.
Sacklzementhallelujia!

Wie auch immer, als bekennender Atheist hat man damit wohl kein Problem.
Kein Problem zumindest mit dem religiösen Teil, der ja in Artikel 4 auch zu den wenig beachteten Selbstverständlichkeiten unseres Grundgesetzes gehört.
Nicht ganz so einfach ist das mit der „Weltanschauung“, wohl wissend, dass es davon viele gibt. Auch solche, die von sich behaupten die einzig richtige zu sein.

Doch zurück nach Deutschland, zurück zum Stoiber, der ja in regelmäßig-unregelmäßigen Zeitabständen für einen Brüller ist gut.
Nun kann man ja nicht mehr bestreiten, dass das Niveau unserer Politiker in den letzten Jahren eine parteineutrale Absenkung erfahren hat. Nachdem es seit den Tagen vor Kohl und nach Schröder dauerhaft bei Normalnull angekommen war, scheint sich nun aber im bayrischen Süden unserer Republik ein neuer Tiefenrekord abzuzeichnen.

Wer dachte, mit den Kommentaren zu Bruno dem Problembär hätte der Stoibär bereits seinen maximalen Unterhaltungswert erreicht, sah sich getäuscht.
In Timing, Aussage, Inhalt und Präsentation folgt nun mitten Sommerloch mit der „Gotteslästerung“ der vereinigte Filmriss, Hirnriss und Dünnschiss in Perfektion.

Erinnern Sie sich noch, dass im Jahre des Herrn 2002 eine Menge Menschen dieses Landes diesen Mann zum Kanzler der Republik machen wollten und noch vor wenigen Monaten war er als Wirtschaftsminister im merkelschen Gruselkabinett im Gespräch.
Selbst das Amt des Bundespräsidenten und das Amt der Präsidenten der Europäischen Kommission wurde ihm angedient.
Er hat damals dankend abgelehnt und ist lieber den bayrischen Trachtenvereinen erhalten geblieben.
Mein Gott haben wir da aber noch mal Glück gehabt!
Aber wer konnte diesen rapiden geistigen Verfall auch vorausahnen?

Was kommt nun wohl als Nächstes zur Aufrechterhaltung der göttlichen Ordnung?
Scheiterhaufen? Vierteilung? Teufelsaustreibung? Stockhiebe? Pranger? Selbstkasteiung? Oder nur kollektives zu Kreuze kriechen im Familienverbund?

Können die Bayern dieses humane Auslaufmodell ihres Freistaats nicht mal endgültig aus dem Verkehr ziehen und einer umweltverträglichen Entsorgung zuführen?
Ein aufrichtiges „Vergelt’s Gott“ aus dem Rest der Republik wäre ihnen sicher.
Um die exklusiven Rechte zur Verfilmung des „Leben des Edmund” sollen sich bereits namhafte Produzenten bemüht haben.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. Juni 2006 um 05:45:08 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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27. Juni 2006 05:45

Was lob ich mir doch die guten alten Tageszeitungen!.
Auch wenn man sich beim Lesen die Finger mit Druckerschwärze beschmutzte, konnte man(n) doch die in handliche Stücke gerissenen Teile zum Säubern des Anus nach dem morgendlichen Stuhlgang verwenden.
Mit den hochglänzenden und vollelektronischen Medienprodukten gelingt das leider nicht mehr, auch wenn es das einzelne Individuum schon beim Lesen der morgendlichen Schlagzeile danach verlangt.

Stoiber will Gotteslästerung härter bestrafen“ schreibt die Netzeitung
und mir knallt ein spontanes „Herr Gott Sakrament“ durchs Hirn.
Ist das jetzt das Ergebnis von übermäßigem Alkoholgenuss oder von einem Hitzschlag im medialen Sommerloch?
Wohl eher beides!
«Es darf nicht alles mit Füßen getreten werden, was anderen heilig ist”, sagte Stoiber der “Bild”-Zeitung. Der bisherige Paragraph 166 des Strafgesetzbuches sei “völlig stumpf und wirkungslos, weil er eine Bestrafung nur dann vorsieht, wenn der öffentliche Frieden gefährdet ist und Aufruhr droht

Ausgerechnet jetzt, während in der BRddr die Fußballweltmeisterschaft der FIFA den wirtschaftlichen Aufschwung übt und die Götter der Schweinsblase über den heiligen Rasen stolpern, die Massen dem Götzen Fußball huldigen und die „Hand Gottes“ im Lande weilt, ausgerechnet dann fällt dem Stoiber so etwas ein.

Oder sollte der Engel Aloisius zwecks Überbringung der göttlichen Erleuchtung endlich die Bayrische Staatskanzlei gefunden haben?
Oder ist dem Herr Stoiber diese Erleuchtung vom Himmel direkt auf den Kopf gefallen? Möglichweise begünstigt durch die derzeitige mediale Hochwetterlage, da die Welt nach München schaute, als 180 Trommler in Lederhosen, 14 Goaßlschnalzher, 150 Schuhplattler sowie Schellenträger mit bis zu 25 kg schweren Glocken für das typisch göttlich-bayerische Ambiente sorgten.
Oder könnte es sein, dass den Herr Stoiber einfach nur ein Schlag ab hat oder ihn hinterrücks mit dem ach so stumpfen §166 aus dem besonderen Teil (Religion und Weltanschauung) des Strafgesetzbuches erhalten haben könnte?

Jetzt, wo WIR Papst sind und DU Deutschland bist, muss doch nach der neuen bayrischen Geschichtsschreibung ER ein Bayer sein und Bethlehem ein Vorort von München.
Sacklzementhallelujia!

Wie auch immer, als bekennender Atheist hat man damit wohl kein Problem.
Kein Problem zumindest mit dem religiösen Teil, der ja in Artikel 4 auch zu den wenig beachteten Selbstverständlichkeiten unseres Grundgesetzes gehört.
Nicht ganz so einfach ist das mit der „Weltanschauung“, wohl wissend, dass es davon viele gibt. Auch solche, die von sich behaupten die einzig richtige zu sein.

Doch zurück nach Deutschland, zurück zum Stoiber, der ja in regelmäßig-unregelmäßigen Zeitabständen für einen Brüller ist gut.
Nun kann man ja nicht mehr bestreiten, dass das Niveau unserer Politiker in den letzten Jahren eine parteineutrale Absenkung erfahren hat. Nachdem es seit den Tagen vor Kohl und nach Schröder dauerhaft bei Normalnull angekommen war, scheint sich nun aber im bayrischen Süden unserer Republik ein neuer Tiefenrekord abzuzeichnen.

Wer dachte, mit den Kommentaren zu Bruno dem Problembär hätte der Stoibär bereits seinen maximalen Unterhaltungswert erreicht, sah sich getäuscht.
In Timing, Aussage, Inhalt und Präsentation folgt nun mitten Sommerloch mit der „Gotteslästerung“ der vereinigte Filmriss, Hirnriss und Dünnschiss in Perfektion.

Erinnern Sie sich noch, dass im Jahre des Herrn 2002 eine Menge Menschen dieses Landes diesen Mann zum Kanzler der Republik machen wollten und noch vor wenigen Monaten war er als Wirtschaftsminister im merkelschen Gruselkabinett im Gespräch.
Selbst das Amt des Bundespräsidenten und das Amt der Präsidenten der Europäischen Kommission wurde ihm angedient.
Er hat damals dankend abgelehnt und ist lieber den bayrischen Trachtenvereinen erhalten geblieben.
Mein Gott haben wir da aber noch mal Glück gehabt!
Aber wer konnte diesen rapiden geistigen Verfall auch vorausahnen?

Was kommt nun wohl als Nächstes zur Aufrechterhaltung der göttlichen Ordnung?
Scheiterhaufen? Vierteilung? Teufelsaustreibung? Stockhiebe? Pranger? Selbstkasteiung? Oder nur kollektives zu Kreuze kriechen im Familienverbund?

Können die Bayern dieses humane Auslaufmodell ihres Freistaats nicht mal endgültig aus dem Verkehr ziehen und einer umweltverträglichen Entsorgung zuführen?
Ein aufrichtiges „Vergelt’s Gott“ aus dem Rest der Republik wäre ihnen sicher.
Um die exklusiven Rechte zur Verfilmung des „Leben des Edmund” sollen sich bereits namhafte Produzenten bemüht haben.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. Juni 2006 um 05:45:08 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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