Seniorentreff Berlin

7. Dezember 2006 05:45

Der gute deutsche Arbeitnehmer wird spätestens mit 60 Jahren aus dem aktiven Arbeitsleben entfernt, kommt er doch nach Ansicht der Arbeitgeber mit den Anforderungen unserer modernen Wirtschaft nicht mehr im erforderlichen Maße zurecht.
Unter Berücksichtigung verschiedener demographischer Modelle muss er sich mit dem Bezug der Altersrente dann aber noch mindestens bis zum 65 Lebensjahr gedulden und im Rahmen des „HARTZ IV Seniorenüberlebenstraining“ selber gucken wie er so lange über die Runden kommt.

Wie glücklich sind da doch Mitbürger und Mitbürgerinnen, die unter der wärmenden Glaskuppel in Berlin ihre letzten warmen Tage in der untergehenden Sonne unseres Vaterlandes verbringen dürfen.
Die Hände über dem mühsam erworbenen Bäuchlein falten, die in unzähligen Wahlveranstaltungen und Redeschlachten strapazierten Stimmbänder etwas ausruhen und während den Sitzungen auch mal die eine oder andere mentale Auszeit nehmen, das sind neben den üblichen Einladungen der Lobbyisten zum Mittag- oder Abendessen oder gar zu einer kleinen Rede vor Vertretern diverser Interessenverbände das tagesfüllende Programm eines in Ehren ergrauten Parteigängers.

Dass auch die Gehirnzellen einem gewissen Alterungsprozess unterliegen, wird meist verdrängt und weil im politischen Leben die Schnelligkeit entscheidet, stiehlt man sich schon mal während den Sitzungen aus dem Saal um auf dem Rückweg von der Toilette der draußen gierig wartenden Presse Pikantes oder die neuesten Latrinengerüchte zu erzählen, oder zumindest das was man selbst noch verstanden zu haben glaubt.

Rund ein Viertel der Bundestagsabgeordneten in der 15. Wahlperiode der Republik sind älter als 60 Jahre und müssten eigentlich in unserer dem Jugendwahn verfallenen Republik längst ausgesondert werden.

Schauen Sie sich doch mal in Ihrem Kollegenkreis um.
Wie viele von denen sind wohl noch vor 1950 geboren worden?
Im Deutschen Bundestag ist das noch knapp die Hälfte: 286 von 601 = 47,6 %.
Bei der SPD sogar mehr als Hälfte: 135 von 249 = 54,2 %
Bei der CDU/CSU etwas besser, das sind es: 111 von 247 = 45%
Bei der FDP nur noch 12 von 55 = 22%

Guckst du hier - bei www.bundestag.de.

Überhaupt ist die Site www.bundestag.de sehr unterhaltsam.
Man findet dort nicht nur die Alterstruktur des Bundestags und der Parteien, sondern auch noch die Vita der einzelnen Abgeordneten. Wer sich allerdings Informationen über deren Nebeneinkünfte erwartet, wird leider enttäuscht, denn dort heißt es meist lapidar: „Die nach den Verhaltensregeln für die Mitglieder des Deutschen Bundestages veröffentlichungspflichtigen Angaben werden zum Zeitpunkt des Erscheinens des 2. Teils des Amtlichen Handbuches veröffentlicht.

Auch wenn zwischenzeitlich die Spuren der rot-grünen Regierung und besonders die unterhaltsamen Reden des Altbundeskaspers von den Webseiten der Regierung verschwunden sind, so findet sich doch noch die eine oder andere Formulierung, die beim Leser körperliche Reaktionen auslöst.
So heißt es zum Thema Diäten und „Selbstbedienung“, dass das Verfassungsgericht den Abgeordneten 1975 eine Entschädigung zugesprochen hat, «„die “eine Lebensführung gestattet, die der Bedeutung des Amtes angemessen ist”. Und genau darum geht es: um eine Entschädigung, die der Leistung, dem Arbeitseinsatz und Zeitaufwand - und vor allem: der Verantwortung der gewählten Volksvertreter - entspricht.»

Ja, genau darum geht es und das sollte nicht nur für die Vertreter des Volkes gelten sondern auch für das Volk.
Wobei ich persönlich für das zu bezahlende „Entgelt“ den Begriff „Lohn“ vorziehe, denn Arbeit und Leistung soll sich ja (für beide Seiten) „lohnen, während eine „Entschädigung“ meist dann bezahlt werden muss, wenn durch die ausgeübte Tätigkeit ein mehr oder minder großer Schaden entstanden ist.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 7. Dezember 2006 um 05:45:50 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

4 Antworten zu “Seniorentreff Berlin”

  1. erphschwester meint:

    na, den schaden haben die herrschaften ja offenbar, was sich unschwer an ihrem tun erkennen läßt.

    (ps: wir hatten heute wieder das gleiche “aufsatzthema”. ;)

  2. Pathologe meint:

    Ein kleiner Rechenfehler ist doch aufgetreten. Denn inzwischen, und das wird mich mit betreffen, wird das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre sukzessive angehoben. Somit liegen zwischen arbeitgeberberechnetem Austrittsalter und Almoseneintrittsalter 7 (in Worten SIEBEN) Jahre.
    Wieso erinnert mich das jetzt an die Bibel? Und wieso gerade nicht an die sieben fetten Jahre?

  3. mitdenker meint:

    Eine kurze Recherche bei einigen Vorständen DAX-notierter Unternehmen läßt mich den bereits geäußerten Verdacht äußern, dass die Verhältnismäßigkeit dort noch gravierender ist bezüglich der 60er Altersgrenze (auch wenn gerade eine klitzekleine Korrektur durch die Telekom erfolgte). Aufsichtsräte muss man dabei nicht betrachten, es sind ja zu oft die gleichen Personen. Meinen Vorstandsvorsitzenden habe ich mit seinen 64 Jahren direkt gefragt, ob er auch schon seinen Antrag auf prämienbegünstigtes Ausscheiden gestellt hat, den er den Mitarbeitern seines Unternehmens ab dem 55 Lebensjahr so sehr ans Herz gelegt hat. Hat er nicht, trotz des so “verlockenden” Angebotes.
    Aber wer traut sich schon, diesen diversen “Hartzer Rollern” ins Gesicht zu sagen, dass ihre Meinung über die Ineffektivität älterer Arbeitnehmer doch dann auch auf sie zutrifft.
    Es sind nicht nur die Politiker, es sind insbesondere die als Lobbyisten vor Politikers Tür stehende Personalchefs, die diesen volkswirtschaftlichen relevanten Wahnsinn betreiben. Politiker sind oft nur deren Sprachrohr.

  4. ferngesehen meint:

    Der Gedanke, dass alte Menschen - ganz natürlich - nicht mehr mithalten können (mindestens bei Hochleitungsaufgabe) ist klug und zeigt wie weit die (auch jungen) alten Säcke in der Politik noch denken lönnen.

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Seniorentreff Berlin

7. Dezember 2006 05:45

Der gute deutsche Arbeitnehmer wird spätestens mit 60 Jahren aus dem aktiven Arbeitsleben entfernt, kommt er doch nach Ansicht der Arbeitgeber mit den Anforderungen unserer modernen Wirtschaft nicht mehr im erforderlichen Maße zurecht.
Unter Berücksichtigung verschiedener demographischer Modelle muss er sich mit dem Bezug der Altersrente dann aber noch mindestens bis zum 65 Lebensjahr gedulden und im Rahmen des „HARTZ IV Seniorenüberlebenstraining“ selber gucken wie er so lange über die Runden kommt.

Wie glücklich sind da doch Mitbürger und Mitbürgerinnen, die unter der wärmenden Glaskuppel in Berlin ihre letzten warmen Tage in der untergehenden Sonne unseres Vaterlandes verbringen dürfen.
Die Hände über dem mühsam erworbenen Bäuchlein falten, die in unzähligen Wahlveranstaltungen und Redeschlachten strapazierten Stimmbänder etwas ausruhen und während den Sitzungen auch mal die eine oder andere mentale Auszeit nehmen, das sind neben den üblichen Einladungen der Lobbyisten zum Mittag- oder Abendessen oder gar zu einer kleinen Rede vor Vertretern diverser Interessenverbände das tagesfüllende Programm eines in Ehren ergrauten Parteigängers.

Dass auch die Gehirnzellen einem gewissen Alterungsprozess unterliegen, wird meist verdrängt und weil im politischen Leben die Schnelligkeit entscheidet, stiehlt man sich schon mal während den Sitzungen aus dem Saal um auf dem Rückweg von der Toilette der draußen gierig wartenden Presse Pikantes oder die neuesten Latrinengerüchte zu erzählen, oder zumindest das was man selbst noch verstanden zu haben glaubt.

Rund ein Viertel der Bundestagsabgeordneten in der 15. Wahlperiode der Republik sind älter als 60 Jahre und müssten eigentlich in unserer dem Jugendwahn verfallenen Republik längst ausgesondert werden.

Schauen Sie sich doch mal in Ihrem Kollegenkreis um.
Wie viele von denen sind wohl noch vor 1950 geboren worden?
Im Deutschen Bundestag ist das noch knapp die Hälfte: 286 von 601 = 47,6 %.
Bei der SPD sogar mehr als Hälfte: 135 von 249 = 54,2 %
Bei der CDU/CSU etwas besser, das sind es: 111 von 247 = 45%
Bei der FDP nur noch 12 von 55 = 22%

Guckst du hier - bei www.bundestag.de.

Überhaupt ist die Site www.bundestag.de sehr unterhaltsam.
Man findet dort nicht nur die Alterstruktur des Bundestags und der Parteien, sondern auch noch die Vita der einzelnen Abgeordneten. Wer sich allerdings Informationen über deren Nebeneinkünfte erwartet, wird leider enttäuscht, denn dort heißt es meist lapidar: „Die nach den Verhaltensregeln für die Mitglieder des Deutschen Bundestages veröffentlichungspflichtigen Angaben werden zum Zeitpunkt des Erscheinens des 2. Teils des Amtlichen Handbuches veröffentlicht.

Auch wenn zwischenzeitlich die Spuren der rot-grünen Regierung und besonders die unterhaltsamen Reden des Altbundeskaspers von den Webseiten der Regierung verschwunden sind, so findet sich doch noch die eine oder andere Formulierung, die beim Leser körperliche Reaktionen auslöst.
So heißt es zum Thema Diäten und „Selbstbedienung“, dass das Verfassungsgericht den Abgeordneten 1975 eine Entschädigung zugesprochen hat, «„die “eine Lebensführung gestattet, die der Bedeutung des Amtes angemessen ist”. Und genau darum geht es: um eine Entschädigung, die der Leistung, dem Arbeitseinsatz und Zeitaufwand - und vor allem: der Verantwortung der gewählten Volksvertreter - entspricht.»

Ja, genau darum geht es und das sollte nicht nur für die Vertreter des Volkes gelten sondern auch für das Volk.
Wobei ich persönlich für das zu bezahlende „Entgelt“ den Begriff „Lohn“ vorziehe, denn Arbeit und Leistung soll sich ja (für beide Seiten) „lohnen, während eine „Entschädigung“ meist dann bezahlt werden muss, wenn durch die ausgeübte Tätigkeit ein mehr oder minder großer Schaden entstanden ist.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 7. Dezember 2006 um 05:45:50 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

4 Antworten zu “Seniorentreff Berlin”

  1. erphschwester meint:

    na, den schaden haben die herrschaften ja offenbar, was sich unschwer an ihrem tun erkennen läßt.

    (ps: wir hatten heute wieder das gleiche “aufsatzthema”. ;)

  2. Pathologe meint:

    Ein kleiner Rechenfehler ist doch aufgetreten. Denn inzwischen, und das wird mich mit betreffen, wird das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre sukzessive angehoben. Somit liegen zwischen arbeitgeberberechnetem Austrittsalter und Almoseneintrittsalter 7 (in Worten SIEBEN) Jahre.
    Wieso erinnert mich das jetzt an die Bibel? Und wieso gerade nicht an die sieben fetten Jahre?

  3. mitdenker meint:

    Eine kurze Recherche bei einigen Vorständen DAX-notierter Unternehmen läßt mich den bereits geäußerten Verdacht äußern, dass die Verhältnismäßigkeit dort noch gravierender ist bezüglich der 60er Altersgrenze (auch wenn gerade eine klitzekleine Korrektur durch die Telekom erfolgte). Aufsichtsräte muss man dabei nicht betrachten, es sind ja zu oft die gleichen Personen. Meinen Vorstandsvorsitzenden habe ich mit seinen 64 Jahren direkt gefragt, ob er auch schon seinen Antrag auf prämienbegünstigtes Ausscheiden gestellt hat, den er den Mitarbeitern seines Unternehmens ab dem 55 Lebensjahr so sehr ans Herz gelegt hat. Hat er nicht, trotz des so “verlockenden” Angebotes.
    Aber wer traut sich schon, diesen diversen “Hartzer Rollern” ins Gesicht zu sagen, dass ihre Meinung über die Ineffektivität älterer Arbeitnehmer doch dann auch auf sie zutrifft.
    Es sind nicht nur die Politiker, es sind insbesondere die als Lobbyisten vor Politikers Tür stehende Personalchefs, die diesen volkswirtschaftlichen relevanten Wahnsinn betreiben. Politiker sind oft nur deren Sprachrohr.

  4. ferngesehen meint:

    Der Gedanke, dass alte Menschen - ganz natürlich - nicht mehr mithalten können (mindestens bei Hochleitungsaufgabe) ist klug und zeigt wie weit die (auch jungen) alten Säcke in der Politik noch denken lönnen.

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