Basel II

16. September 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Basel II, das ist nicht etwa der Neubau eines Atomkraftwerkes an der deutsch-schweizerischen Grenze. Nein, denn dann würden die Grünen ja Amok laufen und sich wie die Lemminge in Scharen auf süddeutsche Schienen und Straßen werfen.Basel II ist auch nicht etwa der heimlich aufgerüstete Neubau eines Kampfpanzers wie etwa einst der Leopard II, denn da wären die Pazifisten mit Blümchen und “Give peace an chance” Plakaten schon längst als “lebende Panzersperren” und “Schutzschilde für Feldhamster” unterwegs um das Übungsschießen in der Lüneburger Heide zu verhindern.

Basel II ist auch nicht der zwote Block einer nur zum Schmiergeldverteilen gebauten Müllverbrennungsanlage oder einer kommunalen Kläranlage zur umweltfreundlichen Baar-Geldwäsche oder Reinigung von Schwarz(wald)geld.

Basel II ist auch nicht der staatssubventionierte Umbau ehemaliger Militärkasernen in leerstehende Existenzgründerzentren oder die Renaturierung von Kohlehalden oder Chemiewüsten, bei deren Schaffung die Profite in die Taschen weniger “staatstragender” Personen gehäufelt wurden.

Basel II gehört auch nicht zum Reformprogramm der Bundesregierung “Rhein abwärts bis 2010″ und ist auch kein Trainingsprogramm der Bundesagentur für Arbeitsverhütungsmaßnahmen im Rahmen der “Iron Man Kampagne für Langzeitarbeitslose” mit Start in Lindau am Bodensee, Sturz in den den Rheinfall und anschließender Nordseeverklappung der überlebenden Teilnehmer nach Zielankunft in Helgoland.

Basel II ist die seit 1999 laufende Neugestaltung der Eigenkapitalvorschriften für deutsche, bzw. europäische Kreditinstitute.
Hört sich an sich harmlos an, wie etwa die Mitteilung: “Werfen Sie vor Überqueren des Zebrastreifens die erforderliche Gebühr in den dafür vorgesehenen Schlitz des Münzeinwurfautomaten” im Rahmen der Bundesinitiative “Maut für Fußgänger und alles was in dieser Republik noch laufen kann”.
Bedeutet aber in der Praxis, dass wer kein Geld hat, auch nicht “legal” auf die andere Straßenseite kommt um dort seinen “Geschäften” nachzugehen.

Basel II bedeutet im Kern, dass die Kreditinstitute zukünftig umso mehr Eigenkapital vorhalten sollen, je höher das Risiko des Kreditnehmers ist, an den sie einen Kredit vergeben.

Eine, späte Folge der New-Economy-Hype, als die Banken noch jedem innovativem Abiturienten mit einer putzigen und einmalig bescheuerten Geschäftsidee die Gründung der eigenen Aktiengesellschaft finanziert und jedem powerpointversierten Wirtschaftsbetrüger und Baulöwen den Weg zum Millionär mit einem roten Teppich ausgelegt haben.

Mein Gott – haben die Jungs damals Geld verbrannt. Wenn ich nur an den Baulöwen Schneider denke, oder Comroad, oder ……
Wer sich für das Thema interessiert soll einfach mal bei www.dotcomtod.com nachgucken. Abendfüllende Lektüre!

Zwar geht es jetzt bei Basel II zunächst nur um die Eigenkapitalvorschriften für Kreditinstitute. Mittelbar werden jedoch auch deren Kunden von diesen Veränderungen betroffen sein!
Diese beiden Sätze stammen von den Webseiten des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK)

Jetzt muss unser “Superwolfi” Bundeswirtschaftsarbeitsminister Clement das auch gelesen haben oder jemand hat ihm was geflüstert. Denn wie der Spiegel meldet sieht der Superwolfi in der «stockenden Vergabe von Krediten eine der Hauptbremsen für eine noch kräftigere Wirtschaftserholung. Hier muss es zu Veränderungen kommen.

Ich weiß jetzt zwar nicht, was Superwolfi mit “Wirtschaftserholung” meint, denn soweit mir bekannt ist, gibt es keine Steigerung von “Flaute”.

«Basel II ist ein Bremsklotz für die Pläne der Bundesregierung, die Menschen Mut zum Unternehmertum machen will.»
So steht das im Spiegel – ich sag dazu mal lieber nix.

«Die Lösung des Problems sieht der Bundesarbeitswirtschaftsminister in einer bankenübergreifenden Kreditfabrik: Die soll Kredite für alle Banken einheitlich bearbeiten. Der Kunde könnte sich dann am Bankschalter für ein bestimmtes Darlehen entscheiden. Deshalb hat die Regierung die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit der Gründung beauftragt. Ziel: Kredite sollen schneller und einfacher vergeben werden. Christine Volk von der KfW will zur Kreditfabrik nichts sagen. Klar ist laut Volk nur: “Wir wollen Kosten reduzieren und Aufträge standardisieren.” Doch noch sei unklar, wie das im Einzelnen geschehen soll.»

Na, das hört sich doch schon mal nach altbekanntem rot-grünem Strickmuster an.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Selbstständigen sind die Förderkredite im Jahr 2003 im Vergleich zu 2001 um 41 Prozent eingebrochen.
Auch eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bestätigt die Sparsamkeit der Banken: 24 Prozent der 21.000 befragten Unternehmen meldeten im Frühjahr verschlechterte Kreditkonditionen. Dazu gehören unter anderem Zinsen, Laufzeiten und Sicherheiten.

Besonders schwer haben es laut DIHK Firmen mit bis zu neun Beschäftigten: 26 Prozent mussten ungünstigere Kreditkonditionen hinnehmen, fünf Prozent wurde der Kredit ganz verwehrt. Laut Fritz-Wilhelm Pahl, Vorsitzender des DIHK-Mittelstandsausschusses, hätten viele Banken die Anforderungen verschärft.
Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband versteht die ganze Aufregung nicht. Michaela Roth: “Sie werden immer jemanden finden, der keinen Kredit bekommen hat.” Doch das heiße noch lange nicht, dass die Banken weniger Geld verleihen. Roth: “An den Sparkassen scheitert keine Kreditvergabe.”

Ach Sie glauben, diese restriktive Kreditvergabe betrifft doch nur Unternehmer?
Dann gehen Sie doch mal zu Ihrer Bank und erkundigen sich mal nach einem Kredit für … na sagen wir mal den Neubau einer Garage oder die Anschubfinanzierung einer ICH-AG.
Auch ich habe erfahren müssen, dass selbst langjährige Kunden bei der Eröffnung eines neuen Kontos bei ihrer Hausbank keinen Dispositionskredit mehr bekommen.
Das soll eine Regelung sein “die aus Berlin kommt”, hat mein Kundenberater aus der vermeintlichen Sicherheit hinter seinem Schreibtisch hervor behauptet.
Und er hat mir angedroht, dass durch Beschluss der Bundesregierung im Jahre 2006 die Auszahlung an den Geldautomaten bundesdeutscher Geldinstitute nur noch nach Prüfung des geldabheberseitigen Ratings per elektronischgenetischem Fingerabdruck möglich sein wird.
Der Grund liege im Ergebnis einer vom Interessenverband bundesrepublikanischer Fremdgeldaufbewahrungsinstitute (IVBRFGABI) durchgeführten Langzeitstudie. Danach hätten Kunden, die Geld von ihrem Konto abheben, einen erhöhten Kapitalbedarf. Den Geldinstituten würden dadurch täglich Millionenbeträge entzogen und die Kunden daher in die Rankingrisikogruppe CCC (siehe Abbildung) eingestuft.

Die Bundesregierung weiß zwar noch nicht, dass sie das im Jahre 2006 beschließen wird.
Aber die Lobbyisten des IVBRFGABI sind sich sicher, dass es mit Hilfe von Beratern und Geldinstituten aus Liechtenstein, der Schweiz und Luxemburg gelingen wird, das Problembewusstsein bei den Parteien und Parlamentariern in Berlin zu wecken und die Finanzierung einer notwendigen parlamentarischen Mehrheit zur Sicherung verbandsseitiger finanzpolitischer Interessen zu gewährleisten.

Anderenfalls müsse man damit rechnen, dass weitere Arbeitsplätze im Bankensektor abgebaut werden müssten.
Und wer möchte das denn schon?

Machopan

Copyright (c) Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Weiterführende Links zum Thema:
Rating
Berateragentur

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. September 2004 um 05:45:02 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Basel II

16. September 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Basel II, das ist nicht etwa der Neubau eines Atomkraftwerkes an der deutsch-schweizerischen Grenze. Nein, denn dann würden die Grünen ja Amok laufen und sich wie die Lemminge in Scharen auf süddeutsche Schienen und Straßen werfen.Basel II ist auch nicht etwa der heimlich aufgerüstete Neubau eines Kampfpanzers wie etwa einst der Leopard II, denn da wären die Pazifisten mit Blümchen und “Give peace an chance” Plakaten schon längst als “lebende Panzersperren” und “Schutzschilde für Feldhamster” unterwegs um das Übungsschießen in der Lüneburger Heide zu verhindern.

Basel II ist auch nicht der zwote Block einer nur zum Schmiergeldverteilen gebauten Müllverbrennungsanlage oder einer kommunalen Kläranlage zur umweltfreundlichen Baar-Geldwäsche oder Reinigung von Schwarz(wald)geld.

Basel II ist auch nicht der staatssubventionierte Umbau ehemaliger Militärkasernen in leerstehende Existenzgründerzentren oder die Renaturierung von Kohlehalden oder Chemiewüsten, bei deren Schaffung die Profite in die Taschen weniger “staatstragender” Personen gehäufelt wurden.

Basel II gehört auch nicht zum Reformprogramm der Bundesregierung “Rhein abwärts bis 2010″ und ist auch kein Trainingsprogramm der Bundesagentur für Arbeitsverhütungsmaßnahmen im Rahmen der “Iron Man Kampagne für Langzeitarbeitslose” mit Start in Lindau am Bodensee, Sturz in den den Rheinfall und anschließender Nordseeverklappung der überlebenden Teilnehmer nach Zielankunft in Helgoland.

Basel II ist die seit 1999 laufende Neugestaltung der Eigenkapitalvorschriften für deutsche, bzw. europäische Kreditinstitute.
Hört sich an sich harmlos an, wie etwa die Mitteilung: “Werfen Sie vor Überqueren des Zebrastreifens die erforderliche Gebühr in den dafür vorgesehenen Schlitz des Münzeinwurfautomaten” im Rahmen der Bundesinitiative “Maut für Fußgänger und alles was in dieser Republik noch laufen kann”.
Bedeutet aber in der Praxis, dass wer kein Geld hat, auch nicht “legal” auf die andere Straßenseite kommt um dort seinen “Geschäften” nachzugehen.

Basel II bedeutet im Kern, dass die Kreditinstitute zukünftig umso mehr Eigenkapital vorhalten sollen, je höher das Risiko des Kreditnehmers ist, an den sie einen Kredit vergeben.

Eine, späte Folge der New-Economy-Hype, als die Banken noch jedem innovativem Abiturienten mit einer putzigen und einmalig bescheuerten Geschäftsidee die Gründung der eigenen Aktiengesellschaft finanziert und jedem powerpointversierten Wirtschaftsbetrüger und Baulöwen den Weg zum Millionär mit einem roten Teppich ausgelegt haben.

Mein Gott – haben die Jungs damals Geld verbrannt. Wenn ich nur an den Baulöwen Schneider denke, oder Comroad, oder ……
Wer sich für das Thema interessiert soll einfach mal bei www.dotcomtod.com nachgucken. Abendfüllende Lektüre!

Zwar geht es jetzt bei Basel II zunächst nur um die Eigenkapitalvorschriften für Kreditinstitute. Mittelbar werden jedoch auch deren Kunden von diesen Veränderungen betroffen sein!
Diese beiden Sätze stammen von den Webseiten des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK)

Jetzt muss unser “Superwolfi” Bundeswirtschaftsarbeitsminister Clement das auch gelesen haben oder jemand hat ihm was geflüstert. Denn wie der Spiegel meldet sieht der Superwolfi in der «stockenden Vergabe von Krediten eine der Hauptbremsen für eine noch kräftigere Wirtschaftserholung. Hier muss es zu Veränderungen kommen.

Ich weiß jetzt zwar nicht, was Superwolfi mit “Wirtschaftserholung” meint, denn soweit mir bekannt ist, gibt es keine Steigerung von “Flaute”.

«Basel II ist ein Bremsklotz für die Pläne der Bundesregierung, die Menschen Mut zum Unternehmertum machen will.»
So steht das im Spiegel – ich sag dazu mal lieber nix.

«Die Lösung des Problems sieht der Bundesarbeitswirtschaftsminister in einer bankenübergreifenden Kreditfabrik: Die soll Kredite für alle Banken einheitlich bearbeiten. Der Kunde könnte sich dann am Bankschalter für ein bestimmtes Darlehen entscheiden. Deshalb hat die Regierung die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit der Gründung beauftragt. Ziel: Kredite sollen schneller und einfacher vergeben werden. Christine Volk von der KfW will zur Kreditfabrik nichts sagen. Klar ist laut Volk nur: “Wir wollen Kosten reduzieren und Aufträge standardisieren.” Doch noch sei unklar, wie das im Einzelnen geschehen soll.»

Na, das hört sich doch schon mal nach altbekanntem rot-grünem Strickmuster an.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Selbstständigen sind die Förderkredite im Jahr 2003 im Vergleich zu 2001 um 41 Prozent eingebrochen.
Auch eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bestätigt die Sparsamkeit der Banken: 24 Prozent der 21.000 befragten Unternehmen meldeten im Frühjahr verschlechterte Kreditkonditionen. Dazu gehören unter anderem Zinsen, Laufzeiten und Sicherheiten.

Besonders schwer haben es laut DIHK Firmen mit bis zu neun Beschäftigten: 26 Prozent mussten ungünstigere Kreditkonditionen hinnehmen, fünf Prozent wurde der Kredit ganz verwehrt. Laut Fritz-Wilhelm Pahl, Vorsitzender des DIHK-Mittelstandsausschusses, hätten viele Banken die Anforderungen verschärft.
Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband versteht die ganze Aufregung nicht. Michaela Roth: “Sie werden immer jemanden finden, der keinen Kredit bekommen hat.” Doch das heiße noch lange nicht, dass die Banken weniger Geld verleihen. Roth: “An den Sparkassen scheitert keine Kreditvergabe.”

Ach Sie glauben, diese restriktive Kreditvergabe betrifft doch nur Unternehmer?
Dann gehen Sie doch mal zu Ihrer Bank und erkundigen sich mal nach einem Kredit für … na sagen wir mal den Neubau einer Garage oder die Anschubfinanzierung einer ICH-AG.
Auch ich habe erfahren müssen, dass selbst langjährige Kunden bei der Eröffnung eines neuen Kontos bei ihrer Hausbank keinen Dispositionskredit mehr bekommen.
Das soll eine Regelung sein “die aus Berlin kommt”, hat mein Kundenberater aus der vermeintlichen Sicherheit hinter seinem Schreibtisch hervor behauptet.
Und er hat mir angedroht, dass durch Beschluss der Bundesregierung im Jahre 2006 die Auszahlung an den Geldautomaten bundesdeutscher Geldinstitute nur noch nach Prüfung des geldabheberseitigen Ratings per elektronischgenetischem Fingerabdruck möglich sein wird.
Der Grund liege im Ergebnis einer vom Interessenverband bundesrepublikanischer Fremdgeldaufbewahrungsinstitute (IVBRFGABI) durchgeführten Langzeitstudie. Danach hätten Kunden, die Geld von ihrem Konto abheben, einen erhöhten Kapitalbedarf. Den Geldinstituten würden dadurch täglich Millionenbeträge entzogen und die Kunden daher in die Rankingrisikogruppe CCC (siehe Abbildung) eingestuft.

Die Bundesregierung weiß zwar noch nicht, dass sie das im Jahre 2006 beschließen wird.
Aber die Lobbyisten des IVBRFGABI sind sich sicher, dass es mit Hilfe von Beratern und Geldinstituten aus Liechtenstein, der Schweiz und Luxemburg gelingen wird, das Problembewusstsein bei den Parteien und Parlamentariern in Berlin zu wecken und die Finanzierung einer notwendigen parlamentarischen Mehrheit zur Sicherung verbandsseitiger finanzpolitischer Interessen zu gewährleisten.

Anderenfalls müsse man damit rechnen, dass weitere Arbeitsplätze im Bankensektor abgebaut werden müssten.
Und wer möchte das denn schon?

Machopan

Copyright (c) Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Weiterführende Links zum Thema:
Rating
Berateragentur

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. September 2004 um 05:45:02 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)