Kölner Sexsteuer

21. Dezember 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Ein wirklich schöner Satz, der dem aufmerksamen Leser einen lautstarken Spontanbrüller entreißt, stand dieser Tage im Focus, der Zeitung für den Lokus:
In Köln wird pro Prostituierte und Monat in der Regel eine Abgabe von 150 Euro fällig

Ich habe mir mal ausgerechnet, dass das vollständige Ausbleiben der Menstruation bei Kölner Prostituierten für die Stadt einen Einnahmeausfall in Höhe von knapp 800.000 Euro bedeuten würde.
So betrachtet wird auch klar, warum die zunehmende Überalterung, die sicher auch nicht vor dem Berufsstand der Prostituierten halt macht, zur echten Existenzgefährdung der Kommune werden kann, ist doch der Beginn der Menopause gleichbedeutend mit einem Antrag auf Steuerbefreiung.

Aber jetzt mal Spaß beiseite, denn beim Geld hört der bei den meisten Menschen auch auf. Liest man den Artikel im Focus, der Zeitung für den Lokus, weiter, dann erfährt man, dass „Köln die bislang einzige deutsche Stadt ist, in der die Frauen direkt zur Kasse gebeten werden können.“

Und genau bei diesem Satz hatte ich ein Déjà-vu, denn genau diesen Schwachsinn hatte die Beste aller Frauen vor Jahresfrist mit „als ob andere berufstätige Frauen keine Steuern zahlen müssten“ kommentiert und hatte mir damals in einer lang anhaltenden und an den Schamhaaren herbeigezogenen Diskussion über die „berufliche Qualifikation bundesdeutscher Redakteure“ die Vorweihnachtsstimmung gründlich verdorben.

Und die Suche im Archiv des Focus gab meinen Déjà-vu recht, denn die Redaktion des Focus hatte den gleichen Schwachsinn vor Jahresfrist, fast auf den Tag genau am 22.12.05 um 9:07 Uhr schon einmal veröffentlich

Damals endete der Artikel mit den Worten:
Zur Zahl der Steuerpflichtigen konnte das Steuer- und Abgabenamt keine verbindliche Auskunft geben, da hinter einer Steuernummer eine einzelne Prostituierte oder auch ein ganzes Großbordell stecken könne.

Auch wenn die Verwendung der „Steuernummer“ im Zusammenhang mit dem ältesten Gewerbe der Welt eine weiteren Brüller beim Leser auslöst, so wird doch verständlich, dass die Kontrolle der Besteuerungsgrundlagen im vorliegenden Fall etwas schwierig ist, denn schließlich steckt man(n) als Mitarbeiter der Kölner Stadtverwaltung in der Sache nicht so tief drin.

Doch wie eine Sprecher des Steueramtes der Presse verriet, hat sich die Lage wohl geändert, denn seit die Sexsteuer für teilzeitarbeitende Prostituierte mit sex Euro pro Arbeitstag abgegolten werden kann, hat das dazu geführt, „dass uns die Frauen unaufgefordert ihre Krankmeldungen oder Belege für Urlaubsreisen einreichen, weil sie in dieser Zeit ja nicht gearbeitet haben. Für das Steueramt sei das ein Zeichen, dass die Abgabe bei den Betroffenen zunehmend akzeptiert werde.
Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber mir ist beim Lesen des letzten Satzes der Focus endgültig in den Lokus gefallen.

SexsteuerAber jetzt lachen Sie nicht zu früh, denn diese „Sexsteuer“ ist in der „Vergnügungssteuersatzung“ der Stadt Köln verankert und diese gilt nicht nur für das “gezielte Einräumen von sexuellem Vergnügen in Bars, Sauna, FKK oder Swingerclubs sowie ähnlichen Einrichtungen sondern auch auf dem Straßenstrich in PKWs oder Wohnwagen und in Wohnungen.
Die Stadtverwaltung in Köln treibt diese Steuern mit Vehemenz ein. Allein 10 Mitarbeiter des Kassen- und Steueramtes sind mit dem Aufspüren von Wohnungen und Appartments beschäftigt, in denen diesem Vergnügen nachgegangen wird.

Wenn Sie also in Köln wohnen und es bei Ihnen an der Wohnungstüre klingelt, dann muss es nicht unbedingt nur die GEZ sein, die für die rein theoretische Möglichkeit des Vergnügens abkassieren will nur weil Sie über ein entsprechendes Gerät verfügen, das dies ermöglicht.

Wenn Sie nicht protestieren, dann ist es für das Steueramt ein Zeichen, “dass die Abgabe bei den Betroffenen zunehmend akzeptiert werde.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 21. Dezember 2006 um 05:45:39 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Kölner Sexsteuer”

  1. Pathologe meint:

    Oha, da frage ich mich, wie, und vor allem durch wen, dort Bestechungsskandale aussehen. Wird dort der Steuereintreiber von der Prostituierten … oder doch eher umgekehrt? Und bei Callboys? Na, da steckt noch viel Potenz ial drin, in der Geschichte…

    Frohe Weihnachten ebenfalls!

  2. Fred Sky meint:

    “Waschen und rasieren” bekommt da gleich eine ganz andere Bedeutung!

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Kölner Sexsteuer

21. Dezember 2006 05:45

Mein lieber Freund!

Ein wirklich schöner Satz, der dem aufmerksamen Leser einen lautstarken Spontanbrüller entreißt, stand dieser Tage im Focus, der Zeitung für den Lokus:
In Köln wird pro Prostituierte und Monat in der Regel eine Abgabe von 150 Euro fällig

Ich habe mir mal ausgerechnet, dass das vollständige Ausbleiben der Menstruation bei Kölner Prostituierten für die Stadt einen Einnahmeausfall in Höhe von knapp 800.000 Euro bedeuten würde.
So betrachtet wird auch klar, warum die zunehmende Überalterung, die sicher auch nicht vor dem Berufsstand der Prostituierten halt macht, zur echten Existenzgefährdung der Kommune werden kann, ist doch der Beginn der Menopause gleichbedeutend mit einem Antrag auf Steuerbefreiung.

Aber jetzt mal Spaß beiseite, denn beim Geld hört der bei den meisten Menschen auch auf. Liest man den Artikel im Focus, der Zeitung für den Lokus, weiter, dann erfährt man, dass „Köln die bislang einzige deutsche Stadt ist, in der die Frauen direkt zur Kasse gebeten werden können.“

Und genau bei diesem Satz hatte ich ein Déjà-vu, denn genau diesen Schwachsinn hatte die Beste aller Frauen vor Jahresfrist mit „als ob andere berufstätige Frauen keine Steuern zahlen müssten“ kommentiert und hatte mir damals in einer lang anhaltenden und an den Schamhaaren herbeigezogenen Diskussion über die „berufliche Qualifikation bundesdeutscher Redakteure“ die Vorweihnachtsstimmung gründlich verdorben.

Und die Suche im Archiv des Focus gab meinen Déjà-vu recht, denn die Redaktion des Focus hatte den gleichen Schwachsinn vor Jahresfrist, fast auf den Tag genau am 22.12.05 um 9:07 Uhr schon einmal veröffentlich

Damals endete der Artikel mit den Worten:
Zur Zahl der Steuerpflichtigen konnte das Steuer- und Abgabenamt keine verbindliche Auskunft geben, da hinter einer Steuernummer eine einzelne Prostituierte oder auch ein ganzes Großbordell stecken könne.

Auch wenn die Verwendung der „Steuernummer“ im Zusammenhang mit dem ältesten Gewerbe der Welt eine weiteren Brüller beim Leser auslöst, so wird doch verständlich, dass die Kontrolle der Besteuerungsgrundlagen im vorliegenden Fall etwas schwierig ist, denn schließlich steckt man(n) als Mitarbeiter der Kölner Stadtverwaltung in der Sache nicht so tief drin.

Doch wie eine Sprecher des Steueramtes der Presse verriet, hat sich die Lage wohl geändert, denn seit die Sexsteuer für teilzeitarbeitende Prostituierte mit sex Euro pro Arbeitstag abgegolten werden kann, hat das dazu geführt, „dass uns die Frauen unaufgefordert ihre Krankmeldungen oder Belege für Urlaubsreisen einreichen, weil sie in dieser Zeit ja nicht gearbeitet haben. Für das Steueramt sei das ein Zeichen, dass die Abgabe bei den Betroffenen zunehmend akzeptiert werde.
Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber mir ist beim Lesen des letzten Satzes der Focus endgültig in den Lokus gefallen.

SexsteuerAber jetzt lachen Sie nicht zu früh, denn diese „Sexsteuer“ ist in der „Vergnügungssteuersatzung“ der Stadt Köln verankert und diese gilt nicht nur für das “gezielte Einräumen von sexuellem Vergnügen in Bars, Sauna, FKK oder Swingerclubs sowie ähnlichen Einrichtungen sondern auch auf dem Straßenstrich in PKWs oder Wohnwagen und in Wohnungen.
Die Stadtverwaltung in Köln treibt diese Steuern mit Vehemenz ein. Allein 10 Mitarbeiter des Kassen- und Steueramtes sind mit dem Aufspüren von Wohnungen und Appartments beschäftigt, in denen diesem Vergnügen nachgegangen wird.

Wenn Sie also in Köln wohnen und es bei Ihnen an der Wohnungstüre klingelt, dann muss es nicht unbedingt nur die GEZ sein, die für die rein theoretische Möglichkeit des Vergnügens abkassieren will nur weil Sie über ein entsprechendes Gerät verfügen, das dies ermöglicht.

Wenn Sie nicht protestieren, dann ist es für das Steueramt ein Zeichen, “dass die Abgabe bei den Betroffenen zunehmend akzeptiert werde.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 21. Dezember 2006 um 05:45:39 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Kölner Sexsteuer”

  1. Pathologe meint:

    Oha, da frage ich mich, wie, und vor allem durch wen, dort Bestechungsskandale aussehen. Wird dort der Steuereintreiber von der Prostituierten … oder doch eher umgekehrt? Und bei Callboys? Na, da steckt noch viel Potenz ial drin, in der Geschichte…

    Frohe Weihnachten ebenfalls!

  2. Fred Sky meint:

    “Waschen und rasieren” bekommt da gleich eine ganz andere Bedeutung!

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