Reformpuzzle

14. September 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Gestern ist es passiert.
Mir ist passiert, wovor sich jeder Demonstrant fürchtet, solange er noch denkt, dass nur Menschen auf die Straße gehen um von ihren demokratischen Rechten Gebrauch zu machen, die –na sagen mir mal- notorische Nörgler, politische Irrläufer oder zumindest chronische Versager sein müssen.
Dem Einen dämmert es halt früher, dass dem nicht so ist und dem Anderen halt etwas später.

Also ich steh da gestern bei der Montagsdemo in Frankfurt am schönen Main und lausche den verzerrt über den Platz herüberhallenden Worten eines von der Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen.
Da passiert es.
Neben mir sagt jemand “Halloo, wie geht’s?”
Ich zucke herum, als hätte mich jemand beim Onanieren erwischt und merke wie mir das Blut in die Ohrläppchen schießt. Ich blicke in ein bekanntes Gesicht, zu dem mir in meiner Verlegenheit der passende Name nicht sofort einfällt.
Bin ich mit dem Herrn per “Sie” oder per “Du”? Muss mir jetzt der Nachname oder der Vorname einfallen?
Seine nächste Frage “ist das die Montagsdemo?” verschafft mir genügend Zeit um die benötigten Informationen aus meinem biologischem Datenspeicher abzurufen. Danke Gedächtnis, das hast du erkennungsdienstlich wieder prima hingekriegt:

Ehemaliger Arbeitskollege, Dipl. Ing., gleiche Abteilung, ungefähr in meinem Alter, verheiratet, zwei Kinder, etwas schüchtern, aber sonst menschlich in Ordnung.

“Ja, das ist die Montagsdemo, hat gerade erst angefangen”, sage ich und füge dann hinzu, “wie geht es dir?”

Nach einem kurzen Zögern antwortet er: “Ich bin noch immer beim alten Haufen, bzw. dem was von ihm noch übrig ist. Sieht nicht gut aus im Moment. Aber jetzt soll ja der Aufschwung kommen und ab 2005 soll es ja besser werden. Die paar Monate halten wir das doch noch locker durch, oder? Und dann …..”
Seine letzten Wort gehen im infernalischen Rückkopplungspfeifen unter, das aus den gequälten Lautsprechern dringt.

“Ich bin nur zufällig hier vorbeigekommen”, ist das nächste was ich akustisch wieder verstehe, “ich wollte schnell noch in den Kaufhof. Eine CD für meinen Sohn kaufen, der hat übermorgen Geburtstag. Meine Frau hat mir aufgeschrieben, was ich kaufen soll. Irgendwo muss ich doch den Zettel haben”.
Er fängt an mit der rechten Hand in den Hosen- und Jackentaschen zu suchen. In der linken Hand hält er ein Stück zusammengerollte Plastikfolie. Er wird immer nervöser, weil er anscheinend den Zettel nicht finden kann. Ich widme meine Aufmerksamkeit den Geschehnissen auf dem Platz, denn der Demonstrationszug beginnt sich zu formieren und die Polizisten machen sich daran die Straße für den Autoverkehr zu sperren. Der ehemalige Arbeitskollege neben mir ist immer noch wild am Suchen, als ihm die zusammengerollte Plastikfolie aus der Hand und auf den Boden fällt.

Es ist eine Klarsichtfolie mit einem Blatt Papier drin. “Hartz muss weg!” steht da in dicken Großbuchstaben. Wir starren beide auf das Papier am Boden. Ich fasse mich als Erster und hebe sein “Protestplakat” auf. Dann nehme ich ihn am Arm und ziehe ihn auf die Seite. “Komm wir warten noch ein paar Minuten, dann sind die ganzen Jungs mit ihren Transparenten und Trillerpfeifen vorbei. Weiter hinten kann man sich auch besser unterhalten.”

Und so kam es dass wir zusammen in der Montagsdemo mitgelaufen sind um gegen die Maßnahmen der uns Regierenden zu protestieren.
Bei mir war es der dritte Montag, bei meinem Kollegen der erste.

Unterwegs hat er mir seine Sicht der Dinge erzählt.
“Weißt du”, hat er gesagt, “weißt du, was passiert ist eigentlich ganz einfach, wenn man mal das Reformenpuzzle zusammensetzt und sich die Füllworte bei den Erklärungen der “Reformer” wegdenkt.
Dass wir durch steigende Produktivität der Maschinen weniger Arbeitnehmer brauchen ist wohl allgemein bekannt.
Dass es in den letzten Jahren nicht gelungen ist, eigentlich auch nie ernsthaft versucht wurde, Millionen Arbeitslose wieder in Lohn und Brot zu bekommen ist auch bekannt.
Weiter ist auch bekannt, dass der Produktionsfaktor Arbeit mit hohen Sozialkosten belastet ist.
Also hat man sich zwei Dinge auf die Fahne geschrieben:

  1. Den Umbau der Sozialsysteme
  2. Die Umstrukturierung des Arbeitsmarktes

Den Umbau der Sozialsystem erleben wir bzw. werden wir noch erleben, durch Umschichtung der Beitragslasten weg von den Arbeitgebern auf den Versicherten (Praxisgebühr, Rezeptgebühr, Zuzahlungen, Zahnersatz), geforderte Eigenvorsorge (Riester u.a.) und durch Zwangsrekrutierung weiterer Beitragszahler (Bürgerversicherung).Bei der Umstrukturierung des Arbeitsmarktes geht es um zwei zentrale Dinge:

  1. Mit den arbeitsfähigen Arbeitslosen einen staatlich subventionierten “zweiten” Arbeitsmarkt mit Billiglohnkräften zu bilden.
  2. Den Staatsanteil an der Finanzierung dieses Bereichs ab 2005 drastisch herunterzufahren. Anspruch auf staatliche Hilfe hat nur noch wer selbst kein “Vermögen” mehr hat.

Das ist der Stand heute!Und die Menschen, die davon ab Januar 2005 betroffen sein werden und die Menschen, die begriffen haben, was passieren wird, die gehen heute auf die Straße und wehren sich, weil ihnen klar ist, was das ab nächstem Jahr bedeutet.
Und wie wird es morgen aussehen?

  1. Der Umbau der Sozialsysteme wird weitergehen, solange bis der Produktionsfaktor “Arbeit” nicht mehr mit Sozialkosten belastet ist und die Kosten in Gänze vom Versicherten getragen werden.
  2. Aus dem “ersten” Arbeitsmarkt werden Jobs in den “zweiten” Arbeitsmarkt verlagert. Das heißt, dass die unteren Lohngruppen im “ersten” Arbeitsmarkt gekündigt werden (Aufhebung des Kündigungsschutzes) und (personengleich) mit 1-Euro-Arbeitnehmern aus dem “zweiten” Arbeitsmarkt ersetzt werden.
  3. Danach oder zeitgleich wird auf das Lohngefüge des “ersten” Arbeitsmarktes Druck ausgeübt um zu einer massiven Absenkung der Löhne und Gehälter zu kommen (Mehrarbeit ohne Lohnausgleich, Lohn- und Gehaltskürzungen, Wegfall von Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld).

Wer aufmuckt fliegt (Aufhebung des Kündigungsschutzes) – in den “zweiten” Arbeitsmarkt.
Es muss jedem Bürger und Arbeitnehmer klar sein, was der “zweite” Arbeitsmarkt bedeutet: “Billiglöhner am Rande des Existenzminimums und soziale Armut. Wer aufmuckt, dem wird der staatliche Exístenzsicherungszuschuss gekürzt. Jetzt macht auch die “Zumutbarkeitsregelung” einen Sinn.”

Warum ausgerechnet die SPD, die Soziale Partei Deutschland, das macht?
Die Erklärung ist ebenfalls ganz einfach: “Weil es keine andere Partei machen könnte, ohne die Gewerkschaften und Millionen von Arbeitnehmern auf die Straße zu treiben.
Das können nur die Sozis machen, weil denen eigentlich keiner zugetraut hat, dass sie ihre Wähler und große Teile des Volkes in die soziale Armut treiben.”
Wer davon betroffen ist?
Vermutlich jeder Bürger und Arbeitnehmer.
Ich auch, bei uns in der Firma ist es ein offenes Geheimnis, dass die Gehälter ab 2005 um 20% gekürzt werden sollen und 15 % der Belegschaft abgebaut werden. Es ist eine Riesensauerei, was die jetzt mit uns machen. Wer nicht damit einverstanden ist in eine neue GmbH überzuwechseln und die 20%-ige Gehaltskürzung akzeptiert, wird entlassen. Ich hab eigentlich nur die Alternative ab Januar 2005 in die Arbeitslosigkeit zu gehen, denn einen Job bekommen ich mit meinen 57 Jahren nicht mehr. Dann wartet ab 2006 ALG II auf mich, aber bekommen werde ich nichts, weil ich noch die Eigentumswohnung und eine Lebensversicherung habe. Also was mach ich dann bis zur Rente mit 65 oder gar 67?
Oder ich gehe in die neue GmbH und akzeptiere die 20% Lohnkürzung. Eine Beschäftigungsgarantie gibt es allerdings nicht und wenn der Teufel es will, dann geh ich eben ein paar Monate später in die Arbeitslosigkeit. Allerdings dann mit niedrigerem Arbeitslosengeld. Ich werde also noch dafür bestraft, dass ich versuche so lange wie möglich zu arbeiten.

Und wenn ich 65 bin, soweit ich es bis dahin schaffe, dann ist meine Wohnung weg, meine Lebensversicherung weg, und bei der Rente fehlen mir die sonst beitragstärksten Jahre bis zum Rentenbeginn. Ich habe mir von der BFA meine Rente ausrechnen lassen. Es ist ein Witz, für den ich ein Leben lang gearbeitet, Beiträge und Steuern bezahlt und zwei Kinder großgezogen habe. Das ist ein Scheißsystem, ich hab ne Stinkwut. Wem dieser Irrsinn nützt? Irgendjemand wird es wohl nützen. Mir nützt es auf jeden Fall nicht”

“Da hast du wohl recht”, hab ich gesagt und laut gerufen: “Hartz muss weg ! Hartz muss weg! Schröder muss weg! Schröder muss weg!”
Und das wird erst der Anfang sein.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 14. September 2004 um 05:45:29 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Soziales, Persönliches | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Reformpuzzle”

  1. Machopan meint:

    Dreieinhalb Jahre später:
    Hartz ist weg, Schröder ist weg und ich bin auch weg.
    Der Kollege ist noch da, aber arbeitslos, denn es kam so wie er es geahnt hatte. Aber er hatte immer noch Hoffnung auf Besserung.
    Und diese Hoffnung hat er heute noch.
    Er wird sie mit ins Grab nehmen.

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Reformpuzzle

14. September 2004 05:45

Mein lieber Freund!

Gestern ist es passiert.
Mir ist passiert, wovor sich jeder Demonstrant fürchtet, solange er noch denkt, dass nur Menschen auf die Straße gehen um von ihren demokratischen Rechten Gebrauch zu machen, die –na sagen mir mal- notorische Nörgler, politische Irrläufer oder zumindest chronische Versager sein müssen.
Dem Einen dämmert es halt früher, dass dem nicht so ist und dem Anderen halt etwas später.

Also ich steh da gestern bei der Montagsdemo in Frankfurt am schönen Main und lausche den verzerrt über den Platz herüberhallenden Worten eines von der Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen.
Da passiert es.
Neben mir sagt jemand “Halloo, wie geht’s?”
Ich zucke herum, als hätte mich jemand beim Onanieren erwischt und merke wie mir das Blut in die Ohrläppchen schießt. Ich blicke in ein bekanntes Gesicht, zu dem mir in meiner Verlegenheit der passende Name nicht sofort einfällt.
Bin ich mit dem Herrn per “Sie” oder per “Du”? Muss mir jetzt der Nachname oder der Vorname einfallen?
Seine nächste Frage “ist das die Montagsdemo?” verschafft mir genügend Zeit um die benötigten Informationen aus meinem biologischem Datenspeicher abzurufen. Danke Gedächtnis, das hast du erkennungsdienstlich wieder prima hingekriegt:

Ehemaliger Arbeitskollege, Dipl. Ing., gleiche Abteilung, ungefähr in meinem Alter, verheiratet, zwei Kinder, etwas schüchtern, aber sonst menschlich in Ordnung.

“Ja, das ist die Montagsdemo, hat gerade erst angefangen”, sage ich und füge dann hinzu, “wie geht es dir?”

Nach einem kurzen Zögern antwortet er: “Ich bin noch immer beim alten Haufen, bzw. dem was von ihm noch übrig ist. Sieht nicht gut aus im Moment. Aber jetzt soll ja der Aufschwung kommen und ab 2005 soll es ja besser werden. Die paar Monate halten wir das doch noch locker durch, oder? Und dann …..”
Seine letzten Wort gehen im infernalischen Rückkopplungspfeifen unter, das aus den gequälten Lautsprechern dringt.

“Ich bin nur zufällig hier vorbeigekommen”, ist das nächste was ich akustisch wieder verstehe, “ich wollte schnell noch in den Kaufhof. Eine CD für meinen Sohn kaufen, der hat übermorgen Geburtstag. Meine Frau hat mir aufgeschrieben, was ich kaufen soll. Irgendwo muss ich doch den Zettel haben”.
Er fängt an mit der rechten Hand in den Hosen- und Jackentaschen zu suchen. In der linken Hand hält er ein Stück zusammengerollte Plastikfolie. Er wird immer nervöser, weil er anscheinend den Zettel nicht finden kann. Ich widme meine Aufmerksamkeit den Geschehnissen auf dem Platz, denn der Demonstrationszug beginnt sich zu formieren und die Polizisten machen sich daran die Straße für den Autoverkehr zu sperren. Der ehemalige Arbeitskollege neben mir ist immer noch wild am Suchen, als ihm die zusammengerollte Plastikfolie aus der Hand und auf den Boden fällt.

Es ist eine Klarsichtfolie mit einem Blatt Papier drin. “Hartz muss weg!” steht da in dicken Großbuchstaben. Wir starren beide auf das Papier am Boden. Ich fasse mich als Erster und hebe sein “Protestplakat” auf. Dann nehme ich ihn am Arm und ziehe ihn auf die Seite. “Komm wir warten noch ein paar Minuten, dann sind die ganzen Jungs mit ihren Transparenten und Trillerpfeifen vorbei. Weiter hinten kann man sich auch besser unterhalten.”

Und so kam es dass wir zusammen in der Montagsdemo mitgelaufen sind um gegen die Maßnahmen der uns Regierenden zu protestieren.
Bei mir war es der dritte Montag, bei meinem Kollegen der erste.

Unterwegs hat er mir seine Sicht der Dinge erzählt.
“Weißt du”, hat er gesagt, “weißt du, was passiert ist eigentlich ganz einfach, wenn man mal das Reformenpuzzle zusammensetzt und sich die Füllworte bei den Erklärungen der “Reformer” wegdenkt.
Dass wir durch steigende Produktivität der Maschinen weniger Arbeitnehmer brauchen ist wohl allgemein bekannt.
Dass es in den letzten Jahren nicht gelungen ist, eigentlich auch nie ernsthaft versucht wurde, Millionen Arbeitslose wieder in Lohn und Brot zu bekommen ist auch bekannt.
Weiter ist auch bekannt, dass der Produktionsfaktor Arbeit mit hohen Sozialkosten belastet ist.
Also hat man sich zwei Dinge auf die Fahne geschrieben:

  1. Den Umbau der Sozialsysteme
  2. Die Umstrukturierung des Arbeitsmarktes

Den Umbau der Sozialsystem erleben wir bzw. werden wir noch erleben, durch Umschichtung der Beitragslasten weg von den Arbeitgebern auf den Versicherten (Praxisgebühr, Rezeptgebühr, Zuzahlungen, Zahnersatz), geforderte Eigenvorsorge (Riester u.a.) und durch Zwangsrekrutierung weiterer Beitragszahler (Bürgerversicherung).Bei der Umstrukturierung des Arbeitsmarktes geht es um zwei zentrale Dinge:

  1. Mit den arbeitsfähigen Arbeitslosen einen staatlich subventionierten “zweiten” Arbeitsmarkt mit Billiglohnkräften zu bilden.
  2. Den Staatsanteil an der Finanzierung dieses Bereichs ab 2005 drastisch herunterzufahren. Anspruch auf staatliche Hilfe hat nur noch wer selbst kein “Vermögen” mehr hat.

Das ist der Stand heute!Und die Menschen, die davon ab Januar 2005 betroffen sein werden und die Menschen, die begriffen haben, was passieren wird, die gehen heute auf die Straße und wehren sich, weil ihnen klar ist, was das ab nächstem Jahr bedeutet.
Und wie wird es morgen aussehen?

  1. Der Umbau der Sozialsysteme wird weitergehen, solange bis der Produktionsfaktor “Arbeit” nicht mehr mit Sozialkosten belastet ist und die Kosten in Gänze vom Versicherten getragen werden.
  2. Aus dem “ersten” Arbeitsmarkt werden Jobs in den “zweiten” Arbeitsmarkt verlagert. Das heißt, dass die unteren Lohngruppen im “ersten” Arbeitsmarkt gekündigt werden (Aufhebung des Kündigungsschutzes) und (personengleich) mit 1-Euro-Arbeitnehmern aus dem “zweiten” Arbeitsmarkt ersetzt werden.
  3. Danach oder zeitgleich wird auf das Lohngefüge des “ersten” Arbeitsmarktes Druck ausgeübt um zu einer massiven Absenkung der Löhne und Gehälter zu kommen (Mehrarbeit ohne Lohnausgleich, Lohn- und Gehaltskürzungen, Wegfall von Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld).

Wer aufmuckt fliegt (Aufhebung des Kündigungsschutzes) – in den “zweiten” Arbeitsmarkt.
Es muss jedem Bürger und Arbeitnehmer klar sein, was der “zweite” Arbeitsmarkt bedeutet: “Billiglöhner am Rande des Existenzminimums und soziale Armut. Wer aufmuckt, dem wird der staatliche Exístenzsicherungszuschuss gekürzt. Jetzt macht auch die “Zumutbarkeitsregelung” einen Sinn.”

Warum ausgerechnet die SPD, die Soziale Partei Deutschland, das macht?
Die Erklärung ist ebenfalls ganz einfach: “Weil es keine andere Partei machen könnte, ohne die Gewerkschaften und Millionen von Arbeitnehmern auf die Straße zu treiben.
Das können nur die Sozis machen, weil denen eigentlich keiner zugetraut hat, dass sie ihre Wähler und große Teile des Volkes in die soziale Armut treiben.”
Wer davon betroffen ist?
Vermutlich jeder Bürger und Arbeitnehmer.
Ich auch, bei uns in der Firma ist es ein offenes Geheimnis, dass die Gehälter ab 2005 um 20% gekürzt werden sollen und 15 % der Belegschaft abgebaut werden. Es ist eine Riesensauerei, was die jetzt mit uns machen. Wer nicht damit einverstanden ist in eine neue GmbH überzuwechseln und die 20%-ige Gehaltskürzung akzeptiert, wird entlassen. Ich hab eigentlich nur die Alternative ab Januar 2005 in die Arbeitslosigkeit zu gehen, denn einen Job bekommen ich mit meinen 57 Jahren nicht mehr. Dann wartet ab 2006 ALG II auf mich, aber bekommen werde ich nichts, weil ich noch die Eigentumswohnung und eine Lebensversicherung habe. Also was mach ich dann bis zur Rente mit 65 oder gar 67?
Oder ich gehe in die neue GmbH und akzeptiere die 20% Lohnkürzung. Eine Beschäftigungsgarantie gibt es allerdings nicht und wenn der Teufel es will, dann geh ich eben ein paar Monate später in die Arbeitslosigkeit. Allerdings dann mit niedrigerem Arbeitslosengeld. Ich werde also noch dafür bestraft, dass ich versuche so lange wie möglich zu arbeiten.

Und wenn ich 65 bin, soweit ich es bis dahin schaffe, dann ist meine Wohnung weg, meine Lebensversicherung weg, und bei der Rente fehlen mir die sonst beitragstärksten Jahre bis zum Rentenbeginn. Ich habe mir von der BFA meine Rente ausrechnen lassen. Es ist ein Witz, für den ich ein Leben lang gearbeitet, Beiträge und Steuern bezahlt und zwei Kinder großgezogen habe. Das ist ein Scheißsystem, ich hab ne Stinkwut. Wem dieser Irrsinn nützt? Irgendjemand wird es wohl nützen. Mir nützt es auf jeden Fall nicht”

“Da hast du wohl recht”, hab ich gesagt und laut gerufen: “Hartz muss weg ! Hartz muss weg! Schröder muss weg! Schröder muss weg!”
Und das wird erst der Anfang sein.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 14. September 2004 um 05:45:29 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Soziales, Persönliches | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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  1. Machopan meint:

    Dreieinhalb Jahre später:
    Hartz ist weg, Schröder ist weg und ich bin auch weg.
    Der Kollege ist noch da, aber arbeitslos, denn es kam so wie er es geahnt hatte. Aber er hatte immer noch Hoffnung auf Besserung.
    Und diese Hoffnung hat er heute noch.
    Er wird sie mit ins Grab nehmen.

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