Weihnachtsmärchen

28. Dezember 2006 05:45

Mein lieber Freund

Das Jahr 2006 neigt sich dem Ende zu und die Zeit der verklärenden Jahresrückblicke und Weihnachtsmärchen läuft bereits auf vollen Touren.
Auch einer der hartnäckigsten Märchenerzähler der Republik namens Hans-Werner Sinn, fand es wieder mal an der Zeit eines seiner Märchen in der Wirtschaftswoche abzulassen..

Diesmal ist es das Märchen von „Hans-Werner und die Armut der kleinen Leute“.
Hans-Werner kommt nach Berechnungen seines Ifo-Institutes zu der Meinung, dass es diese Armut gar nicht gibt, denn die Einkommen der armen Bevölkerungsschichten sind in den letzten Jahren sogar gestiegen.

Man muss sich wirklich, auch wenn’s schwer fällt, mal die Zeit nehmen und die Mühe machen um in die Märchenwelt des Hans-Werner Sinn einzudringen, denn der Mann ist nicht etwa leicht unterbelichtet sondern ein richtiger Überzeugungstäter. Man muss sicher zu seinen Gunsten annehmen, dass er das wirklich glaubt, was er da so absondert, denn sonst würde er ja lügen.
Den Mann sollte man auch nicht unterschätzen, denn rein mathematisch hat er durchaus recht, aber die Schlüsse, die er aus seinen Berechnungen zieht rollen einem normalen Menschen dann doch schlichtweg die Nasenflügel hoch.

Dazu ein schlichtes Beispiel:
Zwei Personen verdienen zusammen 11.000 Euro, wobei die Person A 10.000 Euro verdient und die Person B lediglich 1.000 Euro. Im Durchschnitt verdient also jeder 5.500 Euro. Steigt nun der Verdienst der Person A um 1.000 Euro und der Verdienst von Person B bleibt unverändert, dann verdienen beide Personen im Durchschnitt 6.000 Euro. Person B verdient damit im Durchschnitt 500 Euro mehr wie vorher.

Beim Herrn Sinn hört sich dieser Unsinn in etwa so an:
Institut für WeihnachtsmärchenDie Nettohaushaltseinkommen sind nur deshalb gefallen, weil sich die Haushaltsgröße verkleinert hat. Während im Jahr 1991 zu einem Haushalt statistisch 2,26 Personen gehörten, waren es im Jahr 2005 nur noch 2,12. Nach einer entsprechenden Korrektur zeigt sich, dass das reale Nettoeinkommen pro Kopf in der genannten Zeitspanne um vier Prozent stieg. Das ist zwar auch nicht viel, aber doch eben eine Steigerung statt einer Senkung. Die realen Nettoeinkommen der Arbeitnehmerhaushalte sind pro Kopf sogar um etwa acht Prozent gestiegen. Es gibt insofern also Anlass zur Entwarnung.

Auch für die Tatsache, dass immer mehr Deutsche von Armut bedroht sind, hat Sinn eine ganz einfache Erklärung, denn nach den Kriterien der EU gilt als arm, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittsnettoeinkommens verdient.
Damit, so Hans-Werner Sinn „wachse bei steigenden Einkommen der Reichen der Anteil der Armen automatisch. Und wehe, es gibt jetzt die vielfach geforderten Lohnerhöhungen. Dann steigt die Zahl der „Armen“, die unter die 60-Prozent-Grenze fallen, weiter.

Und wieder hat der Hans-Werner Sinn im mathematischen Sinne recht.
Doch seine Forderung „Armutsbekämpfung durch Lohnzurückhaltung“ macht natürlich keinen Sinn, denn es sind sicher nicht die Lohnempfänger, die mit überdurchschnittlichen Einkommen für die seit Jahren andauernde Vermehrung der Armen sorgen.
Daher ergibt auch die, durch den Märchenonkel Sinn mit Vehemenz vertretene Losung, „Abbau der Arbeitslosigkeit durch Verzicht auf Lohnerhöhungen“ keinen Sinn, den sonst würde die Republik ja seit Jahren unter der Last der offenen Stellen ächzen.

Aber das hat sich entweder noch nicht bis zum Herrn Sinn herumgesprochen oder, und das ist vermutlich der wahre Grund, es passt einfach nicht zu seiner Ideologie und „Armut durch Arbeitslosigkeit“ liegt jenseits seiner Märchenwelten.

Auch wenn dem Herrn Sinn der intellektuelle Zugang zu anderen Denkmodellen über Ursache und Wirkung von Armut verschlossen bleibt, so sieht er dennoch durch „die Ungleichheit zwischen Arm und Reich, aber auch zwischen dem Durchschnitt und den unteren Schichten eine dramatische Zunahme der Spannungen in unserer Gesellschaft.
Leider sind die Schlüsse, die er aus dieser Hoffnung erweckenden Erkenntnis zieht, wieder mal aus dem „Globalisierungshandbuch für Dummies“ abgeschrieben: „Das sind die Kräfte der Globalisierung. Wir stehen hier erst am Anfang einer Entwicklung. Denn die Armut, die uns im täglichen Leben begegnet, hat überhaupt nur wenig mit fehlendem Geld zu tun. Der wahre Grund für die Probleme der deutschen Unterschicht ist statt beim Geld bei den fehlenden Arbeitsplätzen und der damit verbundenen sozialen Ausgrenzung zu suchen.“

Damit ist -frei nach Hans-Werner Sinn- klar, dass die Armen wegen „fehlender Arbeitsplätze und sozialer Ausgrenzung“ arm dran sind und die Reichen nur deshalb reich sind, weil sie „viel Geld“ haben.
Da mag er wohl recht haben der Herr Sinn, oder haben Sie schon mal einen Millionär wegen „sozialer Ausgrenzung“ jammern hören?

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 28. Dezember 2006 um 05:45:46 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

4 Antworten zu “Weihnachtsmärchen”

  1. erphschwester meint:

    wie immer: vollkommen sinn-frei.

  2. Soistdatt meint:

    Wer glaubt denn noch solchen gekauften “Experten” wie Sinn?

  3. Machopan meint:

    Viele, viel zu viele.
    Leider!
    Finanziert werden die “Forschungen” des Ifo übrigens über öffentliche “Subventionen” oder “Aufträge” der öffentlichen Hand.
    Dass der Herr Sinn so viel Unsinniges und wenig Systemkritisches absondert könnte natürlich auch an dieser Pressemeldung liegen.

  4. Wolfgang S. meint:

    Puh,…ich kann diesen Kerl einfach nicht ausstehen. Ich rege mich regelmäßig über seine unglaublich naiven Verdummungs-Taktiken auf. Jetzt war der Kerl hier in Augsburg und hat in der IHK seine Märchenstunde abgehalten. Anderntags gewährte ihm die Stadtzeitung eine halbe Seite um seine “wissenschaftlich erarbeitete Weltsicht” darzulegen. Um es mal klarzustellen, ich kann damit leben, wenn Unternehmer Gegenargumente gegen bspw. Gewerkschaften bringen. Aber Hr.Sinn lügt z.T. das sich die Balken biegen. So behauptete er: Es ist ein Skandal, daß eine alleinerziehende, arbeitslose Mutter mit 4 Kindern als Hartz-IV-Empfängerin und Zulagen(?), 2500 Euro im Monat bekommt. Wer sich mit Hartz IV auskennt, weiß, diese Zahlen sind schlicht und einfach erfunden! Aber kommentarlos werden seine erz-reaktionären “Erkenntnisse” aufs Volk losgelassen. So funktioniert eben Propaganda: Wiederhole es immer wieder, bis Leute daran glauben. Ich finde ihn zum Kotzen!

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Weihnachtsmärchen

28. Dezember 2006 05:45

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Das Jahr 2006 neigt sich dem Ende zu und die Zeit der verklärenden Jahresrückblicke und Weihnachtsmärchen läuft bereits auf vollen Touren.
Auch einer der hartnäckigsten Märchenerzähler der Republik namens Hans-Werner Sinn, fand es wieder mal an der Zeit eines seiner Märchen in der Wirtschaftswoche abzulassen..

Diesmal ist es das Märchen von „Hans-Werner und die Armut der kleinen Leute“.
Hans-Werner kommt nach Berechnungen seines Ifo-Institutes zu der Meinung, dass es diese Armut gar nicht gibt, denn die Einkommen der armen Bevölkerungsschichten sind in den letzten Jahren sogar gestiegen.

Man muss sich wirklich, auch wenn’s schwer fällt, mal die Zeit nehmen und die Mühe machen um in die Märchenwelt des Hans-Werner Sinn einzudringen, denn der Mann ist nicht etwa leicht unterbelichtet sondern ein richtiger Überzeugungstäter. Man muss sicher zu seinen Gunsten annehmen, dass er das wirklich glaubt, was er da so absondert, denn sonst würde er ja lügen.
Den Mann sollte man auch nicht unterschätzen, denn rein mathematisch hat er durchaus recht, aber die Schlüsse, die er aus seinen Berechnungen zieht rollen einem normalen Menschen dann doch schlichtweg die Nasenflügel hoch.

Dazu ein schlichtes Beispiel:
Zwei Personen verdienen zusammen 11.000 Euro, wobei die Person A 10.000 Euro verdient und die Person B lediglich 1.000 Euro. Im Durchschnitt verdient also jeder 5.500 Euro. Steigt nun der Verdienst der Person A um 1.000 Euro und der Verdienst von Person B bleibt unverändert, dann verdienen beide Personen im Durchschnitt 6.000 Euro. Person B verdient damit im Durchschnitt 500 Euro mehr wie vorher.

Beim Herrn Sinn hört sich dieser Unsinn in etwa so an:
Institut für WeihnachtsmärchenDie Nettohaushaltseinkommen sind nur deshalb gefallen, weil sich die Haushaltsgröße verkleinert hat. Während im Jahr 1991 zu einem Haushalt statistisch 2,26 Personen gehörten, waren es im Jahr 2005 nur noch 2,12. Nach einer entsprechenden Korrektur zeigt sich, dass das reale Nettoeinkommen pro Kopf in der genannten Zeitspanne um vier Prozent stieg. Das ist zwar auch nicht viel, aber doch eben eine Steigerung statt einer Senkung. Die realen Nettoeinkommen der Arbeitnehmerhaushalte sind pro Kopf sogar um etwa acht Prozent gestiegen. Es gibt insofern also Anlass zur Entwarnung.

Auch für die Tatsache, dass immer mehr Deutsche von Armut bedroht sind, hat Sinn eine ganz einfache Erklärung, denn nach den Kriterien der EU gilt als arm, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittsnettoeinkommens verdient.
Damit, so Hans-Werner Sinn „wachse bei steigenden Einkommen der Reichen der Anteil der Armen automatisch. Und wehe, es gibt jetzt die vielfach geforderten Lohnerhöhungen. Dann steigt die Zahl der „Armen“, die unter die 60-Prozent-Grenze fallen, weiter.

Und wieder hat der Hans-Werner Sinn im mathematischen Sinne recht.
Doch seine Forderung „Armutsbekämpfung durch Lohnzurückhaltung“ macht natürlich keinen Sinn, denn es sind sicher nicht die Lohnempfänger, die mit überdurchschnittlichen Einkommen für die seit Jahren andauernde Vermehrung der Armen sorgen.
Daher ergibt auch die, durch den Märchenonkel Sinn mit Vehemenz vertretene Losung, „Abbau der Arbeitslosigkeit durch Verzicht auf Lohnerhöhungen“ keinen Sinn, den sonst würde die Republik ja seit Jahren unter der Last der offenen Stellen ächzen.

Aber das hat sich entweder noch nicht bis zum Herrn Sinn herumgesprochen oder, und das ist vermutlich der wahre Grund, es passt einfach nicht zu seiner Ideologie und „Armut durch Arbeitslosigkeit“ liegt jenseits seiner Märchenwelten.

Auch wenn dem Herrn Sinn der intellektuelle Zugang zu anderen Denkmodellen über Ursache und Wirkung von Armut verschlossen bleibt, so sieht er dennoch durch „die Ungleichheit zwischen Arm und Reich, aber auch zwischen dem Durchschnitt und den unteren Schichten eine dramatische Zunahme der Spannungen in unserer Gesellschaft.
Leider sind die Schlüsse, die er aus dieser Hoffnung erweckenden Erkenntnis zieht, wieder mal aus dem „Globalisierungshandbuch für Dummies“ abgeschrieben: „Das sind die Kräfte der Globalisierung. Wir stehen hier erst am Anfang einer Entwicklung. Denn die Armut, die uns im täglichen Leben begegnet, hat überhaupt nur wenig mit fehlendem Geld zu tun. Der wahre Grund für die Probleme der deutschen Unterschicht ist statt beim Geld bei den fehlenden Arbeitsplätzen und der damit verbundenen sozialen Ausgrenzung zu suchen.“

Damit ist -frei nach Hans-Werner Sinn- klar, dass die Armen wegen „fehlender Arbeitsplätze und sozialer Ausgrenzung“ arm dran sind und die Reichen nur deshalb reich sind, weil sie „viel Geld“ haben.
Da mag er wohl recht haben der Herr Sinn, oder haben Sie schon mal einen Millionär wegen „sozialer Ausgrenzung“ jammern hören?

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 28. Dezember 2006 um 05:45:46 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

4 Antworten zu “Weihnachtsmärchen”

  1. erphschwester meint:

    wie immer: vollkommen sinn-frei.

  2. Soistdatt meint:

    Wer glaubt denn noch solchen gekauften “Experten” wie Sinn?

  3. Machopan meint:

    Viele, viel zu viele.
    Leider!
    Finanziert werden die “Forschungen” des Ifo übrigens über öffentliche “Subventionen” oder “Aufträge” der öffentlichen Hand.
    Dass der Herr Sinn so viel Unsinniges und wenig Systemkritisches absondert könnte natürlich auch an dieser Pressemeldung liegen.

  4. Wolfgang S. meint:

    Puh,…ich kann diesen Kerl einfach nicht ausstehen. Ich rege mich regelmäßig über seine unglaublich naiven Verdummungs-Taktiken auf. Jetzt war der Kerl hier in Augsburg und hat in der IHK seine Märchenstunde abgehalten. Anderntags gewährte ihm die Stadtzeitung eine halbe Seite um seine “wissenschaftlich erarbeitete Weltsicht” darzulegen. Um es mal klarzustellen, ich kann damit leben, wenn Unternehmer Gegenargumente gegen bspw. Gewerkschaften bringen. Aber Hr.Sinn lügt z.T. das sich die Balken biegen. So behauptete er: Es ist ein Skandal, daß eine alleinerziehende, arbeitslose Mutter mit 4 Kindern als Hartz-IV-Empfängerin und Zulagen(?), 2500 Euro im Monat bekommt. Wer sich mit Hartz IV auskennt, weiß, diese Zahlen sind schlicht und einfach erfunden! Aber kommentarlos werden seine erz-reaktionären “Erkenntnisse” aufs Volk losgelassen. So funktioniert eben Propaganda: Wiederhole es immer wieder, bis Leute daran glauben. Ich finde ihn zum Kotzen!

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