Neujahrsansprachen 2007

2. Januar 2007 05:45

Es kam am letzten Tag des Jahres wie es kommen musste.
Wer sich zwischen 19:00 und 21:00 Uhr durch die Kanäle der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten zappte, konnte neben „Dinner for One“ und der Frage „same procedure as last year Miss Sophie?“ auch einige der bundesdeutschen Landesfürsten nebst Bundesoma Angela mit gefalteten Händen und salbungsvollen Worten bei Volkes Gehirnwäsche bewundern.

Mir selbst gelang es das Gebabbel des Herrn Koch aus Hessen, das Geschwätz des Herrn Beck aus Rheinland-Pfalz und die Bergpredigt der Frau Merkel aus Berlin zu ertragen, bevor der stetig stärker werdende Wunsch nach körperlicher Gewalt vollständig vom unerträglich werdenden Brechreiz überlagert wurde.

Durch die Beiträge zog sich wie ein mehr oder minder starker Nebelschweif die Hoffnung auf den Aufschwung, die angeblich deutlich spürbaren Erfolge im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, die wundersame Gesundung der Landeshaushalte und des Bundeshaushalts, die Erklärung der notwendigen Reformen, sowie ein gewisses Verständnis für die Probleme, Ängste und Nöte weiter Teile unserer Bevölkerung.
Brechreiz pur für jeden, der seit Jahren das politische und wirtschaftliche Geschehen in unserem Land verfolgt und man verspürt den Wunsch den politischen Vorbetern nicht nur ins Wort zu fallen, sondern sie auch noch gleich aufs Maul zu hauen.

Mit einem langen Ausflug in die Historie des Landes Rheinland-Pfalz begann der für „Waschen und Schneiden“ über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt gewordene Landesvater Kurt Beck seine Rede zum ersten Tag des Jahres 2007 mit dem originellen Hinweis, dass Rheinland-Pfalz nun schon sein 60-jähriges Jubiläum feiern dürfe. In 2006 war es die Entscheidung der französischen Besatzungsmacht zur Gründung des Landes und in 2007 wird es die Annahme der Verfassung durch die Bürger per Volksentscheid. Wir dürfen gespannt sein, welches 60-jährige Jubiläum für 2008 herhalten muss. Weiter erwähnenswert war für Beck, dass es nun schon mehr Kindergartenplätze für Kinder unter drei Jahren gibt und bis ins Jahr 2010 jeder Zweijährige einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz haben wird.
So mancher mag sich an das Recht der Arbeitslosen erinnern, die laut Altbundeskanzler Schröder schon länger „ein Recht darauf haben in Arbeit vermittelt zu werden“.
Bei Beck liest sich diese „soziale Komponente“ in der Neujahrsansprache wie folgt: „Jede und jeder in unserem Land – gleich welcher sozialen Herkunft – muss die Chance erhalten, am gemeinsam erarbeiteten Wohlstand teilzuhaben. Wir dürfen keinen am Wegrand zurücklassen.
Hauptsache ist doch nur, dass er die Haare geschnitten hat und keinen Bart trägt der älter ist als drei Tage.

Der Roland Koch wählte mit „zum ersten Mal seit langer Zeit gibt es guten Grund anzunehmen, dass das nächste Jahr wirtschaftlich sehr viel erfolgreicher werden wird, als das abgelaufene und als die Jahre zuvor“ eine wesentlich unverbindlichere Variante zur Besänftigung der hessischen Bevölkerung.
Auch sei es positiv, „dass die Menschen angesichts der erfreulichen Wirtschaftsentwicklung nun wieder Hoffnung schöpfen könnten.
Überhaupt sprach Koch sehr viel von Hoffnung und dem Engagement Einzelner, denn der Gesetzgeber könne diese Hoffnungen nicht (alleine) verwirklichen, aber alle zusammen hätten dann doch Grund zum Optimismus.

NeujahrsanspracheWie zu erwarten war schwelgte die Bundesangela zuerst mal in den Erinnerungen und Rauschzuständen an das WM-Sommermärchen, bevor sie die üblichen Absichtserklärungen wie „Senkung der Schuldenlast“, „Abbau der Arbeitslosigkeit“, „Stärkung der Familie“ und „bessere Bildung“ mit Füllworten aus ihrer Zeit als aktives FDJ-Mitglied verband und von den „Pionieren der Forschung“, „unseren Besten“, dem „Mitreißenden von schwarz-rot und gold“ und den „Werten und Wurzeln“ unserer Gesellschaft faselte.

Getreu nach dem Motto der Bundeskanzlerin „Überraschen wir uns damit was möglich ist“ blieb dem Bürger dieses geschundenen Landes nicht nur in den letzten Stunden des Jahres 2006 nach den Selbstbeweihräucherungen, verklärten Rückblicken und zuversichtlichen Vorausschauen nur noch die apathische Lethargie oder das alkoholische Koma.
Lassen wir uns daher in 2007 „überraschen, zu was diese Regierung noch fähig ist“, denn Ende Januar 2007 wird die Mehrwertsteuererhöhung mit der gekürzten Pendlerpauschale, dem halbierten Sparerfreibetrag und den gestiegenen Beitragsätzen in der gesetzlichen Krankenversicherung erstmals im Geldbeutel der Bürger zusammentreffen.
Doch keine Angst, dass der wirtschaftliche Aufschwung unseres Landes durch das von unserer Kanzlerin befürchtete Strohfeuer gefährdet wird, denn das wird auch im Jahre 2007 aus den Köpfen unserer Politiker weitere Nahrung finden.

Übrigens wurde zum Jahreswechsel 2006/2007 nichts gesagt, was nicht schon der Bundesschröder anno 2002 verzapft hätte.
Und so wünschten uns die Dampfplauderer am Ende ihrer Neujahrsansprachen „alles Gute und ein gutes, erfülltes, friedliches, erfolgreiches und gesegnetes neues Jahr 2007“, denn das kostet sie nichts und wir werden es brauchen.

In Ewigkeit - Amen.


(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. Januar 2007 um 05:45:14 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Neujahrsansprachen 2007”

  1. Fred Sky meint:

    Die feine Ironie unserer Kanzlerin

    Wenn eine Physikerin vom Quantensprung redet und ihre Vasallen damit Siebenmeilenstiefel assoziieren, oh … tut das weh! Auch ist beim “Aufschwung” das Gesetz von “actio gleich reactio” zu beachten, d.h., wenn man zwei Meter aus einem sinkenden Boot ans rettende Land springen will, so muß man vier Meter weit springen, weil das Boot zwei Meter zurückweicht. Springt man nur die zwei sichtbaren Meter Richtung Land, weicht das Boot einen Meter zurück und man fällt ins Wasser.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Quantensprung

  2. Fred Sky meint:

    Hallo, Machopan, muß mich nochmal melden, habe nichts Besseres vor. Du hast ein besonderes Talent, eine spitze Zunge und oft vernünftige Ansichten. Diese sind aber immer im Zynismus bzw. Sarkasmus versteckt, den ich auch liebe. Da bestehen aber philosophische Gefahren: http://www.philosophische-praxis.at/daimon.html
    Formuliere mal, was Du willst, das ist schwerer! Mir fällt auch nur immer ein, was ich nicht will! Man findet sich ja mit vielem ab, keinesfalls aber mit Dummheit und Krieg. Daher hoffe ich als Atheist, daß sich die “Gläubigen” endlich dazu aufraffen, ihre ewigen Streitereien zu beenden. Den Versuch des Papstes dazu bewerte ich positiv, denn wer nichts weiß, der glaubt, und das ist die Mehrheit, die man lenken muß. Also, so lustig meckern wie bisher, aber gelegentlich einen persönlichen Vorschlag, wie es besser gehen würde. Meckern steckt an, vielleicht Denken auch?
    Viele Grüße …
    Antwort von Machopan: Klugscheißer, mach Deine eigene Homepage!

  3. Machopan meint:

    @Fred Sky
    Dass du deinen eigenen Kommentar in meinem Namen kommentierst, finde ich nun nicht gerade schick, denn ich würde nie “Klugscheißer” zu jemand sagen :-)

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Neujahrsansprachen 2007

2. Januar 2007 05:45

Es kam am letzten Tag des Jahres wie es kommen musste.
Wer sich zwischen 19:00 und 21:00 Uhr durch die Kanäle der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten zappte, konnte neben „Dinner for One“ und der Frage „same procedure as last year Miss Sophie?“ auch einige der bundesdeutschen Landesfürsten nebst Bundesoma Angela mit gefalteten Händen und salbungsvollen Worten bei Volkes Gehirnwäsche bewundern.

Mir selbst gelang es das Gebabbel des Herrn Koch aus Hessen, das Geschwätz des Herrn Beck aus Rheinland-Pfalz und die Bergpredigt der Frau Merkel aus Berlin zu ertragen, bevor der stetig stärker werdende Wunsch nach körperlicher Gewalt vollständig vom unerträglich werdenden Brechreiz überlagert wurde.

Durch die Beiträge zog sich wie ein mehr oder minder starker Nebelschweif die Hoffnung auf den Aufschwung, die angeblich deutlich spürbaren Erfolge im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, die wundersame Gesundung der Landeshaushalte und des Bundeshaushalts, die Erklärung der notwendigen Reformen, sowie ein gewisses Verständnis für die Probleme, Ängste und Nöte weiter Teile unserer Bevölkerung.
Brechreiz pur für jeden, der seit Jahren das politische und wirtschaftliche Geschehen in unserem Land verfolgt und man verspürt den Wunsch den politischen Vorbetern nicht nur ins Wort zu fallen, sondern sie auch noch gleich aufs Maul zu hauen.

Mit einem langen Ausflug in die Historie des Landes Rheinland-Pfalz begann der für „Waschen und Schneiden“ über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt gewordene Landesvater Kurt Beck seine Rede zum ersten Tag des Jahres 2007 mit dem originellen Hinweis, dass Rheinland-Pfalz nun schon sein 60-jähriges Jubiläum feiern dürfe. In 2006 war es die Entscheidung der französischen Besatzungsmacht zur Gründung des Landes und in 2007 wird es die Annahme der Verfassung durch die Bürger per Volksentscheid. Wir dürfen gespannt sein, welches 60-jährige Jubiläum für 2008 herhalten muss. Weiter erwähnenswert war für Beck, dass es nun schon mehr Kindergartenplätze für Kinder unter drei Jahren gibt und bis ins Jahr 2010 jeder Zweijährige einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz haben wird.
So mancher mag sich an das Recht der Arbeitslosen erinnern, die laut Altbundeskanzler Schröder schon länger „ein Recht darauf haben in Arbeit vermittelt zu werden“.
Bei Beck liest sich diese „soziale Komponente“ in der Neujahrsansprache wie folgt: „Jede und jeder in unserem Land – gleich welcher sozialen Herkunft – muss die Chance erhalten, am gemeinsam erarbeiteten Wohlstand teilzuhaben. Wir dürfen keinen am Wegrand zurücklassen.
Hauptsache ist doch nur, dass er die Haare geschnitten hat und keinen Bart trägt der älter ist als drei Tage.

Der Roland Koch wählte mit „zum ersten Mal seit langer Zeit gibt es guten Grund anzunehmen, dass das nächste Jahr wirtschaftlich sehr viel erfolgreicher werden wird, als das abgelaufene und als die Jahre zuvor“ eine wesentlich unverbindlichere Variante zur Besänftigung der hessischen Bevölkerung.
Auch sei es positiv, „dass die Menschen angesichts der erfreulichen Wirtschaftsentwicklung nun wieder Hoffnung schöpfen könnten.
Überhaupt sprach Koch sehr viel von Hoffnung und dem Engagement Einzelner, denn der Gesetzgeber könne diese Hoffnungen nicht (alleine) verwirklichen, aber alle zusammen hätten dann doch Grund zum Optimismus.

NeujahrsanspracheWie zu erwarten war schwelgte die Bundesangela zuerst mal in den Erinnerungen und Rauschzuständen an das WM-Sommermärchen, bevor sie die üblichen Absichtserklärungen wie „Senkung der Schuldenlast“, „Abbau der Arbeitslosigkeit“, „Stärkung der Familie“ und „bessere Bildung“ mit Füllworten aus ihrer Zeit als aktives FDJ-Mitglied verband und von den „Pionieren der Forschung“, „unseren Besten“, dem „Mitreißenden von schwarz-rot und gold“ und den „Werten und Wurzeln“ unserer Gesellschaft faselte.

Getreu nach dem Motto der Bundeskanzlerin „Überraschen wir uns damit was möglich ist“ blieb dem Bürger dieses geschundenen Landes nicht nur in den letzten Stunden des Jahres 2006 nach den Selbstbeweihräucherungen, verklärten Rückblicken und zuversichtlichen Vorausschauen nur noch die apathische Lethargie oder das alkoholische Koma.
Lassen wir uns daher in 2007 „überraschen, zu was diese Regierung noch fähig ist“, denn Ende Januar 2007 wird die Mehrwertsteuererhöhung mit der gekürzten Pendlerpauschale, dem halbierten Sparerfreibetrag und den gestiegenen Beitragsätzen in der gesetzlichen Krankenversicherung erstmals im Geldbeutel der Bürger zusammentreffen.
Doch keine Angst, dass der wirtschaftliche Aufschwung unseres Landes durch das von unserer Kanzlerin befürchtete Strohfeuer gefährdet wird, denn das wird auch im Jahre 2007 aus den Köpfen unserer Politiker weitere Nahrung finden.

Übrigens wurde zum Jahreswechsel 2006/2007 nichts gesagt, was nicht schon der Bundesschröder anno 2002 verzapft hätte.
Und so wünschten uns die Dampfplauderer am Ende ihrer Neujahrsansprachen „alles Gute und ein gutes, erfülltes, friedliches, erfolgreiches und gesegnetes neues Jahr 2007“, denn das kostet sie nichts und wir werden es brauchen.

In Ewigkeit - Amen.


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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. Januar 2007 um 05:45:14 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Neujahrsansprachen 2007”

  1. Fred Sky meint:

    Die feine Ironie unserer Kanzlerin

    Wenn eine Physikerin vom Quantensprung redet und ihre Vasallen damit Siebenmeilenstiefel assoziieren, oh … tut das weh! Auch ist beim “Aufschwung” das Gesetz von “actio gleich reactio” zu beachten, d.h., wenn man zwei Meter aus einem sinkenden Boot ans rettende Land springen will, so muß man vier Meter weit springen, weil das Boot zwei Meter zurückweicht. Springt man nur die zwei sichtbaren Meter Richtung Land, weicht das Boot einen Meter zurück und man fällt ins Wasser.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Quantensprung

  2. Fred Sky meint:

    Hallo, Machopan, muß mich nochmal melden, habe nichts Besseres vor. Du hast ein besonderes Talent, eine spitze Zunge und oft vernünftige Ansichten. Diese sind aber immer im Zynismus bzw. Sarkasmus versteckt, den ich auch liebe. Da bestehen aber philosophische Gefahren: http://www.philosophische-praxis.at/daimon.html
    Formuliere mal, was Du willst, das ist schwerer! Mir fällt auch nur immer ein, was ich nicht will! Man findet sich ja mit vielem ab, keinesfalls aber mit Dummheit und Krieg. Daher hoffe ich als Atheist, daß sich die “Gläubigen” endlich dazu aufraffen, ihre ewigen Streitereien zu beenden. Den Versuch des Papstes dazu bewerte ich positiv, denn wer nichts weiß, der glaubt, und das ist die Mehrheit, die man lenken muß. Also, so lustig meckern wie bisher, aber gelegentlich einen persönlichen Vorschlag, wie es besser gehen würde. Meckern steckt an, vielleicht Denken auch?
    Viele Grüße …
    Antwort von Machopan: Klugscheißer, mach Deine eigene Homepage!

  3. Machopan meint:

    @Fred Sky
    Dass du deinen eigenen Kommentar in meinem Namen kommentierst, finde ich nun nicht gerade schick, denn ich würde nie “Klugscheißer” zu jemand sagen :-)

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