EU Hochzeit

16. Januar 2007 05:45

Lieber Freund

Dass die einst schöne Braut Europa ab und an auch mal ihre Tage bekommen wird, war jedem EU-Normalo nicht nur angesichts der ständig größer werdenden Anzahl von Hochzeitswerbern klar.

Spätestens seit dem französischen „Non“ und dem niederländischen „Nee“ scheint das auch den Brauteltern klar geworden zu sein. Das sollte man als EU-Normalo eigentlich meinen, denn die Ablehnung der Europäischen Verfassung könnte sicher genauso ein deutsches „Nein“, ein spanisches „No“ oder gar ein italienisches „Neanche a crepare“ sein.

Doch nun wird die mächtigste Merkelin aller Zeiten, die erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland und im Rahmen einer Doppelpräsidentschaft im Jahr 2007 nicht nur G8-Präsidentin, sondern von Januar bis Juli 2007 auch noch Präsidentin des Europäischen Rats.
Was sie sich in dieser Funktion auf die Fahne geschrieben hat, verklickerte sie dieser Tage in der 2DF-Sendung „Berlin direkt“:
«Ausgangspunkt ist dieser bisherige Verfassungsvertrag. Wir haben ihn im Deutschen Bundestag mit großer Mehrheit ratifiziert und 18 andere, oder 17 andere mit uns auch. Das heißt, wir können jetzt nicht von vorne anfangen. Wieder ein Konvent einberufen, davon halte ich überhaupt nichts. Unsere Aufgabe ist ja noch nicht, einen Vertrag vorzulegen am Ende unserer Präsidentschaft, sondern zu sagen, wie es weitergeht. Und da ist völlig klar, wir können die Europäische Union überhaupt gar nicht mehr funktionsfähig halten, wenn wir nicht einen Verfassungsvertrag bekommen, wo gesagt wird, wie wird abgestimmt, wie sieht die zukünftige Kommission aus. Wir brauchen einen Außenminister, ich glaube, das zeigt sich angesichts der internationalen Krisen. Und jetzt werden wir uns mal anhören, und das ist meine Aufgabe, die Aufgabe des Bundesaußenministers: Was haben die einzelnen Mitgliedsstaaten eigentlich vorzutragen, was ihnen nicht gefällt. Und daraus, glaube ich, kann man dann zum Ende unserer Präsidentschaft sehen, was wir unbedingt auch erhalten müssen.»
Und im Bundestag warnte die Kanzlerin: «Ich hielte es für ein historisches Versäumnis, wenn wir es nicht schaffen bis zur nächsten Europawahl mit der Substanz des Verfassungsvertrages so umzugehen, dass wir auch wirklich ein Ergebnis abliefern können.”»

EU Hochzeit

Doch so neu ist das nicht, denn wenn man sich wirklich dafür interessieren würde, dann fände man (nicht nur als Politiker) Hinweise in Unzahl, dass es mit der Meinung der Bürger über Europa nicht zum Besten steht. Dazu muss man nur einmal den Bürgern zuhören und/oder in den Archiven der ZEITungen recherchieren.

Am Ende der Präsidentschaft von „uns Angela“ werden wir wissen, ob sie den Abgeordneten des Deutschen Bundestages nicht eigentlich sagen wollte, dass sie es für ein historisches Versäumnis halte, „wenn wir es nicht schaffen bis zur nächsten Europawahl die Substanz des Verfassungsvertrages so zu umgehen, dass wir auch ein Ergebnis abliefern können.

Viel besser und vor allem auch viel demokratischer als „Angela im Euroland“ wäre es doch, wenn man endlich die Bürger Europas mehr in diese „historischen Entscheidungen“ einbinden würde, um der Trickserei, Ignoranz und Selbstherrlichkeit der Regierenden endlich ein Ende zu setzen, denn bisher haben die ausgekungelten Kompromisse Europa weder mehr Demokratie noch mehr sozialwirtschaftliche Sicherheit und Gerechtigkeit gebracht.
Menschen, egal welcher Nation, denen man überraschend den Boden unter den Füßen wegzieht oder ihnen gar ein Bein stellt, geraten aus dem Schritt, fallen um und vielleicht sogar auf die Schnauze, je nachdem in welcher Situation sie dieses „historische Ereignis“ ereilt.
So mancher kommt da ohne fremde Hilfe nicht mehr hoch. Da nützt es auch wenig oder gar nichts, wenn man ihn auffordert aufzustehen und vertrauensvoll in die Zukunft zu sehen.

Das „Alte Europa“ existiert nicht mehr und mit dem „Neuen Europa“ der Politiker, der Parteien, der Kommissionen, Kommissare und Bürokraten können und wollen sich immer weniger Bürger identifizieren. Die Zustimmung zu diesem Europa ist ebenso wie die Stimmung in Europa auf einem Tiefpunkt angelangt.
Daran wird auch die sechsmonatige „Hochzeit“ der Bundesangela, die schon vor der Hochzeitsnacht in „froher Erwartung“ ist, nichts ändern.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. Januar 2007 um 05:45:52 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “EU Hochzeit”

  1. Lazarus meint:

    Machopan !!!!! Wie kannst Du denn so ein Volk in eine solche gravierende Entscheidung eingreifen lassen wollen !!!! Wir sind eine fleißige, kreative und disziplinierte Mannschaft, die auf allen Decks dieser TITANIC (meist in Innenkabinen unter der Wasserlinie) wie besessen schuftet und blind darauf vertraut, daß die Auserwählten auf der Brücke und auf den Luxusdecks alles erdenklich Gute für sich, den Kahn und die Crew tun !!!! Immer in dem Bewußtsein, das jedes Volk die Regierung hat, die es verdient …

  2. Machopan meint:

    Vermutlich habe ich als Heranwachsender zu oft “Meuterei auf der Bounty” gesehen und mir damit den Charakter bis in hohe Alter verdorben, denn ich neige auch heute bei eklatanten Führungsfehlern und mangelnder Sozialkompetenz zu “Teeren und Federn”, “Kielholen”, “Auspeitschen” und “Aufknüpfen” :-)

  3. Lazarus meint:

    Dann treiben alle Riffe und Eisberge vehement auf den endgültig führerlosen … oder mit Autopilot manipulierten Pott zu …

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EU Hochzeit

16. Januar 2007 05:45

Lieber Freund

Dass die einst schöne Braut Europa ab und an auch mal ihre Tage bekommen wird, war jedem EU-Normalo nicht nur angesichts der ständig größer werdenden Anzahl von Hochzeitswerbern klar.

Spätestens seit dem französischen „Non“ und dem niederländischen „Nee“ scheint das auch den Brauteltern klar geworden zu sein. Das sollte man als EU-Normalo eigentlich meinen, denn die Ablehnung der Europäischen Verfassung könnte sicher genauso ein deutsches „Nein“, ein spanisches „No“ oder gar ein italienisches „Neanche a crepare“ sein.

Doch nun wird die mächtigste Merkelin aller Zeiten, die erste Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland und im Rahmen einer Doppelpräsidentschaft im Jahr 2007 nicht nur G8-Präsidentin, sondern von Januar bis Juli 2007 auch noch Präsidentin des Europäischen Rats.
Was sie sich in dieser Funktion auf die Fahne geschrieben hat, verklickerte sie dieser Tage in der 2DF-Sendung „Berlin direkt“:
«Ausgangspunkt ist dieser bisherige Verfassungsvertrag. Wir haben ihn im Deutschen Bundestag mit großer Mehrheit ratifiziert und 18 andere, oder 17 andere mit uns auch. Das heißt, wir können jetzt nicht von vorne anfangen. Wieder ein Konvent einberufen, davon halte ich überhaupt nichts. Unsere Aufgabe ist ja noch nicht, einen Vertrag vorzulegen am Ende unserer Präsidentschaft, sondern zu sagen, wie es weitergeht. Und da ist völlig klar, wir können die Europäische Union überhaupt gar nicht mehr funktionsfähig halten, wenn wir nicht einen Verfassungsvertrag bekommen, wo gesagt wird, wie wird abgestimmt, wie sieht die zukünftige Kommission aus. Wir brauchen einen Außenminister, ich glaube, das zeigt sich angesichts der internationalen Krisen. Und jetzt werden wir uns mal anhören, und das ist meine Aufgabe, die Aufgabe des Bundesaußenministers: Was haben die einzelnen Mitgliedsstaaten eigentlich vorzutragen, was ihnen nicht gefällt. Und daraus, glaube ich, kann man dann zum Ende unserer Präsidentschaft sehen, was wir unbedingt auch erhalten müssen.»
Und im Bundestag warnte die Kanzlerin: «Ich hielte es für ein historisches Versäumnis, wenn wir es nicht schaffen bis zur nächsten Europawahl mit der Substanz des Verfassungsvertrages so umzugehen, dass wir auch wirklich ein Ergebnis abliefern können.”»

EU Hochzeit

Doch so neu ist das nicht, denn wenn man sich wirklich dafür interessieren würde, dann fände man (nicht nur als Politiker) Hinweise in Unzahl, dass es mit der Meinung der Bürger über Europa nicht zum Besten steht. Dazu muss man nur einmal den Bürgern zuhören und/oder in den Archiven der ZEITungen recherchieren.

Am Ende der Präsidentschaft von „uns Angela“ werden wir wissen, ob sie den Abgeordneten des Deutschen Bundestages nicht eigentlich sagen wollte, dass sie es für ein historisches Versäumnis halte, „wenn wir es nicht schaffen bis zur nächsten Europawahl die Substanz des Verfassungsvertrages so zu umgehen, dass wir auch ein Ergebnis abliefern können.

Viel besser und vor allem auch viel demokratischer als „Angela im Euroland“ wäre es doch, wenn man endlich die Bürger Europas mehr in diese „historischen Entscheidungen“ einbinden würde, um der Trickserei, Ignoranz und Selbstherrlichkeit der Regierenden endlich ein Ende zu setzen, denn bisher haben die ausgekungelten Kompromisse Europa weder mehr Demokratie noch mehr sozialwirtschaftliche Sicherheit und Gerechtigkeit gebracht.
Menschen, egal welcher Nation, denen man überraschend den Boden unter den Füßen wegzieht oder ihnen gar ein Bein stellt, geraten aus dem Schritt, fallen um und vielleicht sogar auf die Schnauze, je nachdem in welcher Situation sie dieses „historische Ereignis“ ereilt.
So mancher kommt da ohne fremde Hilfe nicht mehr hoch. Da nützt es auch wenig oder gar nichts, wenn man ihn auffordert aufzustehen und vertrauensvoll in die Zukunft zu sehen.

Das „Alte Europa“ existiert nicht mehr und mit dem „Neuen Europa“ der Politiker, der Parteien, der Kommissionen, Kommissare und Bürokraten können und wollen sich immer weniger Bürger identifizieren. Die Zustimmung zu diesem Europa ist ebenso wie die Stimmung in Europa auf einem Tiefpunkt angelangt.
Daran wird auch die sechsmonatige „Hochzeit“ der Bundesangela, die schon vor der Hochzeitsnacht in „froher Erwartung“ ist, nichts ändern.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. Januar 2007 um 05:45:52 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “EU Hochzeit”

  1. Lazarus meint:

    Machopan !!!!! Wie kannst Du denn so ein Volk in eine solche gravierende Entscheidung eingreifen lassen wollen !!!! Wir sind eine fleißige, kreative und disziplinierte Mannschaft, die auf allen Decks dieser TITANIC (meist in Innenkabinen unter der Wasserlinie) wie besessen schuftet und blind darauf vertraut, daß die Auserwählten auf der Brücke und auf den Luxusdecks alles erdenklich Gute für sich, den Kahn und die Crew tun !!!! Immer in dem Bewußtsein, das jedes Volk die Regierung hat, die es verdient …

  2. Machopan meint:

    Vermutlich habe ich als Heranwachsender zu oft “Meuterei auf der Bounty” gesehen und mir damit den Charakter bis in hohe Alter verdorben, denn ich neige auch heute bei eklatanten Führungsfehlern und mangelnder Sozialkompetenz zu “Teeren und Federn”, “Kielholen”, “Auspeitschen” und “Aufknüpfen” :-)

  3. Lazarus meint:

    Dann treiben alle Riffe und Eisberge vehement auf den endgültig führerlosen … oder mit Autopilot manipulierten Pott zu …

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