Amtsgericht Ludwigsburg

26. Januar 2007 05:45

Lieber Freund

Kennen Sie die Große Kreisstadt Ludwigsburg, einst (zeitweiser) Sitz der württembergischen Herzöge?
Im Jahre 1704 gegründet von Eberhard Ludwig, dem zehnten Herzog von Württemberg, das sich damals noch ohne das vorangestellte Baden um die Finanzierung des Lustschlosses kümmern musste und da Geld schon damals knapp war, ließ der Herzog die Untertanen und Bauarbeiter einfach 15 Jahre lang steuerfrei um sein Schloss herum wohnen.
Aus diesem Steuerparadies entwickelte sich die Stadt Ludwigsburg und wurde mit 87.000 Einwohnern zu einem wichtigen Wirtschafts- und Verwaltungszentrum nördlich von Stuttgart.

So beherbergt Ludwigsburg, neben dem Landratsamt für den gleichnamigen Landkreis, auch ein Amtsgericht, das zum Landgerichts- und Oberlandesgericht Stuttgart gehört sowie die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Verfolgung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen und eine Kammer des Arbeitsgerichts Stuttgart, ein Notariat, ein Finanzamt und sogar eine Agentur für Arbeit.

So und jetzt werden Sie sich sicher fragen, was dieser Ausflug in die Geschichte wohl soll.
Ganz einfach, ich habe heute in Ludwigsburg angerufen. Also genauer gesagt, telefonisch Kontakt aufgenommen. Aber eigentlich habe ich nur versucht, mit einer Behörde in Ludwigsburg telefonisch Kontakt aufzunehmen.
Also um es auf den Punkt zu bringen, ich habe heute beim Amtsgericht in Ludwigsburg angerufen. Nicht weil ich dazu Lust und Laune hatte, nein weil mich das Amtsgericht Ludwigsburg mit Schreiben vom ……. darüber informiert hat, dass jetzt eine andere Rechtspflegerin in der seit drei Jahren beim Amtgericht ruhenden Angelegenheit die Bearbeitung übernommen hätte.
Und dieser Dame wollte ich mich (verständlicherweise) bekannt machen und mich erkundigen, ob sie zur nunmehr zügigen Bearbeitung des bereits etwas angegilbten Vorgangs mit dem Aktenzeichen .xyz aus dem Jahre 2003 nunmehr alle Informationen vorliegen hat.
Also begann ich meinen einzigen freien Tage in dieser Woche mit dem Wählen der entsprechenden Telefonnummer des Amtsgerichts in Ludwigsburg (Ortskundige wissen, dass sich das Amtsgericht in der Schorndorfer Straße in der Nähe des oben erwähnten Lustschlosses befindet) und dachte eigentlich, dass sich nach dem Aufbau der Verbindung zwischen Bürger und Amt eine freundliche Stimme nach meinem Begehr erkundigen würde.

Doch für die auf dem Anschreiben genannte und von mir gewählte Rufnummer fühlte sich beim Amtgericht in Ludwigsburg wohl niemand zuständig, denn es läutete und läutete und läutete und läutete …

Nun bin ich ja nicht einer der Zeitgenossen, die andere Mitbürger in diesen schwierigen Zeiten mit ihren Befindlichkeiten drangsalieren und unter Stress setzen.
„Oh, da ist wohl keiner da“, dämmerte mir langsam und gedanklich begann ich mögliche Hinderungsgründe zu konstruieren, die seitens der Amtsperson der Annahme meines Anrufes entgegen standen.
Während das Telefon weiterläutete gingen meine Gedankengänge von „noch nicht da“, „kurz mal aus dem Zimmer“, „oder für kleine Mädchen“, „Kaffeepause“, „quatscht mit Kollegen“, „hat vielleicht Kundschaft“, langsam über zu „kommt heute etwas später“, „hat Urlaub oder ist auf Schulung“, „ist krank“ und führte nach wenigen Minuten dazu, dass ich mir ernsthafte Sorgen um die Sachbearbeiterin beim Amtsgericht in Ludwigsburg machte.
Vielleicht lag sie bewusstlos unterm Schreibtisch, war von einem Aktenschrank erschlagen worden oder hatte sich gar auf der Toilette erhängt.
Man macht sich ja als Bürger so seine Gedanken und Sorgen um unsere Staatsdiener, ist doch die Bürokratie einer der mit Sicherheit am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbereiche unseres Landes. Da kann die Überlastung am Arbeitsplatz wirklich zu schwerwiegenden physischen und psychischen Schäden am Humankapital der Verwaltung führen.

Ich hatte meinen Gedankengang noch nicht bis zum Ende durchgedacht und lauschte immer noch dem Läuten des Telefons in einer Amtsstube im Amtsgericht in Ludwigsburg, als mir klar wurde, dass ich im Begriff war, mich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig zu machen.
Hier war offensichtlich ein Teil unseres Staatsapparates in Not, vielleicht sogar in der Hand von Terroristen.
Der Innenwolfgang hat das ja schon lange befürchtet, aber auf ihn hörte ja keiner und jetzt hat Asama bin Hoden das Amtsgericht in Ludwigsburg in Schutt und Asche gebombt und die Mitarbeiter als Geiseln genommen!
Und ich bin der Erste der das bemerkt hat!
Schlagartig wurde mir klar in welcher Gefahr ich mich selbst befand. Wenn die Terroristen den Anruf zurückverfolgten, was ihnen ja durch die geänderte Rechtslage zur Telefonüberwachung in der BRddr und dem zentralen Zugriff auf die Vorratsdatenhaltung in Verbindung mit der Antiterrordatei, leicht möglich war - dann mussten die mich innerhalb von wenigen Minuten lokalisiert haben. Der Osama bin Hoden ist ja kein Dummer, sonst wäre es ihm ja nicht gelungen sich bis jetzt vor den Amerikanern zu verstecken.

Einem spontanen, nicht vom zentralen Nervensystem gesteuerten Impuls folgend unterbrach ich die Telefonverbindung zum Amtsgericht in Ludwigsburg und wählte erneut.
Diesmal aber die 07141 18-0. Mir war klar, dass das nicht die Nummer von Wolfgang Schäuble war, aber bis der mit seinem Rollstuhl von Stuttgart nach Ludwigsburg gekommen wäre, wäre sicher, wie die Schwaben sagen - „dr Käs verloffen gwä“.
Ich wählte daher die Nummer der Zentrale, der „Zentrale zur Vermeidung störender Eingriffe in das Bundesdeutsche Verwaltungs- und Behördenwesen“.
Im Rahmen der Verwaltungs- und Föderalismusreform, die Bund und Länder miteinander ausgeheckt haben, hat zum Abbau der letzten bestehenden bürokratischer Hemmschwellen jede Behörde eine solche Zentrale bekommen. Erreichbar bundesweit durch Anfügen einer Null an die jeweilige Telefonnummer.
Das ist leicht zu merken: NULL wie NULL Ahnung, NULL Kompetenz oder NULL Bock.

Ich wählte als diese Null und - Sie werden es nicht glauben - ich habe sie erreicht.
Die Null war sogar persönlich am Telefon. Ich war gerade noch in der Lage ihr zu schildern, dass ich versuchte die Sachbearbeiterin X beim Amtsgericht in Ludwigsburg zu erreichen und … da hörte ich, nach einer kurzen Einspielung staatstragender Musik, schon das altbekannte Klingeln des von mir schon vorher beklingelten Nebenstellenapparates.
So langsam geriet ich in Panik. Wirklich keine schöne Situation, wenn man hilflos am Telefon in der Warteschleife hängt und im Amtsgericht Ludwigsburg wird jede Minute eine Geisel erschossen, weil der George „Dubya“ Bush damals die von der Angela Merkel angerichtete Wildsau nicht essen wollte. Dabei bietet sich doch die nächste Gelegenheit erst wieder beim G8-Gipfel in Heiligendamm im Juni 2007.

Mitten in dieses Horrorszenario hinein, meldet sich plötzlich wieder die Stimme der Null aus der Zentrale der Macht und sagte mit monotoner Stimme erneut ihr Sprüchlein auf.
Als ich ihr erkläre, dass sie mich gerade mit einer Nebenstelle verbunden hat, von der ich weiß und versucht habe es ihr zu erklären, dass dort niemand ans Telefon geht, da wird sie richtig unwirsch und schnauzt mich an: „Woher soll ich denn das wissen, ich bin doch nicht der liebe Gott“.
Da habe ich mich, Gott ist mein Zeuge, spontan dazu entschlossen ihr nichts von den Terroristen im Amtsgericht zu erzählen, wohl aber darauf hoffend, dass diese sich rasch Zugang zur Telefonzentrale verschaffen und dort ein verheerendes Blutbad anrichten.

Und während die „weibliche Furie“ (das ist eine Tautologie, denn Furien sind immer weiblich) mir die verbale Bestätigung ihrer Null-Kompetenz und Null-Bock-Einstellung mit Frageargumenten wie „wissen Sie denn wo Sie hier sind?“, „was glauben Sie was ich hier zu tun habe?“, „haben Sie eine Ahnung was hier los ist?“, „woher soll ich wissen, wann die Rechtspfleger im Hause sind“, „oder glauben Sie, die melden sich bei mir ab?“ um die Ohren und durchs geschundene Trommelfelle ins Großhirn drosch …
da lauschte ich andächtig und war mir fast sicher im Hintergrund immer lauter werdende Schüsse, Bombenexplosionen und fürchterliche Angstschreie zu hören.
„Ja Osama, jetzt noch ein bisschen nach links und dann nur noch die Treppe hoch, bis in die Telefonzentrale“, frohlockte ich innerlich und hatte plötzlich wieder staatstragende Musik im Ohr, da sich die Null in der Telefonzentrale wohl dafür entschieden hatte den nächsten Anrufer zur Schnecke zu machen.

Und ich sitze jetzt hier und warte darauf, dass in den Nachrichten endlich über den terroristischen Akt der Gewalt im Amtsgericht in Ludwigsburg berichtet wird. Wie viel Tote es gegeben hat ist mir eigentlich egal, wichtig ist eigentlich nur, dass es die Telefonzentrale am schlimmsten erwischt hat.
Oder sollte ich mir die Sache mit Osama bin Hoden und den muslimischen Terroristen nur eingebildet haben?
Aber dann könnte ich mir ja selber so ein weißes Nachthemd anziehen und als vermummte muslimische Muslima in die Ludwigsburger Telefonzentrale eindringen und das dortige Personal mit der Wasserpistole ersäufen.
Sie können darauf warten bis das in den Nachrichten kommt und zu einer Verschärfung der Videoüberwachung in öffentlichen Gebäuden, einer Änderung des Grundgesetzes und dem Verbot der Mitnahme von Flüssigkeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln führt.

Machopan
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Amtsgericht Ludwigsburg

26. Januar 2007 05:45

Lieber Freund

Kennen Sie die Große Kreisstadt Ludwigsburg, einst (zeitweiser) Sitz der württembergischen Herzöge?
Im Jahre 1704 gegründet von Eberhard Ludwig, dem zehnten Herzog von Württemberg, das sich damals noch ohne das vorangestellte Baden um die Finanzierung des Lustschlosses kümmern musste und da Geld schon damals knapp war, ließ der Herzog die Untertanen und Bauarbeiter einfach 15 Jahre lang steuerfrei um sein Schloss herum wohnen.
Aus diesem Steuerparadies entwickelte sich die Stadt Ludwigsburg und wurde mit 87.000 Einwohnern zu einem wichtigen Wirtschafts- und Verwaltungszentrum nördlich von Stuttgart.

So beherbergt Ludwigsburg, neben dem Landratsamt für den gleichnamigen Landkreis, auch ein Amtsgericht, das zum Landgerichts- und Oberlandesgericht Stuttgart gehört sowie die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Verfolgung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen und eine Kammer des Arbeitsgerichts Stuttgart, ein Notariat, ein Finanzamt und sogar eine Agentur für Arbeit.

So und jetzt werden Sie sich sicher fragen, was dieser Ausflug in die Geschichte wohl soll.
Ganz einfach, ich habe heute in Ludwigsburg angerufen. Also genauer gesagt, telefonisch Kontakt aufgenommen. Aber eigentlich habe ich nur versucht, mit einer Behörde in Ludwigsburg telefonisch Kontakt aufzunehmen.
Also um es auf den Punkt zu bringen, ich habe heute beim Amtsgericht in Ludwigsburg angerufen. Nicht weil ich dazu Lust und Laune hatte, nein weil mich das Amtsgericht Ludwigsburg mit Schreiben vom ……. darüber informiert hat, dass jetzt eine andere Rechtspflegerin in der seit drei Jahren beim Amtgericht ruhenden Angelegenheit die Bearbeitung übernommen hätte.
Und dieser Dame wollte ich mich (verständlicherweise) bekannt machen und mich erkundigen, ob sie zur nunmehr zügigen Bearbeitung des bereits etwas angegilbten Vorgangs mit dem Aktenzeichen .xyz aus dem Jahre 2003 nunmehr alle Informationen vorliegen hat.
Also begann ich meinen einzigen freien Tage in dieser Woche mit dem Wählen der entsprechenden Telefonnummer des Amtsgerichts in Ludwigsburg (Ortskundige wissen, dass sich das Amtsgericht in der Schorndorfer Straße in der Nähe des oben erwähnten Lustschlosses befindet) und dachte eigentlich, dass sich nach dem Aufbau der Verbindung zwischen Bürger und Amt eine freundliche Stimme nach meinem Begehr erkundigen würde.

Doch für die auf dem Anschreiben genannte und von mir gewählte Rufnummer fühlte sich beim Amtgericht in Ludwigsburg wohl niemand zuständig, denn es läutete und läutete und läutete und läutete …

Nun bin ich ja nicht einer der Zeitgenossen, die andere Mitbürger in diesen schwierigen Zeiten mit ihren Befindlichkeiten drangsalieren und unter Stress setzen.
„Oh, da ist wohl keiner da“, dämmerte mir langsam und gedanklich begann ich mögliche Hinderungsgründe zu konstruieren, die seitens der Amtsperson der Annahme meines Anrufes entgegen standen.
Während das Telefon weiterläutete gingen meine Gedankengänge von „noch nicht da“, „kurz mal aus dem Zimmer“, „oder für kleine Mädchen“, „Kaffeepause“, „quatscht mit Kollegen“, „hat vielleicht Kundschaft“, langsam über zu „kommt heute etwas später“, „hat Urlaub oder ist auf Schulung“, „ist krank“ und führte nach wenigen Minuten dazu, dass ich mir ernsthafte Sorgen um die Sachbearbeiterin beim Amtsgericht in Ludwigsburg machte.
Vielleicht lag sie bewusstlos unterm Schreibtisch, war von einem Aktenschrank erschlagen worden oder hatte sich gar auf der Toilette erhängt.
Man macht sich ja als Bürger so seine Gedanken und Sorgen um unsere Staatsdiener, ist doch die Bürokratie einer der mit Sicherheit am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbereiche unseres Landes. Da kann die Überlastung am Arbeitsplatz wirklich zu schwerwiegenden physischen und psychischen Schäden am Humankapital der Verwaltung führen.

Ich hatte meinen Gedankengang noch nicht bis zum Ende durchgedacht und lauschte immer noch dem Läuten des Telefons in einer Amtsstube im Amtsgericht in Ludwigsburg, als mir klar wurde, dass ich im Begriff war, mich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig zu machen.
Hier war offensichtlich ein Teil unseres Staatsapparates in Not, vielleicht sogar in der Hand von Terroristen.
Der Innenwolfgang hat das ja schon lange befürchtet, aber auf ihn hörte ja keiner und jetzt hat Asama bin Hoden das Amtsgericht in Ludwigsburg in Schutt und Asche gebombt und die Mitarbeiter als Geiseln genommen!
Und ich bin der Erste der das bemerkt hat!
Schlagartig wurde mir klar in welcher Gefahr ich mich selbst befand. Wenn die Terroristen den Anruf zurückverfolgten, was ihnen ja durch die geänderte Rechtslage zur Telefonüberwachung in der BRddr und dem zentralen Zugriff auf die Vorratsdatenhaltung in Verbindung mit der Antiterrordatei, leicht möglich war - dann mussten die mich innerhalb von wenigen Minuten lokalisiert haben. Der Osama bin Hoden ist ja kein Dummer, sonst wäre es ihm ja nicht gelungen sich bis jetzt vor den Amerikanern zu verstecken.

Einem spontanen, nicht vom zentralen Nervensystem gesteuerten Impuls folgend unterbrach ich die Telefonverbindung zum Amtsgericht in Ludwigsburg und wählte erneut.
Diesmal aber die 07141 18-0. Mir war klar, dass das nicht die Nummer von Wolfgang Schäuble war, aber bis der mit seinem Rollstuhl von Stuttgart nach Ludwigsburg gekommen wäre, wäre sicher, wie die Schwaben sagen - „dr Käs verloffen gwä“.
Ich wählte daher die Nummer der Zentrale, der „Zentrale zur Vermeidung störender Eingriffe in das Bundesdeutsche Verwaltungs- und Behördenwesen“.
Im Rahmen der Verwaltungs- und Föderalismusreform, die Bund und Länder miteinander ausgeheckt haben, hat zum Abbau der letzten bestehenden bürokratischer Hemmschwellen jede Behörde eine solche Zentrale bekommen. Erreichbar bundesweit durch Anfügen einer Null an die jeweilige Telefonnummer.
Das ist leicht zu merken: NULL wie NULL Ahnung, NULL Kompetenz oder NULL Bock.

Ich wählte als diese Null und - Sie werden es nicht glauben - ich habe sie erreicht.
Die Null war sogar persönlich am Telefon. Ich war gerade noch in der Lage ihr zu schildern, dass ich versuchte die Sachbearbeiterin X beim Amtsgericht in Ludwigsburg zu erreichen und … da hörte ich, nach einer kurzen Einspielung staatstragender Musik, schon das altbekannte Klingeln des von mir schon vorher beklingelten Nebenstellenapparates.
So langsam geriet ich in Panik. Wirklich keine schöne Situation, wenn man hilflos am Telefon in der Warteschleife hängt und im Amtsgericht Ludwigsburg wird jede Minute eine Geisel erschossen, weil der George „Dubya“ Bush damals die von der Angela Merkel angerichtete Wildsau nicht essen wollte. Dabei bietet sich doch die nächste Gelegenheit erst wieder beim G8-Gipfel in Heiligendamm im Juni 2007.

Mitten in dieses Horrorszenario hinein, meldet sich plötzlich wieder die Stimme der Null aus der Zentrale der Macht und sagte mit monotoner Stimme erneut ihr Sprüchlein auf.
Als ich ihr erkläre, dass sie mich gerade mit einer Nebenstelle verbunden hat, von der ich weiß und versucht habe es ihr zu erklären, dass dort niemand ans Telefon geht, da wird sie richtig unwirsch und schnauzt mich an: „Woher soll ich denn das wissen, ich bin doch nicht der liebe Gott“.
Da habe ich mich, Gott ist mein Zeuge, spontan dazu entschlossen ihr nichts von den Terroristen im Amtsgericht zu erzählen, wohl aber darauf hoffend, dass diese sich rasch Zugang zur Telefonzentrale verschaffen und dort ein verheerendes Blutbad anrichten.

Und während die „weibliche Furie“ (das ist eine Tautologie, denn Furien sind immer weiblich) mir die verbale Bestätigung ihrer Null-Kompetenz und Null-Bock-Einstellung mit Frageargumenten wie „wissen Sie denn wo Sie hier sind?“, „was glauben Sie was ich hier zu tun habe?“, „haben Sie eine Ahnung was hier los ist?“, „woher soll ich wissen, wann die Rechtspfleger im Hause sind“, „oder glauben Sie, die melden sich bei mir ab?“ um die Ohren und durchs geschundene Trommelfelle ins Großhirn drosch …
da lauschte ich andächtig und war mir fast sicher im Hintergrund immer lauter werdende Schüsse, Bombenexplosionen und fürchterliche Angstschreie zu hören.
„Ja Osama, jetzt noch ein bisschen nach links und dann nur noch die Treppe hoch, bis in die Telefonzentrale“, frohlockte ich innerlich und hatte plötzlich wieder staatstragende Musik im Ohr, da sich die Null in der Telefonzentrale wohl dafür entschieden hatte den nächsten Anrufer zur Schnecke zu machen.

Und ich sitze jetzt hier und warte darauf, dass in den Nachrichten endlich über den terroristischen Akt der Gewalt im Amtsgericht in Ludwigsburg berichtet wird. Wie viel Tote es gegeben hat ist mir eigentlich egal, wichtig ist eigentlich nur, dass es die Telefonzentrale am schlimmsten erwischt hat.
Oder sollte ich mir die Sache mit Osama bin Hoden und den muslimischen Terroristen nur eingebildet haben?
Aber dann könnte ich mir ja selber so ein weißes Nachthemd anziehen und als vermummte muslimische Muslima in die Ludwigsburger Telefonzentrale eindringen und das dortige Personal mit der Wasserpistole ersäufen.
Sie können darauf warten bis das in den Nachrichten kommt und zu einer Verschärfung der Videoüberwachung in öffentlichen Gebäuden, einer Änderung des Grundgesetzes und dem Verbot der Mitnahme von Flüssigkeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln führt.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 26. Januar 2007 um 05:45:26 und abgelegt unter Rauchzeichen, Alltag, Persönliches | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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