Schwarzer Peter

6. Februar 2007 05:45

Lieber Freund

Nur weil der Herr Peter Hartz jetzt zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde, taugt sein Name nach Ansicht unserer Politiker nicht mehr als Name für die von den Parteien gemeinsam angezettelten Arbeitsmarktreformen.
Der Begriff ist diskriminierend“ und „Wer Wasser predigt, darf nicht Wein saufen“ verklickerte der vornamensgleiche Peter Struck der „Allgemeinen Zeitung“ und der mit dem RAF-Terroristen Christian Klar vornamensgleiche Christian Wulf, Ministerpräsident von Niedersachsen schloss sich dieser Meinung an.

Schwarzer PeterDiese Erkenntnis kommt den Herren jedoch reichlich spät, denn als vor Jahren die Montagsdemonstranten mit dem Ruf „ Hartz muss weg“ durch die Straßen zogen, da waren sie noch ganz anderer Meinung. Diskriminiert wurden da nur die Demonstranten und der Peter Hartz stand als Ideengeber bei den Rot-Grünen hoch im Kurs. Dabei zeichnete sich schon damals ab, dass diese ganze „Reform“ ein arbeitsmarktpolitischer Schuss in den Ofen ist und eigentlich nichts anderes, als eine verwaltungstechnische Zusammenlegung von „Sozialhilfe“ und „Arbeitslosengeld“ mit zeitgleicher Schaffung eines bürokratischen Monsters um die „ausufernden“ Kosten bei den Arbeitslosen und sozial Schwachen abzukassieren.

Das ist nicht etwa neu, sondern seit Jahren bekannt.
In einem wissenschaftlichen Betrag des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsordnung und Sozialpolitik der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit dem Titel „Job-AQTIV, Hartz, Agenda 2010 – Aufbruch zu neuen Ufern oder viel Lärm um Nichts? (PDF)“ aus dem Jahre 2003 heißt es zu den angeblichen „High Lights“ der rot-grünen Reform:
Job-Floater: Gott sei Dank ein Flop
Mini-Jobs: große Zahlen, nichts dahinter
Ich-AG: trügerische Hoffnungen, merkwürdige Details
Beratung, Vermittlung, ABM et al.: ein Schritt vor, zwei zurück
Personal-Service-Agenturen: staatlich geförderte Schädlinge
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe: „Gießkannen“ statt „Maßanzüge“
Fazit: mit Volldampf in die falsche Richtung, Stärkung ineffizienter Maßnahmen, noch mehr und zentralerer Staat – wider jede ökonomische Vernunft
und weiter:
“Über Details diverser (geplanter) Neuerungen lässt sich ernsthaft streiten, die ein oder andere Nachbesserung wird kleinere handwerkliche Defizite korrigieren können.
Jedoch – und das ist viel dramatischer als die Tatsache, dass sich vieles faktisch wohl
überhaupt nicht ändern wird oder einige der Maßnahmen nicht den gewünschten Effekt haben werden – sind arbeitsmarktpolitische Grundtendenzen offensichtlich, die als überaus bedenklich einzustufen sind. So wird nicht der Weg geebnet für eine Politik, die auf mehr Markt, mehr Wettbewerb und dezentrale, individuelle Lösungen setzt. Vielmehr zeichnet die jüngere arbeitsmarktpolitische Entwicklung ein Mehr an Staat bzw. staatlich veranstaltetem Wettbewerb zu Lasten privaten Wettbewerbs und eine zunehmende Zentralisierung von Verantwortung aus. Diese schweren ordnungspolitischen Verfehlungen machen auch vereinzelt kleine Schritte in die richtige Richtung, etwa im Bereich „Fördern und Fordern“, zunichte und werden die deutsche Arbeitsmarktpolitik endgültig zum Gespött internationaler Evaluierungen machen. Die zu Beginn aufgeworfene Frage, ob die jüngst umgesetzten und geplanten Reformen geeignet sind, die Arbeitslosigkeit nachhaltig zu reduzieren, muss jedenfalls klar verneint werden.”

Nicht nur der Name „Hartz“ taugt nicht für die „Arbeitsmarktreform“, sondern die ganze Arbeitsmarktreform taugt nichts.
Um das zu erkennen, musste man nun wirklich nicht warten bis der Ex-Volkswagen-Vorstand Peter Hartz wegen „finanzieller Übervorteilung von (korrupten) Arbeitnehmervertretern in Millionenhöhe“ rechtskräftig verurteilt wird.
Und dem in den Brunnen gefallenen Kind jetzt einen anderen Namen zu verpassen, würde doch nur davon ablenken, dass außer dem Namensgeber noch ganz andere Personen an dem Verbrechen „Hartz IV“ und der „finanziellen Übervorteilung von (ehemaligen) Arbeiternehmer“ beteiligt waren.
Und diese Personen sitzen noch immer in Amt und Würde und würden das auch ganz gerne bleiben.
Oder kann sich jemand daran erinnern, dass sich der Peter Struck gegen die „Arbeitsnotstandsgesetze“ der rot-grünen Regierungskoalition ausgesprochen hat.
Dann hat der rote Peter sicher auch nichts dagegen, diese Gesetze mit seinem eigenen Namen zu adeln.
Statt „HARTZ IV“ einfach nur „STRUCK IV“ und die Sache wäre geritzt.
Scheitern wird eine solche „Umwidmung“ aber sicher daran, dass der Herr Struck nicht Zeit seines Lebens „nur Wasser saufen“ und den „schwarzen Peter“ machen will.

Und außerdem würde sich durch eine Namensänderung auch nichts ändern, außer eben dem Namen.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. Februar 2007 um 05:45:15 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Soziales | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Schwarzer Peter”

  1. Bollermann meint:

    Bei Hart aber Fair wurde auch über einen neuen Namen gesprochen. Weil der SPD-Heil zugegen war, sagte der CDU-Laurenz Meyer:
    “Heil 1-4 können wir das ja nicht nennen, sonst gibt es Probleme mit dem Strafgesetzbuch!”

  2. pathologe meint:

    Vielleicht doch das ganze auf eine andere Tour? Vielleicht bringen wir dann ein wenig Struck-Tour rein?

  3. erphschwester meint:

    neulich wurde auch “müntemoos” vorgeschlagen, was jedoch aus zweierlei gründen nicht geht. einerseits stellt man sich unter “moos” irgendwie immer jede menge vor. andererseits würde der münte spätestens bei seiner berentung (was ja nun so lange nicht mehr dauern kann) auch eine umbenennung verlangen. und was das immer kostet!

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Schwarzer Peter

6. Februar 2007 05:45

Lieber Freund

Nur weil der Herr Peter Hartz jetzt zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde, taugt sein Name nach Ansicht unserer Politiker nicht mehr als Name für die von den Parteien gemeinsam angezettelten Arbeitsmarktreformen.
Der Begriff ist diskriminierend“ und „Wer Wasser predigt, darf nicht Wein saufen“ verklickerte der vornamensgleiche Peter Struck der „Allgemeinen Zeitung“ und der mit dem RAF-Terroristen Christian Klar vornamensgleiche Christian Wulf, Ministerpräsident von Niedersachsen schloss sich dieser Meinung an.

Schwarzer PeterDiese Erkenntnis kommt den Herren jedoch reichlich spät, denn als vor Jahren die Montagsdemonstranten mit dem Ruf „ Hartz muss weg“ durch die Straßen zogen, da waren sie noch ganz anderer Meinung. Diskriminiert wurden da nur die Demonstranten und der Peter Hartz stand als Ideengeber bei den Rot-Grünen hoch im Kurs. Dabei zeichnete sich schon damals ab, dass diese ganze „Reform“ ein arbeitsmarktpolitischer Schuss in den Ofen ist und eigentlich nichts anderes, als eine verwaltungstechnische Zusammenlegung von „Sozialhilfe“ und „Arbeitslosengeld“ mit zeitgleicher Schaffung eines bürokratischen Monsters um die „ausufernden“ Kosten bei den Arbeitslosen und sozial Schwachen abzukassieren.

Das ist nicht etwa neu, sondern seit Jahren bekannt.
In einem wissenschaftlichen Betrag des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsordnung und Sozialpolitik der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit dem Titel „Job-AQTIV, Hartz, Agenda 2010 – Aufbruch zu neuen Ufern oder viel Lärm um Nichts? (PDF)“ aus dem Jahre 2003 heißt es zu den angeblichen „High Lights“ der rot-grünen Reform:
Job-Floater: Gott sei Dank ein Flop
Mini-Jobs: große Zahlen, nichts dahinter
Ich-AG: trügerische Hoffnungen, merkwürdige Details
Beratung, Vermittlung, ABM et al.: ein Schritt vor, zwei zurück
Personal-Service-Agenturen: staatlich geförderte Schädlinge
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe: „Gießkannen“ statt „Maßanzüge“
Fazit: mit Volldampf in die falsche Richtung, Stärkung ineffizienter Maßnahmen, noch mehr und zentralerer Staat – wider jede ökonomische Vernunft
und weiter:
“Über Details diverser (geplanter) Neuerungen lässt sich ernsthaft streiten, die ein oder andere Nachbesserung wird kleinere handwerkliche Defizite korrigieren können.
Jedoch – und das ist viel dramatischer als die Tatsache, dass sich vieles faktisch wohl
überhaupt nicht ändern wird oder einige der Maßnahmen nicht den gewünschten Effekt haben werden – sind arbeitsmarktpolitische Grundtendenzen offensichtlich, die als überaus bedenklich einzustufen sind. So wird nicht der Weg geebnet für eine Politik, die auf mehr Markt, mehr Wettbewerb und dezentrale, individuelle Lösungen setzt. Vielmehr zeichnet die jüngere arbeitsmarktpolitische Entwicklung ein Mehr an Staat bzw. staatlich veranstaltetem Wettbewerb zu Lasten privaten Wettbewerbs und eine zunehmende Zentralisierung von Verantwortung aus. Diese schweren ordnungspolitischen Verfehlungen machen auch vereinzelt kleine Schritte in die richtige Richtung, etwa im Bereich „Fördern und Fordern“, zunichte und werden die deutsche Arbeitsmarktpolitik endgültig zum Gespött internationaler Evaluierungen machen. Die zu Beginn aufgeworfene Frage, ob die jüngst umgesetzten und geplanten Reformen geeignet sind, die Arbeitslosigkeit nachhaltig zu reduzieren, muss jedenfalls klar verneint werden.”

Nicht nur der Name „Hartz“ taugt nicht für die „Arbeitsmarktreform“, sondern die ganze Arbeitsmarktreform taugt nichts.
Um das zu erkennen, musste man nun wirklich nicht warten bis der Ex-Volkswagen-Vorstand Peter Hartz wegen „finanzieller Übervorteilung von (korrupten) Arbeitnehmervertretern in Millionenhöhe“ rechtskräftig verurteilt wird.
Und dem in den Brunnen gefallenen Kind jetzt einen anderen Namen zu verpassen, würde doch nur davon ablenken, dass außer dem Namensgeber noch ganz andere Personen an dem Verbrechen „Hartz IV“ und der „finanziellen Übervorteilung von (ehemaligen) Arbeiternehmer“ beteiligt waren.
Und diese Personen sitzen noch immer in Amt und Würde und würden das auch ganz gerne bleiben.
Oder kann sich jemand daran erinnern, dass sich der Peter Struck gegen die „Arbeitsnotstandsgesetze“ der rot-grünen Regierungskoalition ausgesprochen hat.
Dann hat der rote Peter sicher auch nichts dagegen, diese Gesetze mit seinem eigenen Namen zu adeln.
Statt „HARTZ IV“ einfach nur „STRUCK IV“ und die Sache wäre geritzt.
Scheitern wird eine solche „Umwidmung“ aber sicher daran, dass der Herr Struck nicht Zeit seines Lebens „nur Wasser saufen“ und den „schwarzen Peter“ machen will.

Und außerdem würde sich durch eine Namensänderung auch nichts ändern, außer eben dem Namen.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 6. Februar 2007 um 05:45:15 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Soziales | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Schwarzer Peter”

  1. Bollermann meint:

    Bei Hart aber Fair wurde auch über einen neuen Namen gesprochen. Weil der SPD-Heil zugegen war, sagte der CDU-Laurenz Meyer:
    “Heil 1-4 können wir das ja nicht nennen, sonst gibt es Probleme mit dem Strafgesetzbuch!”

  2. pathologe meint:

    Vielleicht doch das ganze auf eine andere Tour? Vielleicht bringen wir dann ein wenig Struck-Tour rein?

  3. erphschwester meint:

    neulich wurde auch “müntemoos” vorgeschlagen, was jedoch aus zweierlei gründen nicht geht. einerseits stellt man sich unter “moos” irgendwie immer jede menge vor. andererseits würde der münte spätestens bei seiner berentung (was ja nun so lange nicht mehr dauern kann) auch eine umbenennung verlangen. und was das immer kostet!

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