Zentrum der Macht

9. Februar 2007 05:45

Lieber Freund

Wer hätte das gedacht, dass ich noch mal so nah an das Angela und ihre Kumpane herankommen würde. Nur einen Steinwurf entfernt vom Zentrum der Macht und dann diese Machtlosigkeit, weil man zwar psychisch schon, aber physisch leider nicht mehr in der Lage ist einen größeren Stein über die paar hundert Meter bis ins Zentrum des Bösen zu werfen.
Ich hier, stumm, auf dieser Seite der Spree und drüben im Licht des Tages, dem ebenso graut wie mir, die gläserne Kuppel, unter der „dem Deutschen Volk“ so viel Blech erzählt werden darf, ohne dass die undurchsichtigen Abgeordneten vom gläsernen Bürger unverzüglich dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Machtzentrum BERLINVon der Südseite des „neuen“ Berliner Hauptbahnhofs hat man einen guten Blick über das Wasser der Spree auf den Reichstag und auf das Gebäude des Bundeskanzleramt, das sich sichtlich bemüht die Provokation meiner körperlichen Anwesenheit zu ignorieren.
Linker Hand die Charite, quasi als multifunktionales Lazarett in unmittelbarer Nähe des Reichstags, falls sich einer der dort tätigen Regierenden in Ausübung seines Amtes ernsthaft verletzen sollte oder aus anderen Gründen der medizinischen Hilfe bedarf. Allerdings handelt es sich um ein Gerücht, dass sich die Charite bedingt durch die Nähe zum Reichstag verstärkt auf berufsgruppenspezifische Erkrankungen wie Machtgeilheit, Fraktionszwang, permanente Inkompetenz, viralem Realitätsverlust in Verbindung mit spontaner Amnesie und chronischen Hirnblähungen spezialisiert hat. Selbst mit mehr als 600 chronisch Kranken in unmittelbarer Nähe könnte doch ein Betrieb wie die Charite bei den seit Jahren sinkenden Betragsätzen der gesetzlichen Krankenkassen davon gar nicht mehr existieren.

Eigentlich müsste man aus Gründen der Volksgesundheit ja den gesamten Berliner Regierungsbezirk unter Quarantäne stellen und ähnlich wie bei der Vogelgrippe gezielte Maßnahmen zur Vermeidung einer weiteren Ausbreitung dieser Seuche durchführen. Dazu würde sich sicher so mancher freiwillige Helfer vor und nach dem Betreten des Sperrbezirks nicht nur die Schuhe desinfizieren, sondern auch noch das Blut von den Händen waschen

Während noch der Blick an der per Steinwurf unerreichbaren Glaskuppel des Reichtags hängt und das Hirn vergeblich nach Möglichkeiten sucht den Willen des Volkes unter dieses Glasdach zu beamen, wird die ausschweifende Phantasie durch die Frage einer jungen Frau „Würden Sie mir eine Obdachlosenzeitung abkaufen?“ in die Realität des neuen „Berliner Hauptbahnhofs“ zurückgeholt, der zu dieser Tageszeit, je nach Betrachtungsweise, etwas überdimensioniert oder unterbevölkert wirkt.
Über die Antwort „ja gerne“ und das großzügige „Trinkgeld“ freut sich die Verkäuferin mit einem Lächeln und gibt mir einen Moment das Gefühl zumindest für heute eine gute Tat begangen zu haben, auch wenn es mit dem Steinwurf ins Glasdach des Reichtags nicht geklappt hat.

Nach dem Erwerb weiterer Presseerzeugnisse, von denen eines auf den ersten Blick mit dem Titel „Funktioniert der Kommunismus doch?“ lockt und dies auf den zweiten Blick am Beispiel Chinas beantwortet und das andere sich Gedanken um „Stoiber’ und seine Zukunft“ macht, treffe ich fast zeitgleich mit dem einfahrenden ICE am Bahnsteig 14 ein.
Das Vorzeigeobjekt der Deutschen Bahn ist pünktlich, wird es aber auf der Rückreise nach Frankfurt ebenfalls, wie schon auf der Hinreise, schaffen eine ca. 30-minütige Verspätung herauszufahren.
Ausgestattet mit der im Internet erworbenen Fahrkarte zum Preis von 230,– Euro, gelingt es mir ab Berlin ein ganzes Abteil mit Tisch zu ergattern, das erst ab Mannheim reserviert ist.

Und während der Zug langsam beginnt Fahrt aufzunehmen und an leeren Gebäuden mit zertrümmernden Fensterscheiben und endlosen Schall- oder Trennwänden, von unbekannten Künstlern besprüht mit dem ewig gleichen Graffiti, in Richtung Frankfurt rollt, verlasse ich gedanklich das Zentrum der Macht und beginne die Tastatur meines Laptops zu quälen, wobei ich mich von dem Gedanken leiten lasse, dass man für 230.– Euro das nächste Mal auch gleich nach Mallorca fliegen könnte.
Nach dem persönlichen Ausbaldowern der Sachlage scheint die Umsetzung des Steinwurfvorhabens ja an technischen und körperlichen Unzulänglichkeiten zu scheitern.
Wenn es statt dessen jedoch gelingen würde die für Mallorca bestimmte Maschine über dem Berliner Regierungsviertel zum Absturz zu bringen …
Ach das geht ja auch nicht, weil der Innenwolfgang die Maschine sicher schon kurz nach dem Start abgeschossen hätte, wenn er wüsste, dass sich Personen mit terroristischem Gedankenmaterial an Bord der Maschine befinden.
Aber dennoch sollte man diesen Gedanken zur Errettung des Vaterlandes, inspiriert durch einen gestern Abend im 2DF gezeigten Film über das Altern in Deutschland, nicht aus den Augen verlieren.

Übrigens kann ich die im ICE von Berlin nach Frankfurt zum Preis von 1,30 Euro verkauften Brezeln wirklich nicht empfehlen.
In meiner Jugendzeit wäre ein derartiges Machwerk für eine schwäbische Bäckerinnung Grund genug gewesen um ein lebenslanges Berufsverbot gegen den Urheber zu verhängen, aber erst nachdem man ihn geteert und gefedert hätte.
Aber den allgemeinen Werteverfall unseres Landes und das verlorene Berufsethos gewisser Berufsgruppen werden wir nur mit einem schmerzlich-wütenden Blick auf die geballte Inkompetenz unter der Glaskuppel des Reichstages sicher nicht aufhalten, egal wie viele Obdachlosenzeitungen wir auch dabei kaufen werden.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 9. Februar 2007 um 05:45:48 und abgelegt unter Rauchzeichen, Alltag, Persönliches | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Zentrum der Macht”

  1. mitdenker meint:

    “Allerdings handelt es sich um ein Gerücht, dass sich die Charite bedingt durch die Nähe zum Reichstag verstärkt auf berufsgruppenspezifische Erkrankungen wie Machtgeilheit, Fraktionszwang, permanente Inkompetenz, viralem Realitätsverlust in Verbindung mit spontaner Amnesie und chronischen Hirnblähungen spezialisiert hat.”…
    Das ist tatsächlich ein Gerücht. Dafür gibt es wohl auch keine Heilmethoden. Aber man kann die Vergangenheit des Hauses nicht leugnen: Es war bei Gründung 1710 ein Pesthaus, später eine Siechenanstalt. Nomem est omen…

  2. Machopan meint:

    Na dann passt es ja doch wieder zur Pestilenz im siechen Reichstag.

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Zentrum der Macht

9. Februar 2007 05:45

Lieber Freund

Wer hätte das gedacht, dass ich noch mal so nah an das Angela und ihre Kumpane herankommen würde. Nur einen Steinwurf entfernt vom Zentrum der Macht und dann diese Machtlosigkeit, weil man zwar psychisch schon, aber physisch leider nicht mehr in der Lage ist einen größeren Stein über die paar hundert Meter bis ins Zentrum des Bösen zu werfen.
Ich hier, stumm, auf dieser Seite der Spree und drüben im Licht des Tages, dem ebenso graut wie mir, die gläserne Kuppel, unter der „dem Deutschen Volk“ so viel Blech erzählt werden darf, ohne dass die undurchsichtigen Abgeordneten vom gläsernen Bürger unverzüglich dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Machtzentrum BERLINVon der Südseite des „neuen“ Berliner Hauptbahnhofs hat man einen guten Blick über das Wasser der Spree auf den Reichstag und auf das Gebäude des Bundeskanzleramt, das sich sichtlich bemüht die Provokation meiner körperlichen Anwesenheit zu ignorieren.
Linker Hand die Charite, quasi als multifunktionales Lazarett in unmittelbarer Nähe des Reichstags, falls sich einer der dort tätigen Regierenden in Ausübung seines Amtes ernsthaft verletzen sollte oder aus anderen Gründen der medizinischen Hilfe bedarf. Allerdings handelt es sich um ein Gerücht, dass sich die Charite bedingt durch die Nähe zum Reichstag verstärkt auf berufsgruppenspezifische Erkrankungen wie Machtgeilheit, Fraktionszwang, permanente Inkompetenz, viralem Realitätsverlust in Verbindung mit spontaner Amnesie und chronischen Hirnblähungen spezialisiert hat. Selbst mit mehr als 600 chronisch Kranken in unmittelbarer Nähe könnte doch ein Betrieb wie die Charite bei den seit Jahren sinkenden Betragsätzen der gesetzlichen Krankenkassen davon gar nicht mehr existieren.

Eigentlich müsste man aus Gründen der Volksgesundheit ja den gesamten Berliner Regierungsbezirk unter Quarantäne stellen und ähnlich wie bei der Vogelgrippe gezielte Maßnahmen zur Vermeidung einer weiteren Ausbreitung dieser Seuche durchführen. Dazu würde sich sicher so mancher freiwillige Helfer vor und nach dem Betreten des Sperrbezirks nicht nur die Schuhe desinfizieren, sondern auch noch das Blut von den Händen waschen

Während noch der Blick an der per Steinwurf unerreichbaren Glaskuppel des Reichtags hängt und das Hirn vergeblich nach Möglichkeiten sucht den Willen des Volkes unter dieses Glasdach zu beamen, wird die ausschweifende Phantasie durch die Frage einer jungen Frau „Würden Sie mir eine Obdachlosenzeitung abkaufen?“ in die Realität des neuen „Berliner Hauptbahnhofs“ zurückgeholt, der zu dieser Tageszeit, je nach Betrachtungsweise, etwas überdimensioniert oder unterbevölkert wirkt.
Über die Antwort „ja gerne“ und das großzügige „Trinkgeld“ freut sich die Verkäuferin mit einem Lächeln und gibt mir einen Moment das Gefühl zumindest für heute eine gute Tat begangen zu haben, auch wenn es mit dem Steinwurf ins Glasdach des Reichtags nicht geklappt hat.

Nach dem Erwerb weiterer Presseerzeugnisse, von denen eines auf den ersten Blick mit dem Titel „Funktioniert der Kommunismus doch?“ lockt und dies auf den zweiten Blick am Beispiel Chinas beantwortet und das andere sich Gedanken um „Stoiber’ und seine Zukunft“ macht, treffe ich fast zeitgleich mit dem einfahrenden ICE am Bahnsteig 14 ein.
Das Vorzeigeobjekt der Deutschen Bahn ist pünktlich, wird es aber auf der Rückreise nach Frankfurt ebenfalls, wie schon auf der Hinreise, schaffen eine ca. 30-minütige Verspätung herauszufahren.
Ausgestattet mit der im Internet erworbenen Fahrkarte zum Preis von 230,– Euro, gelingt es mir ab Berlin ein ganzes Abteil mit Tisch zu ergattern, das erst ab Mannheim reserviert ist.

Und während der Zug langsam beginnt Fahrt aufzunehmen und an leeren Gebäuden mit zertrümmernden Fensterscheiben und endlosen Schall- oder Trennwänden, von unbekannten Künstlern besprüht mit dem ewig gleichen Graffiti, in Richtung Frankfurt rollt, verlasse ich gedanklich das Zentrum der Macht und beginne die Tastatur meines Laptops zu quälen, wobei ich mich von dem Gedanken leiten lasse, dass man für 230.– Euro das nächste Mal auch gleich nach Mallorca fliegen könnte.
Nach dem persönlichen Ausbaldowern der Sachlage scheint die Umsetzung des Steinwurfvorhabens ja an technischen und körperlichen Unzulänglichkeiten zu scheitern.
Wenn es statt dessen jedoch gelingen würde die für Mallorca bestimmte Maschine über dem Berliner Regierungsviertel zum Absturz zu bringen …
Ach das geht ja auch nicht, weil der Innenwolfgang die Maschine sicher schon kurz nach dem Start abgeschossen hätte, wenn er wüsste, dass sich Personen mit terroristischem Gedankenmaterial an Bord der Maschine befinden.
Aber dennoch sollte man diesen Gedanken zur Errettung des Vaterlandes, inspiriert durch einen gestern Abend im 2DF gezeigten Film über das Altern in Deutschland, nicht aus den Augen verlieren.

Übrigens kann ich die im ICE von Berlin nach Frankfurt zum Preis von 1,30 Euro verkauften Brezeln wirklich nicht empfehlen.
In meiner Jugendzeit wäre ein derartiges Machwerk für eine schwäbische Bäckerinnung Grund genug gewesen um ein lebenslanges Berufsverbot gegen den Urheber zu verhängen, aber erst nachdem man ihn geteert und gefedert hätte.
Aber den allgemeinen Werteverfall unseres Landes und das verlorene Berufsethos gewisser Berufsgruppen werden wir nur mit einem schmerzlich-wütenden Blick auf die geballte Inkompetenz unter der Glaskuppel des Reichstages sicher nicht aufhalten, egal wie viele Obdachlosenzeitungen wir auch dabei kaufen werden.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 9. Februar 2007 um 05:45:48 und abgelegt unter Rauchzeichen, Alltag, Persönliches | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Zentrum der Macht”

  1. mitdenker meint:

    “Allerdings handelt es sich um ein Gerücht, dass sich die Charite bedingt durch die Nähe zum Reichstag verstärkt auf berufsgruppenspezifische Erkrankungen wie Machtgeilheit, Fraktionszwang, permanente Inkompetenz, viralem Realitätsverlust in Verbindung mit spontaner Amnesie und chronischen Hirnblähungen spezialisiert hat.”…
    Das ist tatsächlich ein Gerücht. Dafür gibt es wohl auch keine Heilmethoden. Aber man kann die Vergangenheit des Hauses nicht leugnen: Es war bei Gründung 1710 ein Pesthaus, später eine Siechenanstalt. Nomem est omen…

  2. Machopan meint:

    Na dann passt es ja doch wieder zur Pestilenz im siechen Reichstag.

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