Kauflaune

12. Februar 2007 05:45

Lieber Freund

Während man früher, als alles noch besser war, bis zum Abend warten musste um in den Comedy-Sendung des Fernsehens einen Grund zum Lachen zu finden, kann man das heutzutage schon am frühen Morgen haben.
Man muss dazu nur die Leitartikel diverser „führender Wirtschafts- und Finanzzeitschriften“ lesen, die sich nicht mehr inhaltlich, sondern nur noch im Design von einander unterscheiden, um von einem Lachkrampf nach dem anderen befallen zu werden.

KauflauneJetzt kurz nach Ende des ersten Monats im ersten Jahr der unverschämtesten Steuererhöhung seit Bestehen der Republik dominierte die Meldung „Kauflaune der Deutschen lässt drastisch nach“ die Titelseiten der Gazetten.
Begründet wird dies unisono mit dem von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) monatlich ermittelten „Indikator für das Konsumklima“, der sich für Februar 2007 im Vergleich zum Vormonat fast halbiert haben soll.
Offenbar herrscht unter den Konsumenten zur Zeit noch erhebliche Verunsicherung darüber, wie sich die höhere Konsumsteuer tatsächlich auf die Preise ausgewirkt hat“, teilte die GfK dazu mit und dem Leser entringt sich bei einem derartigen Krampf der erste Lacher.

Denn eine höhere Konsumsteuer kann sich für Verkäufer und Konsument nur in einem höheren Steueranteil am gekauften Produkt auswirken.
Die Frage an Gretchen ist doch nur, wie diese Parteien damit umgehen und was sie aus der Tatsache machen, dass der Staat einen noch größeren Anteil am Geschäft abhaben will.
Lösung A wäre einfach und der Konsument bezahlt (klaglos) den höheren Steueranteil über einen entsprechend höheren Produktpreis aus eigener Tasche.
Bei Lösung B übernimmt der Verkäufer (großzügig) diese Aufgabe und der Bruttoproduktpreis bleibt unverändert.
In der Variante C könnten sich Verkäufer und Käufer die zusätzliche Steuerlast auf das Produkt (salomonisch) teilen um die Begierde des Staates, die dieses Problem erst geschaffen hat, zu befriedigen.
Doch so einfach ist das (leider) nicht, weil:

  1. tens der Kunde brutto nicht mehr bezahlen will oder kann
  2. tens der Verkäufer seinen Nettoumsatz nicht schmälern möchte

Und (nur) deshalb wird es ab jetzt (etwas) kompliziert.
Denn der Verkäufer wird durch geschicktes Verändern der Produktaufmachung in Größe, Gewicht und Verpackung versuchen etwas weniger Produkt zum gleichen Preis zu verkaufen. Dabei läuft er aber Gefahr, dass der Konsument dies bemerkt und (verschnupft) mit verminderter Kauflaune oder völliger Kaufenthaltung darauf reagiert.
Deshalb wird der Verkäufer, um den Kunden über den wahren Sachverhalt hinwegzutäuschen, zeitgleich mit der Herabsetzung der Produktmenge bei gleichbleibenden Preis eine (großzügige) Rabattaktion starten. Und zwar genau so lange, bis beim Konsumenten eine Gewöhnung an die neue Produktaufmachung eingetreten ist.

Das Problem ist jetzt nur, dass die Konsumenten durchaus lernfähig geworden sind und

  1. nach vielen Jahren Schäppchenjagd diese Tricks natürlich kennen
  2. durch immer höher werdenden Steuern und Abgabenlast über immer weniger Kaufkraft verfügen
  3. durch stetige Steigerung der Lebenshaltungskosten immer weiter in die Armut gedrückt werden und/oder auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind.

Sowas schlägt nicht nur auf’s Gemüt und macht lustlos, sondern es schlägt auch auf die Laune.
Und während man das Ausmaß der Lustlosigkeit erst nach Jahren am Demographiefaktor ablesen kann, wird die Laune der Konsumenten jeden Monat von der Gesellschaft für Konsumforschung ermittelt.
Und diese „Kauflaune“ hat jetzt wohl drastisch nachgelassen.
Wobei sich mir persönlich bei der Meldung, dass die „Kauflaune der Deutschen“ sich nicht in Richtung „Kaufrausch“, sondern eher in Richtung „Kaufangst“ und „Kaufkoma“ entwickelt, schon die Frage stellt, wie es denn mit der Entwicklung der Kauflaune der bei uns lebenden Ausländer aussieht.
Oder kaufen die etwa auch nicht?
Das wäre ja schon wieder ein Grund zum Lachen.
Allerdings nur, wenn man die eigentliche Ursache dieser Situation nicht zum Weinen findet.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 12. Februar 2007 um 05:45:02 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Kauflaune

12. Februar 2007 05:45

Lieber Freund

Während man früher, als alles noch besser war, bis zum Abend warten musste um in den Comedy-Sendung des Fernsehens einen Grund zum Lachen zu finden, kann man das heutzutage schon am frühen Morgen haben.
Man muss dazu nur die Leitartikel diverser „führender Wirtschafts- und Finanzzeitschriften“ lesen, die sich nicht mehr inhaltlich, sondern nur noch im Design von einander unterscheiden, um von einem Lachkrampf nach dem anderen befallen zu werden.

KauflauneJetzt kurz nach Ende des ersten Monats im ersten Jahr der unverschämtesten Steuererhöhung seit Bestehen der Republik dominierte die Meldung „Kauflaune der Deutschen lässt drastisch nach“ die Titelseiten der Gazetten.
Begründet wird dies unisono mit dem von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) monatlich ermittelten „Indikator für das Konsumklima“, der sich für Februar 2007 im Vergleich zum Vormonat fast halbiert haben soll.
Offenbar herrscht unter den Konsumenten zur Zeit noch erhebliche Verunsicherung darüber, wie sich die höhere Konsumsteuer tatsächlich auf die Preise ausgewirkt hat“, teilte die GfK dazu mit und dem Leser entringt sich bei einem derartigen Krampf der erste Lacher.

Denn eine höhere Konsumsteuer kann sich für Verkäufer und Konsument nur in einem höheren Steueranteil am gekauften Produkt auswirken.
Die Frage an Gretchen ist doch nur, wie diese Parteien damit umgehen und was sie aus der Tatsache machen, dass der Staat einen noch größeren Anteil am Geschäft abhaben will.
Lösung A wäre einfach und der Konsument bezahlt (klaglos) den höheren Steueranteil über einen entsprechend höheren Produktpreis aus eigener Tasche.
Bei Lösung B übernimmt der Verkäufer (großzügig) diese Aufgabe und der Bruttoproduktpreis bleibt unverändert.
In der Variante C könnten sich Verkäufer und Käufer die zusätzliche Steuerlast auf das Produkt (salomonisch) teilen um die Begierde des Staates, die dieses Problem erst geschaffen hat, zu befriedigen.
Doch so einfach ist das (leider) nicht, weil:

  1. tens der Kunde brutto nicht mehr bezahlen will oder kann
  2. tens der Verkäufer seinen Nettoumsatz nicht schmälern möchte

Und (nur) deshalb wird es ab jetzt (etwas) kompliziert.
Denn der Verkäufer wird durch geschicktes Verändern der Produktaufmachung in Größe, Gewicht und Verpackung versuchen etwas weniger Produkt zum gleichen Preis zu verkaufen. Dabei läuft er aber Gefahr, dass der Konsument dies bemerkt und (verschnupft) mit verminderter Kauflaune oder völliger Kaufenthaltung darauf reagiert.
Deshalb wird der Verkäufer, um den Kunden über den wahren Sachverhalt hinwegzutäuschen, zeitgleich mit der Herabsetzung der Produktmenge bei gleichbleibenden Preis eine (großzügige) Rabattaktion starten. Und zwar genau so lange, bis beim Konsumenten eine Gewöhnung an die neue Produktaufmachung eingetreten ist.

Das Problem ist jetzt nur, dass die Konsumenten durchaus lernfähig geworden sind und

  1. nach vielen Jahren Schäppchenjagd diese Tricks natürlich kennen
  2. durch immer höher werdenden Steuern und Abgabenlast über immer weniger Kaufkraft verfügen
  3. durch stetige Steigerung der Lebenshaltungskosten immer weiter in die Armut gedrückt werden und/oder auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind.

Sowas schlägt nicht nur auf’s Gemüt und macht lustlos, sondern es schlägt auch auf die Laune.
Und während man das Ausmaß der Lustlosigkeit erst nach Jahren am Demographiefaktor ablesen kann, wird die Laune der Konsumenten jeden Monat von der Gesellschaft für Konsumforschung ermittelt.
Und diese „Kauflaune“ hat jetzt wohl drastisch nachgelassen.
Wobei sich mir persönlich bei der Meldung, dass die „Kauflaune der Deutschen“ sich nicht in Richtung „Kaufrausch“, sondern eher in Richtung „Kaufangst“ und „Kaufkoma“ entwickelt, schon die Frage stellt, wie es denn mit der Entwicklung der Kauflaune der bei uns lebenden Ausländer aussieht.
Oder kaufen die etwa auch nicht?
Das wäre ja schon wieder ein Grund zum Lachen.
Allerdings nur, wenn man die eigentliche Ursache dieser Situation nicht zum Weinen findet.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 12. Februar 2007 um 05:45:02 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können ein Kommentar schreiben oder ein Trackback hinterlegen.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)