Gegendemonstranten

15. Juni 2006 05:45

Im Verhältnis 1:20 machten am Samstag den 10. Juni 2006 in Gelsenkirchen die Anhänger der radikalen Rechten und die parteiübergreifende Gruppierung rechter Bürger von ihren demokratischen Grundrechten Gebrauch. Den Rechtsradikalen musste allerdings erst das Bundesverfassungsgericht dazu verhelfen, was bei den rechten Gegendemonstranten auf erhebliches Unverständnis stieß.

In der Gelsenkirchener Innenstadt forderte daher Bundestagspräsident Norber Lammert (einer von fünf, die sich diese Republik leistet) die 4000 gegendemonstrierenden rechten Bürger auf, ein Zeichen gegen «den Auftritt dieses kleine Häufleins verlotterter extremer Rechten» zu setzen.
Und Vizekanzler Franz Müntefering warf den Neonazis vor, sie wollten die Fußball-WM missbrauchen, um Fremdenfeindlichkeit zu säen.
Zu sehen war derweil von den Rechtsradikalen allerdings wenig. Nur knapp 200 standen mit ihren Fahnen als optische Gefahr für diese Republik zur Verfügung. Natürlich streng beschützt von der Polizei, damit den Alibi-Nazis kein Haar gekrümmt wird und sie als Grund für die nächste Gegendemonstration erhalten bleiben.
Dass sich unter den rechten Radikalen auch einige ALG II –Empfänger, 1-Euro-Jobber und andere Langzeitsozialschmarotzer befunden haben sollen, wollte die Polizei nicht bestätigen.

Wie knapp Alibi-Demonstranten zwischenzeitlich geworden sind, konnte man dann am Sonntag den 11. Juli in Nürnberg, dem ehemaligen Ort der Reichsparteitage der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) sehen.
Wie die Netzeitung berichtet demonstrierten am Rande der Altstadt am Vormittag ein Häufchen von nur 15 NPD-Anhänger für die israelfeindliche Politik des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad.
Da musste zur Begründung der Gegendemonstration gegen diesen „Hitler des 21. Jahrhunderts“, zu der die Jüdische Gemeinde aufgerufen hatte, auch noch die Anwesenheit der iranischen Nationalelf und des iranischen Vizepräsidenten Mohammed Aliabadi herhalten.
Was jedoch den Herrn Beckstein, in seiner Funktion als Minister des Bayrischen Innern, nicht davon abhalten konnte sich zwei Stunden Zeit zu nehmen und Sätze wie „wenn der iranische Präsident nach Deutschland kommen sollte, wird ihn allein sein Diplomatenpass vor einer sofortigen Festnahme schützen” unter die andächtig lauschenden Gegendemonstranten zu rufen. Er wird schon wissen, warum er sich Vergleichbares vor dem Besuch des amerikanischen Kriegshelden Bush in Mainz nicht getraut hat.
Den jüdischen Gemeinden in Deutschland zeigte Beckstein seine uneingeschränkte Solidarität und rief in die Menge der tausend gegen den „Hitler des 21. Jahrhunderts“ demonstrierenden Gegendemonstranten: “Wir fühlen mit Euch!”
Das hätten die Montagsdemonstranten, die gegen Hartz IV demonstrierten, damals auch gerne aus dem Mund des Ministers gehört. Aber was nicht war, kann ja vielleicht noch werden.

Mit von der Partie bei der Gegendemoparty in Nürnberg war natürlich das Friedmänsche.
Sie wissen schon, Michel Friedman, einst Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Der wegen Kokainbesitz Vorbestrafte soll jetzt hauptberuflich als Publizist und Moderator am schlechten Gewissen der Deutschen arbeiten und scheint wohl die exklusiven Vermarktungsrechte der Wortmarke „Antisemitismus“ zu besitzen.
Friedmann forderte in Nürnberg ein Einreiseverbot für den iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad in die Bundesrepublik Deutschland. Den “Hitler des 21. Jahrhunderts” dürfe man nicht “mit einem diplomatischen Schmusekurs begegnen”. Er (Friedmann) frage die Bundesregierung, warum sie ihm ein Visum geben musste, wenn gleichzeitig der weißrussische Präsident doch auch zur unerwünschten Person erklärt werden konnte.

Um diese Frage zu beantworten, hätte der Herr Friedman nur mal seine Parteikollegen und Bundestagsabgeordneten von der CDU fragen und nicht extra von Frankfurt nach Nürnberg fahren müssen.
Ich persönlich kann mir nicht helfen, aber immer wenn mir die miserable Friedmannsche Visualisierung ins Auge und/oder die Akustik seiner rhetorisch meist perfekten, aber inhaltlich abgelutschten Tiraden und Schuldappelle an das deutsche Volk ins Ohr dringt, dann sehe ich ihn, zugedröhnt wie einen kolumbianischen Koka-Bauern, zwangsweise in die BRddr eingereiste polnische EU-Bürgerinnen poppen.
Es muss wohl an meinem schlechten Gewissen wegen der Schuld meiner Eltern und Großeltern am Holocaust liegen, das sich mein Herz und Verstand spontan für die polnischen Zwangsprostituierten engagiert und für das Friedmänsche dabei nur wenig Sympathie über bleibt.

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. Juni 2006 um 05:45:06 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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Gegendemonstranten

15. Juni 2006 05:45

Im Verhältnis 1:20 machten am Samstag den 10. Juni 2006 in Gelsenkirchen die Anhänger der radikalen Rechten und die parteiübergreifende Gruppierung rechter Bürger von ihren demokratischen Grundrechten Gebrauch. Den Rechtsradikalen musste allerdings erst das Bundesverfassungsgericht dazu verhelfen, was bei den rechten Gegendemonstranten auf erhebliches Unverständnis stieß.

In der Gelsenkirchener Innenstadt forderte daher Bundestagspräsident Norber Lammert (einer von fünf, die sich diese Republik leistet) die 4000 gegendemonstrierenden rechten Bürger auf, ein Zeichen gegen «den Auftritt dieses kleine Häufleins verlotterter extremer Rechten» zu setzen.
Und Vizekanzler Franz Müntefering warf den Neonazis vor, sie wollten die Fußball-WM missbrauchen, um Fremdenfeindlichkeit zu säen.
Zu sehen war derweil von den Rechtsradikalen allerdings wenig. Nur knapp 200 standen mit ihren Fahnen als optische Gefahr für diese Republik zur Verfügung. Natürlich streng beschützt von der Polizei, damit den Alibi-Nazis kein Haar gekrümmt wird und sie als Grund für die nächste Gegendemonstration erhalten bleiben.
Dass sich unter den rechten Radikalen auch einige ALG II –Empfänger, 1-Euro-Jobber und andere Langzeitsozialschmarotzer befunden haben sollen, wollte die Polizei nicht bestätigen.

Wie knapp Alibi-Demonstranten zwischenzeitlich geworden sind, konnte man dann am Sonntag den 11. Juli in Nürnberg, dem ehemaligen Ort der Reichsparteitage der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) sehen.
Wie die Netzeitung berichtet demonstrierten am Rande der Altstadt am Vormittag ein Häufchen von nur 15 NPD-Anhänger für die israelfeindliche Politik des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad.
Da musste zur Begründung der Gegendemonstration gegen diesen „Hitler des 21. Jahrhunderts“, zu der die Jüdische Gemeinde aufgerufen hatte, auch noch die Anwesenheit der iranischen Nationalelf und des iranischen Vizepräsidenten Mohammed Aliabadi herhalten.
Was jedoch den Herrn Beckstein, in seiner Funktion als Minister des Bayrischen Innern, nicht davon abhalten konnte sich zwei Stunden Zeit zu nehmen und Sätze wie „wenn der iranische Präsident nach Deutschland kommen sollte, wird ihn allein sein Diplomatenpass vor einer sofortigen Festnahme schützen” unter die andächtig lauschenden Gegendemonstranten zu rufen. Er wird schon wissen, warum er sich Vergleichbares vor dem Besuch des amerikanischen Kriegshelden Bush in Mainz nicht getraut hat.
Den jüdischen Gemeinden in Deutschland zeigte Beckstein seine uneingeschränkte Solidarität und rief in die Menge der tausend gegen den „Hitler des 21. Jahrhunderts“ demonstrierenden Gegendemonstranten: “Wir fühlen mit Euch!”
Das hätten die Montagsdemonstranten, die gegen Hartz IV demonstrierten, damals auch gerne aus dem Mund des Ministers gehört. Aber was nicht war, kann ja vielleicht noch werden.

Mit von der Partie bei der Gegendemoparty in Nürnberg war natürlich das Friedmänsche.
Sie wissen schon, Michel Friedman, einst Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Der wegen Kokainbesitz Vorbestrafte soll jetzt hauptberuflich als Publizist und Moderator am schlechten Gewissen der Deutschen arbeiten und scheint wohl die exklusiven Vermarktungsrechte der Wortmarke „Antisemitismus“ zu besitzen.
Friedmann forderte in Nürnberg ein Einreiseverbot für den iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad in die Bundesrepublik Deutschland. Den “Hitler des 21. Jahrhunderts” dürfe man nicht “mit einem diplomatischen Schmusekurs begegnen”. Er (Friedmann) frage die Bundesregierung, warum sie ihm ein Visum geben musste, wenn gleichzeitig der weißrussische Präsident doch auch zur unerwünschten Person erklärt werden konnte.

Um diese Frage zu beantworten, hätte der Herr Friedman nur mal seine Parteikollegen und Bundestagsabgeordneten von der CDU fragen und nicht extra von Frankfurt nach Nürnberg fahren müssen.
Ich persönlich kann mir nicht helfen, aber immer wenn mir die miserable Friedmannsche Visualisierung ins Auge und/oder die Akustik seiner rhetorisch meist perfekten, aber inhaltlich abgelutschten Tiraden und Schuldappelle an das deutsche Volk ins Ohr dringt, dann sehe ich ihn, zugedröhnt wie einen kolumbianischen Koka-Bauern, zwangsweise in die BRddr eingereiste polnische EU-Bürgerinnen poppen.
Es muss wohl an meinem schlechten Gewissen wegen der Schuld meiner Eltern und Großeltern am Holocaust liegen, das sich mein Herz und Verstand spontan für die polnischen Zwangsprostituierten engagiert und für das Friedmänsche dabei nur wenig Sympathie über bleibt.

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