Mauerspruch

12. März 2007 05:45

Lieber Freund

Also ich finde, dass Mauern etwas Schönes und Nützliches sind.
Man kann daran entlang gehen, man kann dahinter Schutz suchen, daran hochsteigen, rauf klettern, oben auf der Lauer liegen oder einfach nur Bilder und Sprüche drauf malen.

Das können schöne Bilder sein oder einfach nur wilde Schmierereien, der Mauer ist das letztendlich egal.
Man kann auch etwas drauf schreiben.
Je nach intellektueller Ausstattung und Verfassung des Schreibers kann man dann so Dinge lesen wie „wehr das liesst ist doff“ oder „Ausländer raus“, „Hartz IV muss weg“ oder einfach nur „Fuck you“.
Selbst wenn auf der Mauer die Forderung „Die Mauer muss weg“ stehen würde, wäre das der Mauer sicher genauso egal wie „Sie verlassen den amerikanischen Sektor“ in großen staatstragenden Lettern und darunter, natürlich etwas kleiner „der Bundesrepublik Deutschland“.

Mauern haben übrigens meist zwei Seiten und oft ist das eine gute Seite und eine weniger gute Seite.
Nehmen Sie zum Beispiel mal eine Gefängnismauer.
Da ist es immens wichtig und von existenzieller Bedeutung auf welcher Seite der Mauer man ist oder gar sein muss.
Glaubt man den Insassen, dann soll es sich aber bei einer Klostermauer genau umgekehrt verhalten, wie bei einer Gefängnismauer.
Also ist Mauer nicht gleich Mauer und die Sichtweise auf eine Mauer sicherlich auch eine Frage des eigenen Standpunkts und Blickwinkels.

Mauerspruch

Während man bei aufkommender Gefahr hinter einer Burgmauer Schutz sucht, sollte man sich das bei einer Staumauer und einem drohendem Unwetter vorher genau überlegen.

Seinen Mauerspruch vorher überlegen sollen hätte sich vielleicht auch der Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, denn der hat allen Ernstes gemeint: „Deswegen ist es eher ein Problem, dass in der früheren DDR die Menschen die Erfahrung gar nicht sammeln konnten, was für eine Bereicherung es ist, mit Menschen aus anderen Teilen der Welt zusammenzuleben. Aber die waren ja auch durch eine Mauer eingesperrt.

Dabei müsste ihm als Katholik und Innenminister eigentlich der Unterschied zwischen Glaubensgemeinschaften und Strafgefangenen genauso geläufig sein, wie der Unterschied zwischen Klostermauern, Burgmauern und Gefängnismauern.

Aber es kommt bei der Sichtweise auf Mauern halt immer auf den eigenen Standpunkt an.
Es soll sogar Leute geben, die kennen nur eine Seite der Mauer und halten sie, aus ihrem beschränkten Blickwinkel, für eine Wand.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 12. März 2007 um 05:45:56 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Mauerspruch”

  1. mitdenker meint:

    Ich musste doch mal nachschauen:
    Ein Zaun ist eine Form der Einfriedung. Er trennt zwei Bereiche dauerhaft oder auf Zeit durch eine von Menschen geschaffene Abgrenzung.
    Geschieht dies speziell um Tiere einzuschliessen, heißt der Zaun auch Gatter oder Pferch.
    Ein Zaun besteht gewöhnlich aus Holz, Metall (Draht) oder Kunststoff. Aus Stein oder Beton errichtete Abgrenzungen heißen Mauer.

    Also kein besonderes Wort vom Ein- (oder Aus-)schluss von Menschen erst einmal.
    Aber interessant ist der (begriffliche) Unterschied zwischen Mauer und Zaun doch insofern, als es sich bei Menschen mit Barrieren im Kopf doch nach der obrigen Darlegung um einen Zaun handeln muß, denn schließlich redet man doch von einem Brett vor dem Kopf und nicht von einer Betonplatte oder einem Ziegelstein.
    Aber wer weiß, man soll ja tatsächlich schon versteinerte Bäume gefunden haben…
    Außerdem gibt es ja diese alte Frage: Was sind Snobs?
    Das sind Leute, die wissen, dass sie ein Brett vor dem Kopf haben sich aber einbilden, es sei aus Mahagoni.

  2. Karl-Heinz meint:

    Schon kurz nach Erscheinen dieses Artikels, genau in der Nacht vom 12. zum 13.03.07 haben anonyme Bauschaffende die Mauer-Gedanken materialisiert, indem sie den Haupteingang der Bundesagentur für Arbeit in Zittau mit einer 1,50 m x 3,00 m Mauer zugesetzt haben, so dass die Angestellten den Behinderteneingang(!) benutzen mussten.
    Hat Herr Schäuble vielleicht recht und die Zittauer Maurer wollen die speziellen Erfahrungen “hinter ihrer Mauer” tatsächlich nicht sammeln? ?

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Mauerspruch

12. März 2007 05:45

Lieber Freund

Also ich finde, dass Mauern etwas Schönes und Nützliches sind.
Man kann daran entlang gehen, man kann dahinter Schutz suchen, daran hochsteigen, rauf klettern, oben auf der Lauer liegen oder einfach nur Bilder und Sprüche drauf malen.

Das können schöne Bilder sein oder einfach nur wilde Schmierereien, der Mauer ist das letztendlich egal.
Man kann auch etwas drauf schreiben.
Je nach intellektueller Ausstattung und Verfassung des Schreibers kann man dann so Dinge lesen wie „wehr das liesst ist doff“ oder „Ausländer raus“, „Hartz IV muss weg“ oder einfach nur „Fuck you“.
Selbst wenn auf der Mauer die Forderung „Die Mauer muss weg“ stehen würde, wäre das der Mauer sicher genauso egal wie „Sie verlassen den amerikanischen Sektor“ in großen staatstragenden Lettern und darunter, natürlich etwas kleiner „der Bundesrepublik Deutschland“.

Mauern haben übrigens meist zwei Seiten und oft ist das eine gute Seite und eine weniger gute Seite.
Nehmen Sie zum Beispiel mal eine Gefängnismauer.
Da ist es immens wichtig und von existenzieller Bedeutung auf welcher Seite der Mauer man ist oder gar sein muss.
Glaubt man den Insassen, dann soll es sich aber bei einer Klostermauer genau umgekehrt verhalten, wie bei einer Gefängnismauer.
Also ist Mauer nicht gleich Mauer und die Sichtweise auf eine Mauer sicherlich auch eine Frage des eigenen Standpunkts und Blickwinkels.

Mauerspruch

Während man bei aufkommender Gefahr hinter einer Burgmauer Schutz sucht, sollte man sich das bei einer Staumauer und einem drohendem Unwetter vorher genau überlegen.

Seinen Mauerspruch vorher überlegen sollen hätte sich vielleicht auch der Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, denn der hat allen Ernstes gemeint: „Deswegen ist es eher ein Problem, dass in der früheren DDR die Menschen die Erfahrung gar nicht sammeln konnten, was für eine Bereicherung es ist, mit Menschen aus anderen Teilen der Welt zusammenzuleben. Aber die waren ja auch durch eine Mauer eingesperrt.

Dabei müsste ihm als Katholik und Innenminister eigentlich der Unterschied zwischen Glaubensgemeinschaften und Strafgefangenen genauso geläufig sein, wie der Unterschied zwischen Klostermauern, Burgmauern und Gefängnismauern.

Aber es kommt bei der Sichtweise auf Mauern halt immer auf den eigenen Standpunkt an.
Es soll sogar Leute geben, die kennen nur eine Seite der Mauer und halten sie, aus ihrem beschränkten Blickwinkel, für eine Wand.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 12. März 2007 um 05:45:56 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Mauerspruch”

  1. mitdenker meint:

    Ich musste doch mal nachschauen:
    Ein Zaun ist eine Form der Einfriedung. Er trennt zwei Bereiche dauerhaft oder auf Zeit durch eine von Menschen geschaffene Abgrenzung.
    Geschieht dies speziell um Tiere einzuschliessen, heißt der Zaun auch Gatter oder Pferch.
    Ein Zaun besteht gewöhnlich aus Holz, Metall (Draht) oder Kunststoff. Aus Stein oder Beton errichtete Abgrenzungen heißen Mauer.

    Also kein besonderes Wort vom Ein- (oder Aus-)schluss von Menschen erst einmal.
    Aber interessant ist der (begriffliche) Unterschied zwischen Mauer und Zaun doch insofern, als es sich bei Menschen mit Barrieren im Kopf doch nach der obrigen Darlegung um einen Zaun handeln muß, denn schließlich redet man doch von einem Brett vor dem Kopf und nicht von einer Betonplatte oder einem Ziegelstein.
    Aber wer weiß, man soll ja tatsächlich schon versteinerte Bäume gefunden haben…
    Außerdem gibt es ja diese alte Frage: Was sind Snobs?
    Das sind Leute, die wissen, dass sie ein Brett vor dem Kopf haben sich aber einbilden, es sei aus Mahagoni.

  2. Karl-Heinz meint:

    Schon kurz nach Erscheinen dieses Artikels, genau in der Nacht vom 12. zum 13.03.07 haben anonyme Bauschaffende die Mauer-Gedanken materialisiert, indem sie den Haupteingang der Bundesagentur für Arbeit in Zittau mit einer 1,50 m x 3,00 m Mauer zugesetzt haben, so dass die Angestellten den Behinderteneingang(!) benutzen mussten.
    Hat Herr Schäuble vielleicht recht und die Zittauer Maurer wollen die speziellen Erfahrungen “hinter ihrer Mauer” tatsächlich nicht sammeln? ?

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