Generalstreik

14. Juni 2006 05:45

Nein noch streiken nicht die Generäle, sondern nur die Klinikärzte.
Also ist es auch noch kein Generalstreik, sondern nur ein Streik der Götter in Weiß.
Aber da der Streik sich nun ausweitet, könnte durchaus aus der sicheren Gefährdung der „Innereren Station“ ein Gefährdung der „inneren Sicherheit“ werden.
Und für Notlagen im Inneren sind zukünftig nicht die Notärzte sondern die Generäle zuständig. Sofern sich bis dahin niemand gefunden hat, der unseren jungen Verteidigungsminister vorher von der „inneren“ in die „psychiatrische“ Abteilung verlegt hat, denn der Mann hat „Verteidigung“ schon so verinnerlicht, dass er seinen Memoiren den Untertitel „Alle Feinde sprechen Deutsch“ geben kann.

Die Berichterstattung über den Streik der Klinikärzte liest sich aber auch stellenweise wie einst die Wehrmachtsberichte von 1914/1918.
Da sind die Fronten verhärtet, die Parteien haben sich in ihren Stellungen eingegraben und die Verhandlungen zur Lösung des Konflikts dauern bis in die frühen Morgenstunden wenn die taktische Kommunikationsvernebelung über das Schlachtfeld wabert und eine Granate nach der anderen einschlägt.

Auf der einen Seite steht die Marburger Gruppierung der „Weißkittel“, geführt von Brigadegeneral Montgomery und auf der anderen Seite die „Tarifgebeutelte Deutsche Liga (TDL)“ mit Konteradmiral Hartmut von Mollring an der Spitze.
Nachdem die TDL nunmehr seit Wochen versucht die Weißkittel mit politischen Parolen zur Aufgabe zu bewegen um selbst mit einem blauen Auge davonzukommen, ist es nun zum Eklat gekommen.
Frei nach dem Motto „Verarschen können wir uns alleine“ blasen nun die Assistenzsklaven den Kliniken und ihren Eignern den Marsch und selbst zum Angriff.

Bei allem Säbelrasseln und Schlachtgeschrei sollte der neutrale Beobachter aber nicht vergessen warum die Auseinandersetzung der streitenden Parteien eskaliert ist und an Schärfe zugenommen hat.
Offiziell geht es um die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung von medizinischem Personal an kommunalen Kliniken.
In Wirklichkeit ist es der Widerstand einer arbeitenden Berufsgruppe und Bevölkerungsschicht gegen ein etabliertes und weiter wucherndes System der Ausbeutung und Vorteilsnahme.

Der Anlass ist ähnlich wie bei den Montagsdemonstrationen gegen Hartz IV.
Es ist der Kampf gegen die zunehmende Verschlechterung der Lebensbedingungen der Menschen in unserem Land. Es ist der Kampf gegen schlechte Bezahlung, gegen Mehrarbeit ohne Lohnausgleich, gegen drohende Arbeitslosigkeit, gegen sozialen Abstieg und Abbau, gegen Ausbeutung, gegen Bürokratisierung und Bevormundung.
Es ist der Kampf gegen ein System der Verschwendung, Korruption, Vetternwirtschaft, Manipulation und des Lobbyismus, unter dem die Bürger dieses Landes leiden.
Ein System, das die Arbeitnehmer nicht nur über Steuern und Abgaben ausquetscht, sondern sie auch noch zwingt bei sinkendem Einkommen mehr Arbeit zu leisten. Zusammen mit ständig steigenden Lebenshaltungskosten verlieren dadurch große Teile der Bevölkerung ihre Existenzgrundlage und werden zunehmend in die Armut gedrückt.

Die Mediziner und Medizinerinnen sind die erste Berufs- und Bevölkerungsgruppe, die dazu entschieden „Nein“ sagt, leistungsgerechte Bezahlung und existenz- und zukunftssichernde Arbeitsbedingungen einfordert.
Damit wehrt sich zum ersten Mal eine Bevölkerungsgruppe, die man durchaus als gebildet und gut ausgebildet bezeichnen darf. Das ist etwas Anderes als bei den Arbeitslosen, den nicht oder schlecht Ausgebildeten, den an- und ungelernten Arbeitskräften, den Drückebergern und arbeitsunwilligen Sozialschmarotzern.
Diesmal ist es eine Berufgruppe, die ein großer Teil der Bevölkerung bei ihrer Arbeit erlebt und erlebt hat. Auch wenn nicht jeder die Arbeitsbedingungen des medizinischen Personals im Detail kennt, so weiß man doch, dass Stress und ungewöhnliche Arbeitszeiten die Regel sind und vor allem bei den Jüngeren auch die Bezahlung nicht als leistungsgerecht angesehen werden kann.
Den Arbeitslosen und Montagsdemonstranten war es während den Scharmützeln um Hartz IV anno 2003/2004 nicht gelungen die Solidarität anderer Bevölkerungsgruppen und der Arbeitnehmerschaft zu gewinnen. Vor allem weil die Gewerkschaften lieber einen Schmusekurs mit den Genossen von den Regierungsparteien bevorzugten, um ihre eigenen Interessen wahren zu können. Und weil es mit Hilfe der Medien gelungen war, die von den Hartz IV Gesetzen betroffenen Menschen in der Öffentlichkeit als ungebildete, nicht ausgebildete, arbeitsscheue und faule Versager und Querulanten darstellen.

Anders als die Montagsdemonstranten gegen die Hartz IV Gesetze befinden sich nun die Ärzte und medizinisches Personal mit einer starken Führung in einer strategisch günstigeren Position. Es könnte ihnen tatsächlich gelingen ihrem Gegner Teilerfolge abzuringen. Doch für eine nachhaltige Veränderung des Systems oder gar für einen Sieg fehlt ihnen schlicht die Masse.

Das könnte sich rasch ändern, wenn der Funke von den Ärzten auf die Patienten, von dort auf die Versicherten, die Familien, die Alleinerziehenden, die Studenten, Schüler und Auszubildende überspringt.
Oder ganz einfach auf die 5 Millionen Arbeitslosen und ihre Angehörigen.
Dann wird es in den Medien sicher nicht mehr heißen: „Im Westen nix Neues“ oder “Business as usual” wie es auf neudeutsch heißt..

(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 14. Juni 2006 um 05:45:14 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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14. Juni 2006 05:45

Nein noch streiken nicht die Generäle, sondern nur die Klinikärzte.
Also ist es auch noch kein Generalstreik, sondern nur ein Streik der Götter in Weiß.
Aber da der Streik sich nun ausweitet, könnte durchaus aus der sicheren Gefährdung der „Innereren Station“ ein Gefährdung der „inneren Sicherheit“ werden.
Und für Notlagen im Inneren sind zukünftig nicht die Notärzte sondern die Generäle zuständig. Sofern sich bis dahin niemand gefunden hat, der unseren jungen Verteidigungsminister vorher von der „inneren“ in die „psychiatrische“ Abteilung verlegt hat, denn der Mann hat „Verteidigung“ schon so verinnerlicht, dass er seinen Memoiren den Untertitel „Alle Feinde sprechen Deutsch“ geben kann.

Die Berichterstattung über den Streik der Klinikärzte liest sich aber auch stellenweise wie einst die Wehrmachtsberichte von 1914/1918.
Da sind die Fronten verhärtet, die Parteien haben sich in ihren Stellungen eingegraben und die Verhandlungen zur Lösung des Konflikts dauern bis in die frühen Morgenstunden wenn die taktische Kommunikationsvernebelung über das Schlachtfeld wabert und eine Granate nach der anderen einschlägt.

Auf der einen Seite steht die Marburger Gruppierung der „Weißkittel“, geführt von Brigadegeneral Montgomery und auf der anderen Seite die „Tarifgebeutelte Deutsche Liga (TDL)“ mit Konteradmiral Hartmut von Mollring an der Spitze.
Nachdem die TDL nunmehr seit Wochen versucht die Weißkittel mit politischen Parolen zur Aufgabe zu bewegen um selbst mit einem blauen Auge davonzukommen, ist es nun zum Eklat gekommen.
Frei nach dem Motto „Verarschen können wir uns alleine“ blasen nun die Assistenzsklaven den Kliniken und ihren Eignern den Marsch und selbst zum Angriff.

Bei allem Säbelrasseln und Schlachtgeschrei sollte der neutrale Beobachter aber nicht vergessen warum die Auseinandersetzung der streitenden Parteien eskaliert ist und an Schärfe zugenommen hat.
Offiziell geht es um die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung von medizinischem Personal an kommunalen Kliniken.
In Wirklichkeit ist es der Widerstand einer arbeitenden Berufsgruppe und Bevölkerungsschicht gegen ein etabliertes und weiter wucherndes System der Ausbeutung und Vorteilsnahme.

Der Anlass ist ähnlich wie bei den Montagsdemonstrationen gegen Hartz IV.
Es ist der Kampf gegen die zunehmende Verschlechterung der Lebensbedingungen der Menschen in unserem Land. Es ist der Kampf gegen schlechte Bezahlung, gegen Mehrarbeit ohne Lohnausgleich, gegen drohende Arbeitslosigkeit, gegen sozialen Abstieg und Abbau, gegen Ausbeutung, gegen Bürokratisierung und Bevormundung.
Es ist der Kampf gegen ein System der Verschwendung, Korruption, Vetternwirtschaft, Manipulation und des Lobbyismus, unter dem die Bürger dieses Landes leiden.
Ein System, das die Arbeitnehmer nicht nur über Steuern und Abgaben ausquetscht, sondern sie auch noch zwingt bei sinkendem Einkommen mehr Arbeit zu leisten. Zusammen mit ständig steigenden Lebenshaltungskosten verlieren dadurch große Teile der Bevölkerung ihre Existenzgrundlage und werden zunehmend in die Armut gedrückt.

Die Mediziner und Medizinerinnen sind die erste Berufs- und Bevölkerungsgruppe, die dazu entschieden „Nein“ sagt, leistungsgerechte Bezahlung und existenz- und zukunftssichernde Arbeitsbedingungen einfordert.
Damit wehrt sich zum ersten Mal eine Bevölkerungsgruppe, die man durchaus als gebildet und gut ausgebildet bezeichnen darf. Das ist etwas Anderes als bei den Arbeitslosen, den nicht oder schlecht Ausgebildeten, den an- und ungelernten Arbeitskräften, den Drückebergern und arbeitsunwilligen Sozialschmarotzern.
Diesmal ist es eine Berufgruppe, die ein großer Teil der Bevölkerung bei ihrer Arbeit erlebt und erlebt hat. Auch wenn nicht jeder die Arbeitsbedingungen des medizinischen Personals im Detail kennt, so weiß man doch, dass Stress und ungewöhnliche Arbeitszeiten die Regel sind und vor allem bei den Jüngeren auch die Bezahlung nicht als leistungsgerecht angesehen werden kann.
Den Arbeitslosen und Montagsdemonstranten war es während den Scharmützeln um Hartz IV anno 2003/2004 nicht gelungen die Solidarität anderer Bevölkerungsgruppen und der Arbeitnehmerschaft zu gewinnen. Vor allem weil die Gewerkschaften lieber einen Schmusekurs mit den Genossen von den Regierungsparteien bevorzugten, um ihre eigenen Interessen wahren zu können. Und weil es mit Hilfe der Medien gelungen war, die von den Hartz IV Gesetzen betroffenen Menschen in der Öffentlichkeit als ungebildete, nicht ausgebildete, arbeitsscheue und faule Versager und Querulanten darstellen.

Anders als die Montagsdemonstranten gegen die Hartz IV Gesetze befinden sich nun die Ärzte und medizinisches Personal mit einer starken Führung in einer strategisch günstigeren Position. Es könnte ihnen tatsächlich gelingen ihrem Gegner Teilerfolge abzuringen. Doch für eine nachhaltige Veränderung des Systems oder gar für einen Sieg fehlt ihnen schlicht die Masse.

Das könnte sich rasch ändern, wenn der Funke von den Ärzten auf die Patienten, von dort auf die Versicherten, die Familien, die Alleinerziehenden, die Studenten, Schüler und Auszubildende überspringt.
Oder ganz einfach auf die 5 Millionen Arbeitslosen und ihre Angehörigen.
Dann wird es in den Medien sicher nicht mehr heißen: „Im Westen nix Neues“ oder “Business as usual” wie es auf neudeutsch heißt..

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 14. Juni 2006 um 05:45:14 und abgelegt unter Rauchzeichen | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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