Komasaufen

23. März 2007 05:45

Lieber Freund

„Aller guten Dinge sind drei“, weiß der Volksmund und auch die Religionen haben so ihre Erfahrungen mit der vereinigten Dreifaltigkeit.

Mit vereinigter Einfaltigkeit stürzen sich jetzt Politiker aller Parteien, nach dem Schwund der wichtigsten Tugenden ihres Wahlvolkes, auf dessen letzte verbliebene Mängel.

Während sich Frau Familienministerin Ursula von der Leyen, aufopfernd darum bemüht die Ergebnisse der bundesdeutschen Populationshäufigkeit qualitativ und quantitativ zu verbessern, schlug sich quer durch alle politischen Lager ein ganzes Konsortium missionar(r)ischer Eiferer im Kampf zur bundesweiten Ächtung des Rauchens.

Jetzt wurde eine weitere gesellschaftliche Problemgruppe erkannt und mehrere Vertreter von Union und Grünen wollen sich nun die Säufer zur Brust nehmen und fordern ein generelles Alkoholverbot für Jugendliche unter achtzehn Jahren.

Hintergrund ist ein „angeblich neuer“ Trend unter Jugendlichen, bei dem gesoffen wird bis zum Abwinken. Männlichen Bundesbürgern, die bereits ihren Militärdienst absolviert haben, ist dieses Trinkgebaren auch als „Kampfsaufen“ bestens bekannt und wird auch immer wieder gerne im Rahmen der Vatertagsbräuche und anderer Männlichkeitsrituale zelebriert.

Eine neue Variante besteht nun im sogenannten „Flat-Suff“ (aus dem Englischen „Flat“ = pauschal und „Sufficient“ = ausreichend/genügend), bei dem gegen Bezahlung eines festen Betrages (Flat-Rate) genug gesoffen werden kann bis zum Abwinken oder Umfallen. So neu ist diese Art der Freizeitgestaltung also gar nicht, nur die Art der Bezahlung hat sich geändert und ermöglicht nun eben auch finanzschwächeren Bevölkerungsteilen den Zugang zu legalen Drogen.
Wem diese Art der Freizeitgestaltung gefällt, der konnte sich schon immer besinnungslos und um den Verstand saufen.
Neu ist nur der missionarische Eifer, mit dem hysterische Weltverbesserer, Moralapostel und eifrige Politiker nach dem Kesseltreiben auf die Raucher nun die Prohibitionsmaschinerie gegen die Säufer angeworfen haben.

Dabei reichen die Regelungen der Paragraphen 4 und 9 des Jugendschutzgesetzes (JuschG) vollkommen aus, denn „der Aufenthalt in Gaststätten darf Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren nur gestattet werden, wenn eine personensorgeberechtigte oder erziehungsbeauftragte Person sie begleitet oder wenn sie in der Zeit zwischen 5 Uhr und 23 Uhr eine Mahlzeit oder ein Getränk einnehmen. Jugendlichen ab 16 Jahren darf der Aufenthalt in Gaststätten ohne Begleitung einer personensorgeberechtigten oder erziehungsbeauftragten Person in der Zeit von 24 Uhr und 5 Uhr morgens nicht gestattet werden.
In Gaststätten, Verkaufsstellen oder sonst in der Öffentlichkeit dürfen Branntwein, branntweinhaltige Getränke oder Lebensmittel, die Branntwein in nicht nur geringfügiger Menge enthalten, an Kinder und Jugendliche, andere alkoholische Getränke an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren weder abgegeben noch darf ihnen der Verzehr gestattet werden.

Und in §9 Abs. 4 JuschG heißt es weiter:
Alkoholhaltige Süßgetränke im Sinne des § 1 Abs. 2 und 3 des Alkopopsteuergesetzes dürfen gewerbsmäßig nur mit dem Hinweis “Abgabe an Personen unter 18 Jahren verboten, § 9 Jugendschutzgesetz” in den Verkehr gebracht werden.

Nach deutschem Recht ist Jugendlicher, wer vierzehn aber noch nicht achtzehn Jahre alt ist. Jüngere Personen sind die Kinder. Heranwachsender ist nach dem Jugendgerichtsgesetz jede Person, die das 18. Lebensjahr, aber noch nicht das 21. Lebensjahr vollendet hat.
Ab einem Alter von 18 Jahren ist man übrigens „volljährig“ und kann sich (auch in der Öffentlichkeit) besaufen so lange man will.
Auch bis zum Abwinken und Umfallen.

Komasaufen

Statt zum Schutze der Jugend die bestehende Gesetze konsequent anzuwenden und umzusetzen, bei dem einen oder anderen unbelehrbaren Gastwirt mit Geldstrafen/Freiheits und/oder Entzug der Schanklizenz für Einsicht und bei den Jugendlichen Säufern nach dem ersten Vollrausch durch eine „erzieherische Maßnahme“ für Normalität zu sorgen, wird nun zur Hatz auf die Promillejünger geblasen.

Wer kommt nach Verschärfung der Gesetze gegen Alkoholmissbrauch als nächstes dran?
Die Übergewichtigen?
Die Vegetarier?
Die Obdachlosen?
Die Langzeitschmarotzer?
Die Umweltverschmutzer?
Die Kinderlosen?
Die Rentner?
Die Protestwähler?
Oder wieder mal die Autofahrer?

Suchen Sie sich doch einfach eine Zielgruppe aus, die man als nächstes zur Missionierung freigibt um von den wirklichen Problemen dieses Landes abzulenken.

Wir können sicher darauf warten, bis nach Meldungen über die vom Mundgeruch ausgehenden Gesundheitsbeeinträchtigungen mitatmender Bürger und Bürgerinnen mit staatlicher Reglementierung zu rechnen ist. Und die Palette der staatlicherseits verordneten Maßnahmen wird von der sinnfreien Einführung von „Kurzatmerzonen“ bis zum strafrechtlich geahndeten Verbot von „tiefen Schnaufern“ reichen und in den Medien für allerlei Kurzweil sorgen.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 23. März 2007 um 05:45:30 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Soziales | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Komasaufen”

  1. mitdenker meint:

    Und da wird nun von einigen über das deutsche Bildungssystem lamentiert.
    Wenn die Jugendlichen jedoch jetzt schon erkennen, dass man das Leben in diesem Lande nur im Vollrausch (=Suff) ertragen kann, können sie doch nicht so dumm sein, wie immer vermutet wird…
    Und KoMa-Saufen könnte ja ein Lernprozeß sein (siehe KoMa: Konferenz der deutschen Mathematikfachschaften)….aber wohl eher nicht.
    Ausserdem: wie wollen Politiker etwas beurteilen können bei den uns immer wieder von Ihnen zelebrierten Komata in den eigenen Reihen (Koma: eine länger dauernde tiefe Bewusstlosigkeit ohne Reaktion auf äußere Reize).

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Komasaufen

23. März 2007 05:45

Lieber Freund

„Aller guten Dinge sind drei“, weiß der Volksmund und auch die Religionen haben so ihre Erfahrungen mit der vereinigten Dreifaltigkeit.

Mit vereinigter Einfaltigkeit stürzen sich jetzt Politiker aller Parteien, nach dem Schwund der wichtigsten Tugenden ihres Wahlvolkes, auf dessen letzte verbliebene Mängel.

Während sich Frau Familienministerin Ursula von der Leyen, aufopfernd darum bemüht die Ergebnisse der bundesdeutschen Populationshäufigkeit qualitativ und quantitativ zu verbessern, schlug sich quer durch alle politischen Lager ein ganzes Konsortium missionar(r)ischer Eiferer im Kampf zur bundesweiten Ächtung des Rauchens.

Jetzt wurde eine weitere gesellschaftliche Problemgruppe erkannt und mehrere Vertreter von Union und Grünen wollen sich nun die Säufer zur Brust nehmen und fordern ein generelles Alkoholverbot für Jugendliche unter achtzehn Jahren.

Hintergrund ist ein „angeblich neuer“ Trend unter Jugendlichen, bei dem gesoffen wird bis zum Abwinken. Männlichen Bundesbürgern, die bereits ihren Militärdienst absolviert haben, ist dieses Trinkgebaren auch als „Kampfsaufen“ bestens bekannt und wird auch immer wieder gerne im Rahmen der Vatertagsbräuche und anderer Männlichkeitsrituale zelebriert.

Eine neue Variante besteht nun im sogenannten „Flat-Suff“ (aus dem Englischen „Flat“ = pauschal und „Sufficient“ = ausreichend/genügend), bei dem gegen Bezahlung eines festen Betrages (Flat-Rate) genug gesoffen werden kann bis zum Abwinken oder Umfallen. So neu ist diese Art der Freizeitgestaltung also gar nicht, nur die Art der Bezahlung hat sich geändert und ermöglicht nun eben auch finanzschwächeren Bevölkerungsteilen den Zugang zu legalen Drogen.
Wem diese Art der Freizeitgestaltung gefällt, der konnte sich schon immer besinnungslos und um den Verstand saufen.
Neu ist nur der missionarische Eifer, mit dem hysterische Weltverbesserer, Moralapostel und eifrige Politiker nach dem Kesseltreiben auf die Raucher nun die Prohibitionsmaschinerie gegen die Säufer angeworfen haben.

Dabei reichen die Regelungen der Paragraphen 4 und 9 des Jugendschutzgesetzes (JuschG) vollkommen aus, denn „der Aufenthalt in Gaststätten darf Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren nur gestattet werden, wenn eine personensorgeberechtigte oder erziehungsbeauftragte Person sie begleitet oder wenn sie in der Zeit zwischen 5 Uhr und 23 Uhr eine Mahlzeit oder ein Getränk einnehmen. Jugendlichen ab 16 Jahren darf der Aufenthalt in Gaststätten ohne Begleitung einer personensorgeberechtigten oder erziehungsbeauftragten Person in der Zeit von 24 Uhr und 5 Uhr morgens nicht gestattet werden.
In Gaststätten, Verkaufsstellen oder sonst in der Öffentlichkeit dürfen Branntwein, branntweinhaltige Getränke oder Lebensmittel, die Branntwein in nicht nur geringfügiger Menge enthalten, an Kinder und Jugendliche, andere alkoholische Getränke an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren weder abgegeben noch darf ihnen der Verzehr gestattet werden.

Und in §9 Abs. 4 JuschG heißt es weiter:
Alkoholhaltige Süßgetränke im Sinne des § 1 Abs. 2 und 3 des Alkopopsteuergesetzes dürfen gewerbsmäßig nur mit dem Hinweis “Abgabe an Personen unter 18 Jahren verboten, § 9 Jugendschutzgesetz” in den Verkehr gebracht werden.

Nach deutschem Recht ist Jugendlicher, wer vierzehn aber noch nicht achtzehn Jahre alt ist. Jüngere Personen sind die Kinder. Heranwachsender ist nach dem Jugendgerichtsgesetz jede Person, die das 18. Lebensjahr, aber noch nicht das 21. Lebensjahr vollendet hat.
Ab einem Alter von 18 Jahren ist man übrigens „volljährig“ und kann sich (auch in der Öffentlichkeit) besaufen so lange man will.
Auch bis zum Abwinken und Umfallen.

Komasaufen

Statt zum Schutze der Jugend die bestehende Gesetze konsequent anzuwenden und umzusetzen, bei dem einen oder anderen unbelehrbaren Gastwirt mit Geldstrafen/Freiheits und/oder Entzug der Schanklizenz für Einsicht und bei den Jugendlichen Säufern nach dem ersten Vollrausch durch eine „erzieherische Maßnahme“ für Normalität zu sorgen, wird nun zur Hatz auf die Promillejünger geblasen.

Wer kommt nach Verschärfung der Gesetze gegen Alkoholmissbrauch als nächstes dran?
Die Übergewichtigen?
Die Vegetarier?
Die Obdachlosen?
Die Langzeitschmarotzer?
Die Umweltverschmutzer?
Die Kinderlosen?
Die Rentner?
Die Protestwähler?
Oder wieder mal die Autofahrer?

Suchen Sie sich doch einfach eine Zielgruppe aus, die man als nächstes zur Missionierung freigibt um von den wirklichen Problemen dieses Landes abzulenken.

Wir können sicher darauf warten, bis nach Meldungen über die vom Mundgeruch ausgehenden Gesundheitsbeeinträchtigungen mitatmender Bürger und Bürgerinnen mit staatlicher Reglementierung zu rechnen ist. Und die Palette der staatlicherseits verordneten Maßnahmen wird von der sinnfreien Einführung von „Kurzatmerzonen“ bis zum strafrechtlich geahndeten Verbot von „tiefen Schnaufern“ reichen und in den Medien für allerlei Kurzweil sorgen.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 23. März 2007 um 05:45:30 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Soziales | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Komasaufen”

  1. mitdenker meint:

    Und da wird nun von einigen über das deutsche Bildungssystem lamentiert.
    Wenn die Jugendlichen jedoch jetzt schon erkennen, dass man das Leben in diesem Lande nur im Vollrausch (=Suff) ertragen kann, können sie doch nicht so dumm sein, wie immer vermutet wird…
    Und KoMa-Saufen könnte ja ein Lernprozeß sein (siehe KoMa: Konferenz der deutschen Mathematikfachschaften)….aber wohl eher nicht.
    Ausserdem: wie wollen Politiker etwas beurteilen können bei den uns immer wieder von Ihnen zelebrierten Komata in den eigenen Reihen (Koma: eine länger dauernde tiefe Bewusstlosigkeit ohne Reaktion auf äußere Reize).

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