Verkehrte Verkehrspolitik

27. März 2007 05:45

Lieber Freund

Die Deutschen sind schon ein lustiges Völkchen!
Das bemerkt man besonders dann, wenn man nach nur einer Woche Aufenthalt im Ausland wieder ins Land der Deutschen zurückkehrt und per PKW die Grenze vom Nachbarland Frankreich kommend überfährt.
Nach mehr als 3000 Kilometer auf mautpflichtigen französischen Autobahnen mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h, die man dank eingeschaltetem Tempomat einer europäischen Mittelklasselimousine ohne Strafzettel und mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,3 Liter Diesel „gereist“ ist, grenzt die Verkehrssituation auf bundesdeutschen Autobahnen an Anarchie und tiefste Steinzeit.
Verwöhnt von französischen Rastplätzen mit sanitären Anlagen und ausgiebigen Ruhezonen für Lastkraftwagen und PKW, beginnt man sich nur langsam wieder daran zu gewöhnen, dass auf bundesdeutschen Rastplätzen schon die Einfahrten mit Lastwagen aus aller Herren Länder zugeparkt sind und mangels Toiletten wild ins Gelände geschifft und gekackt werden muss.

Und kaum hat man die Landesgrenze überschritten, dröhnen aus den Lautsprechern der Radioanlage auch schon in unermüdlicher Folge die Meldungen über die Hirnflatulenzen bundesdeutscher Politiker. Das ist selbst für einen Teilzeitausländer ein echter Kulturschock und an kollektiver Dümmlichkeit wirklich nicht mehr zu überbieten.

Es ist ein einzig Jammern, Stöhnen, Drohen, Fordern, Belehren und Fabulieren über Dinge die „lange Zeit versäumt wurden“, „jetzt unbedingt gemacht werden müssen“, „dringend staatlicher Regelungen bedürfen“, „den Bürgern erklärt werden müssen“ und aus Gründen

  • des „bla bla bla“ (Grund beliebig auswechselbar) einer nationalen, europäischen oder internationalen zentralen nachhaltigen Lösung bedürfen“,
  • um „bla bla bla“ (Grund ebenfalls beliebig austauschbar)
  • für „bla bla bla“ (Zielgruppe ebenfalls beliebig austauschbar)

unbedingt und möglichst sofort in Gesetzesform gegossen und kostenneutral gegenfinanziert werden müssen.

So blubbert der Flachwassertaucher Tiefensee, seines Zeichens Verkehrsminister dieser Republik über die dringend notwendige Änderung der Kraftfahrzeugsteuer zur Minimierung des Schadstoffausstoßes und Erhaltung der Umwelt für unsere Kinder und Kindeskinder.
Selbst vorausgesetzt, dass dem Herrn Verkehrsminister sicher bekannt sein dürfte, dass lediglich 12% der Schadstoffemissionen durch den PKW-Verkehr verursacht sind, hört sich sein Gefasel ganz besonders seltsam an, wenn man gerade aus einem Land zurückkehrt, das schon vor Jahren die Steuer auf private PKW abgeschafft und die Geschwindigkeit auf seinen Landstraßen auf 90 km/h und auf Autobahnen auf 130 km/h begrenzt hat und in dem es sich dennoch angenehm auf einem gut ausgebauten Straßennetz reisen lässt.
Unter Berücksichtigung der Größe dieses Landes ist das eine durchaus beachtliche Leistung. Oder sollte es etwa nur daran liegen, dass in diesem „großen“ Land nur ca. 60 Millionen Menschen leben, rund 20 Millionen weniger als in der BRD aber der Anteil junger Menschen höher ist als in Deutschland?

Am Spritpreis liegt es sicher nicht, denn der ist „rive gauche“ (fast) genau so hoch wie rechts des Rheins.

Dass die Franzosen öfter im Kreisverkehr fahren dürfen, statt mit laufendem Motor vor elektrisch versorgten Ampelanlagen warten zu müssen, könnte neben den generellen Geschwindigkeitsbegrenzungen ein weiterer Grund sein, warum der durchschnittliche Spritverbrauch eines in Frankreich betriebenen PKW geringer ist, als der eines PKW, der auf bundesdeutschen Straßen unterwegs sein muss.
Oder sollte es etwa an der Fahrzeuggröße liegen?
Denn auffällig ist schon, dass man nur wenige hubraum- und PS-starke Fahrzeuge auf französischen Straßen sieht. Meist heimische Typen von Citroen, Renault und Peugeot, aber auch viele Japaner und Fahrzeuge aus deutscher Produktion.
Beliebt sind vor allem BMW, Audi, OPEL und Mercedes, jedoch überwiegend die „kleinen“ Modelle.
Selbst BMW ist eher mit den 1-er mit 1,2 Liter Hubraum oder dem 3-er vertreten, nach einem 7-er oder 5-er muss man dagegen lange suchen.
Gleiches gilt für Mercedes und Audi, denn man braucht einfach keine 150 PS und mehr um mit 130 km/h auf der Autobahn rollen zu können.

Man muss also nicht wie der Verkehrsminister Tiefensee und seine „Experten“ über eine Reform der KFZ-Steuer zur „angeblichen“ Schonung der Umwelt nachgrübeln und das Ergebnis als umweltpolitische Glanzleistung verkaufen wollen, denn verarschen können sich die „umweltverschmutzenden“ Autofahrer nun wirklich selber.

Statt der Raserdiskussion und komplizierten Rechenformeln zur „sozialverträglichen“ Berechnung der KFZ-Steuer und der „steuerlichen“ Erfassung berufsbedingten PKW-Verkehrs brauchen wir nur

  1. eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung einzuführen und Überschreitungen mit drastischen Strafen bis hin zum Führerscheinentzug zu ahnden
  2. auf PKW statt der Mehrwertsteuer eine, auch von Unternehmen zu zahlende 30%-Luxussteuer zu erheben und
  3. die steuerliche Berücksichtigung der nachgewiesenen berufsbedingten anteiligen PKW-Kosten im Steuerrecht, um auch den Staat finanziell an den Kosten des Umweltschutzes zu beteiligen

Binnen 10 Jahren hätten wir

  • Fahrzeuge mit geringerem Spritverbrauch
  • kaum noch Raser, bzw. keine mehr die noch im Besitz eines Führerscheins sind
  • weniger Umweltverschmutzung durch PKW-Verkehr und/oder weniger PKW-Verkehr
  • und ganz sicher auch einen anderen Verkehrsminister

Zusammen mit der seit Jahrzehnten konsequent betriebenen „Verlagerung des gewerblichen Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene“, die sicher zusammen mit dem Börsengang der Deutschen Bundesbahn erfolgreich abgeschlossen werden wird, sind dann schon mal circa 20% der Umweltverschmutzer gebändigt.

Und wenn wir dann noch (endlich) die einst vom bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß initiierte Steuerbefreiung beim Flugbenzin abschaffen, dann könnte sogar „über den Wolken die Freiheit noch grenzenloser und die Luft noch viel besser sein.

Oder denken Sie wirklich es macht Sinn, sich auf der Erde die Fahrt zum Arbeitsplatz nicht mehr leisten zu können, aber für billig Geld in Urlaub zu fliegen?

Machopan
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2 Antworten zu “Verkehrte Verkehrspolitik”

  1. Buerger4812 - Dem habe ich nicht hinzuzufügen meint:

    […] Buerger4812 - Dem habe ich nicht hinzuzufügen 2007-03-28

  2. otti meint:

    Freie Fahrt für arme Bürger! Ein bisschen Freiheit in Vorschriften-Deutschland muss schon noch sein, damit der Schein gewahrt bleibt.

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Verkehrte Verkehrspolitik

27. März 2007 05:45

Lieber Freund

Die Deutschen sind schon ein lustiges Völkchen!
Das bemerkt man besonders dann, wenn man nach nur einer Woche Aufenthalt im Ausland wieder ins Land der Deutschen zurückkehrt und per PKW die Grenze vom Nachbarland Frankreich kommend überfährt.
Nach mehr als 3000 Kilometer auf mautpflichtigen französischen Autobahnen mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h, die man dank eingeschaltetem Tempomat einer europäischen Mittelklasselimousine ohne Strafzettel und mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,3 Liter Diesel „gereist“ ist, grenzt die Verkehrssituation auf bundesdeutschen Autobahnen an Anarchie und tiefste Steinzeit.
Verwöhnt von französischen Rastplätzen mit sanitären Anlagen und ausgiebigen Ruhezonen für Lastkraftwagen und PKW, beginnt man sich nur langsam wieder daran zu gewöhnen, dass auf bundesdeutschen Rastplätzen schon die Einfahrten mit Lastwagen aus aller Herren Länder zugeparkt sind und mangels Toiletten wild ins Gelände geschifft und gekackt werden muss.

Und kaum hat man die Landesgrenze überschritten, dröhnen aus den Lautsprechern der Radioanlage auch schon in unermüdlicher Folge die Meldungen über die Hirnflatulenzen bundesdeutscher Politiker. Das ist selbst für einen Teilzeitausländer ein echter Kulturschock und an kollektiver Dümmlichkeit wirklich nicht mehr zu überbieten.

Es ist ein einzig Jammern, Stöhnen, Drohen, Fordern, Belehren und Fabulieren über Dinge die „lange Zeit versäumt wurden“, „jetzt unbedingt gemacht werden müssen“, „dringend staatlicher Regelungen bedürfen“, „den Bürgern erklärt werden müssen“ und aus Gründen

  • des „bla bla bla“ (Grund beliebig auswechselbar) einer nationalen, europäischen oder internationalen zentralen nachhaltigen Lösung bedürfen“,
  • um „bla bla bla“ (Grund ebenfalls beliebig austauschbar)
  • für „bla bla bla“ (Zielgruppe ebenfalls beliebig austauschbar)

unbedingt und möglichst sofort in Gesetzesform gegossen und kostenneutral gegenfinanziert werden müssen.

So blubbert der Flachwassertaucher Tiefensee, seines Zeichens Verkehrsminister dieser Republik über die dringend notwendige Änderung der Kraftfahrzeugsteuer zur Minimierung des Schadstoffausstoßes und Erhaltung der Umwelt für unsere Kinder und Kindeskinder.
Selbst vorausgesetzt, dass dem Herrn Verkehrsminister sicher bekannt sein dürfte, dass lediglich 12% der Schadstoffemissionen durch den PKW-Verkehr verursacht sind, hört sich sein Gefasel ganz besonders seltsam an, wenn man gerade aus einem Land zurückkehrt, das schon vor Jahren die Steuer auf private PKW abgeschafft und die Geschwindigkeit auf seinen Landstraßen auf 90 km/h und auf Autobahnen auf 130 km/h begrenzt hat und in dem es sich dennoch angenehm auf einem gut ausgebauten Straßennetz reisen lässt.
Unter Berücksichtigung der Größe dieses Landes ist das eine durchaus beachtliche Leistung. Oder sollte es etwa nur daran liegen, dass in diesem „großen“ Land nur ca. 60 Millionen Menschen leben, rund 20 Millionen weniger als in der BRD aber der Anteil junger Menschen höher ist als in Deutschland?

Am Spritpreis liegt es sicher nicht, denn der ist „rive gauche“ (fast) genau so hoch wie rechts des Rheins.

Dass die Franzosen öfter im Kreisverkehr fahren dürfen, statt mit laufendem Motor vor elektrisch versorgten Ampelanlagen warten zu müssen, könnte neben den generellen Geschwindigkeitsbegrenzungen ein weiterer Grund sein, warum der durchschnittliche Spritverbrauch eines in Frankreich betriebenen PKW geringer ist, als der eines PKW, der auf bundesdeutschen Straßen unterwegs sein muss.
Oder sollte es etwa an der Fahrzeuggröße liegen?
Denn auffällig ist schon, dass man nur wenige hubraum- und PS-starke Fahrzeuge auf französischen Straßen sieht. Meist heimische Typen von Citroen, Renault und Peugeot, aber auch viele Japaner und Fahrzeuge aus deutscher Produktion.
Beliebt sind vor allem BMW, Audi, OPEL und Mercedes, jedoch überwiegend die „kleinen“ Modelle.
Selbst BMW ist eher mit den 1-er mit 1,2 Liter Hubraum oder dem 3-er vertreten, nach einem 7-er oder 5-er muss man dagegen lange suchen.
Gleiches gilt für Mercedes und Audi, denn man braucht einfach keine 150 PS und mehr um mit 130 km/h auf der Autobahn rollen zu können.

Man muss also nicht wie der Verkehrsminister Tiefensee und seine „Experten“ über eine Reform der KFZ-Steuer zur „angeblichen“ Schonung der Umwelt nachgrübeln und das Ergebnis als umweltpolitische Glanzleistung verkaufen wollen, denn verarschen können sich die „umweltverschmutzenden“ Autofahrer nun wirklich selber.

Statt der Raserdiskussion und komplizierten Rechenformeln zur „sozialverträglichen“ Berechnung der KFZ-Steuer und der „steuerlichen“ Erfassung berufsbedingten PKW-Verkehrs brauchen wir nur

  1. eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung einzuführen und Überschreitungen mit drastischen Strafen bis hin zum Führerscheinentzug zu ahnden
  2. auf PKW statt der Mehrwertsteuer eine, auch von Unternehmen zu zahlende 30%-Luxussteuer zu erheben und
  3. die steuerliche Berücksichtigung der nachgewiesenen berufsbedingten anteiligen PKW-Kosten im Steuerrecht, um auch den Staat finanziell an den Kosten des Umweltschutzes zu beteiligen

Binnen 10 Jahren hätten wir

  • Fahrzeuge mit geringerem Spritverbrauch
  • kaum noch Raser, bzw. keine mehr die noch im Besitz eines Führerscheins sind
  • weniger Umweltverschmutzung durch PKW-Verkehr und/oder weniger PKW-Verkehr
  • und ganz sicher auch einen anderen Verkehrsminister

Zusammen mit der seit Jahrzehnten konsequent betriebenen „Verlagerung des gewerblichen Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene“, die sicher zusammen mit dem Börsengang der Deutschen Bundesbahn erfolgreich abgeschlossen werden wird, sind dann schon mal circa 20% der Umweltverschmutzer gebändigt.

Und wenn wir dann noch (endlich) die einst vom bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß initiierte Steuerbefreiung beim Flugbenzin abschaffen, dann könnte sogar „über den Wolken die Freiheit noch grenzenloser und die Luft noch viel besser sein.

Oder denken Sie wirklich es macht Sinn, sich auf der Erde die Fahrt zum Arbeitsplatz nicht mehr leisten zu können, aber für billig Geld in Urlaub zu fliegen?

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 27. März 2007 um 05:45:39 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Verkehrte Verkehrspolitik”

  1. Buerger4812 - Dem habe ich nicht hinzuzufügen meint:

    […] Buerger4812 - Dem habe ich nicht hinzuzufügen 2007-03-28

  2. otti meint:

    Freie Fahrt für arme Bürger! Ein bisschen Freiheit in Vorschriften-Deutschland muss schon noch sein, damit der Schein gewahrt bleibt.

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