Umzugskartons

24. April 2007 05:45

Lieber Freund

In Zeiten steigender Lebensarbeitszeit und der Notwendigkeit durch mehrere Jobs den Lebensunterhalt bestreiten zu müssen, sind Mobilität und Flexibilität unentbehrliche Eigenschaften eines Arbeitnehmers, denn wenn im Frühjahr die Saison zur Handymontage in Süddeutschland zu Ende geht, kann die Zeit bis zur Herstellung der für das Weihnachtsgeschäft benötigten Flachbildfernseher in Polen mit dem Ziehen von Kabelsträngen in der Airbus-Fertigung in Norddeutschland überbrückt werden.

Derartige Dynamisierung der Arbeitswelt können nicht ohne Auswirkungen auf die Steuergesetzgebung unseres Landes bleiben und damit meine ich jetzt nicht die Kürzung der Pendlerpauschale. Das ist ja noch ein einfacher verwaltungstechnischer Akt, der von unserem Finanzminister nach einem Blick auf sein Finanzierungsloch und den Schuldenberg nach Tagesform festgelegt wird.

Nein, ich meine jetzt nicht die Fahrten zur Arbeitsstätte, sondern den UMZUG zu einem neuen Arbeitsort. Früher ging das mit Sack und Pack, heute benötigt man dazu meist „Umzugskartons“. Es soll jedoch schon Leute geben, die ziehen mit einem Einkaufswagen von ALDI um oder von einem Schlafplatz zum anderen.
Wer jedoch glaubt, mit dieser Methode der „Straßenmaut“ oder der für Fahrzeuge aller Art fälligen „Umweltschutzumlage“ entgehen zu können, der wird sich noch wundern, welche Pläne noch in den Schubladen unserer Ministerien lauern.

Konkret geht es um für Steuerzahler höchstwichtige, wenn nicht sogar existenzbedrohende Problemstellungen und „neue höchstrichterliche Verfahren im Steuerrecht“, die sich mit der Frage beschäftigen:
Führt die Rücknahme gebrauchter Umzugskartons durch ein Umzugsunternehmen gegen die Hälfte des Neupreises zu einer Entgeltsminderung hinsichtlich des ursprünglichen Kartonverkaufs?

Schluck!
Nochmal!?
Führt die Rücknahme gebrauchter Umzugskartons durch ein Umzugsunternehmen gegen die Hälfte des Neupreises zu einer Entgeltsminderung hinsichtlich des ursprünglichen Kartonverkaufs?

Sofern Sie noch ein Dach über dem Kopf haben, haben Sie sicher auch noch vom letzten Umzug einige Kartons auf dem Dachboden oder im Keller stehen und damit befinden Sie sich mitten in der neu entdeckten Zielgruppe des Finanzministeriums. Denn dessen Experten haben bei der Reformierung des Erbschaftssteuerrechts die „Umzugskartons“ entdeckt und sofort erkannt welche Schätze dort zu heben sind und welche Gefahren dort lauern.
Denn stellen Sie sich mal vor, alle Bundesbürger würden auf einen Schlag ihre gebrauchten Umzugskartons an die Umzugsunternehmen zurückgeben. Der gesamte Markt für Umzugskartons würde zusammenbrechen und die Preise für neue Umzugskartons wären einem drastischen Preisverfall unterworfen. Dramatische Umsatzeinbußen in der Kartonagenindustrie wären die Folge, gigantische Börsenwerte würden vernichtet.
Tausende von Arbeitsplätzen müssten abgebaut oder ins Ausland verlagert werden und die Arbeitnehmer würden auf der Straße stehen und sich irgendwo anders einen Job suchen müssen. Ganze Familien würden entwurzelt und müssten mit Kind und Kegel und Sack und Pack umziehen.
Der Bedarf an Umzugskartons würde dadurch schlagartig nach oben schnellen. Die Preise natürlich auch, denn schließlich leben wir ja in einer Marktwirtschaft in der Angebot und Nachfrage über die Preise bestimmt. Die verbliebenen Arbeitnehmer wären kaum in der Lage durch Überstunden und Zusatzschichten den Bedarf an Umzugskartons befriedigen. Die Steuereinnahmen wurden sprudeln und unser Finanzminister mit stolzgeschwellter Brust durch die Lande laufen und sich auf die Brust trommeln …
In solchen Zeiten sind gebrauchte Umzugskartons nicht mit Gold aufzuwiegen denn bei EBAY werden dafür Spitzenpreise erzielt. Die Dinger werden Ihnen aus der Hand gerissen.

Sofern Sie noch welche haben!
Daher mein gute Rat: „Wenn Sie an dem wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben wollen, dann achten Sie unbedingt auf ihre gebrauchten Umzugskartons und werden Sie äußerst misstrauisch wenn sich deutsche Finanzrichter mit der Frage: „Führt die Rücknahme gebrauchter Umzugskartons durch ein Umzugsunternehmen gegen die Hälfte des Neupreises zu einer Entgeltsminderung hinsichtlich des ursprünglichen Kartonverkaufs?“, zu beschäftigen beginnen.

Ich habe Sie gewarnt!
Mir persönlich bereitet derzeit eine ganz andere Anweisung, die mir das Finanzamt mitgeteilt hat, Kummer, denn „Zusammenfassende Meldungen bei der Umsatzsteuer sind ab 2007 in der Regel elektronisch anzugeben“.

Jetzt werde ich wohl den Steuerberater fragen müssen, ob das auch für Steuerzahler gilt, die bereits die Grenze zum Klimakterium überschritten haben und ob sich dieser Personenkreis gegen Vorlage eines gesundheitsärztlichen Attests von dieser Regel befreien lassen kann.
So eine Art 58-ziger-Regelung im Steuerrecht, denn wer dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen muss, braucht sicher auch keine Steuern mehr zu bezahlen.

Ach übrigens, sollten Sie irgendwo noch einige gebrauchte Umzugkartons herumstehen haben, so wäre ich ggf. gerne bereit Ihnen diese Last gegen eine kleine Gebühr und Übernahme der Versandkosten abzunehmen.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 24. April 2007 um 05:45:09 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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24. April 2007 05:45

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Derartige Dynamisierung der Arbeitswelt können nicht ohne Auswirkungen auf die Steuergesetzgebung unseres Landes bleiben und damit meine ich jetzt nicht die Kürzung der Pendlerpauschale. Das ist ja noch ein einfacher verwaltungstechnischer Akt, der von unserem Finanzminister nach einem Blick auf sein Finanzierungsloch und den Schuldenberg nach Tagesform festgelegt wird.

Nein, ich meine jetzt nicht die Fahrten zur Arbeitsstätte, sondern den UMZUG zu einem neuen Arbeitsort. Früher ging das mit Sack und Pack, heute benötigt man dazu meist „Umzugskartons“. Es soll jedoch schon Leute geben, die ziehen mit einem Einkaufswagen von ALDI um oder von einem Schlafplatz zum anderen.
Wer jedoch glaubt, mit dieser Methode der „Straßenmaut“ oder der für Fahrzeuge aller Art fälligen „Umweltschutzumlage“ entgehen zu können, der wird sich noch wundern, welche Pläne noch in den Schubladen unserer Ministerien lauern.

Konkret geht es um für Steuerzahler höchstwichtige, wenn nicht sogar existenzbedrohende Problemstellungen und „neue höchstrichterliche Verfahren im Steuerrecht“, die sich mit der Frage beschäftigen:
Führt die Rücknahme gebrauchter Umzugskartons durch ein Umzugsunternehmen gegen die Hälfte des Neupreises zu einer Entgeltsminderung hinsichtlich des ursprünglichen Kartonverkaufs?

Schluck!
Nochmal!?
Führt die Rücknahme gebrauchter Umzugskartons durch ein Umzugsunternehmen gegen die Hälfte des Neupreises zu einer Entgeltsminderung hinsichtlich des ursprünglichen Kartonverkaufs?

Sofern Sie noch ein Dach über dem Kopf haben, haben Sie sicher auch noch vom letzten Umzug einige Kartons auf dem Dachboden oder im Keller stehen und damit befinden Sie sich mitten in der neu entdeckten Zielgruppe des Finanzministeriums. Denn dessen Experten haben bei der Reformierung des Erbschaftssteuerrechts die „Umzugskartons“ entdeckt und sofort erkannt welche Schätze dort zu heben sind und welche Gefahren dort lauern.
Denn stellen Sie sich mal vor, alle Bundesbürger würden auf einen Schlag ihre gebrauchten Umzugskartons an die Umzugsunternehmen zurückgeben. Der gesamte Markt für Umzugskartons würde zusammenbrechen und die Preise für neue Umzugskartons wären einem drastischen Preisverfall unterworfen. Dramatische Umsatzeinbußen in der Kartonagenindustrie wären die Folge, gigantische Börsenwerte würden vernichtet.
Tausende von Arbeitsplätzen müssten abgebaut oder ins Ausland verlagert werden und die Arbeitnehmer würden auf der Straße stehen und sich irgendwo anders einen Job suchen müssen. Ganze Familien würden entwurzelt und müssten mit Kind und Kegel und Sack und Pack umziehen.
Der Bedarf an Umzugskartons würde dadurch schlagartig nach oben schnellen. Die Preise natürlich auch, denn schließlich leben wir ja in einer Marktwirtschaft in der Angebot und Nachfrage über die Preise bestimmt. Die verbliebenen Arbeitnehmer wären kaum in der Lage durch Überstunden und Zusatzschichten den Bedarf an Umzugskartons befriedigen. Die Steuereinnahmen wurden sprudeln und unser Finanzminister mit stolzgeschwellter Brust durch die Lande laufen und sich auf die Brust trommeln …
In solchen Zeiten sind gebrauchte Umzugskartons nicht mit Gold aufzuwiegen denn bei EBAY werden dafür Spitzenpreise erzielt. Die Dinger werden Ihnen aus der Hand gerissen.

Sofern Sie noch welche haben!
Daher mein gute Rat: „Wenn Sie an dem wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben wollen, dann achten Sie unbedingt auf ihre gebrauchten Umzugskartons und werden Sie äußerst misstrauisch wenn sich deutsche Finanzrichter mit der Frage: „Führt die Rücknahme gebrauchter Umzugskartons durch ein Umzugsunternehmen gegen die Hälfte des Neupreises zu einer Entgeltsminderung hinsichtlich des ursprünglichen Kartonverkaufs?“, zu beschäftigen beginnen.

Ich habe Sie gewarnt!
Mir persönlich bereitet derzeit eine ganz andere Anweisung, die mir das Finanzamt mitgeteilt hat, Kummer, denn „Zusammenfassende Meldungen bei der Umsatzsteuer sind ab 2007 in der Regel elektronisch anzugeben“.

Jetzt werde ich wohl den Steuerberater fragen müssen, ob das auch für Steuerzahler gilt, die bereits die Grenze zum Klimakterium überschritten haben und ob sich dieser Personenkreis gegen Vorlage eines gesundheitsärztlichen Attests von dieser Regel befreien lassen kann.
So eine Art 58-ziger-Regelung im Steuerrecht, denn wer dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen muss, braucht sicher auch keine Steuern mehr zu bezahlen.

Ach übrigens, sollten Sie irgendwo noch einige gebrauchte Umzugkartons herumstehen haben, so wäre ich ggf. gerne bereit Ihnen diese Last gegen eine kleine Gebühr und Übernahme der Versandkosten abzunehmen.

Machopan
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