Digitale Spaltung

25. April 2007 05:45

Lieber Freund

Die klassischen Merkmale der digitalen Spaltung sind nach wie vor von Bedeutung“ kommentierte D21-Vorstand Barbara Schwarze und offenbarte damit, dass diese Spaltung auch im Hirnbereich an zunehmender Bedeutung gewinnt.
Jetzt werden Sie nicht unbedingt gleich draufkommen wem oder was Barbara Schwarze vorsteht, noch was die Ursache ihrer Besorgnis ist.

Haben Sie gewusst, dass „23 Millionen Menschen in Deutschland das Internet nicht nutzen“ und „das Durchschnittsalter dieser OFFLiner mit 61,3 Jahren deutlich höher ist als das der Gesamtbevölkerung“?
Oder haben Sie bisher einfach nur ignoriert, dass zum Beispiel “ältere“, “nicht berufstätige Frauen” mit “geringem Haushaltsnettoeinkommen” und “Volksschulabschluss“, einen OFFliner-Anteil von 91,1 % aufweisen und das sind immerhin 4,3 Millionen weibliche Menschen und entspricht 6,6 % der deutschen Bevölkerung ab 4 Jahren?

Nachlesen können Sie diese immens wichtigen Fakten in einer von TNS Infratest erstellten Sonderauswertung aus dem „(N)onliner-Atlas 2006“.

Dort erfahren Sie auch, wie solch hochinteressante Datensammlungen zusammengepuzzelt werden:

  • Deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahre mit Festnetzanschluss im Haushalt
  • 64,89 Mio. Personen
  • Stichprobe: Repräsentativ mit 50.718 Interviews
  • Auswahl: Standardisiertes Zufallsverfahren (random last two digits) auf Basis des ADM-Telefonmastersample
  • Erhebung: Computergestützte Telefoninterviews (CATI) im Rahmen der TNS-Busse in der Zeit vom 12. Januar bis 21. April 2006
  • Mit Hilfe einer multivariaten Analyse (logistische Regression) wurde die Einflussstärke der soziodemografischen Merkmale auf die Nicht-Nutzung des Internets ermittelt.

Hochinteressant, hochinteressant und doch muss man sich wundern, womit manche Leute ihre Zeit totschlagen müssen um anschließend ihr Erbrochenes in den Medien verteilen zu können.
Wenden wir uns daher mal der Frau Professor Barbara Schwarze und Initiative D21 zu.
Wie wir sehen sind in dieser aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanzierten „Europas größte Partnerschaft zwischen Politik und Wirtschaft“ mit 20 Vorstandsmitgliedern und 41 Beiratsmitgliedern mit dem Bundeswirtschaftsglos und dem Bayrischen Stoibär auch äußerst interneterfahrene Vertreter der schon etwas älteren Generation vertreten.

Neben den mutmaßlichen Verdächtigen, den üblichen Lobbyisten und den korpulenten Inkompetenten weist die Liste der Beiratsmitglieder der „Initiative D21 - Digitale Integration, digitale Kompetenz und digitale Exzellenz“ auch einige Namen auf, von denen man (zumindest ich) nicht erwartet hätte, dass sie sich für eine derart platte und offensichtlich politische Veranstaltung hergeben.
Denn aktuelles Ziel der Initiative ist es „der Bundesregierung begleitend zum nationalen Integrationsplan eine IT-Roadmap an die Hand zu geben, in der gelungene Beispiele gesellschaftlicher Integration durch IT dargestellt werden - dies betrifft u.a. die Förderung der Sprachintegration. Die Beherrschung der deutschen Sprache ist die Grundlage für Bildung und Weiterbildung und damit der erste wesentliche Schritt für eine bessere Integration.

Also zumindest ich wäre da jetzt ohne die Initiative D21 nicht von alleine drauf gekommen!
Aber ob das zur Existenzberechtigung dieser Initiative reicht, wage ich dennoch zu bezweifeln.

Denn es gibt sicher Wichtigeres in unserer Gesellschaft zu erledigen, als sich um die ungenügenden Sprachkenntnisse nicht Deutsch sprechender Bevölkerungskreise zu kümmern.
Wie wäre es denn mit der Ausbildung und Arbeitsplätzen für Personen, die diese Grundvoraussetzung zur Teilnahme am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben bereits mitbringen?
Und die beklagte „digitale Spaltung“ unserer Gesellschaft ist doch wohl eher eine Folge der (gewollten) „sozialen Spaltung“, denn “Ältere“, “nicht Berufstätige“ und Menschen mit “geringem Haushaltsnettoeinkommen” haben meist unabhängig von ihrem Schulabschluss kein Geld um sich aus der “realen Welt” einen Zugang zur “digitalen Welt” leisten zu können.

Diese Einflussstärke der soziodemografischen Merkmale auf die Nicht-Nutzung des Internets hätte man sicher auch ohne Zuhilfenahme einer „multivariaten Analyse (logistische Regression)“ ermitteln können.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 25. April 2007 um 05:45:01 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Digitale Spaltung”

  1. hab ich vergessen meint:

    Haha,wenn ich solche Zahlen lese fällt mir immer ein ,wie viele e-mail Adressen ich habe,so etwa X0 und habe keinen eigenen Festnetz Anschluss,haha.

    >„23 Millionen Menschen in Deutschland das Internet nicht nutzen“

  2. mitdenker meint:

    Da wurde doch wieder ein äußerst wichtiges und natürlich auch interessantes Thema aufgegriffen.
    Erinnert mich an diese Aktionswoche der vergangenen Woche unter dem Thema „Schimmel sind Weiß“ – oder war es doch etwas anderes?
    Ach ja richtig – „Kinder sind Zukunft“ hieß es wohl.
    Schon allein diese sich wiederholenden Kampagnen lassen mich immer wieder frösteln, weil da Erinnerungen wach werden von den ehemaligen tollen Planerfüllungsmeldungen und man sich vorkommt wie „Zurück in die Zukunft“.
    Und man fragt sich, welche bildungspolitische Zielstellung es wohl aus Sicht der Verantwortlichen für derartige auf die buntestäuschende Bevölkerung herabprasselnde Kampagnen gibt.
    Wo es doch eigentlich überhaupt nicht erwünscht ist, einfache Wahrheiten erkennen zu können.
    Deshalb verwunderte mich auch ein Satz auf der Webseite dieser D21-Initiative:
    „In der Informationsgesellschaft hängt die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend von der Kompetenz ihrer Arbeitnehmer ab.“
    Ha! Haaaa? Wie denn das? Seit wann?
    Oder ist etwa die Kompetenz der zahlreichen Entlassenen bei Samsung, Siemens-BenQ, Telekom, Vodafone und wie sie noch alle heissen, gemeint? Möglich.
    Und die reale Welt sieht doch da so viel schöner aus. Da gibt es doch tatsächlich gesellschaftliche Bereiche, die sich mit (einem Teil der) Bildung beschäftigen (sollten) – Hochschulen genannt. Ja, gibt es noch die Eine oder Andere in staatlicher Obhut. Und da gibt es Exzellenzinitiativen. Ganz toll. Und da gibt es ernannte Hochschullehrer (auch Professoren genannt) mit hervorragender Kompetenz – sollte man meinen. In verantwortlichen Positionen wie z.B. Institutsdirektoren usw. Und einer dieser so genannten Leistungsträger behauptete doch glatt gegenüber seinen Mitarbeitern:
    “Sie haben einen Computer und sie haben EXCEL. Damit können sie doch alles machen“.
    Exzellenzinitiative? Bei solchen Aussagen? Bildung?
    Wie denn? Was denn? Wo denn? Etwa in diesem Land, wo Posten und Pöstchen ebenso vom Parteibuch abhängen wie in der Vergangenheit eines heruntergewirtschafteten und untergegangenen Ländles. Eigentlich schlimm, dass der Ausspruch „Deutschland erwache“ derart negativ vorbesetzt ist.
    Mal abgesehen davon, dass man komatöse Menschen nicht wachrufen kann.(http://de.wikipedia.org/wiki/Koma_%28Medizin%29)

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Digitale Spaltung

25. April 2007 05:45

Lieber Freund

Die klassischen Merkmale der digitalen Spaltung sind nach wie vor von Bedeutung“ kommentierte D21-Vorstand Barbara Schwarze und offenbarte damit, dass diese Spaltung auch im Hirnbereich an zunehmender Bedeutung gewinnt.
Jetzt werden Sie nicht unbedingt gleich draufkommen wem oder was Barbara Schwarze vorsteht, noch was die Ursache ihrer Besorgnis ist.

Haben Sie gewusst, dass „23 Millionen Menschen in Deutschland das Internet nicht nutzen“ und „das Durchschnittsalter dieser OFFLiner mit 61,3 Jahren deutlich höher ist als das der Gesamtbevölkerung“?
Oder haben Sie bisher einfach nur ignoriert, dass zum Beispiel “ältere“, “nicht berufstätige Frauen” mit “geringem Haushaltsnettoeinkommen” und “Volksschulabschluss“, einen OFFliner-Anteil von 91,1 % aufweisen und das sind immerhin 4,3 Millionen weibliche Menschen und entspricht 6,6 % der deutschen Bevölkerung ab 4 Jahren?

Nachlesen können Sie diese immens wichtigen Fakten in einer von TNS Infratest erstellten Sonderauswertung aus dem „(N)onliner-Atlas 2006“.

Dort erfahren Sie auch, wie solch hochinteressante Datensammlungen zusammengepuzzelt werden:

  • Deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahre mit Festnetzanschluss im Haushalt
  • 64,89 Mio. Personen
  • Stichprobe: Repräsentativ mit 50.718 Interviews
  • Auswahl: Standardisiertes Zufallsverfahren (random last two digits) auf Basis des ADM-Telefonmastersample
  • Erhebung: Computergestützte Telefoninterviews (CATI) im Rahmen der TNS-Busse in der Zeit vom 12. Januar bis 21. April 2006
  • Mit Hilfe einer multivariaten Analyse (logistische Regression) wurde die Einflussstärke der soziodemografischen Merkmale auf die Nicht-Nutzung des Internets ermittelt.

Hochinteressant, hochinteressant und doch muss man sich wundern, womit manche Leute ihre Zeit totschlagen müssen um anschließend ihr Erbrochenes in den Medien verteilen zu können.
Wenden wir uns daher mal der Frau Professor Barbara Schwarze und Initiative D21 zu.
Wie wir sehen sind in dieser aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanzierten „Europas größte Partnerschaft zwischen Politik und Wirtschaft“ mit 20 Vorstandsmitgliedern und 41 Beiratsmitgliedern mit dem Bundeswirtschaftsglos und dem Bayrischen Stoibär auch äußerst interneterfahrene Vertreter der schon etwas älteren Generation vertreten.

Neben den mutmaßlichen Verdächtigen, den üblichen Lobbyisten und den korpulenten Inkompetenten weist die Liste der Beiratsmitglieder der „Initiative D21 - Digitale Integration, digitale Kompetenz und digitale Exzellenz“ auch einige Namen auf, von denen man (zumindest ich) nicht erwartet hätte, dass sie sich für eine derart platte und offensichtlich politische Veranstaltung hergeben.
Denn aktuelles Ziel der Initiative ist es „der Bundesregierung begleitend zum nationalen Integrationsplan eine IT-Roadmap an die Hand zu geben, in der gelungene Beispiele gesellschaftlicher Integration durch IT dargestellt werden - dies betrifft u.a. die Förderung der Sprachintegration. Die Beherrschung der deutschen Sprache ist die Grundlage für Bildung und Weiterbildung und damit der erste wesentliche Schritt für eine bessere Integration.

Also zumindest ich wäre da jetzt ohne die Initiative D21 nicht von alleine drauf gekommen!
Aber ob das zur Existenzberechtigung dieser Initiative reicht, wage ich dennoch zu bezweifeln.

Denn es gibt sicher Wichtigeres in unserer Gesellschaft zu erledigen, als sich um die ungenügenden Sprachkenntnisse nicht Deutsch sprechender Bevölkerungskreise zu kümmern.
Wie wäre es denn mit der Ausbildung und Arbeitsplätzen für Personen, die diese Grundvoraussetzung zur Teilnahme am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben bereits mitbringen?
Und die beklagte „digitale Spaltung“ unserer Gesellschaft ist doch wohl eher eine Folge der (gewollten) „sozialen Spaltung“, denn “Ältere“, “nicht Berufstätige“ und Menschen mit “geringem Haushaltsnettoeinkommen” haben meist unabhängig von ihrem Schulabschluss kein Geld um sich aus der “realen Welt” einen Zugang zur “digitalen Welt” leisten zu können.

Diese Einflussstärke der soziodemografischen Merkmale auf die Nicht-Nutzung des Internets hätte man sicher auch ohne Zuhilfenahme einer „multivariaten Analyse (logistische Regression)“ ermitteln können.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 25. April 2007 um 05:45:01 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Digitale Spaltung”

  1. hab ich vergessen meint:

    Haha,wenn ich solche Zahlen lese fällt mir immer ein ,wie viele e-mail Adressen ich habe,so etwa X0 und habe keinen eigenen Festnetz Anschluss,haha.

    >„23 Millionen Menschen in Deutschland das Internet nicht nutzen“

  2. mitdenker meint:

    Da wurde doch wieder ein äußerst wichtiges und natürlich auch interessantes Thema aufgegriffen.
    Erinnert mich an diese Aktionswoche der vergangenen Woche unter dem Thema „Schimmel sind Weiß“ – oder war es doch etwas anderes?
    Ach ja richtig – „Kinder sind Zukunft“ hieß es wohl.
    Schon allein diese sich wiederholenden Kampagnen lassen mich immer wieder frösteln, weil da Erinnerungen wach werden von den ehemaligen tollen Planerfüllungsmeldungen und man sich vorkommt wie „Zurück in die Zukunft“.
    Und man fragt sich, welche bildungspolitische Zielstellung es wohl aus Sicht der Verantwortlichen für derartige auf die buntestäuschende Bevölkerung herabprasselnde Kampagnen gibt.
    Wo es doch eigentlich überhaupt nicht erwünscht ist, einfache Wahrheiten erkennen zu können.
    Deshalb verwunderte mich auch ein Satz auf der Webseite dieser D21-Initiative:
    „In der Informationsgesellschaft hängt die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend von der Kompetenz ihrer Arbeitnehmer ab.“
    Ha! Haaaa? Wie denn das? Seit wann?
    Oder ist etwa die Kompetenz der zahlreichen Entlassenen bei Samsung, Siemens-BenQ, Telekom, Vodafone und wie sie noch alle heissen, gemeint? Möglich.
    Und die reale Welt sieht doch da so viel schöner aus. Da gibt es doch tatsächlich gesellschaftliche Bereiche, die sich mit (einem Teil der) Bildung beschäftigen (sollten) – Hochschulen genannt. Ja, gibt es noch die Eine oder Andere in staatlicher Obhut. Und da gibt es Exzellenzinitiativen. Ganz toll. Und da gibt es ernannte Hochschullehrer (auch Professoren genannt) mit hervorragender Kompetenz – sollte man meinen. In verantwortlichen Positionen wie z.B. Institutsdirektoren usw. Und einer dieser so genannten Leistungsträger behauptete doch glatt gegenüber seinen Mitarbeitern:
    “Sie haben einen Computer und sie haben EXCEL. Damit können sie doch alles machen“.
    Exzellenzinitiative? Bei solchen Aussagen? Bildung?
    Wie denn? Was denn? Wo denn? Etwa in diesem Land, wo Posten und Pöstchen ebenso vom Parteibuch abhängen wie in der Vergangenheit eines heruntergewirtschafteten und untergegangenen Ländles. Eigentlich schlimm, dass der Ausspruch „Deutschland erwache“ derart negativ vorbesetzt ist.
    Mal abgesehen davon, dass man komatöse Menschen nicht wachrufen kann.(http://de.wikipedia.org/wiki/Koma_%28Medizin%29)

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)