Siemens ist Spitze

26. April 2007 05:45

Lieber Freund

Nach dem völlig ahnungslosen und daher weiterhin ehrenwerten Heinrich von Schmierer, der dieser Tage seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat der Siemens AG ankündigen durfte, obwohl er zu diesem Schritt nach eigenen Worten „nicht gedrängt“ wurde, geht nun auch sein Nachfolger im Amte des Vorstandvorsitzenden dieser einst ruhmreichen Firma, um nach eigenen Worten „dem Unternehmen in diesen Zeiten Klarheit für seine Führung zu geben“. Klaus Kleinfeld habe sich deshalb entschlossen „für die Verlängerung seines Vertrages über den 30. September 2007 hinaus nicht mehr zur Verfügung zu stehen“.

Hört sich irgendwie gut an, wie so ein Vorstandsvorsitzender seinen drohenden Rausschmiss durch den Aufsichtsrat formuliert.

Dabei kann man durchaus darüber diskutieren und geteilter Meinung sein, ob Kleinfeld als Vorstandsvorsitzender einen guten Job gemacht hat oder nicht. Aus Sicht des Kapitals sicher ja, denn Siemens steht heute wirtschaftlich besser da denn je. Aus Sicht der Arbeitnehmerschaft sicher nein, denn viele haben ihren Job verloren.
Sicher wird man Kleinfeld auch kein persönliches Fehlverhalten oder gar Mitwisserschaft im Zusammenhang mit den Affären der letzten Monate vorhalten können, wobei ich persönlich den Coup mit BENQ bewusst ausklammere, denn wenn er wirklich geglaubt hat, dass ihm die Taiwanesen die Handysparte zusammen mit 400 Millionen Euro Schmerzensgeld abnehmen, dann war er einfach nicht clever genug. Dass die Jungs sich nur Assets und Cash abgreifen wollten und den Rest fallen lassen wie eine heiße Kartoffel, damit hatte er wohl nicht gerechnet.

SiemensDas Problem des Herrn Kleinfeld lag wohl eher in der Person seines Amtsvorgängers, der sich auf den Sitz des Aufsichtratschefs verzogen hatte, doch die Fäden nicht aus der Hand geben wollte. Aber ein Vorstand von Aufsichtsratsgnaden kann einem Unternehmen nur schaden und auf gar keinen Fall sollten ehemalige Vorstandsvorsitzende in die Haut des Aufsichtsratsvorsitzenden schlüpfen dürfen, denn sie werden mit ihrem Nachfolger wie mit einer Marionette spielen. Die eigentliche Verteilung der Rollen ist dabei von untergeordneter Bedeutung. Das Problem ist bekannt und dennoch wird der Fehler im Spiel um die Macht immer wieder (gerne) gemacht.

Der künftige Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme galt in den vergangenen Tagen, gemeinsam mit dem mit dem Vorstand der Deutschen Bank Josef Ackermann als treibende Kraft hinter der Demontage Kleinfelds. Josef Ackermann, der für die bundesdeutsche Justiz auch kein unbeschriebenes Blatt ist und sich im Rahmen der Mannesmann-Affäre erheblich mit Ruhm bekleckert hat, sitzt auch im Aufsichtsrat der Siemens AG. Man sollte die beiden Herren, die auch gemeinsam im Aufsichtsrat der Lufthansa sitzen, bei ihren Aktivitäten sehr gut im Auge behalten, denn bei Siemens gibt es für den Herrn Ackermann noch etwas mehr zu verklopfen als bei Mannesmann.
Und der Herr Cromme ist dazu noch Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate-Governance-Kodex und damit aktuell maßgeblich am Umbau des deutschen Gesellschafts- und Kapitalmarktrechts beteiligt.
Es könnte durchaus noch interessanter werden, denn Siemens ist ein Eisberg.
Und zwar ein ganz besonderer.

Besonders die Spitze!

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 26. April 2007 um 05:45:47 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Siemens ist Spitze”

  1. Lazarus meint:

    Tja, diese Erscheinungen sind ja eigentlich nur Ausdruck der beständigen Bemühungen anonymer Mächte, dieses Unternehmen zu schwächen um letztlich zu liquidieren. Die Technologien der Zukunft werden ja, so der Wille unserer Politik, in unserem Land von der Hausfrau auf dem Küchentisch entwickelt, denn nur diese hat den Auftrag in Form ständig steigender Energiepreise erhalten, (Primär-)Energie zu sparen, weil ja nur den Großverbrauchern entsprechende Rabatte eingeräumt werden. Folgerichtig brauchen wir auch keine deutschen High-Tech-Firmen mehr … und wenn dann alle Kühe geschlachtet sind, können sie auch nicht mehr gemolken werden - Ha-Ha-Ha

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Siemens ist Spitze

26. April 2007 05:45

Lieber Freund

Nach dem völlig ahnungslosen und daher weiterhin ehrenwerten Heinrich von Schmierer, der dieser Tage seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat der Siemens AG ankündigen durfte, obwohl er zu diesem Schritt nach eigenen Worten „nicht gedrängt“ wurde, geht nun auch sein Nachfolger im Amte des Vorstandvorsitzenden dieser einst ruhmreichen Firma, um nach eigenen Worten „dem Unternehmen in diesen Zeiten Klarheit für seine Führung zu geben“. Klaus Kleinfeld habe sich deshalb entschlossen „für die Verlängerung seines Vertrages über den 30. September 2007 hinaus nicht mehr zur Verfügung zu stehen“.

Hört sich irgendwie gut an, wie so ein Vorstandsvorsitzender seinen drohenden Rausschmiss durch den Aufsichtsrat formuliert.

Dabei kann man durchaus darüber diskutieren und geteilter Meinung sein, ob Kleinfeld als Vorstandsvorsitzender einen guten Job gemacht hat oder nicht. Aus Sicht des Kapitals sicher ja, denn Siemens steht heute wirtschaftlich besser da denn je. Aus Sicht der Arbeitnehmerschaft sicher nein, denn viele haben ihren Job verloren.
Sicher wird man Kleinfeld auch kein persönliches Fehlverhalten oder gar Mitwisserschaft im Zusammenhang mit den Affären der letzten Monate vorhalten können, wobei ich persönlich den Coup mit BENQ bewusst ausklammere, denn wenn er wirklich geglaubt hat, dass ihm die Taiwanesen die Handysparte zusammen mit 400 Millionen Euro Schmerzensgeld abnehmen, dann war er einfach nicht clever genug. Dass die Jungs sich nur Assets und Cash abgreifen wollten und den Rest fallen lassen wie eine heiße Kartoffel, damit hatte er wohl nicht gerechnet.

SiemensDas Problem des Herrn Kleinfeld lag wohl eher in der Person seines Amtsvorgängers, der sich auf den Sitz des Aufsichtratschefs verzogen hatte, doch die Fäden nicht aus der Hand geben wollte. Aber ein Vorstand von Aufsichtsratsgnaden kann einem Unternehmen nur schaden und auf gar keinen Fall sollten ehemalige Vorstandsvorsitzende in die Haut des Aufsichtsratsvorsitzenden schlüpfen dürfen, denn sie werden mit ihrem Nachfolger wie mit einer Marionette spielen. Die eigentliche Verteilung der Rollen ist dabei von untergeordneter Bedeutung. Das Problem ist bekannt und dennoch wird der Fehler im Spiel um die Macht immer wieder (gerne) gemacht.

Der künftige Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme galt in den vergangenen Tagen, gemeinsam mit dem mit dem Vorstand der Deutschen Bank Josef Ackermann als treibende Kraft hinter der Demontage Kleinfelds. Josef Ackermann, der für die bundesdeutsche Justiz auch kein unbeschriebenes Blatt ist und sich im Rahmen der Mannesmann-Affäre erheblich mit Ruhm bekleckert hat, sitzt auch im Aufsichtsrat der Siemens AG. Man sollte die beiden Herren, die auch gemeinsam im Aufsichtsrat der Lufthansa sitzen, bei ihren Aktivitäten sehr gut im Auge behalten, denn bei Siemens gibt es für den Herrn Ackermann noch etwas mehr zu verklopfen als bei Mannesmann.
Und der Herr Cromme ist dazu noch Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate-Governance-Kodex und damit aktuell maßgeblich am Umbau des deutschen Gesellschafts- und Kapitalmarktrechts beteiligt.
Es könnte durchaus noch interessanter werden, denn Siemens ist ein Eisberg.
Und zwar ein ganz besonderer.

Besonders die Spitze!

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  1. Lazarus meint:

    Tja, diese Erscheinungen sind ja eigentlich nur Ausdruck der beständigen Bemühungen anonymer Mächte, dieses Unternehmen zu schwächen um letztlich zu liquidieren. Die Technologien der Zukunft werden ja, so der Wille unserer Politik, in unserem Land von der Hausfrau auf dem Küchentisch entwickelt, denn nur diese hat den Auftrag in Form ständig steigender Energiepreise erhalten, (Primär-)Energie zu sparen, weil ja nur den Großverbrauchern entsprechende Rabatte eingeräumt werden. Folgerichtig brauchen wir auch keine deutschen High-Tech-Firmen mehr … und wenn dann alle Kühe geschlachtet sind, können sie auch nicht mehr gemolken werden - Ha-Ha-Ha

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