Fahranfänger

4. Mai 2007 05:45

Lieber Freund

Dass Fahranfänger, bzw. Führerscheinneulinge ein besonders hohes Unfallrisiko ihr eigen nennen, ist bekannt.
Und dass gerade junge Menschen denken, mit dem Erwerb der Fahrerlaubnis, auch gleichzeitig die Vollmacht zum ignorieren physikalischer Vorgänge erworben zu haben, zeigt sich spätestens dann, wenn der Kleinwagen mit der Heckaufschrift ABI 200X mit dem Dach nach unten im Straßengraben geparkt wird.
Besonders häufig soll dies nach „Disco-Besuchen“ der Fall sein, wenn der jugendliche Fahrer zusätzlich zu den 5 Freunden auch noch selbst einen geladen hat.

Um diesem Problem vorzubeugen plant die Bundesregierung ein „absolutes Alkoholverbot für Fahranfänger“.

Nach einem Bericht des Autoclubs Europa (ACE) sieht ein erster Gesetzentwurf vor, dass Fahranfänger künftig beim Führen eines Kraftfahrzeugs weder alkoholische Getränke zu sich nehmen, noch die Fahrt unter Wirkung dieser Getränke antreten, dürfen.
Dies gelte für Fahranfänger unabhängig vom Alter innerhalb der gesamten zweijährigen Probezeit nach Erwerb des Führerscheins.

So weit, so gut.

In dem Gesetzentwurf werde jedoch keine exakte Promillegrenze genannt.
Man gehe aber davon aus, dass Alkohol ab einem Wert von 0,2 Promille im Blut bzw. 0,1 Promille in der Atemluft wirksam wird.

So weit, und na ja …
Denn ab 0,3 bzw. 0,5 Promille gibt es sowieso Ärger für alle Verkehrsteilnehmer mit 7 Punkten,
Geld- oder Freiheitsstrafe (bis 5 Jahre) und Entzug der Fahrerlaubnis und das unabhängig vom Alter.
Also warum noch eine extra Regelung für Führerscheinneulinge?

Achtung jetzt kommt‘s:
Die ACE-Verkehrsrechtsexperten gehen davon aus, dass der Gesetzestext absichtlich so vage formuliert wird, damit auch ohne Blutprobe oder Atemalkoholanalyse, etwa durch „Aussagen von Polizeibeamten“ oder „Zeugen“, der Nachweis einer Alkoholisierung geführt werden kann.

PromilleUnd das wird sicher lustig werden, denn gewiss nicht nur ich frage mich wie ein Polizist einen Blutalkoholgehalt von 0,2 Promille durch optischen Augenschein erkennen kann. Von den „sachkundigen Zeugen“ wollen wir erst mal gar nicht reden.
Denn bereits 0,33 Liter Bier oder 0,2 Liter Wein führen zu 0,2 Promille Blutalkoholgehalt und haben eine „enthemmende Wirkung mit Steigerung der Redseligkeit“.
Woraus folgt, dass wer viel quatscht, sich grundsätzlich schon mal verdächtig macht.

Und jetzt stellen Sie sich mal vor, dass der Geltungsbereich dieses neuen Gesetzes auf alle Autofahrer ausgeweitet werden könnte.

Wir wissen, dass Menschen, die mäßig Alkohol trinken, gesünder sind als gleichaltrige Nichttrinker“ so ein Verkehrsexperte, der es lieber vorzog ungenannt zu bleiben. „Das Trinken ist eine Folge des guten Allgemeinbefindens dieser Menschen, nicht aber dessen Ursache. Viele Menschen meiden Alkohol aufgrund gesundheitlicher Probleme. Demzufolge sind diese Personen also nicht krank, weil sie nicht trinken, sondern sie trinken nicht, weil sie krank sind.”

Irgendwie krank, oder?
Und damit meine ich das ganze System.

Jetzt brauchen wir wirklich nur noch die Geschwindigkeitsbegrenzung für übergewichtige Minderjährige, rauchende Protestanten und alleinerziehende Lesben.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 4. Mai 2007 um 05:45:33 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Fahranfänger”

  1. otti meint:

    Irgendwie krank, das ganze System?

    Ja, wenn Politiker Gesetze fabrizieren an die sie sich selbst nicht halten, dann ist das nicht nur krank, dann ist das pervers.

    Wenn im Zusammenhang mit dem Fabrizieren von Gesetzen vom Gesetzgeber gesprochen wird, sollte dabie immer bedacht werden, dass es sich dabei um Leute handelt, die in der Bevölkerung keinerlei Vertauen genießen.

    Deshalb ist ein absolutes Verbot zur Verabschiedung neuer Gesetze einzuführen, Zuwiderhandlungen werden mit dem Entzug des Mandats bestraft.

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Fahranfänger

4. Mai 2007 05:45

Lieber Freund

Dass Fahranfänger, bzw. Führerscheinneulinge ein besonders hohes Unfallrisiko ihr eigen nennen, ist bekannt.
Und dass gerade junge Menschen denken, mit dem Erwerb der Fahrerlaubnis, auch gleichzeitig die Vollmacht zum ignorieren physikalischer Vorgänge erworben zu haben, zeigt sich spätestens dann, wenn der Kleinwagen mit der Heckaufschrift ABI 200X mit dem Dach nach unten im Straßengraben geparkt wird.
Besonders häufig soll dies nach „Disco-Besuchen“ der Fall sein, wenn der jugendliche Fahrer zusätzlich zu den 5 Freunden auch noch selbst einen geladen hat.

Um diesem Problem vorzubeugen plant die Bundesregierung ein „absolutes Alkoholverbot für Fahranfänger“.

Nach einem Bericht des Autoclubs Europa (ACE) sieht ein erster Gesetzentwurf vor, dass Fahranfänger künftig beim Führen eines Kraftfahrzeugs weder alkoholische Getränke zu sich nehmen, noch die Fahrt unter Wirkung dieser Getränke antreten, dürfen.
Dies gelte für Fahranfänger unabhängig vom Alter innerhalb der gesamten zweijährigen Probezeit nach Erwerb des Führerscheins.

So weit, so gut.

In dem Gesetzentwurf werde jedoch keine exakte Promillegrenze genannt.
Man gehe aber davon aus, dass Alkohol ab einem Wert von 0,2 Promille im Blut bzw. 0,1 Promille in der Atemluft wirksam wird.

So weit, und na ja …
Denn ab 0,3 bzw. 0,5 Promille gibt es sowieso Ärger für alle Verkehrsteilnehmer mit 7 Punkten,
Geld- oder Freiheitsstrafe (bis 5 Jahre) und Entzug der Fahrerlaubnis und das unabhängig vom Alter.
Also warum noch eine extra Regelung für Führerscheinneulinge?

Achtung jetzt kommt‘s:
Die ACE-Verkehrsrechtsexperten gehen davon aus, dass der Gesetzestext absichtlich so vage formuliert wird, damit auch ohne Blutprobe oder Atemalkoholanalyse, etwa durch „Aussagen von Polizeibeamten“ oder „Zeugen“, der Nachweis einer Alkoholisierung geführt werden kann.

PromilleUnd das wird sicher lustig werden, denn gewiss nicht nur ich frage mich wie ein Polizist einen Blutalkoholgehalt von 0,2 Promille durch optischen Augenschein erkennen kann. Von den „sachkundigen Zeugen“ wollen wir erst mal gar nicht reden.
Denn bereits 0,33 Liter Bier oder 0,2 Liter Wein führen zu 0,2 Promille Blutalkoholgehalt und haben eine „enthemmende Wirkung mit Steigerung der Redseligkeit“.
Woraus folgt, dass wer viel quatscht, sich grundsätzlich schon mal verdächtig macht.

Und jetzt stellen Sie sich mal vor, dass der Geltungsbereich dieses neuen Gesetzes auf alle Autofahrer ausgeweitet werden könnte.

Wir wissen, dass Menschen, die mäßig Alkohol trinken, gesünder sind als gleichaltrige Nichttrinker“ so ein Verkehrsexperte, der es lieber vorzog ungenannt zu bleiben. „Das Trinken ist eine Folge des guten Allgemeinbefindens dieser Menschen, nicht aber dessen Ursache. Viele Menschen meiden Alkohol aufgrund gesundheitlicher Probleme. Demzufolge sind diese Personen also nicht krank, weil sie nicht trinken, sondern sie trinken nicht, weil sie krank sind.”

Irgendwie krank, oder?
Und damit meine ich das ganze System.

Jetzt brauchen wir wirklich nur noch die Geschwindigkeitsbegrenzung für übergewichtige Minderjährige, rauchende Protestanten und alleinerziehende Lesben.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 4. Mai 2007 um 05:45:33 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Fahranfänger”

  1. otti meint:

    Irgendwie krank, das ganze System?

    Ja, wenn Politiker Gesetze fabrizieren an die sie sich selbst nicht halten, dann ist das nicht nur krank, dann ist das pervers.

    Wenn im Zusammenhang mit dem Fabrizieren von Gesetzen vom Gesetzgeber gesprochen wird, sollte dabie immer bedacht werden, dass es sich dabei um Leute handelt, die in der Bevölkerung keinerlei Vertauen genießen.

    Deshalb ist ein absolutes Verbot zur Verabschiedung neuer Gesetze einzuführen, Zuwiderhandlungen werden mit dem Entzug des Mandats bestraft.

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