Atmosfair

11. Mai 2007 05:45

Lieber Freund

«Nicht immer können oder wollen Sie auf einen Flug verzichten - auch wenn klar ist, dass jeder Flug zur Klimaerwärmung beiträgt. Wenn Sie Verantwortung für die Folgen Ihres Handelns übernehmen wollen, haben wir jetzt ein Angebot für Sie: atmosfair.»

So liest sich diese „Geschäftsidee“ auf den Seiten eines „innovativen“ Anbieters zur Befriedigung des schlechten Gewissens.
Das System ist ganz einfach, denn wenn Sie ihre Urlaubsreise gebucht haben, überweisen Sie einfach einen weiteren Betrag, der in seiner Höhe Ihr Gewissen befriedigt, auf ein Konto der Firma „atmosfair“.
Die katholische Kirche hat ein derartiges Geschäftsmodell schon vor mehr als 100 Jahren zur Freisprechung von irdischer Schuld mit großem (wirtschaftlichen) Erfolg praktiziert, nur hieß das damals nicht „atmosfair“ sondern „absolution“.
Aber funktioniert hat es nach dem gleichen „business case“. Bis jemand draufgekommen ist, dass man mit dem Freikauf von irdischen Sünden nicht automatisch einen kostenlosen Freiflug ins Himmelreich bekommt.
Martin Luther hieß der Fluggast, wenn ich mich recht entsinne und dessen öffentlicher Protest hat dann wohl zur Gründung einer anderen Fluglinie geführt.

Doch diesmal geht es ja nicht um einen einmaligen Flug nach „Drüben“ und eine Sonderbehandlung für „Very Important People“ in der Phase vor dem Einchecken, sondern um die jährliche Urlaubsreise von Otto Normalverbraucher.

Wenn das Beispiel Schule machen sollte, dann kommt da sicher ein ordentliches Sümmchen auf den Konten von „atmosfair“ zusammen und da ist sicher sehr interessant was mit dem ganzen Geld so gemacht wird.
Offiziell soll das Geld zum Beispiel in Entwicklungsländern in Solar-, Wasserkraft-, Biomasse- oder Energiesparprojekte investiert werden, um dort eine Menge Treibhausgase einzusparen, die eine vergleichbare Klimawirkung haben wie die Emissionen aus dem Flugzeug.
Aber wenn die Bewohner dieser Entwicklungsländer mit dem Geld Flugtickets kaufen würden um in Urlaub zu fliegen und auf ähnliche Art wie die Europäer ihr schlechtes Gewissen ruhig stellen, dann könnte mit dem auf den Konten von „atmosfair“ eingehenden Geldbeträgen zum Beispiel in Europa in Solar-, Wasserkraft-, Biomasse- oder Energiesparprojekte investiert werden, um hier eine Menge Treibhausgase einzusparen, die eine vergleichbare Klimawirkung haben wie die Emissionen aus dem Flugzeug.
Je länger ich darüber nachdenke, könnte man sich eigentlich den Umweg über „atmosfair“ und das „schlechte Gewissen“ auch sparen und in Europa gleich eine „zweckgebundene Flugsteuer“ zur Finanzierung solch „innovativer“ Solar-, Wasserkraft-, Biomasse- oder Energiesparprojekte erheben.
Denn mit dem „schlechten Gewissen“ ist das so eine Sache, denn es soll wohl Personen geben, die nicht über diese Geisel verfügen und sich dennoch in ein Flugzeug setzen.
Meist sogar in der 1. Klasse und/oder auf Kosten der Steuerzahler oder gleich über die Flugbereitschaft der Bundeswehr!

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. Mai 2007 um 05:45:44 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Atmosfair”

  1. mitdenker meint:

    Ich will ja nicht, muss aber schon wieder lästern.
    “…eine Befriedigung des schlechten Gewissens…” ??? Machen das die Politiker und Bosse nicht ständig? Will sagen, wenn man sein schlechtes Gewissen befriedigen will, dann tue man eine “schlechte/böse” Tat…
    Deshalb habe ich wohl gestern so mit “halben Ohr” die Lobhudelei nicht so recht wahrgenommen mit der neuen Errungenschaft der Lufthansa, wo mit einer A310 doch tatsächlich 8 Personen First First Super First reisen können und die Flugstunde läppische 13.000 Euro kostet. Also für fast jedermann aus der Portokasse bezahlbar.
    Na ja, eine Friseuse muss dafür zwar ein ganzes Jahr schuften - aber die Klimaanlage in diesem Flieger wird schon so eingestellt sein, dass die Haare nicht verwurschteln…

    Ich werde ansonsten immer sicherer: es kann keinen Gott geben. So etwas würde er nicht zulassen. Oder er sitzt ganz verschämt in einer Ecke und ist starr vor Schreck, mit welch miesen Material er da beim Hirn der Menschen herumexperimentiert hat. Dabei hat er doch selbst eine fast ausreichende Gebrauchsanleitung gegeben.
    Aber vielleicht hätte man allen Menschen Lesen und Denken beibringen sollen….?

  2. Machopan meint:

    Ja, das ist schon eine Abzocke der besonderen Art!
    Doch Geld regiert Welt und die Idee den Menschen die kostenpflichte irdische Absolution zu erteilen ist doch ein prima Geschäftsmodell, denn sie säen nicht sie ernten nicht, doch er “himmlische Vater” ernähret sie doch. Wenn es auch nur mit Hilfe seiner “Schäflein” ist, die geschoren werden ohne Ende, bevor man ihnen dann auch noch das Fell über die Ohren zieht.
    Und geliefert wird natürlich erst im Jenseits. Nicht nur für Atheisten eine hervorragende Möglichkeit um an das Geld der “Gläubigen” zu kommen.

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Atmosfair

11. Mai 2007 05:45

Lieber Freund

«Nicht immer können oder wollen Sie auf einen Flug verzichten - auch wenn klar ist, dass jeder Flug zur Klimaerwärmung beiträgt. Wenn Sie Verantwortung für die Folgen Ihres Handelns übernehmen wollen, haben wir jetzt ein Angebot für Sie: atmosfair.»

So liest sich diese „Geschäftsidee“ auf den Seiten eines „innovativen“ Anbieters zur Befriedigung des schlechten Gewissens.
Das System ist ganz einfach, denn wenn Sie ihre Urlaubsreise gebucht haben, überweisen Sie einfach einen weiteren Betrag, der in seiner Höhe Ihr Gewissen befriedigt, auf ein Konto der Firma „atmosfair“.
Die katholische Kirche hat ein derartiges Geschäftsmodell schon vor mehr als 100 Jahren zur Freisprechung von irdischer Schuld mit großem (wirtschaftlichen) Erfolg praktiziert, nur hieß das damals nicht „atmosfair“ sondern „absolution“.
Aber funktioniert hat es nach dem gleichen „business case“. Bis jemand draufgekommen ist, dass man mit dem Freikauf von irdischen Sünden nicht automatisch einen kostenlosen Freiflug ins Himmelreich bekommt.
Martin Luther hieß der Fluggast, wenn ich mich recht entsinne und dessen öffentlicher Protest hat dann wohl zur Gründung einer anderen Fluglinie geführt.

Doch diesmal geht es ja nicht um einen einmaligen Flug nach „Drüben“ und eine Sonderbehandlung für „Very Important People“ in der Phase vor dem Einchecken, sondern um die jährliche Urlaubsreise von Otto Normalverbraucher.

Wenn das Beispiel Schule machen sollte, dann kommt da sicher ein ordentliches Sümmchen auf den Konten von „atmosfair“ zusammen und da ist sicher sehr interessant was mit dem ganzen Geld so gemacht wird.
Offiziell soll das Geld zum Beispiel in Entwicklungsländern in Solar-, Wasserkraft-, Biomasse- oder Energiesparprojekte investiert werden, um dort eine Menge Treibhausgase einzusparen, die eine vergleichbare Klimawirkung haben wie die Emissionen aus dem Flugzeug.
Aber wenn die Bewohner dieser Entwicklungsländer mit dem Geld Flugtickets kaufen würden um in Urlaub zu fliegen und auf ähnliche Art wie die Europäer ihr schlechtes Gewissen ruhig stellen, dann könnte mit dem auf den Konten von „atmosfair“ eingehenden Geldbeträgen zum Beispiel in Europa in Solar-, Wasserkraft-, Biomasse- oder Energiesparprojekte investiert werden, um hier eine Menge Treibhausgase einzusparen, die eine vergleichbare Klimawirkung haben wie die Emissionen aus dem Flugzeug.
Je länger ich darüber nachdenke, könnte man sich eigentlich den Umweg über „atmosfair“ und das „schlechte Gewissen“ auch sparen und in Europa gleich eine „zweckgebundene Flugsteuer“ zur Finanzierung solch „innovativer“ Solar-, Wasserkraft-, Biomasse- oder Energiesparprojekte erheben.
Denn mit dem „schlechten Gewissen“ ist das so eine Sache, denn es soll wohl Personen geben, die nicht über diese Geisel verfügen und sich dennoch in ein Flugzeug setzen.
Meist sogar in der 1. Klasse und/oder auf Kosten der Steuerzahler oder gleich über die Flugbereitschaft der Bundeswehr!

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 11. Mai 2007 um 05:45:44 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

2 Antworten zu “Atmosfair”

  1. mitdenker meint:

    Ich will ja nicht, muss aber schon wieder lästern.
    “…eine Befriedigung des schlechten Gewissens…” ??? Machen das die Politiker und Bosse nicht ständig? Will sagen, wenn man sein schlechtes Gewissen befriedigen will, dann tue man eine “schlechte/böse” Tat…
    Deshalb habe ich wohl gestern so mit “halben Ohr” die Lobhudelei nicht so recht wahrgenommen mit der neuen Errungenschaft der Lufthansa, wo mit einer A310 doch tatsächlich 8 Personen First First Super First reisen können und die Flugstunde läppische 13.000 Euro kostet. Also für fast jedermann aus der Portokasse bezahlbar.
    Na ja, eine Friseuse muss dafür zwar ein ganzes Jahr schuften - aber die Klimaanlage in diesem Flieger wird schon so eingestellt sein, dass die Haare nicht verwurschteln…

    Ich werde ansonsten immer sicherer: es kann keinen Gott geben. So etwas würde er nicht zulassen. Oder er sitzt ganz verschämt in einer Ecke und ist starr vor Schreck, mit welch miesen Material er da beim Hirn der Menschen herumexperimentiert hat. Dabei hat er doch selbst eine fast ausreichende Gebrauchsanleitung gegeben.
    Aber vielleicht hätte man allen Menschen Lesen und Denken beibringen sollen….?

  2. Machopan meint:

    Ja, das ist schon eine Abzocke der besonderen Art!
    Doch Geld regiert Welt und die Idee den Menschen die kostenpflichte irdische Absolution zu erteilen ist doch ein prima Geschäftsmodell, denn sie säen nicht sie ernten nicht, doch er “himmlische Vater” ernähret sie doch. Wenn es auch nur mit Hilfe seiner “Schäflein” ist, die geschoren werden ohne Ende, bevor man ihnen dann auch noch das Fell über die Ohren zieht.
    Und geliefert wird natürlich erst im Jenseits. Nicht nur für Atheisten eine hervorragende Möglichkeit um an das Geld der “Gläubigen” zu kommen.

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