Gnadengesuch

15. Mai 2007 05:45

Lieber Freund

„Gnade“ für sich selbst begehrte der mehrfache Mörder Christian Klar von seinen Richtern und eine Diskussion, die wie immer unglückseliger nicht sein konnte, teilte die Republik. Während die einen „Auge um Auge“ und „Zahn um Zahn“ fordern, hat bei den anderen bereits der Zahn der Zeit seine Arbeit vollbracht und die Erinnerung durch gnädiges Vergessen ersetzt.
Und das Ganze wurde dann noch, wie seit dem Mittelalter üblich, von den verschiedenen Hofnarren, Parteibuchpappnasen und Berufslobbyisten kommentiert.

Nun hatte sich ja der Bundeshotte, seines Zeichens Bundespräsident von Merkels Gnaden, mit dem Antragsteller und „mehrfachen Mörder“ Christian Klar persönlich getroffen. Normalerweise wird diese Ehre einem „einfachen Bürger“ ja nur bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes zuteil, wenn er für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet ausgezeichnet wird.

Ausgezeichnet in den Kram gepasst hat dieses Treffen von K. und K. natürlich so politischen Überfliegern, wie Markus Söder, der bekannt dafür ist, dass er sich ohne Sauerstoffmaske in große Höhen verfliegt und von dort die seltsamsten Funksprüche zum „Fortbestehen des Sandmännchen“, dem „Absingen der Nationalhymne in deutschen Klassenzimmern“, zu „Kruzifixen und Kopftüchern“ und „kein Urlaub für Arbeitslose“ absetzt.
Nun hat er mit „Staatsoberhaupt trifft Staatsfeind“ einen weiteren Beweis seines politischen Niveaus erbracht, wobei ihm sein Parteikollege Andreas Scheuer in nichts nachstand und ebenfalls ziemlich bescheuerte Kommentare absonderte.

Sogar die Bundeangie musste sich dazwischen werfen und baute sich vor „ihrem“ Bundeshotte auf, denn „sie habe keinen Zweifel, dass der Bundespräsident diese schwierige und umstrittene Frage nach sorgfältiger Prüfung mit großer Gewissenhaftigkeit treffen wird“.
Und der Bundestagspräsident Lammert meinte, dass es absurd sei „anzunehmen, dass ausgerechnet das Staatsoberhaupt, diesen konkreten und besonders schwerwiegenden Fall nicht genauso ernst nimmt wie es die Sache erfordert.

Nun kann sich der politisch aufmerksame Bürger schon seit längerem dem Eindruck nicht verwehren, dass der Bundeshotte sich zwar wirklich bemüht „den an ihn gestellten Erwartungen gerecht zu werden“, aber eben auch einen weiteren Nachweis des Peter-Prinzips erbringt.
Denn man muss sich fragen, was denn an der Frage zur frühzeitigen Haftentlassung eines mehrfachen Mörders so schwierig ist, um sie nicht einfach mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten zu können.
Bei den bisher acht Begnadigungen der übrigen RAF-Bandenmitglieder ging das ja auch ohne großes Gedöns über die Bühne. So hat es sogar unser „Bruder“ Johannes Rau während seiner Amtszeit als Bundespräsident auf zwei Begnadigen gebracht und Richard von Weizsäcker sogar auf drei.
Der Bundeshotte hätte sich ja eigentlich beeilen müüsen, denn allzu viele Mitglieder der RAF stehen für eine Begnadigung durch den Bundespräsidenten ja nicht mehr zur Verfügung.
Der Republik gehen ganz einfach die Terroristen aus.
Ob die von den Rot-Grünen angezettelten „Gesellschafts-Reformen“ und der vom Innenminister Schily vorbereitete „Otto-Katalog“ in Einheit mit den vom IM Zweirad zum „Anti-Terror-Pakt“ ausgebauten Änderungen des Grundgesetzes und Maßnahmen zur Überwachung der inneren Sicherheit zeitnah für Nachschub an weiteren Terroristen sorgen werden, muss noch abgewartet werden.
Wobei man durchaus annehmen kann, dass zumindest Wolfgang Schäuble felsenfest davon überzeugt ist, dass ein gewalttätiger Akt zum Sturz des bestehenden Systems unmittelbar bevorsteht.

Man kann sich eigentlich nur noch an den Kopf greifen und sich fragen nach welchen abstrusen Kriterien hier vorgegangen und gehandelt wird.
Warum wird mehrfacher, vorsätzlicher Mord nur mit maximal 25 Jahren Freiheitsstrafe bestraft?
Warum gibt es dann auch noch einen Gnadenrabatt?
Warum lehnt der Bundespräsident das Gnadengesuch eines Straftäters im Einzelfall nicht einfach ab, wie das von Bundesbehörden bei Gnadengesuchen zur Existenzsicherung des Präkariats seit Jahren millionenfach praktiziert wird, denn Christian Klar hat doch ein Dach über dem Kopf, ist bestens medizinisch, seelsorgerisch und psychologisch versorgt, hat regelmäßig zu essen und ausreichend Zeit für Sport und Kultur. Jetzt wird er auch noch von einem Resozialisierungsbeauftragten betreut, bekommt einen Arbeitsplatz und trifft sich mit dem Bundespräsidenten zur Privataudienz.
Warum will der Mann eigentlich raus?

Sicher nicht nur für mich ergibt sich aus den Ereignissen die Tatsache, dass unter diesen Umständen ein rechtskräftig verurteilter Straftäter für die erfolgreiche Einäscherung des Reichstagsgebäudes und den Mord an mehr als 600 Bundestagsabgeordneten nach 25 Jahren „lebenslänglicher“ Haft ein „Recht“ auf Begnadigung und Resozialisierung zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft hat.
Sicher werden sich dann auch noch Richter und Rechtsexperten finden, die souverän mildernde Umstände und eine gute Sozialprognose allein aus der Tatsache abzuleiten verstehen, dass diese Bundestagsabgeordneten eine Mitschuld tragen weil sie ihrer eigentlichen Aufgabe, die Wünsche der Bevölkerung auszudrücken und umgekehrt die Bevölkerung zu informieren, trotz mehrfacher Aufforderung durch den Souverän nicht nachgekommen sind.

Und darüber sollte man jetzt mal sehr intensiv nachdenken und durchrechnen, denn das wäre sicher die preisgünstigste und beste Art das politische System dieser Republik grundlegend zu verändern, vielleicht sogar zu verbessern.
Quasi so eine Art Brandrodung um Platz für wirklich Neues zu schaffen und eines der größten Übel dieser Republik endlich mit Stumpf und Stil auszumerzen.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. Mai 2007 um 05:45:52 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

Eine Antwort zu “Gnadengesuch”

  1. otti meint:

    Als politisch interessierter Hausgärtles-Besitzer der freiheitlich demokratischen Grund- und Gartenbauordnung in diesem unserem Vaterlande verpflichteter Bürger kann ich im Rahmen der verfassungsrechtlichen Grenzen bzw. Einfriedungen von einer Brandrodung inkriminierter Areale nur dringend abraten, da hierdurch zum einen die gartenbauliche Säule des Gewaltenteilungsprinzips der Auseinander- bzw. Zersetzung mit extremem Gedanken- und Grüngut anheim fallen könnte, wodurch ein weit reichendes System von Rechtsnormen gärtnerisch-freiheitlichen Wirkens, insbesondere nach erfolgloser Ausschöpfung von Rechtsbehelfen, Beschwerden oder Petitionen, obsolet würde und es zum anderen aus Gründen der Rechtssicherheit und des Rechtsfriedens bei der durch letztinstanzliche schrebergärtnerische Entscheidung gegebenen Rechts-und Gartenbaulage sein Bewenden haben muss.
    Kurz und treffend drückt der Volksmund den gartenbaulichen Sachverhalt recht extrem aus:
    Unkraut vergeht nicht.

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Gnadengesuch

15. Mai 2007 05:45

Lieber Freund

„Gnade“ für sich selbst begehrte der mehrfache Mörder Christian Klar von seinen Richtern und eine Diskussion, die wie immer unglückseliger nicht sein konnte, teilte die Republik. Während die einen „Auge um Auge“ und „Zahn um Zahn“ fordern, hat bei den anderen bereits der Zahn der Zeit seine Arbeit vollbracht und die Erinnerung durch gnädiges Vergessen ersetzt.
Und das Ganze wurde dann noch, wie seit dem Mittelalter üblich, von den verschiedenen Hofnarren, Parteibuchpappnasen und Berufslobbyisten kommentiert.

Nun hatte sich ja der Bundeshotte, seines Zeichens Bundespräsident von Merkels Gnaden, mit dem Antragsteller und „mehrfachen Mörder“ Christian Klar persönlich getroffen. Normalerweise wird diese Ehre einem „einfachen Bürger“ ja nur bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes zuteil, wenn er für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet ausgezeichnet wird.

Ausgezeichnet in den Kram gepasst hat dieses Treffen von K. und K. natürlich so politischen Überfliegern, wie Markus Söder, der bekannt dafür ist, dass er sich ohne Sauerstoffmaske in große Höhen verfliegt und von dort die seltsamsten Funksprüche zum „Fortbestehen des Sandmännchen“, dem „Absingen der Nationalhymne in deutschen Klassenzimmern“, zu „Kruzifixen und Kopftüchern“ und „kein Urlaub für Arbeitslose“ absetzt.
Nun hat er mit „Staatsoberhaupt trifft Staatsfeind“ einen weiteren Beweis seines politischen Niveaus erbracht, wobei ihm sein Parteikollege Andreas Scheuer in nichts nachstand und ebenfalls ziemlich bescheuerte Kommentare absonderte.

Sogar die Bundeangie musste sich dazwischen werfen und baute sich vor „ihrem“ Bundeshotte auf, denn „sie habe keinen Zweifel, dass der Bundespräsident diese schwierige und umstrittene Frage nach sorgfältiger Prüfung mit großer Gewissenhaftigkeit treffen wird“.
Und der Bundestagspräsident Lammert meinte, dass es absurd sei „anzunehmen, dass ausgerechnet das Staatsoberhaupt, diesen konkreten und besonders schwerwiegenden Fall nicht genauso ernst nimmt wie es die Sache erfordert.

Nun kann sich der politisch aufmerksame Bürger schon seit längerem dem Eindruck nicht verwehren, dass der Bundeshotte sich zwar wirklich bemüht „den an ihn gestellten Erwartungen gerecht zu werden“, aber eben auch einen weiteren Nachweis des Peter-Prinzips erbringt.
Denn man muss sich fragen, was denn an der Frage zur frühzeitigen Haftentlassung eines mehrfachen Mörders so schwierig ist, um sie nicht einfach mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten zu können.
Bei den bisher acht Begnadigungen der übrigen RAF-Bandenmitglieder ging das ja auch ohne großes Gedöns über die Bühne. So hat es sogar unser „Bruder“ Johannes Rau während seiner Amtszeit als Bundespräsident auf zwei Begnadigen gebracht und Richard von Weizsäcker sogar auf drei.
Der Bundeshotte hätte sich ja eigentlich beeilen müüsen, denn allzu viele Mitglieder der RAF stehen für eine Begnadigung durch den Bundespräsidenten ja nicht mehr zur Verfügung.
Der Republik gehen ganz einfach die Terroristen aus.
Ob die von den Rot-Grünen angezettelten „Gesellschafts-Reformen“ und der vom Innenminister Schily vorbereitete „Otto-Katalog“ in Einheit mit den vom IM Zweirad zum „Anti-Terror-Pakt“ ausgebauten Änderungen des Grundgesetzes und Maßnahmen zur Überwachung der inneren Sicherheit zeitnah für Nachschub an weiteren Terroristen sorgen werden, muss noch abgewartet werden.
Wobei man durchaus annehmen kann, dass zumindest Wolfgang Schäuble felsenfest davon überzeugt ist, dass ein gewalttätiger Akt zum Sturz des bestehenden Systems unmittelbar bevorsteht.

Man kann sich eigentlich nur noch an den Kopf greifen und sich fragen nach welchen abstrusen Kriterien hier vorgegangen und gehandelt wird.
Warum wird mehrfacher, vorsätzlicher Mord nur mit maximal 25 Jahren Freiheitsstrafe bestraft?
Warum gibt es dann auch noch einen Gnadenrabatt?
Warum lehnt der Bundespräsident das Gnadengesuch eines Straftäters im Einzelfall nicht einfach ab, wie das von Bundesbehörden bei Gnadengesuchen zur Existenzsicherung des Präkariats seit Jahren millionenfach praktiziert wird, denn Christian Klar hat doch ein Dach über dem Kopf, ist bestens medizinisch, seelsorgerisch und psychologisch versorgt, hat regelmäßig zu essen und ausreichend Zeit für Sport und Kultur. Jetzt wird er auch noch von einem Resozialisierungsbeauftragten betreut, bekommt einen Arbeitsplatz und trifft sich mit dem Bundespräsidenten zur Privataudienz.
Warum will der Mann eigentlich raus?

Sicher nicht nur für mich ergibt sich aus den Ereignissen die Tatsache, dass unter diesen Umständen ein rechtskräftig verurteilter Straftäter für die erfolgreiche Einäscherung des Reichstagsgebäudes und den Mord an mehr als 600 Bundestagsabgeordneten nach 25 Jahren „lebenslänglicher“ Haft ein „Recht“ auf Begnadigung und Resozialisierung zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft hat.
Sicher werden sich dann auch noch Richter und Rechtsexperten finden, die souverän mildernde Umstände und eine gute Sozialprognose allein aus der Tatsache abzuleiten verstehen, dass diese Bundestagsabgeordneten eine Mitschuld tragen weil sie ihrer eigentlichen Aufgabe, die Wünsche der Bevölkerung auszudrücken und umgekehrt die Bevölkerung zu informieren, trotz mehrfacher Aufforderung durch den Souverän nicht nachgekommen sind.

Und darüber sollte man jetzt mal sehr intensiv nachdenken und durchrechnen, denn das wäre sicher die preisgünstigste und beste Art das politische System dieser Republik grundlegend zu verändern, vielleicht sogar zu verbessern.
Quasi so eine Art Brandrodung um Platz für wirklich Neues zu schaffen und eines der größten Übel dieser Republik endlich mit Stumpf und Stil auszumerzen.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 15. Mai 2007 um 05:45:52 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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  1. otti meint:

    Als politisch interessierter Hausgärtles-Besitzer der freiheitlich demokratischen Grund- und Gartenbauordnung in diesem unserem Vaterlande verpflichteter Bürger kann ich im Rahmen der verfassungsrechtlichen Grenzen bzw. Einfriedungen von einer Brandrodung inkriminierter Areale nur dringend abraten, da hierdurch zum einen die gartenbauliche Säule des Gewaltenteilungsprinzips der Auseinander- bzw. Zersetzung mit extremem Gedanken- und Grüngut anheim fallen könnte, wodurch ein weit reichendes System von Rechtsnormen gärtnerisch-freiheitlichen Wirkens, insbesondere nach erfolgloser Ausschöpfung von Rechtsbehelfen, Beschwerden oder Petitionen, obsolet würde und es zum anderen aus Gründen der Rechtssicherheit und des Rechtsfriedens bei der durch letztinstanzliche schrebergärtnerische Entscheidung gegebenen Rechts-und Gartenbaulage sein Bewenden haben muss.
    Kurz und treffend drückt der Volksmund den gartenbaulichen Sachverhalt recht extrem aus:
    Unkraut vergeht nicht.

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