Lebenslängliche Steuernummer

24. Mai 2007 05:45

Lieber Freund

Jeder Steuerpflichtige erhält ab 1. Juli 2007 „lebenslänglich“ und damit er im Gewirr der Gesetze und im Paragraphendschungel nicht verloren geht, erhält er zum gleichen Zeitpunkt auch noch eine neue „Steuernummer“.
Nein, die wird ihm (noch) nicht auf dem Unterarm eintätowiert, sondern zu seiner Akte genommen. Die Steuernummer dient dazu den Steuerpflichtigen zu steuern und vom Steuerbetrug abzuhalten.
Auf diese Weise kann jedes Finanzamt zügig Einblick in die Akten eines Steuerpflichtigen erhalten. So sollen Tricksereien eingedämmt werden.“, schreibt dazu der Spiegel, „Um die nun eingeführte Identifikationsnummer einzuführen, werden alle Daten der Meldeämter Deutschlands abgerufen und verglichen. Das sind Millionen von Datensätzen. Die neue bundeseinheitliche Steuer-Identifikationsnummer ersetzt die bisherige Steuernummer und besteht aus zehn Ziffern und einer zusätzlichen Prüfziffer. Daraus ergeben sich Name, Anschrift, Geschlecht, Geburtstag und -ort sowie das zuständige Finanzamt.“

Jetzt stellen Sie sich einfach einmal vor, Sie hätten bereits eine solche „bundeseinheitliche lebenslängliche Steuernummer“ und beabsichtigen im Rahmen ihrer individuellen Lebensabschnittsgestaltung in den Stand der Ehe zu treten, den Namen ihres Lebensabschnittsgefährten anzunehmen und mit ihm/ihr zusammen einen neuen Hausstand an einem anderen Ort im Zuständigkeitsbereich eines anderen Finanzamtes zu gründen. Um die Angelegenheit nicht noch unnötig zu komplizieren, wollen wir von einer zeitgleichen Geschlechtsumwandlung mal absehen.

So ein Vorgang sieht mir irgendwie nach einer umfangreichen Änderung dieser „lebenslänglichen Steueridentifikationsnummer“ aus.
Auch sollten Sie unbedingt in der Zeit vom 30. Juni 2007 bis Ende September 2007 von einem Umzug Abstand nehmen, denn in dieser Zeit werden „die Meldebehörden eine Liste mit den in ihrem Bereich registrierten Einwohnern an das Bundeszentralamt für Steuern übermitteln. Dieses wertet die Listen bis Ende September aus. Im Anschluss wird den Steuerpflichtigen ihre neue endgültige Steuernummer mitgeteilt.“

Das erinnert mich irgendwie an die Volkszählung im alten Palästina, als alle Bürger an den Ort ihrer Geburt zurückkehren mussten um sich dort zählen und registrieren zu lassen. Der damalige Herrscher Herodes nahm damals die Gelegenheit wahr, alle männlichen Kinder bis zum Alter von zwei Jahren erschlagen zu lassen um seinen Nachfolger auszuschalten.
Heute genügen der Frau Merkel dazu die Kindergartenplätze der Bundesfamilienministerin U.v.d.L, denn der Nachfolger für unsere Bundesangela muss erst noch geboren werden.
Und Kurti Beck wird Weinkönigin in der Pfalz - natürlich mit einer neuen Steuernummer.

Um mehr Bürgernähe zu schaffen, die Akzeptanz in der Bevölkerung für die neue Steuernummer nicht zur Lachnummer werden zu lassen, raten Steuerexperten dazu unbedingt die Vergabe von biometrischen Wunschsteuernummern vorzusehen, die dem Steuerpflichtigen das Gefühl vermitteln in diesem Land nicht nur Humankapital und Biomasse zu sein.

Auch sollte in der „lebenslänglichen Steueridentifikationsnummer“ noch Platz für die Verschlüsselung der politischen Gesinnung geschaffen werden, denn der Bundesinnenwolfgang befürchtet schon seit langem eine zunehmende Radikalisierung der Steuerzahler.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 24. Mai 2007 um 05:45:31 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Lebenslängliche Steuernummer”

  1. mitdenker meint:

    Also ich kann mir nicht helfen - dieses ständige déjà vu aus einer Zeit von vor 17 Jahren macht mich langsam nervös.
    “Jetzt stellen Sie sich einfach einmal vor, Sie hätten bereits eine solche “bundeseinheitliche lebenslängliche Steuernummer” ….”
    Kenn ich - hatten wir schon einmal. Stand im Ausweis jeden Bürgers eines Staates, der mit “Deutsche…” begann und hieß Personenkennzahl (PKZ). Dies also nun auch. Neben den Geruchsproben von Dissidenten (ach nee, die werden ja jetzt anders genannt), den Überwachungen durch Geheimdienste, den gleichen Sprüchen von der Einheit und Geschlossenheit der Partei(en), dem identischen Anspruchsdenken der oberen Chargen, das sie und nur sie Recht haben (und für immer und ewig auch behalten wollen), dem Einzäunen und Abgrenzen von lieben und in Herzlichkeit verbundenen ausländischen Gästen, denen sicherlich
    auch wieder bestellte Jubelkolonnen am Straßenrand entgegenwinken mit Winkelementen, Kinderkrippen, Verschulung der Hochschulen durch Bologna und weiß der Geier, was nicht noch alles.
    Es wird also wirklich so vieles dafür getan, dass sich 17 Millionen wieder so recht heimisch fühlen dürfen.
    Danke. Dank an die frei gewählten und von Wissen und Gewissen freien Volksvertreter.
    Nur eines macht mich stutzig. Was war doch gleich im Oktober / November 1989?
    Na, vielleicht wird meine diesbezügliche Erinnerungslücke durch ähnliche Ereignisse auch wieder ein wenig aufgefrischt.
    Vielleicht.

  2. Pathologe meint:

    Dann fehlt ja nur noch der antifaschistische Schutzwall, Herr Mitdenker. Oder heißt das dann antiterroristischer Schutzwall? Und wo wird der gebaut? Am Atlantik? Oh, entschuldigung, falsche Epoche.
    Oder hat mal wieder niemand die Absicht, eine Mauer zu bauen?

  3. mitdenker meint:

    @Pathologe
    äh, Heiligendamm als Modell? Oder so?:
    “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen”, sagte der BMdI und es wurde nicht gebaut, nur geschrieben:
    Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz - AufenthG)
    Wir wissen, wie physisch unvollkommen so etwas ist. Aber auch die Mauer wurde ab und zu überwunden. Am 9.November ‘89 sogar heftigst…

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Lebenslängliche Steuernummer

24. Mai 2007 05:45

Lieber Freund

Jeder Steuerpflichtige erhält ab 1. Juli 2007 „lebenslänglich“ und damit er im Gewirr der Gesetze und im Paragraphendschungel nicht verloren geht, erhält er zum gleichen Zeitpunkt auch noch eine neue „Steuernummer“.
Nein, die wird ihm (noch) nicht auf dem Unterarm eintätowiert, sondern zu seiner Akte genommen. Die Steuernummer dient dazu den Steuerpflichtigen zu steuern und vom Steuerbetrug abzuhalten.
Auf diese Weise kann jedes Finanzamt zügig Einblick in die Akten eines Steuerpflichtigen erhalten. So sollen Tricksereien eingedämmt werden.“, schreibt dazu der Spiegel, „Um die nun eingeführte Identifikationsnummer einzuführen, werden alle Daten der Meldeämter Deutschlands abgerufen und verglichen. Das sind Millionen von Datensätzen. Die neue bundeseinheitliche Steuer-Identifikationsnummer ersetzt die bisherige Steuernummer und besteht aus zehn Ziffern und einer zusätzlichen Prüfziffer. Daraus ergeben sich Name, Anschrift, Geschlecht, Geburtstag und -ort sowie das zuständige Finanzamt.“

Jetzt stellen Sie sich einfach einmal vor, Sie hätten bereits eine solche „bundeseinheitliche lebenslängliche Steuernummer“ und beabsichtigen im Rahmen ihrer individuellen Lebensabschnittsgestaltung in den Stand der Ehe zu treten, den Namen ihres Lebensabschnittsgefährten anzunehmen und mit ihm/ihr zusammen einen neuen Hausstand an einem anderen Ort im Zuständigkeitsbereich eines anderen Finanzamtes zu gründen. Um die Angelegenheit nicht noch unnötig zu komplizieren, wollen wir von einer zeitgleichen Geschlechtsumwandlung mal absehen.

So ein Vorgang sieht mir irgendwie nach einer umfangreichen Änderung dieser „lebenslänglichen Steueridentifikationsnummer“ aus.
Auch sollten Sie unbedingt in der Zeit vom 30. Juni 2007 bis Ende September 2007 von einem Umzug Abstand nehmen, denn in dieser Zeit werden „die Meldebehörden eine Liste mit den in ihrem Bereich registrierten Einwohnern an das Bundeszentralamt für Steuern übermitteln. Dieses wertet die Listen bis Ende September aus. Im Anschluss wird den Steuerpflichtigen ihre neue endgültige Steuernummer mitgeteilt.“

Das erinnert mich irgendwie an die Volkszählung im alten Palästina, als alle Bürger an den Ort ihrer Geburt zurückkehren mussten um sich dort zählen und registrieren zu lassen. Der damalige Herrscher Herodes nahm damals die Gelegenheit wahr, alle männlichen Kinder bis zum Alter von zwei Jahren erschlagen zu lassen um seinen Nachfolger auszuschalten.
Heute genügen der Frau Merkel dazu die Kindergartenplätze der Bundesfamilienministerin U.v.d.L, denn der Nachfolger für unsere Bundesangela muss erst noch geboren werden.
Und Kurti Beck wird Weinkönigin in der Pfalz - natürlich mit einer neuen Steuernummer.

Um mehr Bürgernähe zu schaffen, die Akzeptanz in der Bevölkerung für die neue Steuernummer nicht zur Lachnummer werden zu lassen, raten Steuerexperten dazu unbedingt die Vergabe von biometrischen Wunschsteuernummern vorzusehen, die dem Steuerpflichtigen das Gefühl vermitteln in diesem Land nicht nur Humankapital und Biomasse zu sein.

Auch sollte in der „lebenslänglichen Steueridentifikationsnummer“ noch Platz für die Verschlüsselung der politischen Gesinnung geschaffen werden, denn der Bundesinnenwolfgang befürchtet schon seit langem eine zunehmende Radikalisierung der Steuerzahler.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 24. Mai 2007 um 05:45:31 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Lebenslängliche Steuernummer”

  1. mitdenker meint:

    Also ich kann mir nicht helfen - dieses ständige déjà vu aus einer Zeit von vor 17 Jahren macht mich langsam nervös.
    “Jetzt stellen Sie sich einfach einmal vor, Sie hätten bereits eine solche “bundeseinheitliche lebenslängliche Steuernummer” ….”
    Kenn ich - hatten wir schon einmal. Stand im Ausweis jeden Bürgers eines Staates, der mit “Deutsche…” begann und hieß Personenkennzahl (PKZ). Dies also nun auch. Neben den Geruchsproben von Dissidenten (ach nee, die werden ja jetzt anders genannt), den Überwachungen durch Geheimdienste, den gleichen Sprüchen von der Einheit und Geschlossenheit der Partei(en), dem identischen Anspruchsdenken der oberen Chargen, das sie und nur sie Recht haben (und für immer und ewig auch behalten wollen), dem Einzäunen und Abgrenzen von lieben und in Herzlichkeit verbundenen ausländischen Gästen, denen sicherlich
    auch wieder bestellte Jubelkolonnen am Straßenrand entgegenwinken mit Winkelementen, Kinderkrippen, Verschulung der Hochschulen durch Bologna und weiß der Geier, was nicht noch alles.
    Es wird also wirklich so vieles dafür getan, dass sich 17 Millionen wieder so recht heimisch fühlen dürfen.
    Danke. Dank an die frei gewählten und von Wissen und Gewissen freien Volksvertreter.
    Nur eines macht mich stutzig. Was war doch gleich im Oktober / November 1989?
    Na, vielleicht wird meine diesbezügliche Erinnerungslücke durch ähnliche Ereignisse auch wieder ein wenig aufgefrischt.
    Vielleicht.

  2. Pathologe meint:

    Dann fehlt ja nur noch der antifaschistische Schutzwall, Herr Mitdenker. Oder heißt das dann antiterroristischer Schutzwall? Und wo wird der gebaut? Am Atlantik? Oh, entschuldigung, falsche Epoche.
    Oder hat mal wieder niemand die Absicht, eine Mauer zu bauen?

  3. mitdenker meint:

    @Pathologe
    äh, Heiligendamm als Modell? Oder so?:
    “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen”, sagte der BMdI und es wurde nicht gebaut, nur geschrieben:
    Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz - AufenthG)
    Wir wissen, wie physisch unvollkommen so etwas ist. Aber auch die Mauer wurde ab und zu überwunden. Am 9.November ‘89 sogar heftigst…

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