Gedenkminute

16. Juli 2007 05:45

Lieber Freund

Halten wir in der Hektik und Betriebsamkeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, der diese Republik in ihrer Gänze erfasst hat, kurz inne und gedenken für eine Minute dem nach schwerer Krankheit in Köln im Alter von 67 Jahren verstorbenen Honorarprofessor und Ex-Wirtschaftsminister des Landes Sachsen, Kajo Schommer.

Nun sollte man Verstorbenen, auch wenn es schwer fällt, nur Gutes nachsagen und ehemalige Kollegen und Bandenmitglieder aus seiner Schaffenszeit zwischen Oktober 1990 und Mai 2002 haben damit auch schon begonnen, doch auch in Nachrufen ist darauf zu achten, dass nicht gleich Geschichtsverfälschung betrieben wird. Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Günter Oettinger, hat damit so seine Erfahrungen gemacht, als er dem Widerstandskämpfer Hans Filbinger einige aufmunternde Worte nachrief, um das irdische Wirken des Verstorbenen aus dem rechten Licht zu rücken.

Obwohl allgemein bekannt ist, dass gegen Kajo Schommer seit fünf Jahren wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, der Untreue und Beihilfe zur Untreue in einem besonders schweren Fall ermittelt wird, ließ es sich Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt in einem ersten Statement nicht nehmen, die Verdienste des Verstorbenen zur würdigen: „Maßgebliche Weichenstellungen zum Aufbau des Freistaates nach der Wiedervereinigung sind mit seinem Namen verbunden. Die weitsichtige Politik Schommers hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich Sachsen wirtschaftlich stabilisieren konnte”, sagte Milbradt und erbrachte damit wieder einmal einen Beweis für das Kurzzeitgedächtnis von Politikern.

Ähnlich Lobenswertes war auch aus dem Sächsischen Langtag zu hören.
So erzählte der Fraktionsvorsitzende der CDU, Fritz Hähle, dass das Land Sachsen, seine Unternehmen und die Sächsische Union mit Schommer eine der herausragenden und erfolgreichsten Politikerpersönlichkeiten der Zeit seit der Wiedergründung des Freistaates Sachsen verloren haben: „Wir sind fassungslos von der unerwarteten Nachricht vom Tod von Kajo Schommer. Der Aufbau unseres Freistaates wird immer mit seinem Namen verbunden bleiben. Es macht uns traurig, dass er den Beweis seiner Unschuld nicht mehr zu seinen Lebzeiten erfahren durfte. Wir sind uns sicher, dass sich über kurz oder lang seine Unschuld zweifelsfrei erwiesen hätte“, meinte Hähle mit Blick auf die Ermittlungen gegen Schommer.

Damit hat sich der Fall möglicherweise auch für die Staatsanwaltschaft erledigt und einige der involvierten Personen werden nach einem letzten Seufzer am Grab befreit aufatmen können.
Man sollte daher mal darauf achten, wer sich aus Politik und Wirtschaft sonst noch besonders lobend über die „weitsichtige und erfolgreiche“ Wirtschaftspolitik des Verstorbenen äußern wird und dabei nicht vergessen, dass schon Joachim Ringelnatz (1883 - 1934) mit dem Satz „der Nachruf ist meistens besser als der Ruf“ die Sache kurz und prägnant auf den Punkt brachte.

So, und jetzt denk ich mal, dass die Minute nun um ist.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. Juli 2007 um 05:45:06 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Gedenkminute”

  1. JFK meint:

    Wie immer präzise auf den Punkt. Einfach herrrrrlich. Danke!

  2. Fred Sky meint:

    Häng noch ´ne Minute dran, wenn Du Zeit hast, auch 10-tausend Minuten im Jahr:
    http://www.haertefallfamilie.de/
    Die Deutschen machen Suizid im Stillen, mangels Jungfrauen ohne Sprengstoffgürtel.
    Übrigens könntest Du noch bis zum Ende des Maya-Kalenders durchhalten, wirst erst dann im nächsten Monat 65.
    MfG

  3. otti meint:

    Von der Grundverlogenheit der politischen Kaste, vom Sachsen-Sumpf zum Schwaben-Sumpf: BULLSHIT-Politik.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)
 

Gedenkminute

16. Juli 2007 05:45

Lieber Freund

Halten wir in der Hektik und Betriebsamkeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, der diese Republik in ihrer Gänze erfasst hat, kurz inne und gedenken für eine Minute dem nach schwerer Krankheit in Köln im Alter von 67 Jahren verstorbenen Honorarprofessor und Ex-Wirtschaftsminister des Landes Sachsen, Kajo Schommer.

Nun sollte man Verstorbenen, auch wenn es schwer fällt, nur Gutes nachsagen und ehemalige Kollegen und Bandenmitglieder aus seiner Schaffenszeit zwischen Oktober 1990 und Mai 2002 haben damit auch schon begonnen, doch auch in Nachrufen ist darauf zu achten, dass nicht gleich Geschichtsverfälschung betrieben wird. Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Günter Oettinger, hat damit so seine Erfahrungen gemacht, als er dem Widerstandskämpfer Hans Filbinger einige aufmunternde Worte nachrief, um das irdische Wirken des Verstorbenen aus dem rechten Licht zu rücken.

Obwohl allgemein bekannt ist, dass gegen Kajo Schommer seit fünf Jahren wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, der Untreue und Beihilfe zur Untreue in einem besonders schweren Fall ermittelt wird, ließ es sich Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt in einem ersten Statement nicht nehmen, die Verdienste des Verstorbenen zur würdigen: „Maßgebliche Weichenstellungen zum Aufbau des Freistaates nach der Wiedervereinigung sind mit seinem Namen verbunden. Die weitsichtige Politik Schommers hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich Sachsen wirtschaftlich stabilisieren konnte”, sagte Milbradt und erbrachte damit wieder einmal einen Beweis für das Kurzzeitgedächtnis von Politikern.

Ähnlich Lobenswertes war auch aus dem Sächsischen Langtag zu hören.
So erzählte der Fraktionsvorsitzende der CDU, Fritz Hähle, dass das Land Sachsen, seine Unternehmen und die Sächsische Union mit Schommer eine der herausragenden und erfolgreichsten Politikerpersönlichkeiten der Zeit seit der Wiedergründung des Freistaates Sachsen verloren haben: „Wir sind fassungslos von der unerwarteten Nachricht vom Tod von Kajo Schommer. Der Aufbau unseres Freistaates wird immer mit seinem Namen verbunden bleiben. Es macht uns traurig, dass er den Beweis seiner Unschuld nicht mehr zu seinen Lebzeiten erfahren durfte. Wir sind uns sicher, dass sich über kurz oder lang seine Unschuld zweifelsfrei erwiesen hätte“, meinte Hähle mit Blick auf die Ermittlungen gegen Schommer.

Damit hat sich der Fall möglicherweise auch für die Staatsanwaltschaft erledigt und einige der involvierten Personen werden nach einem letzten Seufzer am Grab befreit aufatmen können.
Man sollte daher mal darauf achten, wer sich aus Politik und Wirtschaft sonst noch besonders lobend über die „weitsichtige und erfolgreiche“ Wirtschaftspolitik des Verstorbenen äußern wird und dabei nicht vergessen, dass schon Joachim Ringelnatz (1883 - 1934) mit dem Satz „der Nachruf ist meistens besser als der Ruf“ die Sache kurz und prägnant auf den Punkt brachte.

So, und jetzt denk ich mal, dass die Minute nun um ist.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. Juli 2007 um 05:45:06 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Gedenkminute”

  1. JFK meint:

    Wie immer präzise auf den Punkt. Einfach herrrrrlich. Danke!

  2. Fred Sky meint:

    Häng noch ´ne Minute dran, wenn Du Zeit hast, auch 10-tausend Minuten im Jahr:
    http://www.haertefallfamilie.de/
    Die Deutschen machen Suizid im Stillen, mangels Jungfrauen ohne Sprengstoffgürtel.
    Übrigens könntest Du noch bis zum Ende des Maya-Kalenders durchhalten, wirst erst dann im nächsten Monat 65.
    MfG

  3. otti meint:

    Von der Grundverlogenheit der politischen Kaste, vom Sachsen-Sumpf zum Schwaben-Sumpf: BULLSHIT-Politik.

Eine Nachricht hinterlassen

*Notwendig
*Notwendig (wird nicht veröffentlicht)