Wirtschaftsgefasel

2. August 2007 05:45

Lieber Freund

Man ist ja gewöhnt, dass die Medien immer gerne in die Mottenkiste greifen um die gerade aktuelle Stimmungslage mit „Expertenwissen“ anzureichern. Inzwischen gibt es dann auch noch bei jedem Käseblatt entsprechende Foren, in denen die absonderlichen Ausscheidungen der Redaktion von den Lesern kommentiert werden dürfen.

Ganz beliebte Themen sind neben dem „Aufschwung“, die „Einkommensschere“, das „Aussterben“ und natürlich auch die „Zuwanderung“. Bedingt durch den „Aufschwung““ ist jetzt gerade die „Zuwanderung“ wieder hochaktuell, denn der deutschen Wirtschaft fehlen jetzt wohl irgendwie die qualifizierten Fachkräfte die sie in den letzten Jahren nicht ausgebildet, beziehungsweise in Massen entlassen hat.

Menschen ohne Erinnerungsvermögen verfallen in solchen Situationen gerne dazu, die arme deutsche Wirtschaft zu bedauern, die doch nun solch großen Probleme hat ihre vollen Auftragsbücher zeitnah abzuarbeiten um ihre Gewinne realisieren zu können. Unter diesen chronisch an Alzheimer erkrankten Mitbürgern sind erstaunlicherweise nicht nur Politiker, sondern auch viele Journalisten. Als mildernden Umstand muss man allerdings gelten lassen, dass die beiden Berufsgruppen nicht unbedingt an der Werthaltigkeit ihrer Tätigkeit gemessen werden und nichts so alt ist wie die Schlagzeile von gestern.

Und so entstehen dann wortreiche Machwerke ohne wertmäßigen Inhalt und beschäftigen sich mit der Zuwanderung von „hoch qualifizierten Arbeitskräften“ um bereits im zweiten Satz beim Erntehelfer und Spargelstecher aus Osteuropa angekommen zu sein. Nun kann es ja durchaus vorkommen, dass ein gelernter Akademiker aus Polen nach Deutschland muss um hier Spargel zu stechen, weil er mit dieser Tätigkeit mehr Geld verdient als in seinem Heimatland in seinem erlernten Beruf. Gleiches gilt aber auch für einen bundesdeutschen Ingenieur, der zum Gold schürfen nach Alaska geht. Der einzige Unterschied ist sicher, dass es in Alaska keine 4 Millionen Arbeitslose gibt.
Das weiß auch der Schreiber eines Artikel in einem bundesdeutschen lachsfarbenen Wirtschaftsblatt und bringt es wie folgt auf den Punkt: „Zwar gibt es in Deutschland immer noch 3,7 Millionen Arbeitslose, aber irgendwie schafft es das deutsche Sozialsystem offenbar nicht, sie für Tätigkeiten wie Erdbeerpflücken und Spargelstechen zu mobilisieren oder motivieren“.

Völlig im Unklaren lässt er dabei seine Leserschaft, warum es nicht die deutsche Wirtschaft, sondern das deutsche „Sozialsystem“ ist, das die „Arbeitslosen“ in Lohn und Brot bringen soll.
Statt dessen stößt er zügig zum, wie er es nennt, „Kern des Problems“ vor und verkündet, dass „die deutsche Bevölkerung altert und schrumpft und die deutsche Wirtschaft unterliegt konjunkturellen Schwankungen, aber die Zuwanderungsgesetze erlauben es nicht darauf flexibel zu reagieren“.
Da wäre es doch sicher sinnvoll, zukünftig die Zuwanderung an der Mortalitätsrate bestimmter Berufsgruppen auszurichten. Das hat man bisher ja so nicht gemacht, denn Berufe wie Hufschmied, Flickschuster und Kesselmacher sind schon fast völlig ausgestorben.

Das hat der Schreiberling wohl auch erkannt und fordert daher eine (wörtlich) „Zuwanderungspolitik, die pragmatisch, praktikabel und an den Bedürfnissen des Landes ausgerichtet ist. Eine Politik, die auch Zuwanderung aus Nicht-EU-Ländern großzügig zulässt“ und fügt dann (vermutlich hat zu diesem Zeitpunkt die Wirkung der Droge nachgelassen), hinzu „falls der deutsche Arbeitsmarkt dies braucht.“.

Und das halte ich persönlich nun für einen besonders guten Vorschlag, denn wie bei der Bundesagentur für nicht vorhandene Arbeit üblich, könnte dann jeder Arbeitsuchende ein Märkchen mit einer Nummer aus dem Automaten ziehen und daran erkennen wie viele Leute vor ihm auf die Bearbeitung ihrer Angelegenheit warten und sich darauf einrichten.

Nach den letzten Zahlen der Bundesagentur würde dann der erste arbeitswillige Zuwanderer die Nummer 3.687.120 bekommen, denn vor ihm warten schon (teilweise seit Jahren) viele Andere darauf, dass ihre Anträge auf Arbeit bearbeitet werden.
Bei entsprechender Bezahlung sind darunter sicher auch einige hoch qualifizierte Akademiker und Facharbeiter die einen Job zum Spargelstechen annehmen. Natürlich nur, wenn sie auch entsprechend entlohnt werden und von ihrem „Verdienst“ in ihrem Heimatland auch leben können.
Ansonsten macht es ja nicht mal für einen Zugewanderten Sinn hier zu arbeiten.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. August 2007 um 05:45:06 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

10 Antworten zu “Wirtschaftsgefasel”

  1. erphschwester meint:

    dieses phänomen der vermischten begrifflichkeiten bewundere ich schon seit jahren. das sozialsystem “muß” immer; die wirtschaft “will” immer nur.
    und wenn´s allzu auffällig würde, wie oft die wirtschaft gerade mal wieder was will, ohne einen zwang zum selber-müssen zu sehen, dann redet man vom “wir”. was den adressaten der wunschvorstellungen schön offen läßt und im zweifelsfall uns alle meint, die wir ja auch tatsächlich für allerlei wunschdenken der wirtschaft blechen, ohne hiervon auch nur den allergeringsten nutzen zu haben.

  2. Machopan meint:

    Das ist Absicht, kein Zufall.
    Ich erinnere nur an “wir müssen den Gürtel enger schnallen” und die “Reformen”, die den Namen nicht verdienen.
    Aber was kann man von Menschen die bei “Diäten” nicht ans “Gürtel enger schnallen denken”, schon erwarten.
    Aber es ist verlorene Zeit hier mit Worten etwas zu erreichen.
    Hier kann es nur noch heißen: “Maul auf - Faust drauf”, eine andere Sprache verstehen die “Heuschrecken aus Politik und Wirtschaft” nicht.

  3. Pathologe meint:

    Also ich finde das mit der Zuwanderung gut.
    Hätte ich eine Möglichkeit, in Deutschland einen anständigen Job zu finden, würde ich sofort, ohne zu zögern, aus Nigeria abhauen und in Deutschland wieder zuwandern. So muss ich allerdings mein sauer verdientes Geld in Deutschland den Steuerbehörden zur Verfügung stellen, während meine Arbeitskraft fernab von Familie und Heim in Afrika genutzt wird.

    Oder steht da nur, dass sich “die Wirtschaft” weigert, aus einer Menge von mehr als 3.700.000 Arbeitswilligen die fehlenden Fachkräfte entsprechend auszubilden, da diese dann ja eine entsprechende Entlohnung verlangen könnten?

  4. erphschwester meint:

    aber, herr pathologe, sowas von mißverständnis aber auch: die herrschaften von der wirtschaft haben gewartet, b i s die ganzen gut ausgebildeten fachkräfte ausgewandert sind (wie der pathologe ja auch), d a m i t sie sich die billigen ausländischen ins land holen können. weil … die gute ausbildung wollen wir ja schon, aber doch nicht dafür bezahlen!

  5. JFK meint:

    also bitte:”Auswandern……einwandern da wird mir ja ganz schwummerig von. Und bitte………..nicht immer diese tolle Zahl der Arbeitslosen kritisieren……die ist doch besser denn je! Ich mal mir doch meine Welt auch schön bunt so wie ich sie haben möchte, jeden Tag aufs neue!Und außerdem ist in der Wirtschaft kein Geld für Aus oder Weiterbildung………das geht doch alles drauf für die vielen Nebenjobs unserer Schlaumänner aus den oberen Reihen der Politik die ja schwierige Positionen als Nebenjob im Aufsichtsrat dieser Konzerne übernehmen müssen. Da bleibt kein Geld für gutes Inländisches Personal übrig. Da kann ich nur sagen: Schiff Ahoi!

  6. Machopan meint:

    Die Wirtschaftsjournaille plappert doch alles nach, wo IfO, BA oder GroKo drauf steht. Wie der Ochse am Nasenring lassen sie sich vorführen und kaum einer hat noch die Eier, die Fakten selbst zu recherchieren. Bei der BLÖD-Zeitung ist einem einigermaßen gebildeten Europäer ja noch klar, dass der Spaßfaktor zwar sehr hoch, aber der Wahrheitsgehalt der dort veröffentlichen Artikel im Bereich von kleiner 1% liegt.
    Aber in einer „Wirtschaftszeitung“, die für sich den Anspruch erhebt, die „wegweisende Wirtschafts- und Finanzmedium für Entscheider, die neu denken“ zu sein, sollte man Sätze wie: „Erstmals seit Jahrzehnten ist in Deutschland die Zahl der Arbeitslosen unter den niedrigsten Stand des vergangenen Aufschwungs gefallen“ nun wirklich nicht lesen müssen.

    Da kann man als Leser nur sagen: „keine Meinung, das Problem nicht verstanden, zu doof um einen Text aus einer Bundespressemeldung oder www.bundesregierung,de zu kopieren, schlechtes Deutsch und dann auch noch unfähig, sich ausdrücken zu können.
    Armes “Financial Times” Deutschland.

  7. veilchen meint:

    Bezüglich der geschönten Arbeitslosenzahlen und den lobgepriesenen Börsen- und Wirtschaftsangaben musste man sich dem Schema der USA anpassen, damit das auch einheitlich passend zurechtgelogen ist! -
    Man stelle sich vor, die Regierenden und auch die Medien würden noch tatsächlich berichten!! - Dann führen vermutlich auf vielen Strassen keine Autos mehr, weil es von Demonstranten wimmelte, sage ich mal so ganz vorsichtig! -
    Alles Taktik! Man presse das Volk aus, so oft und soviel möglich ist, man betäube die Volksmassen mit Nebensächlichkeiten, man bejubele den grossartigen Zustand des Landes, möglichst jede halbe Stunde im Rundfunk und Fernsehen, man diskriminiere die Aussortierten des Arbeitsmarktes geschickt, gebe ihnen nur soviel, dass sie nicht ums Leben kommen, aber gefügig werden, die Politik gibt die Meldungen heraus, über die berichtet werden darf, was dann die Volksmassen noch mit den GEZ Gebühren selber finanzieren müssen! Arme, Kranke, Schwache und Aussortierte haben kein Recht auf Würde, weil sie es sich nicht mehr leisten können, Politik und Wirtschaft sind eng miteinander verbunden!
    Nur das Grundgesetz steht noch im Wege, das zwar heimlich und langsam unterspült, auch absichtlich missachtet wird ………. aber man steht ja heute ganz anderen Anforderungen entgegen! Die bösen Islamisten, die bösen Kopftücher, der böse Terror, ach überhaupt all die bösen Gefahren, die auf das Volk lauern! - Man muss das Volk schützen und deshalb das Grundgesetz am besten ganz abschaffen!
    EU-Kommission verklagt Deutschland wegen Datenschutz-Mängeln! Lest mal hier: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,497729,00.html

    Dann müssen die Regierenden aber bald mehr Geld herauspressen. Verständlich, nicht wahr? - Ach, verzeiht mir meine sarkastische Ader! Anders geht es nicht mehr! - Eine Bürgerin, die in den Sarkasmus geflohen ist.

  8. Machopan meint:

    Gegenwehr oder Flucht? Held oder Feigling?
    Bei der zahlenmäßigen Überlegenheit der prekären Unterschicht ist das eigentlich doch kein Problem.

    Und in einem Land, das pro Sekunde ca. 1100 Euro neue Schulden macht, könnte man für das gleiche Geld vier Millionen Menschen auf die Straße bringen und ihnen je Stunde einen Euro bezahlen.
    Macht ca. 96 Millionen Euro am Tag.
    Also am Geld kann es auch nicht liegen.

    Also was ist es dann?
    Etwa die Hoffnung, dass es nur den Nachbarn trifft?
    Oder nur die Angst, dass die Staatsmacht böse wird, weil “Aufmucken” nicht erlaubt ist?

  9. veilchen meint:

    Das ist so eine Sache mit der “Unterschicht”. Natürlich glaubt jeder, der noch nicht richtig “drin” ist, er bliebe verschont. Man übersehe nicht den Einfluss der Medien, die doch nicht ruhen, die Erfolgsmeldungen der Kanzdesbunzlerin Andela Bush bis in die letzten Winkel des Landes zu verbreiten. - Alles wird gut und wem es nicht gut geht ……., war der denn nicht immer schon faul? Hatte man denn nicht immer schon etwas an denen auszusetzen!
    Und wie erklärt der Prof. Straubhaar die “Welt der Reformen”? (meine Haare strauben sich jetzt schon!)
    “Es ist menschlich, im alten Trott zu verharren. Wir lieben die Gegenwart mehr, als die Zukunft. Wir leiden unter Trennungsschmerzen und Veränderungsängsten und verhalten uns deshalb so irrational!
    Wir müssen heute auf Spass verzichten, damit es sich morgen lohnt!” -

    Oben wurde es ja schon erklärt, was “WIR müssen” bedeutet.

    Und nun zu den Leuten, die nicht auf die Strasse gehen! Man betrachte die Michels wie eine Schafherde, die sich nur in einer grossen Herde sicher fühlen und nur, wenn der dementsprechende Leithammel sie führt! Es muss dann schon irgendwie ein legales Mäntelchen haben! Jeder verlangt von seinem Nachbarn, dass er endlich was unternimmt! Es fehlt der Ruck! - Eigentlich hat die Staatsmacht bei dem letzten Demos ja auch gezeigt, wozu sie fähig wären, wenn ……….. ! 3. 6. 2006 und auch beim Gipfel in diesem Jahr!!
    Die Glatzköpfe, die lässt man ruhig marschieren. Da knüppelt keiner dazwischen. Aber bei der Unterschicht duldet man das nicht. - Es lässt tief blicken.

  10. otti meint:

    Sich und dem deutschen Volk bzw. dem gläubigen Zeitungsleser im Auftrag der Machthaber (i.e. der Wirtschaft und der Politik) ein Bild machen, das mehr ausblendet als es zeigt, war und ist schon immer die Aufgabe der Medien gewesen.

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Wirtschaftsgefasel

2. August 2007 05:45

Lieber Freund

Man ist ja gewöhnt, dass die Medien immer gerne in die Mottenkiste greifen um die gerade aktuelle Stimmungslage mit „Expertenwissen“ anzureichern. Inzwischen gibt es dann auch noch bei jedem Käseblatt entsprechende Foren, in denen die absonderlichen Ausscheidungen der Redaktion von den Lesern kommentiert werden dürfen.

Ganz beliebte Themen sind neben dem „Aufschwung“, die „Einkommensschere“, das „Aussterben“ und natürlich auch die „Zuwanderung“. Bedingt durch den „Aufschwung““ ist jetzt gerade die „Zuwanderung“ wieder hochaktuell, denn der deutschen Wirtschaft fehlen jetzt wohl irgendwie die qualifizierten Fachkräfte die sie in den letzten Jahren nicht ausgebildet, beziehungsweise in Massen entlassen hat.

Menschen ohne Erinnerungsvermögen verfallen in solchen Situationen gerne dazu, die arme deutsche Wirtschaft zu bedauern, die doch nun solch großen Probleme hat ihre vollen Auftragsbücher zeitnah abzuarbeiten um ihre Gewinne realisieren zu können. Unter diesen chronisch an Alzheimer erkrankten Mitbürgern sind erstaunlicherweise nicht nur Politiker, sondern auch viele Journalisten. Als mildernden Umstand muss man allerdings gelten lassen, dass die beiden Berufsgruppen nicht unbedingt an der Werthaltigkeit ihrer Tätigkeit gemessen werden und nichts so alt ist wie die Schlagzeile von gestern.

Und so entstehen dann wortreiche Machwerke ohne wertmäßigen Inhalt und beschäftigen sich mit der Zuwanderung von „hoch qualifizierten Arbeitskräften“ um bereits im zweiten Satz beim Erntehelfer und Spargelstecher aus Osteuropa angekommen zu sein. Nun kann es ja durchaus vorkommen, dass ein gelernter Akademiker aus Polen nach Deutschland muss um hier Spargel zu stechen, weil er mit dieser Tätigkeit mehr Geld verdient als in seinem Heimatland in seinem erlernten Beruf. Gleiches gilt aber auch für einen bundesdeutschen Ingenieur, der zum Gold schürfen nach Alaska geht. Der einzige Unterschied ist sicher, dass es in Alaska keine 4 Millionen Arbeitslose gibt.
Das weiß auch der Schreiber eines Artikel in einem bundesdeutschen lachsfarbenen Wirtschaftsblatt und bringt es wie folgt auf den Punkt: „Zwar gibt es in Deutschland immer noch 3,7 Millionen Arbeitslose, aber irgendwie schafft es das deutsche Sozialsystem offenbar nicht, sie für Tätigkeiten wie Erdbeerpflücken und Spargelstechen zu mobilisieren oder motivieren“.

Völlig im Unklaren lässt er dabei seine Leserschaft, warum es nicht die deutsche Wirtschaft, sondern das deutsche „Sozialsystem“ ist, das die „Arbeitslosen“ in Lohn und Brot bringen soll.
Statt dessen stößt er zügig zum, wie er es nennt, „Kern des Problems“ vor und verkündet, dass „die deutsche Bevölkerung altert und schrumpft und die deutsche Wirtschaft unterliegt konjunkturellen Schwankungen, aber die Zuwanderungsgesetze erlauben es nicht darauf flexibel zu reagieren“.
Da wäre es doch sicher sinnvoll, zukünftig die Zuwanderung an der Mortalitätsrate bestimmter Berufsgruppen auszurichten. Das hat man bisher ja so nicht gemacht, denn Berufe wie Hufschmied, Flickschuster und Kesselmacher sind schon fast völlig ausgestorben.

Das hat der Schreiberling wohl auch erkannt und fordert daher eine (wörtlich) „Zuwanderungspolitik, die pragmatisch, praktikabel und an den Bedürfnissen des Landes ausgerichtet ist. Eine Politik, die auch Zuwanderung aus Nicht-EU-Ländern großzügig zulässt“ und fügt dann (vermutlich hat zu diesem Zeitpunkt die Wirkung der Droge nachgelassen), hinzu „falls der deutsche Arbeitsmarkt dies braucht.“.

Und das halte ich persönlich nun für einen besonders guten Vorschlag, denn wie bei der Bundesagentur für nicht vorhandene Arbeit üblich, könnte dann jeder Arbeitsuchende ein Märkchen mit einer Nummer aus dem Automaten ziehen und daran erkennen wie viele Leute vor ihm auf die Bearbeitung ihrer Angelegenheit warten und sich darauf einrichten.

Nach den letzten Zahlen der Bundesagentur würde dann der erste arbeitswillige Zuwanderer die Nummer 3.687.120 bekommen, denn vor ihm warten schon (teilweise seit Jahren) viele Andere darauf, dass ihre Anträge auf Arbeit bearbeitet werden.
Bei entsprechender Bezahlung sind darunter sicher auch einige hoch qualifizierte Akademiker und Facharbeiter die einen Job zum Spargelstechen annehmen. Natürlich nur, wenn sie auch entsprechend entlohnt werden und von ihrem „Verdienst“ in ihrem Heimatland auch leben können.
Ansonsten macht es ja nicht mal für einen Zugewanderten Sinn hier zu arbeiten.

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 2. August 2007 um 05:45:06 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

10 Antworten zu “Wirtschaftsgefasel”

  1. erphschwester meint:

    dieses phänomen der vermischten begrifflichkeiten bewundere ich schon seit jahren. das sozialsystem “muß” immer; die wirtschaft “will” immer nur.
    und wenn´s allzu auffällig würde, wie oft die wirtschaft gerade mal wieder was will, ohne einen zwang zum selber-müssen zu sehen, dann redet man vom “wir”. was den adressaten der wunschvorstellungen schön offen läßt und im zweifelsfall uns alle meint, die wir ja auch tatsächlich für allerlei wunschdenken der wirtschaft blechen, ohne hiervon auch nur den allergeringsten nutzen zu haben.

  2. Machopan meint:

    Das ist Absicht, kein Zufall.
    Ich erinnere nur an “wir müssen den Gürtel enger schnallen” und die “Reformen”, die den Namen nicht verdienen.
    Aber was kann man von Menschen die bei “Diäten” nicht ans “Gürtel enger schnallen denken”, schon erwarten.
    Aber es ist verlorene Zeit hier mit Worten etwas zu erreichen.
    Hier kann es nur noch heißen: “Maul auf - Faust drauf”, eine andere Sprache verstehen die “Heuschrecken aus Politik und Wirtschaft” nicht.

  3. Pathologe meint:

    Also ich finde das mit der Zuwanderung gut.
    Hätte ich eine Möglichkeit, in Deutschland einen anständigen Job zu finden, würde ich sofort, ohne zu zögern, aus Nigeria abhauen und in Deutschland wieder zuwandern. So muss ich allerdings mein sauer verdientes Geld in Deutschland den Steuerbehörden zur Verfügung stellen, während meine Arbeitskraft fernab von Familie und Heim in Afrika genutzt wird.

    Oder steht da nur, dass sich “die Wirtschaft” weigert, aus einer Menge von mehr als 3.700.000 Arbeitswilligen die fehlenden Fachkräfte entsprechend auszubilden, da diese dann ja eine entsprechende Entlohnung verlangen könnten?

  4. erphschwester meint:

    aber, herr pathologe, sowas von mißverständnis aber auch: die herrschaften von der wirtschaft haben gewartet, b i s die ganzen gut ausgebildeten fachkräfte ausgewandert sind (wie der pathologe ja auch), d a m i t sie sich die billigen ausländischen ins land holen können. weil … die gute ausbildung wollen wir ja schon, aber doch nicht dafür bezahlen!

  5. JFK meint:

    also bitte:”Auswandern……einwandern da wird mir ja ganz schwummerig von. Und bitte………..nicht immer diese tolle Zahl der Arbeitslosen kritisieren……die ist doch besser denn je! Ich mal mir doch meine Welt auch schön bunt so wie ich sie haben möchte, jeden Tag aufs neue!Und außerdem ist in der Wirtschaft kein Geld für Aus oder Weiterbildung………das geht doch alles drauf für die vielen Nebenjobs unserer Schlaumänner aus den oberen Reihen der Politik die ja schwierige Positionen als Nebenjob im Aufsichtsrat dieser Konzerne übernehmen müssen. Da bleibt kein Geld für gutes Inländisches Personal übrig. Da kann ich nur sagen: Schiff Ahoi!

  6. Machopan meint:

    Die Wirtschaftsjournaille plappert doch alles nach, wo IfO, BA oder GroKo drauf steht. Wie der Ochse am Nasenring lassen sie sich vorführen und kaum einer hat noch die Eier, die Fakten selbst zu recherchieren. Bei der BLÖD-Zeitung ist einem einigermaßen gebildeten Europäer ja noch klar, dass der Spaßfaktor zwar sehr hoch, aber der Wahrheitsgehalt der dort veröffentlichen Artikel im Bereich von kleiner 1% liegt.
    Aber in einer „Wirtschaftszeitung“, die für sich den Anspruch erhebt, die „wegweisende Wirtschafts- und Finanzmedium für Entscheider, die neu denken“ zu sein, sollte man Sätze wie: „Erstmals seit Jahrzehnten ist in Deutschland die Zahl der Arbeitslosen unter den niedrigsten Stand des vergangenen Aufschwungs gefallen“ nun wirklich nicht lesen müssen.

    Da kann man als Leser nur sagen: „keine Meinung, das Problem nicht verstanden, zu doof um einen Text aus einer Bundespressemeldung oder www.bundesregierung,de zu kopieren, schlechtes Deutsch und dann auch noch unfähig, sich ausdrücken zu können.
    Armes “Financial Times” Deutschland.

  7. veilchen meint:

    Bezüglich der geschönten Arbeitslosenzahlen und den lobgepriesenen Börsen- und Wirtschaftsangaben musste man sich dem Schema der USA anpassen, damit das auch einheitlich passend zurechtgelogen ist! -
    Man stelle sich vor, die Regierenden und auch die Medien würden noch tatsächlich berichten!! - Dann führen vermutlich auf vielen Strassen keine Autos mehr, weil es von Demonstranten wimmelte, sage ich mal so ganz vorsichtig! -
    Alles Taktik! Man presse das Volk aus, so oft und soviel möglich ist, man betäube die Volksmassen mit Nebensächlichkeiten, man bejubele den grossartigen Zustand des Landes, möglichst jede halbe Stunde im Rundfunk und Fernsehen, man diskriminiere die Aussortierten des Arbeitsmarktes geschickt, gebe ihnen nur soviel, dass sie nicht ums Leben kommen, aber gefügig werden, die Politik gibt die Meldungen heraus, über die berichtet werden darf, was dann die Volksmassen noch mit den GEZ Gebühren selber finanzieren müssen! Arme, Kranke, Schwache und Aussortierte haben kein Recht auf Würde, weil sie es sich nicht mehr leisten können, Politik und Wirtschaft sind eng miteinander verbunden!
    Nur das Grundgesetz steht noch im Wege, das zwar heimlich und langsam unterspült, auch absichtlich missachtet wird ………. aber man steht ja heute ganz anderen Anforderungen entgegen! Die bösen Islamisten, die bösen Kopftücher, der böse Terror, ach überhaupt all die bösen Gefahren, die auf das Volk lauern! - Man muss das Volk schützen und deshalb das Grundgesetz am besten ganz abschaffen!
    EU-Kommission verklagt Deutschland wegen Datenschutz-Mängeln! Lest mal hier: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,497729,00.html

    Dann müssen die Regierenden aber bald mehr Geld herauspressen. Verständlich, nicht wahr? - Ach, verzeiht mir meine sarkastische Ader! Anders geht es nicht mehr! - Eine Bürgerin, die in den Sarkasmus geflohen ist.

  8. Machopan meint:

    Gegenwehr oder Flucht? Held oder Feigling?
    Bei der zahlenmäßigen Überlegenheit der prekären Unterschicht ist das eigentlich doch kein Problem.

    Und in einem Land, das pro Sekunde ca. 1100 Euro neue Schulden macht, könnte man für das gleiche Geld vier Millionen Menschen auf die Straße bringen und ihnen je Stunde einen Euro bezahlen.
    Macht ca. 96 Millionen Euro am Tag.
    Also am Geld kann es auch nicht liegen.

    Also was ist es dann?
    Etwa die Hoffnung, dass es nur den Nachbarn trifft?
    Oder nur die Angst, dass die Staatsmacht böse wird, weil “Aufmucken” nicht erlaubt ist?

  9. veilchen meint:

    Das ist so eine Sache mit der “Unterschicht”. Natürlich glaubt jeder, der noch nicht richtig “drin” ist, er bliebe verschont. Man übersehe nicht den Einfluss der Medien, die doch nicht ruhen, die Erfolgsmeldungen der Kanzdesbunzlerin Andela Bush bis in die letzten Winkel des Landes zu verbreiten. - Alles wird gut und wem es nicht gut geht ……., war der denn nicht immer schon faul? Hatte man denn nicht immer schon etwas an denen auszusetzen!
    Und wie erklärt der Prof. Straubhaar die “Welt der Reformen”? (meine Haare strauben sich jetzt schon!)
    “Es ist menschlich, im alten Trott zu verharren. Wir lieben die Gegenwart mehr, als die Zukunft. Wir leiden unter Trennungsschmerzen und Veränderungsängsten und verhalten uns deshalb so irrational!
    Wir müssen heute auf Spass verzichten, damit es sich morgen lohnt!” -

    Oben wurde es ja schon erklärt, was “WIR müssen” bedeutet.

    Und nun zu den Leuten, die nicht auf die Strasse gehen! Man betrachte die Michels wie eine Schafherde, die sich nur in einer grossen Herde sicher fühlen und nur, wenn der dementsprechende Leithammel sie führt! Es muss dann schon irgendwie ein legales Mäntelchen haben! Jeder verlangt von seinem Nachbarn, dass er endlich was unternimmt! Es fehlt der Ruck! - Eigentlich hat die Staatsmacht bei dem letzten Demos ja auch gezeigt, wozu sie fähig wären, wenn ……….. ! 3. 6. 2006 und auch beim Gipfel in diesem Jahr!!
    Die Glatzköpfe, die lässt man ruhig marschieren. Da knüppelt keiner dazwischen. Aber bei der Unterschicht duldet man das nicht. - Es lässt tief blicken.

  10. otti meint:

    Sich und dem deutschen Volk bzw. dem gläubigen Zeitungsleser im Auftrag der Machthaber (i.e. der Wirtschaft und der Politik) ein Bild machen, das mehr ausblendet als es zeigt, war und ist schon immer die Aufgabe der Medien gewesen.

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