Kuhhandel

16. August 2007 05:45

Lieber Freund

Dass Parteien und Personen nach einem positiven Image lechzen ist ebenso hinreichend bekannt, wie die Tatsache dass dafür bevorzugt das Geld anderer Leute eingesetzt wird, „natürlich“ ohne ein wie auch immer geartetes „Entgegenkommen“ der direkt oder indirekt Gesponserten, die davon auch „überhaupt“ nichts wissen (wollen).
Natürlich geschieht dieses „Durchsubventionieren“ ausschließlich im Interesse der Sache auf rein freiwilliger Basis und ohne jegliche Verpflichtung beiderseits

Erstaunlich an diesem System zur Schaffung eines „positiven“ Geschäftsklimas auf Gegenseitigkeit , ist eigentlich nur die Heuchelei, wenn die Beteiligten von dritter Seite darauf angesprochen werden. Das ist in der Wirtschaft so, das ist in der Politik so und das ist auch in der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik so. In der Sache bleibt es immer gleich, auch wenn Substantiv, Objekt und Subjekte wechseln. Mal läuft es unter dem Titel „Subvention“, mal ist es „Sponsoring“, mal eine „Schenkung“, mal eine „Spende“ oder gar eine „Zuwendung“ aus reiner „Philantropie“.
Aber nie, gar nie ist es Korruption, Bestechlichkeit, Vorteilsannahme, Kuhhandel oder gar Hurenlohn.
Denn schließlich haben wir es in unserem Lande ja mit gestandenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Institutionen zu tun, die fest auf der Basis unseres freiheitlich-demokratischen Landes stehen.

Und wenn es doch mal passieren sollte, dann ist es - vor allem wenn die Öffentlichkeit davon erfährt- ein Versehen, ein Planungsfehler, ein Missverständnis bei dem ein ausführendes, untergeordnetes Organ irgend etwas falsch gemacht hat. Würde man dieses weitverbreitete „Versagen“ eines untergeordneten Organs aus Politik und Wirtschaft auf den menschlichen Organismus übertragen, dann würden hier mehr als 80 Millionen Menschen mit vollgekackten Hosen durch die Gegend laufen und steif und fest behaupten sie hätten davon nichts bemerkt, gewusst oder auch nur im geringsten geahnt - selbst wenn die Sache zum Himmel stinkt.

Keine Ahnung“ hat jetzt auch der Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, dessen „Dialogtour“ durchs schrwarz-rot-senffarbige Ländle zur Ausforschung der Problem des Mittelstandes wohl erst durch das Versprechen großformatiger Werbeanzeigen in den Lokalblättern das gewünschte Medieninteresse gefunden hat.

Der Chefredakteur oder ein anderer wichtiger Mitarbeiter sollte eine Veranstaltung moderieren, dazu sollte über den Redaktionsbesuch mindestens eines Staatssekretärs berichtet und außerdem eine redaktionell begleitete Telefonaktion gestartet werden - der materielle Lohn für dieses publizistische Bemühen: Anzeigen im Wert von rund 30.000 bis 40.000 Euro.“, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger und vom Wirtschaftsglos war dazu zu hören: „Von mir ist ein solches Vorgehen nicht gedeckt. Ich lasse den Vorgang prüfen.

Wir brauchen jetzt natürlich nicht darauf zu warten, dass dabei etwas herauskommt, sind wir es doch zwischenzeitlich gewohnt, dass selbst die „Nachforschungen“ von Untersuchungsausschüssen früher oder später im Sande verlaufen, sobald man es geschafft hat, maßgeblichen Einfluss auf die personelle Besetzung zu nehmen. Selbst jahrelange Gerichtsprozesse enden mit „Freisprüchen“ und „Vergleichen“ oder werden gar wegen „Geringfügigkeit“ und „fehlendem öffentlichen Interesse“ eingestellt.

Aber kommen Sie jetzt nicht auf den Gedanken die Bundesrepublik Deutschland wäre eine Bananenrepublik und äußern das auch noch -unter namentlicher Nennung aller Beteiligten- in aller Öffentlichkeit, denn auch der Meinungsfreiheit und der Verhetzung unseres Volkes sind in diesem Lande juristische Grenzen gesetzt.

Deshalb und weil eine Krähe der anderen kein Auge aushackt und sich selbst kein Bein ausreißt, sind die Reaktionen auf derartige „Enthüllungen“ meist (außer es stehen Wahlen an) sehr dünn.
Dünn“ nennt dann auch die FDP-Politikerin Ulrike Flach die Reaktion des Wirtschaftsministers Glos und äußerte sich wie folgt: „Mich beschleicht der Verdacht, da ist versucht worden, politische Berichterstattung zu kaufen“.
Ich persönlich bin jetzt richtig froh, dass die Bundestagsabgeordnete Flach das in dieser Deutlichkeit so flach ausgesprochen hat, denn ganz ehrlich, von alleine wäre ich da nicht drauf gekommen.

Gespannt bin ich allerdings auf den nächsten Sponsoringbericht (PDF) des Bundesinnenministeriums, in dem akribisch exakt aufgelistet ist, wer das Jahr über wem was zugewendet hat und wenn es auch nur eine Anhängerkupplung für den örtlichen Feuerwehrverein von Kleinkleckersdorf gewesen ist.

Wetten, dass von der „Dialogtour“ des Wirtschaftsministers nichts zu lesen sein wird, denn der Minister hat ja gar nicht gewusst, dass seine „Tor Tour“ von den Medien gegen Entgelt mit „öffentlichem Interesse“ gesponsert wurde.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. August 2007 um 05:45:01 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

4 Antworten zu “Kuhhandel”

  1. herbert meint:

    Ich glaube Politikern selten etwas, aber Glos glaube ich, dass er nichts gewusst hat, denn der 2.Wahl Minister weiss auch sonst nichts

  2. JFK meint:

    Schöner Bericht! Einfach Glosartig. Und erst der Sponsoringbericht…..so klar definiert. Das ist wie das Berichtswesen von Auslandseinsätzen beim BND. Daher geht mein Gruß heute an Dr. Herbert Ungeheuer. Und im übrigen ist der Name eines Politkikers im Ernstfall immer…….Hase. Mein Beileid geht heute an die Familie des gestern in Afghanistan ermordeten Sicherheitsbeauftragten von Frau Merckel. Stellt sich nur die Frage wie immer……was haben wir dort suchen??

  3. Machopan meint:

    Natürlich weiß der “Ersatzstoiber” im konkreten Fall mal wieder nix, das ist man bei ihm schon gewöhnt. Aber dass auf diese Art und Weise PR für Politiker und Parteien gemacht wird, das hat er schon gewußt. Aus diesem Grund sind auch die Kommentare der anderen Politiker so flach. Dumm an der Sache war ja nur, dass der Kölner Stadtanzeiger damit an die Öffentlichkeit gegangen ist, denn die anderen Medien haben den Deal wohl stillschweigend akzeptiert.

    Zum Sponsoringbericht ist anzumerken, dass das Gesundheitsministerium für die AIDS-Kampagne fast 48 Mio. erhalten und der größte Teil dabei von Werbefirmen und deren Verbänden stammt ;-)

    Und das Familienministerium hat fast gar nix bekommen.
    Offensichtlich ist die Familie weder ein guter Werbeträger, noch eine interessante Zielgruppe.

  4. otti meint:

    Wenn der Volksvertreter sagt, da is’ nix, dann is’ da nix, auch wenn sich das Volk auf den Kopf stellt und kein Wort glaubt.

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Kuhhandel

16. August 2007 05:45

Lieber Freund

Dass Parteien und Personen nach einem positiven Image lechzen ist ebenso hinreichend bekannt, wie die Tatsache dass dafür bevorzugt das Geld anderer Leute eingesetzt wird, „natürlich“ ohne ein wie auch immer geartetes „Entgegenkommen“ der direkt oder indirekt Gesponserten, die davon auch „überhaupt“ nichts wissen (wollen).
Natürlich geschieht dieses „Durchsubventionieren“ ausschließlich im Interesse der Sache auf rein freiwilliger Basis und ohne jegliche Verpflichtung beiderseits

Erstaunlich an diesem System zur Schaffung eines „positiven“ Geschäftsklimas auf Gegenseitigkeit , ist eigentlich nur die Heuchelei, wenn die Beteiligten von dritter Seite darauf angesprochen werden. Das ist in der Wirtschaft so, das ist in der Politik so und das ist auch in der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik so. In der Sache bleibt es immer gleich, auch wenn Substantiv, Objekt und Subjekte wechseln. Mal läuft es unter dem Titel „Subvention“, mal ist es „Sponsoring“, mal eine „Schenkung“, mal eine „Spende“ oder gar eine „Zuwendung“ aus reiner „Philantropie“.
Aber nie, gar nie ist es Korruption, Bestechlichkeit, Vorteilsannahme, Kuhhandel oder gar Hurenlohn.
Denn schließlich haben wir es in unserem Lande ja mit gestandenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Institutionen zu tun, die fest auf der Basis unseres freiheitlich-demokratischen Landes stehen.

Und wenn es doch mal passieren sollte, dann ist es - vor allem wenn die Öffentlichkeit davon erfährt- ein Versehen, ein Planungsfehler, ein Missverständnis bei dem ein ausführendes, untergeordnetes Organ irgend etwas falsch gemacht hat. Würde man dieses weitverbreitete „Versagen“ eines untergeordneten Organs aus Politik und Wirtschaft auf den menschlichen Organismus übertragen, dann würden hier mehr als 80 Millionen Menschen mit vollgekackten Hosen durch die Gegend laufen und steif und fest behaupten sie hätten davon nichts bemerkt, gewusst oder auch nur im geringsten geahnt - selbst wenn die Sache zum Himmel stinkt.

Keine Ahnung“ hat jetzt auch der Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, dessen „Dialogtour“ durchs schrwarz-rot-senffarbige Ländle zur Ausforschung der Problem des Mittelstandes wohl erst durch das Versprechen großformatiger Werbeanzeigen in den Lokalblättern das gewünschte Medieninteresse gefunden hat.

Der Chefredakteur oder ein anderer wichtiger Mitarbeiter sollte eine Veranstaltung moderieren, dazu sollte über den Redaktionsbesuch mindestens eines Staatssekretärs berichtet und außerdem eine redaktionell begleitete Telefonaktion gestartet werden - der materielle Lohn für dieses publizistische Bemühen: Anzeigen im Wert von rund 30.000 bis 40.000 Euro.“, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger und vom Wirtschaftsglos war dazu zu hören: „Von mir ist ein solches Vorgehen nicht gedeckt. Ich lasse den Vorgang prüfen.

Wir brauchen jetzt natürlich nicht darauf zu warten, dass dabei etwas herauskommt, sind wir es doch zwischenzeitlich gewohnt, dass selbst die „Nachforschungen“ von Untersuchungsausschüssen früher oder später im Sande verlaufen, sobald man es geschafft hat, maßgeblichen Einfluss auf die personelle Besetzung zu nehmen. Selbst jahrelange Gerichtsprozesse enden mit „Freisprüchen“ und „Vergleichen“ oder werden gar wegen „Geringfügigkeit“ und „fehlendem öffentlichen Interesse“ eingestellt.

Aber kommen Sie jetzt nicht auf den Gedanken die Bundesrepublik Deutschland wäre eine Bananenrepublik und äußern das auch noch -unter namentlicher Nennung aller Beteiligten- in aller Öffentlichkeit, denn auch der Meinungsfreiheit und der Verhetzung unseres Volkes sind in diesem Lande juristische Grenzen gesetzt.

Deshalb und weil eine Krähe der anderen kein Auge aushackt und sich selbst kein Bein ausreißt, sind die Reaktionen auf derartige „Enthüllungen“ meist (außer es stehen Wahlen an) sehr dünn.
Dünn“ nennt dann auch die FDP-Politikerin Ulrike Flach die Reaktion des Wirtschaftsministers Glos und äußerte sich wie folgt: „Mich beschleicht der Verdacht, da ist versucht worden, politische Berichterstattung zu kaufen“.
Ich persönlich bin jetzt richtig froh, dass die Bundestagsabgeordnete Flach das in dieser Deutlichkeit so flach ausgesprochen hat, denn ganz ehrlich, von alleine wäre ich da nicht drauf gekommen.

Gespannt bin ich allerdings auf den nächsten Sponsoringbericht (PDF) des Bundesinnenministeriums, in dem akribisch exakt aufgelistet ist, wer das Jahr über wem was zugewendet hat und wenn es auch nur eine Anhängerkupplung für den örtlichen Feuerwehrverein von Kleinkleckersdorf gewesen ist.

Wetten, dass von der „Dialogtour“ des Wirtschaftsministers nichts zu lesen sein wird, denn der Minister hat ja gar nicht gewusst, dass seine „Tor Tour“ von den Medien gegen Entgelt mit „öffentlichem Interesse“ gesponsert wurde.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 16. August 2007 um 05:45:01 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

4 Antworten zu “Kuhhandel”

  1. herbert meint:

    Ich glaube Politikern selten etwas, aber Glos glaube ich, dass er nichts gewusst hat, denn der 2.Wahl Minister weiss auch sonst nichts

  2. JFK meint:

    Schöner Bericht! Einfach Glosartig. Und erst der Sponsoringbericht…..so klar definiert. Das ist wie das Berichtswesen von Auslandseinsätzen beim BND. Daher geht mein Gruß heute an Dr. Herbert Ungeheuer. Und im übrigen ist der Name eines Politkikers im Ernstfall immer…….Hase. Mein Beileid geht heute an die Familie des gestern in Afghanistan ermordeten Sicherheitsbeauftragten von Frau Merckel. Stellt sich nur die Frage wie immer……was haben wir dort suchen??

  3. Machopan meint:

    Natürlich weiß der “Ersatzstoiber” im konkreten Fall mal wieder nix, das ist man bei ihm schon gewöhnt. Aber dass auf diese Art und Weise PR für Politiker und Parteien gemacht wird, das hat er schon gewußt. Aus diesem Grund sind auch die Kommentare der anderen Politiker so flach. Dumm an der Sache war ja nur, dass der Kölner Stadtanzeiger damit an die Öffentlichkeit gegangen ist, denn die anderen Medien haben den Deal wohl stillschweigend akzeptiert.

    Zum Sponsoringbericht ist anzumerken, dass das Gesundheitsministerium für die AIDS-Kampagne fast 48 Mio. erhalten und der größte Teil dabei von Werbefirmen und deren Verbänden stammt ;-)

    Und das Familienministerium hat fast gar nix bekommen.
    Offensichtlich ist die Familie weder ein guter Werbeträger, noch eine interessante Zielgruppe.

  4. otti meint:

    Wenn der Volksvertreter sagt, da is’ nix, dann is’ da nix, auch wenn sich das Volk auf den Kopf stellt und kein Wort glaubt.

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