Hartz IV Plus

17. August 2007 05:45

Lieber Freund

Die Wahl naht und es ist an der Zeit, dass die Parteien wieder mal an ihren Sozialprofilen arbeiten. Was wäre dazu besser geeignet, als „Verbesserungsvorschläge“ für der Reformer liebstes Kind, für Hartz IV.
Dazu wurde schon viel gesagt und viel geschrieben, meist von Leuten, die nicht die blasseste Ahnung davon haben wie es sich damit lebt, wenn man das mal so nennen darf.

Aber wie wir fast täglich aus den Medien und den „an Eides statt“ abgegebenen Erklärungen unserer Politiker erfahren, sind die über Hartz IV / ALG II finanzierten Bedarfsgemeinschaften an ihrer prekären Lage ja überwiegend selbst schuld. Eigentlich handelt es sich auch nicht „Bedarfgemeinschaften“ sondern in den meisten Fällen um „Mangelgemeinschaften“ in denen sich Menschen zusammenrotten, denen es nicht nur an Eigeninitiative, Bildung, Ausbildung und Strebsamkeit mangelt, sondern in der Regel auch noch an „bezahlter“ Arbeit.
Um den laufenden Bedarf dieser Mangelgemeinschaften zu befriedigen, haben die Reformer unseres Staatswesens, selbstverständlich unter Berücksichtigung des Artikel 20 Abs. 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, den Regelsatz erfunden, der nach §1 Satz 1 SGB XII den „Leistungsberechtigten die Führung eines Lebens ermöglicht, das der Würde des Menschen entspricht“.

Nun wissen wir durch die jahrelangen Erklärungen und Diskussionen unserer Politiker und aus den wissenschaftlichen Gutachten und Stellungnahmen der Wirtschafts- und Sozialexperten, spätestens aber seit der, im Rahmen der Einführung von ALG II durchgeführten Neuberechnung der Grundsicherung, dass dieses „würdevolle soziokulturelle Existenzminimum“ in Höhe von neuerdings 347,– Euro monatlich nicht in realem Bezug zur übrigen Gesellschaft stehen muss und außerdem weitgehendst „teuerungsresistent“ ist.

Nachdem die Umfragewerte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) immer weiter sinken und sich dem wahren Wert der Partei bei Plus-Minus-Null nähern, will Bundesarbeitsminister Franz Müntefering nun prüfen lassen, welche Folgen sich ergeben, wenn die Anpassung des Regelsatzes über die Inflationsrate oder den Verbraucherpreisindex erfolgt.
Müntefering knüpfte eine mögliche Erhöhung jedoch an die Voraussetzung, „dass dadurch die Belastung für den Bund geringer wird: “Die Sozialtransfers des Bundes müssen sinken und dürfen nicht steigen; dazu ist ein genereller Mindestlohn erforderlich”. Nur wenn dies berücksichtigt werde „könne die Koalition ein sozial plausibles und volkswirtschaftlich sinnvolles Paket schnüren.

Mit Rücksicht auf meine gute Erziehung und die etwas angegriffene Gesundheit möchte ich diesen Schwachsinn unkommentiert lassen, sehe aber einer persönlichen Begegnung mit dem Herrn Arbeitsminister mit schlagenden Argumenten entgegen.

Machopan
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Dieser Beitrag wurde geschrieben am 17. August 2007 um 05:45:10 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik, Soziales | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

4 Antworten zu “Hartz IV Plus”

  1. xy12 meint:

    Vor der Wahl gibt es “Verbesserungsvorschläge”. Nach der Wahl “Sachzwänge”*1 - und alles wird schlimmer…

    *1 Die Sachzwänge resultieren mehrheitlich daraus, dass man möglichst schnell sein neues, von der Allgemeinheit vergütetes Amt antreten will. Da sind die Ideen der Vergangenheit nur störend - und letztlich haben sie ja ihre Schuldigkeit getan: man wurde gewählt. In diesem Sinn werden wir vor den nächsten Wahlen einen ganzen Schwall von Verbesserungen und sozialen Wohltaten über uns ergehen lassen müssen - zumindest verbal. Frei nach “ein Schelm, der Böses denkt”: ein wirklich Blöder, der am Wahltag wieder darauf reinfällt…

  2. mitdenker meint:

    Die Sachzwänge resultieren doch eher daraus, dass man im Interesse von “Interessenvertretern” = Lobbyisten möglichst schnell ein Amt antreten muss, um genau deren Interessen vertreten zu können. Und was die “Blöden” betrifft, so werde ich es immer wieder verkünden: Jeder Nichtwähler (s. http://www.bpb.de/wissen/RVVZN8,0,0,Wahlbeteiligung.html) stärkt jeden Wähler doppelt. Man kann seine “Zufriedenheit” mit der bisherigen Politik doch wesentlich besser ausdrücken. 2005 Sind 25 Parteien zur Bundestagswahl angetreten. Bei einer guten Gleichverteilung ergäbe das 4% für jede dieser Parteien. Das wäre doch mal ein gutes Ergebnis in Anbetracht der 5%-Klausel….Und die Wahlbeteiligung könnte dann wirklich 100% betragen.

  3. otti meint:

    Den Soz(ialismus)in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf, sprach Honecker’s Erich und verschwand ohne schlagende Argumente in der Versenkung.
    @ mitdenker:
    Guter Vorschlag! Die Veranstaltung Demokratie als das darstellen, was sie ist: die große Verarsche.

  4. hab ich vergessen meint:

    Wenn ich so was lese “nicht nur an Eigeninitiative, Bildung, Ausbildung und Strebsamkeit mangelt, ” stelle ich mir immer vor ,alle 82 Millionen BuBü wären so strebsam wie die Politiker ,die MaNager,alle 82 Mio hätten studiert,hätten sich 2 Beine ausgerissen und wären heute Alle Prof.Prof, Dr.Dr.Dr.was weiss ich,wer setzt dann die Kartoffel,wer baut die Ministerien,wer baut die Villen der Klugscheiser ?Ach so es gibt genügend Inder,ob die dann hier die Knochenarbeit machen wollen.

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Hartz IV Plus

17. August 2007 05:45

Lieber Freund

Die Wahl naht und es ist an der Zeit, dass die Parteien wieder mal an ihren Sozialprofilen arbeiten. Was wäre dazu besser geeignet, als „Verbesserungsvorschläge“ für der Reformer liebstes Kind, für Hartz IV.
Dazu wurde schon viel gesagt und viel geschrieben, meist von Leuten, die nicht die blasseste Ahnung davon haben wie es sich damit lebt, wenn man das mal so nennen darf.

Aber wie wir fast täglich aus den Medien und den „an Eides statt“ abgegebenen Erklärungen unserer Politiker erfahren, sind die über Hartz IV / ALG II finanzierten Bedarfsgemeinschaften an ihrer prekären Lage ja überwiegend selbst schuld. Eigentlich handelt es sich auch nicht „Bedarfgemeinschaften“ sondern in den meisten Fällen um „Mangelgemeinschaften“ in denen sich Menschen zusammenrotten, denen es nicht nur an Eigeninitiative, Bildung, Ausbildung und Strebsamkeit mangelt, sondern in der Regel auch noch an „bezahlter“ Arbeit.
Um den laufenden Bedarf dieser Mangelgemeinschaften zu befriedigen, haben die Reformer unseres Staatswesens, selbstverständlich unter Berücksichtigung des Artikel 20 Abs. 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, den Regelsatz erfunden, der nach §1 Satz 1 SGB XII den „Leistungsberechtigten die Führung eines Lebens ermöglicht, das der Würde des Menschen entspricht“.

Nun wissen wir durch die jahrelangen Erklärungen und Diskussionen unserer Politiker und aus den wissenschaftlichen Gutachten und Stellungnahmen der Wirtschafts- und Sozialexperten, spätestens aber seit der, im Rahmen der Einführung von ALG II durchgeführten Neuberechnung der Grundsicherung, dass dieses „würdevolle soziokulturelle Existenzminimum“ in Höhe von neuerdings 347,– Euro monatlich nicht in realem Bezug zur übrigen Gesellschaft stehen muss und außerdem weitgehendst „teuerungsresistent“ ist.

Nachdem die Umfragewerte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) immer weiter sinken und sich dem wahren Wert der Partei bei Plus-Minus-Null nähern, will Bundesarbeitsminister Franz Müntefering nun prüfen lassen, welche Folgen sich ergeben, wenn die Anpassung des Regelsatzes über die Inflationsrate oder den Verbraucherpreisindex erfolgt.
Müntefering knüpfte eine mögliche Erhöhung jedoch an die Voraussetzung, „dass dadurch die Belastung für den Bund geringer wird: “Die Sozialtransfers des Bundes müssen sinken und dürfen nicht steigen; dazu ist ein genereller Mindestlohn erforderlich”. Nur wenn dies berücksichtigt werde „könne die Koalition ein sozial plausibles und volkswirtschaftlich sinnvolles Paket schnüren.

Mit Rücksicht auf meine gute Erziehung und die etwas angegriffene Gesundheit möchte ich diesen Schwachsinn unkommentiert lassen, sehe aber einer persönlichen Begegnung mit dem Herrn Arbeitsminister mit schlagenden Argumenten entgegen.

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  1. xy12 meint:

    Vor der Wahl gibt es “Verbesserungsvorschläge”. Nach der Wahl “Sachzwänge”*1 - und alles wird schlimmer…

    *1 Die Sachzwänge resultieren mehrheitlich daraus, dass man möglichst schnell sein neues, von der Allgemeinheit vergütetes Amt antreten will. Da sind die Ideen der Vergangenheit nur störend - und letztlich haben sie ja ihre Schuldigkeit getan: man wurde gewählt. In diesem Sinn werden wir vor den nächsten Wahlen einen ganzen Schwall von Verbesserungen und sozialen Wohltaten über uns ergehen lassen müssen - zumindest verbal. Frei nach “ein Schelm, der Böses denkt”: ein wirklich Blöder, der am Wahltag wieder darauf reinfällt…

  2. mitdenker meint:

    Die Sachzwänge resultieren doch eher daraus, dass man im Interesse von “Interessenvertretern” = Lobbyisten möglichst schnell ein Amt antreten muss, um genau deren Interessen vertreten zu können. Und was die “Blöden” betrifft, so werde ich es immer wieder verkünden: Jeder Nichtwähler (s. http://www.bpb.de/wissen/RVVZN8,0,0,Wahlbeteiligung.html) stärkt jeden Wähler doppelt. Man kann seine “Zufriedenheit” mit der bisherigen Politik doch wesentlich besser ausdrücken. 2005 Sind 25 Parteien zur Bundestagswahl angetreten. Bei einer guten Gleichverteilung ergäbe das 4% für jede dieser Parteien. Das wäre doch mal ein gutes Ergebnis in Anbetracht der 5%-Klausel….Und die Wahlbeteiligung könnte dann wirklich 100% betragen.

  3. otti meint:

    Den Soz(ialismus)in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf, sprach Honecker’s Erich und verschwand ohne schlagende Argumente in der Versenkung.
    @ mitdenker:
    Guter Vorschlag! Die Veranstaltung Demokratie als das darstellen, was sie ist: die große Verarsche.

  4. hab ich vergessen meint:

    Wenn ich so was lese “nicht nur an Eigeninitiative, Bildung, Ausbildung und Strebsamkeit mangelt, ” stelle ich mir immer vor ,alle 82 Millionen BuBü wären so strebsam wie die Politiker ,die MaNager,alle 82 Mio hätten studiert,hätten sich 2 Beine ausgerissen und wären heute Alle Prof.Prof, Dr.Dr.Dr.was weiss ich,wer setzt dann die Kartoffel,wer baut die Ministerien,wer baut die Villen der Klugscheiser ?Ach so es gibt genügend Inder,ob die dann hier die Knochenarbeit machen wollen.

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