1-Euro-Jobs

30. August 2004 05:45

Über neue Berufe und Beschäftigungsmöglichkeiten haben sich schon viele das Hirn zermartert. Auch ich habe mich schon vor einiger Zeit damit beschäftigt.

Doch was ich jetzt aus den Medien (Berliner Zeitung) erfahre, übersteigt selbst meine ironisch gemeinten Berufsbilder.

Aber lesen Sie doch selbst:
«Zurzeit laufen Gespräche zwischen Arbeitsagenturen, Bezirken, Wohlfahrtsverbänden, Beschäftigungsträgern und Wohnungsgesellschaften, um Einsatzmöglichkeiten für die Empfänger des Arbeitslosengeldes 2 zu planen. Es wird unter anderem daran gedacht, arbeitslose Banker bei der Schuldenberatung eines Wohlfahrtsverbandes einzusetzen. Die Grünen schlagen vor, 12 000 Erwerbslose aus der Nahrungsmittelbranche in Kitas und Schulen bei der Essensversorgung einzusetzen. 30 000 Menschen aus der Baubranche könnten, so die Grünen, den “Masterplan Fahrrad” entwickeln. Weitere Idee: 2 500 Lehrer könnten als Dolmetscher für Ausländer arbeiten und 15 000 Menschen könnten in sozial schwachen Bezirken Quartiersmanager werden.»>

Also den Beruf des Blockwarts gab es schon unter Adolf dem Bärtigen. Dazu musste man nur das richtige hakengekreuzelte braune Parteibuch haben und die Bereitschaft als inoffizieller Mitarbeiter der Partei seine Mitbewohner zu bespitzeln und zu verpfeifen. Auch die Franzosen kennen diesen Beruf schon lange. Die Concierge hatte meist eine kleine Wohnung im Eingangsbereich eines Mietshauses und die Ereignisse und das Kommen und Gehen im Haus bestens im Griff.

Die Verwendung der arbeitslosen Banker in der Schuldenberatung ist mir neu und würde, so sehe ich es, den Bock eigentlich zum Gärtner machen. Zuerst bieten die Mitarbeiter der Bank dem (minderjährigen) Kunden ein Girokonto mit großzügigem Dispokredit und Kreditkarte an. Dann benützt der Kunde die vom Bankhaus angebotenen Möglichkeiten und verliert dabei den Überblick und dann auch noch den Job, was die Bank dazu veranlasst ihm die Freundschaft und die Kredite zu kündigen. Bei sinkenden kreditwürdigen Kundenzahlen kann dies natürlich nicht ohne Auswirkungen auf den Personalbestand der Bank bleiben, also Personalabbau bei der Bank. Und jetzt sollen die Banker, die den Kunden durch großzügige Kreditangebote angelockt und dann das Cash-Management weitgehendst dummen Automaten überlassen haben, dem in der Schuldenfalle sitzenden Kunden helfen aus dieser Situation wieder herauszukommen? Seltsames System!

Die Idee mit den Ernährungsberatern für Kindertagesstätten und Schulen ist auch nicht schlecht. Ich stell mir das so vor wie die Avon-Berater mit ihren Musterköfferchen oder die Veranstalter von Tupper-Partys. Nur dass diese Berater jetzt von Hipp oder Alete kommen. Oder hab ich das wieder falsch verstanden und die 1-Euro-Spezialisten aus Nahrungsmittelbranche sollen nur das Geschirr spülen und Essen ausgeben. Aber dafür sind die doch bestimmt überqualifiziert.

Gesucht werden auch 30.000 Radfahrer aus der Baubranche für den “Masterplan Fahrrad”. Ich habe mir erst im Internet die Infos dazu ergooglen müssen. Also “Masterplan Fahrrad” ist ne olle Kamelle der Grünen aus dem Jahr 2001, unterstützt von dem Grünen-Abgeordneten Winfried Hermann und seinem Parteihäkelkollegen Rezzo Schlauch. Also jetzt soll das Projekt endlich umgesetzt werden, damit auch auf Deutschlands Radwegen die Möglichkeit besteht “Fahrrad-Bonusmeilen” zu sammeln und mit der “Fahrrad-Card” zum Einkaufen zu radeln.

Mindestens 2000 Stellen könnten auch geschaffen werden, wenn man sich endlich mit der Opposition darauf einigen könnte, dass Falschfahrer und Verkehrsrowdys auf den Autobahnen zum Abschuss freigeben werden. Dazu könnten die tollen Mautstellen als Hochsitz für die Scharfschützen Verwendung finden.

Und mit dem Verkauf von Eiern und Tomaten bei den Montagsdemos ließen sich sicher auch noch einige Langzeitarbeitslose in Lohn und Brot bringen.

Wenn man dann noch die 600.000 1-Euro-Jobs vom Herrn Clement dazu nehmen, ist die Sache doch schon fast geritzt.

Copyright (c) Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 30. August 2004 um 05:45:24 und abgelegt unter Rauchzeichen, Soziales | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

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30. August 2004 05:45

Über neue Berufe und Beschäftigungsmöglichkeiten haben sich schon viele das Hirn zermartert. Auch ich habe mich schon vor einiger Zeit damit beschäftigt.

Doch was ich jetzt aus den Medien (Berliner Zeitung) erfahre, übersteigt selbst meine ironisch gemeinten Berufsbilder.

Aber lesen Sie doch selbst:
«Zurzeit laufen Gespräche zwischen Arbeitsagenturen, Bezirken, Wohlfahrtsverbänden, Beschäftigungsträgern und Wohnungsgesellschaften, um Einsatzmöglichkeiten für die Empfänger des Arbeitslosengeldes 2 zu planen. Es wird unter anderem daran gedacht, arbeitslose Banker bei der Schuldenberatung eines Wohlfahrtsverbandes einzusetzen. Die Grünen schlagen vor, 12 000 Erwerbslose aus der Nahrungsmittelbranche in Kitas und Schulen bei der Essensversorgung einzusetzen. 30 000 Menschen aus der Baubranche könnten, so die Grünen, den “Masterplan Fahrrad” entwickeln. Weitere Idee: 2 500 Lehrer könnten als Dolmetscher für Ausländer arbeiten und 15 000 Menschen könnten in sozial schwachen Bezirken Quartiersmanager werden.»>

Also den Beruf des Blockwarts gab es schon unter Adolf dem Bärtigen. Dazu musste man nur das richtige hakengekreuzelte braune Parteibuch haben und die Bereitschaft als inoffizieller Mitarbeiter der Partei seine Mitbewohner zu bespitzeln und zu verpfeifen. Auch die Franzosen kennen diesen Beruf schon lange. Die Concierge hatte meist eine kleine Wohnung im Eingangsbereich eines Mietshauses und die Ereignisse und das Kommen und Gehen im Haus bestens im Griff.

Die Verwendung der arbeitslosen Banker in der Schuldenberatung ist mir neu und würde, so sehe ich es, den Bock eigentlich zum Gärtner machen. Zuerst bieten die Mitarbeiter der Bank dem (minderjährigen) Kunden ein Girokonto mit großzügigem Dispokredit und Kreditkarte an. Dann benützt der Kunde die vom Bankhaus angebotenen Möglichkeiten und verliert dabei den Überblick und dann auch noch den Job, was die Bank dazu veranlasst ihm die Freundschaft und die Kredite zu kündigen. Bei sinkenden kreditwürdigen Kundenzahlen kann dies natürlich nicht ohne Auswirkungen auf den Personalbestand der Bank bleiben, also Personalabbau bei der Bank. Und jetzt sollen die Banker, die den Kunden durch großzügige Kreditangebote angelockt und dann das Cash-Management weitgehendst dummen Automaten überlassen haben, dem in der Schuldenfalle sitzenden Kunden helfen aus dieser Situation wieder herauszukommen? Seltsames System!

Die Idee mit den Ernährungsberatern für Kindertagesstätten und Schulen ist auch nicht schlecht. Ich stell mir das so vor wie die Avon-Berater mit ihren Musterköfferchen oder die Veranstalter von Tupper-Partys. Nur dass diese Berater jetzt von Hipp oder Alete kommen. Oder hab ich das wieder falsch verstanden und die 1-Euro-Spezialisten aus Nahrungsmittelbranche sollen nur das Geschirr spülen und Essen ausgeben. Aber dafür sind die doch bestimmt überqualifiziert.

Gesucht werden auch 30.000 Radfahrer aus der Baubranche für den “Masterplan Fahrrad”. Ich habe mir erst im Internet die Infos dazu ergooglen müssen. Also “Masterplan Fahrrad” ist ne olle Kamelle der Grünen aus dem Jahr 2001, unterstützt von dem Grünen-Abgeordneten Winfried Hermann und seinem Parteihäkelkollegen Rezzo Schlauch. Also jetzt soll das Projekt endlich umgesetzt werden, damit auch auf Deutschlands Radwegen die Möglichkeit besteht “Fahrrad-Bonusmeilen” zu sammeln und mit der “Fahrrad-Card” zum Einkaufen zu radeln.

Mindestens 2000 Stellen könnten auch geschaffen werden, wenn man sich endlich mit der Opposition darauf einigen könnte, dass Falschfahrer und Verkehrsrowdys auf den Autobahnen zum Abschuss freigeben werden. Dazu könnten die tollen Mautstellen als Hochsitz für die Scharfschützen Verwendung finden.

Und mit dem Verkauf von Eiern und Tomaten bei den Montagsdemos ließen sich sicher auch noch einige Langzeitarbeitslose in Lohn und Brot bringen.

Wenn man dann noch die 600.000 1-Euro-Jobs vom Herrn Clement dazu nehmen, ist die Sache doch schon fast geritzt.

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