Mitgliederschwund

24. August 2007 05:45

Lieber Freund

Die Parteien leiden unter dem Mitgliederschwund“ melden die Medien und berichteten von einem abgekarteten Plan zur „Gegenfinanzierung“ und Auffüllung der Parteikassen auf Kosten des Steuerzahlers. 20 Millionen höhere Staatszuschüsse wollten sich die Parteien genehmigen und künftig 153 Millionen dafür kassieren, dass sie ääähmm „an der politischen Willensbildung der Volkes mitwirken“.

Als der Plan ruchbar wurde, hat man ausgerechnet das Wiefelspützchen, den Innenexperten der SPD, vorgeschickt um das Problem zu erklären und all die Aufgeregten zu besänftigen. Doch wer das Wiefelspützchen jemals erlebt hat, wie er stundenlang über die Bedrohung der inneren Sicherheit durch böse Terroristen fabulieren kann, ohne auch nur das Geringste zur Sache zu sagen, der wusste sofort, dass da irgendetwas faul ist.
Die Sache wurde so rasch dementiert, dass man getrost annehmen darf, dass das ein Versuchsballon war, um die Reaktion der Öffentlichkeit schon mal anzutesten.

Doch vom Tisch ist die Angelegenheit damit noch lange nicht, den für die Parteien besteht akuter Handlungsbedarf für ihre Finanzierung neue Quellen zu erschließen, schmelzen doch die Mitgliederzahlen dahin wie die Gletscher in der globalen Erwärmung.

Mitgliederschwund

Und da auch die schwarzen Kassen und Bimbeskoffer mit den „Wendegewinnen“ unter chronischer Schwindsucht zu leiden beginnen, muss man sich bald was einfallen lassen.

Nur ein „Inflationsausgleich“, wie er im Parteienfinanzierungsgesetz vorgesehen ist wird alleine nicht reichen, auch wenn SPD-Chef Kurt Beck der Presse erklärte: «Wir werden die Prinzipien nicht verändern. Es geht nur um die Anpassung der Staatszuschüsse an die Inflation, die “ab und an notwendig ist“»

Da fragt man sich eigentlich nur, warum sich die Parteien beim „Inflationsausgleich“ für Hartz IV dann so unsäglich schwer tut.
Vielleicht nur, weil es nicht der eigene Geldbeutel ist?

Machopan
(c) Copyright Machopan - Alle Rechte vorbehalten

Dieser Beitrag wurde geschrieben am 24. August 2007 um 05:45:42 und abgelegt unter Rauchzeichen, Politik | Add to mister Wong. Die Kommentare mit diesem RSS 2.0 Feed verfolgen. Zum Ende springen und Kommentar hinterlassen. Trackbacks sind geschlossen.

3 Antworten zu “Mitgliederschwund”

  1. mitdenker meint:

    Irgendwie sind Parteipolitiker, so scheint es nicht nur sondern wird aktiv erlebt, grottenschlechte Ökonomen.
    Wen wundert der rasante Schwund der Mitglieder, wenn durch die eigene Politik am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist. Ganz deutlich macht dies die Tabelle der Sozialelendspartei. Das Wunder, wie jemand ohne Einnahmen etwas abgeben soll, ist mir als Atheist vollkommen unklar. Aber das Prinzip scheinen sie ja auf die Gesamtbevölkerung minus natürlich der Leistungsträger rigoros übertragen zu wollen. (Ja, liebe Mitbürger. Null minus 2,50 ist gleich minus 2,50. Das funktioniert aber nur bei Banken und auf dem Papier – niemals in der Realität. Oder hat schon einmal jemand negatives Brot, Butter, Wurst, Äpfel oder gar einen Geldschein mit einem negativen Betrag gesehen?).
    Prima ist auch der deutliche Unterschied der so genannten Volksparteien bei der für die meisten Menschen nicht ganz unerheblichen Unterscheidung zwischen Brutto und Netto.

    Beitragstabelle der SPD
    Bei einem monatlichen Nettoeinkommen sind die monatlichen Mitgliedsbeiträge in €
    bis 1.000 € 5 € bis 8 €
    1.000 € bis 1.500 € 8 € bis 25 €
    1.500 € bis 2.000 € 25 € bis 55 €
    2.000 € bis 3.000 € 55 € bis 135 €
    3.000 € bis 4.100 € 135 € bis 245 €
    Über 4.100 € 245 € und mehr
    Jedes Mitglied stuft sich im Rahmen der zutreffenden Gruppe selbst ein. Der jeweils erstgenannte Beitragswert stellt den erwarteten Mindestbeitrag dar.
    Für Mitglieder ohne Einnahmen oder mit geringfügigem Einkommen beträgt der monatliche Beitrag 2,50 €.

    Beitragstabelle der CDU
    monatliche Brutto-Einnahmen (in Euro) monatlicher Beitrag (in Euro)
    bis 1.000,00 5,00
    bis 1.500,00 5,00 bis 10,00
    bis 2.000,00 10,00 bis 15,00
    bis 2.500,00 15,00 bis 20,00
    bis 3.500,00 20,00 bis 35,00
    bis 5.000,00 35,00 bis 50,00
    über 5.000,00 50,00 und mehr

    Der Clou ist jedoch, dass Parteibeiträge als Sonderausgaben in der Steuererklärung zu 50% angegeben werden können. Auf Deutsch: Die Parteien schmälern nicht nur die Steuereinnahmen des Staates sondern wollen jeden Bürger auch noch einmal in die Tasche fassen. Perfider geht es ja wohl wirklich nicht mehr.
    Ach ja, und während man die Parteienfinanzierung so stärken will – für ALLE Parteien – werden aus dem gleichen Steuersäckel dann Mittel zur Bekämpfung einiger Parteien genommen (siehe oder höre Mügeln).

  2. otti meint:

    Ist das Übel unserer Zeit nicht eher der Gedächtnisschwund der Parteien und der sie tragenden Funktionäre, als der sicherlich bedauerliche, aber größtenteils selbst verursachte Mitgliederschwund?
    Muss nicht gar von einer Gedächtnisstörung ausgegangen werden, wenn ein ziemlich unbekannter Parteivorsitzender einerseits ‘Anstand’ vom Bürger einfordert, aber sich offenbar nicht daran stört, dass HartzIV-Jugendliche nicht genug zu essen haben?
    Deutsche Politik: Politik mit Bart!
    Waschen und schneiden.
    Der Bart muss ab.

  3. bigbang meint:

    @otti Der Bart muss ab

    Neenee, die “Rübe muss runter”!

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Mitgliederschwund

24. August 2007 05:45

Lieber Freund

Die Parteien leiden unter dem Mitgliederschwund“ melden die Medien und berichteten von einem abgekarteten Plan zur „Gegenfinanzierung“ und Auffüllung der Parteikassen auf Kosten des Steuerzahlers. 20 Millionen höhere Staatszuschüsse wollten sich die Parteien genehmigen und künftig 153 Millionen dafür kassieren, dass sie ääähmm „an der politischen Willensbildung der Volkes mitwirken“.

Als der Plan ruchbar wurde, hat man ausgerechnet das Wiefelspützchen, den Innenexperten der SPD, vorgeschickt um das Problem zu erklären und all die Aufgeregten zu besänftigen. Doch wer das Wiefelspützchen jemals erlebt hat, wie er stundenlang über die Bedrohung der inneren Sicherheit durch böse Terroristen fabulieren kann, ohne auch nur das Geringste zur Sache zu sagen, der wusste sofort, dass da irgendetwas faul ist.
Die Sache wurde so rasch dementiert, dass man getrost annehmen darf, dass das ein Versuchsballon war, um die Reaktion der Öffentlichkeit schon mal anzutesten.

Doch vom Tisch ist die Angelegenheit damit noch lange nicht, den für die Parteien besteht akuter Handlungsbedarf für ihre Finanzierung neue Quellen zu erschließen, schmelzen doch die Mitgliederzahlen dahin wie die Gletscher in der globalen Erwärmung.

Mitgliederschwund

Und da auch die schwarzen Kassen und Bimbeskoffer mit den „Wendegewinnen“ unter chronischer Schwindsucht zu leiden beginnen, muss man sich bald was einfallen lassen.

Nur ein „Inflationsausgleich“, wie er im Parteienfinanzierungsgesetz vorgesehen ist wird alleine nicht reichen, auch wenn SPD-Chef Kurt Beck der Presse erklärte: «Wir werden die Prinzipien nicht verändern. Es geht nur um die Anpassung der Staatszuschüsse an die Inflation, die “ab und an notwendig ist“»

Da fragt man sich eigentlich nur, warum sich die Parteien beim „Inflationsausgleich“ für Hartz IV dann so unsäglich schwer tut.
Vielleicht nur, weil es nicht der eigene Geldbeutel ist?

Machopan
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3 Antworten zu “Mitgliederschwund”

  1. mitdenker meint:

    Irgendwie sind Parteipolitiker, so scheint es nicht nur sondern wird aktiv erlebt, grottenschlechte Ökonomen.
    Wen wundert der rasante Schwund der Mitglieder, wenn durch die eigene Politik am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist. Ganz deutlich macht dies die Tabelle der Sozialelendspartei. Das Wunder, wie jemand ohne Einnahmen etwas abgeben soll, ist mir als Atheist vollkommen unklar. Aber das Prinzip scheinen sie ja auf die Gesamtbevölkerung minus natürlich der Leistungsträger rigoros übertragen zu wollen. (Ja, liebe Mitbürger. Null minus 2,50 ist gleich minus 2,50. Das funktioniert aber nur bei Banken und auf dem Papier – niemals in der Realität. Oder hat schon einmal jemand negatives Brot, Butter, Wurst, Äpfel oder gar einen Geldschein mit einem negativen Betrag gesehen?).
    Prima ist auch der deutliche Unterschied der so genannten Volksparteien bei der für die meisten Menschen nicht ganz unerheblichen Unterscheidung zwischen Brutto und Netto.

    Beitragstabelle der SPD
    Bei einem monatlichen Nettoeinkommen sind die monatlichen Mitgliedsbeiträge in €
    bis 1.000 € 5 € bis 8 €
    1.000 € bis 1.500 € 8 € bis 25 €
    1.500 € bis 2.000 € 25 € bis 55 €
    2.000 € bis 3.000 € 55 € bis 135 €
    3.000 € bis 4.100 € 135 € bis 245 €
    Über 4.100 € 245 € und mehr
    Jedes Mitglied stuft sich im Rahmen der zutreffenden Gruppe selbst ein. Der jeweils erstgenannte Beitragswert stellt den erwarteten Mindestbeitrag dar.
    Für Mitglieder ohne Einnahmen oder mit geringfügigem Einkommen beträgt der monatliche Beitrag 2,50 €.

    Beitragstabelle der CDU
    monatliche Brutto-Einnahmen (in Euro) monatlicher Beitrag (in Euro)
    bis 1.000,00 5,00
    bis 1.500,00 5,00 bis 10,00
    bis 2.000,00 10,00 bis 15,00
    bis 2.500,00 15,00 bis 20,00
    bis 3.500,00 20,00 bis 35,00
    bis 5.000,00 35,00 bis 50,00
    über 5.000,00 50,00 und mehr

    Der Clou ist jedoch, dass Parteibeiträge als Sonderausgaben in der Steuererklärung zu 50% angegeben werden können. Auf Deutsch: Die Parteien schmälern nicht nur die Steuereinnahmen des Staates sondern wollen jeden Bürger auch noch einmal in die Tasche fassen. Perfider geht es ja wohl wirklich nicht mehr.
    Ach ja, und während man die Parteienfinanzierung so stärken will – für ALLE Parteien – werden aus dem gleichen Steuersäckel dann Mittel zur Bekämpfung einiger Parteien genommen (siehe oder höre Mügeln).

  2. otti meint:

    Ist das Übel unserer Zeit nicht eher der Gedächtnisschwund der Parteien und der sie tragenden Funktionäre, als der sicherlich bedauerliche, aber größtenteils selbst verursachte Mitgliederschwund?
    Muss nicht gar von einer Gedächtnisstörung ausgegangen werden, wenn ein ziemlich unbekannter Parteivorsitzender einerseits ‘Anstand’ vom Bürger einfordert, aber sich offenbar nicht daran stört, dass HartzIV-Jugendliche nicht genug zu essen haben?
    Deutsche Politik: Politik mit Bart!
    Waschen und schneiden.
    Der Bart muss ab.

  3. bigbang meint:

    @otti Der Bart muss ab

    Neenee, die “Rübe muss runter”!

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